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Die Stimme · 1936-09-30 · Heft 584 (30.9.1936) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 584 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Mfi» 7 f Nr. 684 — Wien, Mittwoch, 30. September 1038 OH tfIMMB Mvs/stysffr ' j mm INIIEir-STIAliUG tit* SüUlcoiU-fest Sukkoth im Kindergarten Von einem unserer jungen Mitarbeiter aus Prag. In der Schule, in die ich gehe, gibt, es wenige Juden, da haben wir wenigem uns au einer Gruppe zusammengeschlossen. Bar Kochba heißt sie. Im Winter lasen wir zusammen jüdische Bücher, auch lernten wir einige hebräische Lieder und sammelten für den Keren Kajemcth. Nun kam zum erstenmal das Sukkothfest für unseren Bund heran und wir beschlossen, es besonders schön zu foiern. Vor allem wollten wir eino prächtigo Sukkah bauen. Das war nicht so leicht. Wo sollte eie stehen? Keiner von uns hatte einen Hof oder Balkon, wo dies erlaubt gewesen wäre. Schließlich erbat ich bei einer meiner Tanten, die noch weiter draußen als ich wohnt, 'die Erlaubnis, in ihrem Garten die Laubhütte errichten zu dürfen. Sie fürchtete, die Jungen würden ihre Beete beschädigen. Wir nahmen uns aber sehr in acht und hielten große Ordnung. , Aber wir hatten uns alles leichter vorgestellt. Die Bretter, die wir aus zerlegten Kistoln gesammelt hatten, waren alle zu niedrig und mußten gestückelt werden. Das war eine Arbeit! Zuerst das Auseinanderstemmen der stark genagelten Bretter, das Herausziehen der Nägel, die nicht krumm werden durften, damit wir sie beim Zusaramensetzen wieder verwenden konnten. Das war die Hauptarbeit. Und die Ivisteln selbst mußten wir aus verschiedenen Geschäften, die oft weiter weg waren, in den Garten schleppen. Endlich standen drei Wände in den Boden gerammt da und wir konnten das Dach aus Zwelgeu befestigen. Vor den Eingang hingen wir Laub- und Papierblumengirlanden, innen hingen wir Kränzo und Bilder an die Wände, von der Decke hingen Trauben lind andere Früchte herunter. Es war großartig. Zuletzt borgte uns die Tante, der die Hütte jetzt auch Freude machte, einen Gartentisch und eine Holzbank. Mit großer Freude weihten wir die Sukkah ein und aßen auch in ihr. Nun hatte ich gelesen, daß der Hausherr auch in der Sukkah schläft. Da ich das Fest richtig ’ feiern wollte — und ich bin der Gründer und' Vorsitzende in unserem Bar Köchbä, beschloß ich, in der Hütte zu übernachten. Die Tante und auch meine 1 Mutter wollten es nicht, denn ich könnte mich verkühlen, sagten sie. Aber ich . bat so lange, und meino Schwester bat auch für mich, daß sie schließlich ja sagten. Ich hatte den Kindern vom Laubhütten-! fest erzählt und von Simehath-Tbora, dem! Freudenfest der Thora, wo man mit dem Lesen der Thora zu Ende ist, und gleich wieder damit beginnt-. Und was ist denn die Thora? — Ein großes, dickes Buch, in dem steht, was der liebe Gott uns befohlen hat zu tun und in dem auch alle Geschicke der Juden aufgezeichnet sind. . Nach den Feiertagen ließ ich mir von den Kindern erzählen, wie es beim Simehath-Thora-Fest gewesen sei. Da meldet sich auch Jozsi: Mir ist zu Hause etwas Schreckliches passiert. Meine Schwester und ich haben den ganzen Leim umgeschüttet und haben schreckliche Haue vom Vater bekommen. Dann waren wir im Tempel. Da bin ich zum Herrn Rabbiner gegangen und habe ihm alles erzählt, wie wir den Leim vergossen haben und was uns dann passiert ist. Und ich habe ihm gesagt, er soll es nicht vergessen und auf sch reiben in die Thora, weil nämlich in der Thora alle Geschicke der Juden doch aufgezeichnet werden. Mit sfUeien und lernen dabei etwas Hebräisch Liebe Kinder: das Spiel, das ich euch heute bringe, ist ein bekanntes Spiel, das aber den Vorzug hat-, daß Ihr weniger Mitspieleri dazn braucht als beim vorigen Spiel. Ich will euch auch verraten, daß ich viele und interessante Spiele in meiner Lade fiir euch vorbereitet habe — ich kann sie aber erst dann bringen, wenn Ihr die wenigen und einfachen Worte beherrscht, die euch durch die Änfängerspiele geboten werden. Also versäumt nicht, die jetzt noch sehr einfachen Spiele zu üben, sonst werdet ihr bei den schwierigeren und interessanten Spielen nicht mitkommen können. Dem Spielveranstalter rate ich noch folgendes: schneide dir den hebräischen Text Text UI. Wasser, Wasser Feuer, Feuer „Und was hat der Herr Rabbiner dazu gesagt?“ „Oh, er hat es mir versprochen.“ Gmti Finali aus, klebe ihn auf ein Stückchen Pappendeckel (Kleister sehr dünn auftragen, sonst zerweicht. das Papier und wirft sich), dieses Kartonblättchen hältst du dann während des Spieles in deiner Hand'und wenn dir oder einem Kameraden ein Wort entfallen ist, wirfst du schnell einen Blick darauf. Außerdem wirst du, wenn du die Kärtchen nett aufhebst, im Laufe eines Jahres eine hübsche Sammlung von Gesellschaftsspielen haben.- . — v •./ II. Spiel: Feuer, Wasser. Ein Mitspieler verläßt den Raum. Nun wird ein kleiner Gegenstand versteckt. Der hinausgegangene Mitspieler ’ wird hereingerufen und sucht den Gegenstand. Je nachdem; er sich ihm nähert oder von .ihm entfernt, rufen die anderen Teilnehmer: Feuer, Wasser,, heiß, kalt usw. Es brennt! wenn er ihn schließlich gefunden hat. Dann kommt ein anderer an die Reihe. Text 1. .D'jS Vfy 'ÜK ' Nachdruck verboten! Text II. Mäjim, Mäjim Esch, Esch Warmes Wasser Laues Wasser Siedendes Wasser Tiefes .Wasser Strenge Kälte Kaltes Wasser Es brennt Mäjim chamim Mäjim poschrim Mäjim rotchim Mäjim amukim Kor gadol Mäjim karim Parzak dlekah ation pö .trpipj'D'Ö ni#I 'T? Lilian Grünwld. Die dumme Henne Am Abend, als meine Freunde gegangen waren, legte ich mich auf die Holzbank zum Schlafen nieder. Meine Schwester hatte zwei Wolldecken gebracht, in die wickelte ich mich hinein. Auch eine Thermosflasche mit heißer Limonade hatto sie hingestellt. „Aber ich werde sie nicht anriihreri“, dachte ioh mir. „Meine Voreltern haben sicher auch nichts Gewärmtes in der Nacht gehabt.“ Das Liegen auf der Bank war schön, von oben blinzelten Sterne durch das Blätterdach, der Wind säuselte und rauschte. Ich konnte aber nicht schlafen. Alles war so ungewohnt, so anders als in meinem Zimmer. So haben dio Storno auch auf meine Awoth geschienen, wio sie die vielen Jahre in der Wüste herumzogen und in Hütten wohnten — wie oft mag (la. ein Wüstenwind voll Sand über sie hingebraust sein und die mühsam aufgoriehteto Hütte umgeworfen haben — dio konnten nicht in ein Zimmer in der Nähe laufen! Wie stark mußten sie gewesen sein, das alles amwsuhalten und währenddessen noch zu kämpfon. Auf einmal bemerkte ich beim Eingang zwei glühend funkelndo Augen. Ich erschrak im onston Moment, dann sah ich, daß cs nur eino Katzo war. In clor Wüste sind wohl auch Tiero mit glühenden Augen des Nachts gewesen: Schakale und Löwen. Wio mochten da moino Awoth gekämpft h&bon? Mit Pfcilon, mit brennondon Fackeln? Meino Gedanken wunderten zwischen 2000 Jahren hin und her. Bin ich nicht eigentlich dabei gowosen — bin ich nicht eigöntlioh derselbe, damals und jetzt, in der Wüßte, Im Sturm und auf hartem Lager? Ernst R (11 Jahre). Ich war noch ganz klein, vielleicht vier Jahre alt, da waren wir zu Besuch auf dem Lande, bei einem alten Generalmajor, und weil kein Krieg mehr war und für ihn nichts mehr zu tun — hatte er eich eine große Hühnerzucht angelegt und kommandierte jetzt ßeino Hühnerregimentor. Sein Garten war in die Hälfte geteilt durch einen hohen Bretterzaun. Eine Hälfte gehörte den Hühnern, die andere den Menschen; und in diesem Teile des Gartens spielte ioh. Ich hatte einen schönen, roten Gummiball bekommen und ioh warf ihn hoch und immer höher. Auf oinnml war er hinübergesaust — in die Hühnerabtcilung! Schrecklich! Was wird der Herr Generalmajor sagen? Er war so streng! Und wenn •oh gar ein Küchlein getroffen und verletzt hätte! Ich rannte den Zaun entlang und bat meine Mutter, mich zu einer, anderen Seite des Gartens zu führen, , wo der Zaun aus Drahtgitter und mit einem Tttrehen versehen wgr. Und nun. schauten wir Beide nach dem Ball aus. Der Boden war weit und breit sandig, ohne Gras und Gebüsch — und doch war keine Spur von meinem Ball zu sehen. „Auf dem Staiklaoh ist er auch nicht...“ Wir ßtanden vor einem Rätsel und außerdem war mein schöner Ball weg. Jetzt beteiligte sich auch mein Vator. an der Suche. Wir gingen im Illlhnerliof hin und her lind kamen schließlich zu einer großen, weißen Henne, um die sieh viele Küchlein geschart hatten. Unser Nähertroton scheuchte die Gluckhenne auf, sie flatterte ängstlich davon — und mein Ball rollte unter ihren Flügeln hervor! Als ich meinen wiedergefundenen Ball in die Hand nahm, war er noch ganz warm. Was war geschehen? Die dumme Henne hatte meinen Ball für ein besonderes Ei gehalten und ausbrüten wollen. — Da hätte sie sich lange plagen können. Helene G. Jüdisches Jugendbuch (6. Jahrgang des Jüdischen Jtigendkafenders). Im Jüdischen Verlag, Berlin, gibt Rabbiner Dr. Emil Bernhard Cohn den neuen (VI.) Jahrgang des Jüdischen Jugend“ budies heraus, das früher unter dem Titel ,,J ii d i s eher J u g e n d k a 1 e n d e r“ erschien. Dem Buche liegt ein zweifarbiger Wandkalender bei. Der Inhalt des diesjährigen Jahrganges ist ebenso reichhaltig wie der dev früheren. So erscheinen mehrere spannende Erzählungen des Herausgebers, zum Beispiel die von der Entdeckung Amerikas'.durch Kolumbus und seine jüdischen Begleiter, dann eine Geschichte aus ■ dem jüngsten Araberaufstand. In Palästina, „Land in Aufruhr“. Zu erwähnen sind ferner besonders interessante Erinnerungen an Heinrich Heine und an die ersteh Anfänge der neuhebräischen Bewegung in Berlin vor vierzig Jahren. Das Jugendbuch ist wie stets mit zahlreichen Bildern geschmückt, Preis RM 2.50. Rätselecke Das. große Preisrätsel: Dies ist das dritte Bild des großen Preisrätsels. .Schreibt darunter den Namen der Person, die dargesteilt' ist, und zwar links mit deutschen, rechts mit hebräischen Lettern. In jeder weiteren Nummer der „Kiuder-Stimme“ erscheint ein weiteres; Bild. Wer die richtigen Lösungen von allen (15) Bildern einschiickt, kann, einen »schönen Preis gewinnen: 1. Preis: Ein Photoapparat. 2. Preis: Ein Buch. 3. Preis: Schallplatte mit dem Eraek-Lied. 4. Preis: Ein Quartettspiel: - Große Männer des jüdischen Volkes und noch viele Trostpreise. (In der vorigen Nummer sollte es ian Text unter dem Bild heißen: Schaut euch den Brusts child — und nicht -bild — gut an.) ,2 h; Es tritt mich manche Stunde Des Müßiggängers Fuß, Und doch heil’ ich die Wunde Von Riß und Schnitt und Schuß. . * Scherzfragen: Welches Bett hat keine Federn? Wieviel Erbsen gehen in ein Litermaß? Warum ging Moses durch das Rote Meer? Wieviel Buchstaben stehen in der Bibel? Biblisches Rätsel Etwas für unsere bibelfesten Kinder zum Nachdenken 2. Welcher Vater verurteilte seinen einzigen Sohn zum TodeJ Auflösung des Bilderrätsels aus der vorigen Nummer: TISCfi-RI. Briefkastens J. Herrmann: Danken wir für den Beitrag, den wir leider wegen Raummangel nicht bringen konnten. Helene Berg, Lea Sonne: Sie mögen recht haken. Andenseits lesen die 18- bis 18jährigen ohnedies bereits die ganz© Zeitung-, in der sie viel jüdisches und zionistisches Gut voründen.

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