Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 584 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 684 — Wien, Mittwoch, 30. September 1036 Oll STIMME Salt« 3 Freddie Bartholomen) in .Der kleine Lord' Ur- und A11 e i n a u f f U h r u n g Rotenturm-Kino ... Ein UnKed Artlstis-Fllm bei Dr. Hauser & Co. | Josef Schur: Trauriger Jom Kippur in Deutschland Prag, 28. September. (JTA.) Der Jom Kippur verlief für die Juden in Berlin und im übrigen Deutschland in einer sehr gedrückten Stimmung Die Tatsache der Verhaftung von vier hochangesehenen jüdischen Führern, die auf Äußerungen derselben während der Rosch- Haschanah-Tage zurückgeführt werden, ließ die Befürchtung aufkommen, daß im Verlauf des Versöhnungstages weitere Verhaftungen erfolgen werden. Man wußte, daß in alle Synagogen Gestapoagenten entsendet wurden, um den Gottesdienstes und den Predigten beizuwohnen und im Bedarfsfälle „einzuschreiten“. Man befolgte allseitig stillschweigend die Parole, äußerste Selbstzucht walten zu lassen, um den Agenten keinen Anlaß zum Einschreiten zu geben; man war sich klar darüber, daß jedes Wort in einer Predigt oder ein sonstwie gesprochenes Wort, das auch nur den geringsten Anlaß zu Mißdeutungen geben könnte, sich verhängnisvoll auswirken würde. In mehreren Provinzstädten wurden gerade am Jom Kippur Ausstellungen mit dem Motto „Weltfeind Nr. 1“ eröffnet; es marschierten uniformierte SA-Truppen unter judengegnerischen Ausrufen durch die Straßen, auch wurden öffentliche antijüdische Propagandaversammlungen abgehalten. Jung bleiben ist besser als verjüngen. Jung bleibt, wer seinen Körper richtig pflegt. Tägliche Massage mit DIANA- Franzbranntwein mit Menthol regt den Blutkreislauf an, stärkt Muskeln und Nerven. DIANA-Franzbranntwein ist seit Jahrzehnten in seinen Erfolgen anerkannt. 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Er legt den Inhalt der Protokolle der nichtjüdischen Öffentlichkeit vor, und er beweist Abschnitt für Abschnitt, Kapitel für Kapitel die Echtheit dieser Protokolle, Er beweist sie an Hand der biblischen Verheißungen, an Hand der talmudischen Gesetze, an Hand der jüdischen Gebete, an Hand gefundener Dokumente und an Hand der Wirklichkeit.“ Kaufet SCHULBÜCHER neu und antiquarisch in der BÜCHERSTUBE RÄTH&Co. Wien, II.« Taborstraße 80 a. Tel. R 45-305 Bnfcauf und Umtausch ant. Bücher xu höchsten Preisen. Moderne Leihbibliothek. Alle Neu- > erscheinungen. Monatsgebllhr l S3*10. Keine BandgebUhr, täg- 1 Hoher Umtausch oder Monatsgebühr S 1*60 und 10 g BandgebUhr. Moder« nes Sortiment und Antiquariat JUDAICA UND HEBRAICA Die schönsten Bar Mizwah-Geschenke' Rabbiner Dr. Kaminka teilt uns mit, daß er auf seinen in der Jom-Kippur-Nummer der „Stimme“ erschienenen Artikel von gegnerischer Seite einen ausführlichen Brief erhalten hat. Er erklärt eich bereit, mit dem Briefschreiber, falls er sich bei ihm meldet, über dae Thema Rücksprache zu pflegen. Auf mehrere Anfragen unserer Abonnenten teilen wir mit, daß weder Herr nach Frau Lumer Juden sind, Dizengoffs Tod Tel-Aviv, am 24. September. Der Jischuw und mit ihm das gesamte Judentum hat einen schweren Verlust erlitten: Dizengoff lebt nicht mehr. Als gestern früh dio Schreckenskunde die Stadt durch eilte und die Zeitungen mit breiten schwarzen Rändern erschienen, herrschte überall Bestürzung und tiefste Trauer. Die Nachricht kam nicht überraschend; seit Tagen wußte man, daß er um sein Leben ringe, seit Wöcnen, daß seine Tage gezählt seien, seit Monaten, seit seiner schweren Erkrankung im Frühjahr 1935, daß er vom Tode gezeichnet ist, und * doch kam die Nachricht für alle erschütternd; denn die ganze Bevölkerung hatte gehofft, daß, so wie vor 1A Jahren, ein Wunder geschehen und die kräftige Konstitution des Patienten den Sieg über den Malach-Hamoveth davontragen werde. Leider ist es anders gekommen und so liegt es uns nun ob, ihm einen würdigen und ehrenden Abschied zu bereiten und hernach Kaddisch zu sagen wie um einen Vater. Gestern schon sind rund 40.000 Menschen in endlosem Zuge an dem Katafalk, der im Museum aufgebahrt war, vorübergezogen und haben sieh von ihrem Bürgermeister verabschiedet. Diese stille, eindrucksvolle Prozession dauerte von 10 Uhr vormittags bis in die späten Abendstunden, wobei die Schlange der Wartenden zeitweilig länger als einen Kilometer war und sich durch mehrere Straßen erstreckte. Heute herrscht eit dem frühen Morgen reges Leben; aber nicht in die Geschäfte und Fabriken geht es. sondern zum Museum (das bekanntlich Dizengoffs Schenkung an die Stadt und mit seinem Wohnhaus verbunden ist), zum Bürgermeisteramt (Irijah), zu den Straßenzügen, die diese Gebäude miteinander verbinden und endlich zum Friedhof. Tel-Aviv begräbt seinen Bürgermeister Eine wogende Menschenmenge füllt die Straßen, blau-weiße Fahnen mit schwarzem Flor wehen von jedem Geschäftshaus, jedem Institut und von den meisten Privathäusern. Die Straßmlampen sind in schwarzem Flor eingehüllt und von fas-t allen Schaufenstern blickt das Gesicht Dizengoffs aus schwarzem Rahmen hervor. Noch gestern abends hatten alle Geschäfte plötzlich schwarze Sachen in die Auslagen gestellt: schwarze Taschen, schwarze Hüte, schwarze Kleider, schwarze Schuhe usw. Und finster war es in den Straßen der sonst bis spät in die Nacht hinein sehr hellbeleuchteten Stadt; waren doch alle Lampen umflort und alle Kaffeehäuser und Vergnügungslokale gesperrt. Die Autobusse fuhren nur bis 11 Uhr nachts. Heute war der Autobusverkehr nur bis K10 Uhr vormittags aufrecht und die Geschäfte schon von 9 Uhr gesperrt Der Leichenzug war nach Dizengoffs eigenen Verfügungen geordnet. Zuerst kamen die Polizisten, dann die Schulkinder und dann die zahlreichen Jugend verbände in Uniform, die Sportklubs und jüdischen Matrosen (von der „Tel-Aviv“) und die Feuerwehr und Chauffeure der Autobuskooperativen, Deputationen der Frauenorganisationen, die Stadträte und Honoratioren und dann Rabbiner und auswärtige Konsuln mit ihren Dragomanen, darunter auch der österreichische Konsul, dazwischen immer einige Feuerwehrleute und Helfer vom Magen David Adom. Hunderte Blumenkränze wurden getragen, mit den verschiedensten Aufschriften — wie „Dizengoff Avi Tel-Aviv!“, „Nassi Jisrael!“ und in den verschiedensten Formen als Magen David usw. überall sein Bild, umrahmt von grünen Kränzen. Schulkinder standen Spalier. Es herrschte musterhafte Ordnung und Disziplin. Die ganze Stadt hatte ihrem geliebten Bürgermeister das letzte Geleite gegeben. Vor jede? Synagoge hielt der Zug zum Gebet für den Toten. Erst um Al Uhr erreichte der Zug den Friedhof. Bei der Bestattung wurden auf ausdrücklichen Wunsch keine Reden gehalten. Dizengoffs letzte Taten Um Dizengoffs Persönlichkeit gerecht zu werden, möge man an zwei Ereignisse der letzten Zeit denken. Erstens: an die letzten Stadtratwahlen in Tel-Aviv, zu welcher Zeit der Parteihader, der bis zum Ausbruch der Unruhen den ganzen Jischuw zerrissen hat, jedo Arbeit im Gemeindeamt Tel-Aviv unmöglich zu machen drohte. Dizengoff hatte damals auf keiner Parteiliste kandidiert, sondern nur als Einzelperson, was ihm seitens der bürgerlichen Parteien sehr verübelt wurde, da er nach , ihrer Meinung die Stimmen zersplittert habe. Es stellte sich aber Wahlergebnis von allen Parteien gewürdigt und er wurde sowohl von den sieben bürgerlichen als auch von sieben sozialistischen Stadträten einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Die Wahlen für alle anderen Verwaltungsposten waren ergebnislos, da sich stets sieben gegen sieben Stimmen gegeni Überstunden. Dizengoff aber verteilte alle) Posten gerecht, nach Eignung und nicht nach der Partei der Bewerber und es ist nur seiner einzigartigen Persönlichkeit zu danken, daß in den jetzigen schweren Zeiten die Stadtverwaltung Tel-Avivs so klaglos funktioniert. Zweitens muß man an die offenen Briefe erinnern, die Dizengoff während der Unruhen über die Schuld der Palästina-Regierung geschrieben hat. Niemand hat es gewagt, so mutig seine Meinung über die jetzige Situation auezuspreohen, niemand hat der Kolonialbürokratie so derb die Wahrheit gesagt und von niemanden hätten solche Worte starkes Aufsehen erregt. Mut Im Kampf, Mut In der Arbeit Mut war überhaupt eine hervorstechende Eigenschaft Dizengoffs, den er oft bewiesen hat, auch im Weltkriege gegenüber den Türken und vor allem 1909 bei der Gründung Tel-Avivs, der ersten jüdischen Stadt. Jüdische Gemeinden und Gemeinschaften gab es schon oft. Sie waren aber entweder zu klein oder wurden bald zu gemischten Gemeinschaften. Dizengoff hat aber die hundertprozentige jüdische Stadt geschaffen und durch 27 Jahre geführt und hat damit der ganzen Welt bewiesen, daß auch Juden ganz große und imposante Gemeinden bilden können; sogar aus dem Nichts, aus dem Dünensand. Was uns leider in ganz Palästina noch nicht möglich ist — dank der Fürsorge des Colonial Office — hat Dizengoff in vollem Maße. in Tel-Aviv verwirklicht, dank seiner aufbauenden technischen Kleinarbeit, die er stets unermüdlich geleistet hat. Die Geschichte seines Lebens seit der Entstehung Tel-Avivs ist gleichzeitig die Geschichte. Tel-Avivs. So innig verknüpft war er mit seiner Schöpfung. Er hat es noch erlebt, daß der jüdische Hafen in Tel-Aviv gegründet wurde und als er damals sein „Schechejanu“ sagte, wußten alle Anwesenden, daß dies die letzte Freude seines Lebens war. Er wußte dies auch und wenige Wochen nachher hat er sein Begräbnis so angeordnet, wie es heute stattfand. Sein Andenken wird ewig in uns leben und wird von uns am besten geehrt durch Arbeit fürs jüdische Volk und seine Heimkehr in das Land seiner Väter. Gesegnet sei das Andenken Dizengoffs! heraus, daß seine Handlungsweise für einen, Bürgermeister, der völlig unparteiisch sein' dor Soe 1 eugeJäehtniefeier~ der soll, die richtige war. Dies wurde nach dem i Verstorbenen genannt. Die Teilnahme der Exekutive Jerusalem, 27. September. Die Exekutive der Jewish Agency in London hat an die Jewish Agency in Jerusalem folgendes Telegramm gerichtet: „Tief erschüttert durch den Hingang eines der Ersten im Jischuw und der zionistischen Bewegung. In der Geschichte des Aufbaues des Jüdischen Nationalen Heimes wird der Name Dizengoff ewig weiterleben. Die Exekutive drückt der Stadt Tel-Aviv und dem ganzen Jischuw ihre tiefempfundene Teilnahme über den schweren Verlust, der sie getroffen hat, aus.“ Beileid des Oberkommissärs Der High Commissioner hat Moeche S h e r t o k ersucht, dem Jischuw seine tiefe Teilnahme an dem großen Verlust auszudrücken, den er durch den Tod Dizengoffs erlitten hat. „Was er geschaffen hat“, erklärte der High Commissioner, „bleibt a 1 s Denkmal für seinen Namen.“ Die Trauer in Wien In den Wiener jüdischen Kreisen wurde die Nachricht vom Ableben Dizengoffs mit tiefstem Schmerz aufgenommen. Alle zionistischen Verbände veranstalteten Trauerkundgebungen; an den Häusern, in denen zionistische Institutionen untergebracht sind, sah man Trauerfahnen. Der Zionistische Landesverband Österreichs sandte ein Kondolenztelegramm nach Tel-Aviv, in dem es heißt: „Wir sprechen unser schmerzliches Beileid aus anläßlich des Todes des Erbauers der ersten jüdischen Stadt, eines der Schöpfer des Jischuw.“ In verschiedenen Synagogen wurde bei Name des Richtige Einkaufstelle für SCHULBÜCHER für alle Lehranstalten. Reichhaltige Auswahl antiquarischer Lehrbücher zu mäßigen Preisen. Einkauf, Verkauf u. Umtausch Antiquariat Herrn. WliN, II., ECKE TABORSTRASSE 52 FÜR AUSKÜNFTE: TEL R 41-4-20 ZUFRIEDENSTELLENDE BEDIENUNG T UCHNER Beileidsdepesche Dr. Friedmanns Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, sandte namens des Präsidiums folgende Beileidsdepesche an die Stadtverwaltung Tel-Aviv: „Die Juden Wiens beteiligen sich an eurem* Schmerze über den Tod eines der Großen unserer Generation, des Gründers' der ersten jüdischen Stadt in unserem Lande, ihres Leiters und Führers Meir Dizengoff.“ Herbstneuheften In allen Modefarben Schilling 9‘80, 12'-, 15‘- Feinster HaarfiiZ 19*-f 23'-, Biber 28*- II., Taborstraße 39 XIV., Sechshauserslraße 39 XVII., Kalvarienberggasse 34 Ein Dokument Jerusalem, 26. September. . Die hebräische Presse veröffentlicht heutei ein Dokument, das der verstorbene Dizengoff -am 12. Juli niedergesohrieben hat. Nach den einleitenden Worten „der Gedanke an den Tod drückt mich nicht nieder, die Stunde ist gekommen, meine Rechnung mit dem Leben abzuschließen“, gibt er Anweisung, daß seinen Begräbniszug Kinder führen mögen — die Liebe zu Kindern war eine seiner hervorstechenden Eigenschaften —, denen Jugendliche folgen sollen, an die sich erst der allgemeine Zug anschließen solle. Er fügt hinzu, daß er nicht dem Ruf der Krankheit weiche, sondern der Stimme von,oben folge. Der König von England fee/ Professor Neumann König Eduard Vlll. hat bei seinem Aufenthalt in Wien den Professor Dr. Heinrich von Neumann, Vorstand der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik, täglich besucht. Die Aussprache dauerte immer 1% bis 2 Stunden, Am Tage vor der Abreise hat der König den Gelehrten mit dem Auto aus der Wohnung abgeholt und in seine Klinik geleitet. Professor von Neu mann war auch vom König zur Abreise auf den Bahnhof geladen.