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Die Stimme · 1936-09-30 · Heft 584 (30.9.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 584 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 OIE STIMME Nr. 584 — Wien, Mittwooh, 80. September 1036 5X\\\\\\\\\\\\\\\m I OPTIKER I (KARL SEIDNER Orig. engl, und franz. Stoffe “ rTudihaus Tabak T., Salzgries 5 Herbst-Naunslton für Damen- und Harran Zeitgemäß billig I I., Franzdoiefs-Kal 33 II., Hollandstraß« 7 Fachmännischer Rat Reiche Auswahl Beste Qualität Preiswert ^\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\^ Um die Kultusgemeinde - um Oesterreichs Juden In knapp sechs Wochen werden die Wiener Juden einen neuen Kultus Vorstand zu wählen haben. Wenn man zur Wahlurne geht, hat man sich zwei Fragen vorzulegen: War man mit dem bisherigen System zufrieden und was möchte man in Hinkunft Neues haben? Die Antwort auf die erste Frage ist in diesem Falle durch unwiderlegliche, greifbare und ziffernmäßig beleuchtete Tatsachen gegeben. Die Kultusgemeinde wurde von der zionistischen Mehrheit vorbildlich geführt, sie hat den Haushalt in Ordnung gebracht und in Ordnung weitergeführt, sie hat die Fürsorgetätigkeit außerordentlich erweitert, sie sorgt für die jüdische Erziehung der Kinder und sie hat sich in jeder Beziehung zu einem zentralen Punkt des jüdischen Lebens in Österreich entwickelt. Als vor einigen Monaten das Budget der Gemeinde der Öffentlichkeit bekanntgegeben wurde, erfuhr man ausführliche Einzelheiten über die Leistungen der Gemeinue. Kein Gebiet des jüdischen Lebens wird von ihr vernachlässigt, überall arbeitet sie mit größter Aktivität für das österreichische Judentum. Eine bessere Gemeindeverwaltung ist kaum denkbar. Bei der Beantwortung der zweiten Frage aber, was man anders haben möchte in der neuen Gemeindevertretung, -wird der Wähler wieder nur eine Antwort geben können: Diese Gemeinde n^u ß in ihrer zionistischen. Basis ausgebaut werden. Es hat in der alten Gemeindevertretung störende Elemente gegeben, denen nichts recht war und die schließlich, weil man sich dem Willen der Minderheit nicht beugen wollte, die Sprengung der Gemeinde versuchten und sieh nicht schämten, beim Magistrat der Stadt. Wien die Einsetzung eines Regierungskommissärs und damit die Aufheb u n g d er Antonomieder einzigen öffentlich-rechtlichen jüdischen Körperschaft zu beantragen. Die Denunziationen, die sie beim Magistrat vorbrachten, wurden von diesem gebührend erledigt. Sie haben aber weiter keine Ruhe gegeben, sie haben sich in einem Rekurs mit denselben Denunziationen an die Regierung gewendet, sie haben alle Denunziationen in ihrem Blatt wiederholt, sie klammern sich krampfhaft an ihre Ltig e n. Diese Menschen dürfen nicht wieder in die Kultusstube omziehen. Daß ist daß Neue, was man von der kommenden Gemeindevertretung erwartet. Naumann- Juden haben nicht das Recht, in jüdischen Angelegenheiten mitzusprechen. Menschen, die das Judentum seinen Gegnern ausliefern wollen, müssen aus dem jüdischen Gemeindej leben entfernt werden. Daß ist das eindeutige Gebot der Stunde, das ist die klare Antwort, die sich der Wähler auf die zweite Frage geben muß. Es lebt in den Juden eine tiefe Sehnsucht nach Einigung. Eino Einigung ist aber naturgemäß mit einer Gruppe nicht möglich, deren Hauptprogramm die v e r s ö h T edene Qualifizierung der Juden ist. Sie sprechen allen denen, die nicht bei ihnen organisiert sind, die staatsbürgerliche Treue ab und sie scheiden die Juden nach ihren Herkunftsländern. Sie leugnen die Schicksalsgemeinschaft d e r J u d e n, sie nehmen nicht zur Kenntnis, daß diese Schicksalsgemeinschaft uns allen täglich neu bestätigt wird. Wenn sie von Juden sprechen, meinen sie nur sich selbst Es sollen einmal diejenigen, die von formalen Einheitslisten schwärmen, die Antwort ruf das Problem geben, wie man eich mit einer Gruppe einigen soll, die von vornherein die Ausscheidung einer großen Anzahl von Juden aus der jüdischen „Einigkeit“ verlangt. Eine „Einigung“ auf Z w e iteilung der Judenschaft, eine „Einigung“ auf Disqualiflziertrag eines Teiles der Wiener Judenschaft: das wäre erst die richtige, das wäre die katastrophale Zerreißung des Judentums von Wien. Wer die Einigung der Juden haben will, muß also wiederum logiseherwei.se darnach streben, daß diejenigen aus dem jüdischen öffentlichen Leben ausgemerzt werden, die keine n n d e r e Sorge h a b o n. als die Sprengung des Jtident u m s. Eine wirkliche jüdische zentrale Repräsentanz ist nur ohne die Naumann-Juden, ist nur im Zeichen des Zionismus möglich, der allein den Grundsatz der Sehicksalsgenicinschaft aller Juden ohne jeden Unterschied vertritt. Man halte sich das Beispiel Deutschlands vor Augen. Die Reichsvertretimg der Juden Deutschlands konnte erst Zustandekommen, als die Naumann-Juden endgültig ausgeschieden waren. Es wird in Österreich auch nicht anders gehen. Die Kultuswahlcu vom 8. November bieten die Möglichkeit, den ersten großen Schritt auf dem Wege zur Schaffung der jüdischen Repräsentanz zu tun. Die österreichischen Naumann-Juden haben sich in ihrer blinden Wut gegen den Zionismus aus dem jüdischen Leben-Wiens selbst ausgeschaltet; Sie haben gehofft, auf dem Weg über die Zerschlagung der Autonomie der jüdischen Gemeinde Wiens Herren der Gemeinde werden zu können. Sic haben vom Magistrat die gebührende Antwort bekommen. Jetzt müssen die jüdischen Wähler Wiens ihre Antwort geben. Sie haben sich an sg o s c h a 11 e t und sie müssen für immer a fl s g e s c h a11 e t bleibe n. Caf* Versuchen Sie Im Johann Strauß Kai Eine „Alt-Wiener Jause*' Bridge-Salon / Billardsaal / nlubräume / Kejelbahn Kalte und warme KUche, Bier und Wein vom Faß, bürgerliche Preise Heftige Kämpfe bei Jenin Die „United Preß“ meldet aus Jerusalem, 25. September: Eine sohwerbewaffueto Araberbande machte gestern bei Ja.ba in der Nähe von Jenin einen überraschenden Angriff auf zwei Abteilungen englischer Soldaten. Es entstand ein ungewöhnlich heftiges Gefecht, in dem 44 Araber getötet oder verwundet wurden. Sechs englische Flugzeuge griffen entscheidend in den Kampf ein. Sie warfen Bomben ab und nahmen die Aufrührer unter Masohinengewehrfeuer. Die Mehrzahl der arabischen Verluste ist auf das Konto der Flugzeuge zu setzen. Die Angreifer zogen sieh erst nach mehrstündigem Gefecht zurück. Auch eine Abteilung englischer Kamerun- Truppen, die von Jerusalem nach Hebron unterwegs war, wurde von Arabern überfallen. Der Kampf zog sich bis in die späten Abendstunden hin, obwohl auf englischer Seite Verstärkungen hinzugezogen ward ein Die Höhe der arabischen Verluste konnte infolge des Einbruches der Dunkelheit nicht festgestellt werden. Auf englischer Seite wurde nur ein Offizier leicht verwundet. Mittlerweile erwartet man in Palästina, daß von den unabhängigen arabischen Staaten im Namen des Königs Ghazi von Irak, Ibn Sauds vom Hedschaß und deß Imam vom Vemon an die Araber des englischen Mandatsgebietesein Appell gerichtet wird, den Streik und die autiengliöchen Terroraktionen baldigst e in z-u s t e 11 en. Wie verlautet, hat der Konsul von Irak in Haifa bereits einen Vermittlungsversuch zwischen der Mandatsregierung und den Arabern unternommen. Ob dieser Schritt ein Ergebnis gehabt hat, ißt bisher noch nicht bekannt gewesen. Die Schlacht bei Nablus London, 25. September. (JTA.) Die Blätter veröffentlichen Einzelheiten zu den aus Jerusalem gemeldeten blutigen Kämpfen in verschiedenen Teilen Palästinas am 24. d. Bei Nablus wurden schottische Füsiliere von arabischen Aufständischen überfallen. Nach einem längeren Gefecht, in dem die englischen Truppen von sechs Kampfflugzeugen unterstützt wurden, konnten die Araber in die Flucht geschlagen werden. Vierundfünfzig Araber blieben tot auf dem Platze. In einem weiteren Kampfe an den Safed-IIiigeln in Galiläa wurden vierzig Araber getötet. Nach einem (^erficht ist der Bandenführer F a u z i bei diesen Kämpfen verwundet worden. Deutsche Gewehre Haifa, 26. September. (JTA.) Eine englische Truppe, unterstützt von englischen Flugzeugen, hatte in der Gegend von Nablus ein scharfes Scharmützel zu bestehen, in dessen Verlauf die Araber schließlich unter schweren Verlusten in die Flucht gejagt wurden. Die Engländer machten etwa tOO Gefangene, bei denen inan Waffen modernster Konstruktion und reichsdeutschen Ursprungs fand. Die finanziellen Schäden der Unruhen Jerusalem, 25. September. (JTA.) Die Ausgaben der Palästinaregierüng für Polizei und Gefängnisse sind nach der soeben veröffentlichten Rechnungslegung um 10.000 Pfund gestiegen, die Ausgaben für Landesverteidigung zeigen zum erstenmal eine Höhe von über 40 000 Pfund. Im ganzen betrugen die Einnahmen der Regierung in den Monaten April bis August 1.63 Millionen Pfund, die Ausgaben einschließlich der MHitärkosten 1.62 Millionen Pfund. Der Uberschuß beläuft sich gegenwärtig auf 6.28 Millionen Pfund, Die Unruhen und die Orangenernte Eine Meldung der Telegraphen-Kompagnie aus London, 25. d., besagt: In den politischen Kreisen von Jerusalem erörtert man neuerdings wieder die verschiedenen Stimmungen innerhalb der arabischen Bevölkerung. Diese werden im Augenblick stark durch die für November bevorstehende Orangenernte beeinflußt. Bleibt es bis dahin bei dem Streik, dann wird die Verwertung der gesamten arabischen Orangenernte fraglich. Ähnlich verhält es sich mit der Stimmung im jüdischen Lager, da auch die jüdischen Orangenplantagen ihre Früchte nicht abernten können, wenn es an Arabern hiezu gebricht. In die politischen Erörterungen ist so ein wirtschaftliches Moment hineingetragen worden, dessen Rückwirkungen im Augenblick allerdings noch nicht abzuschätzen sind. im Jahre 1931 durch den sogenannten' MacDonald-Brief anerkannt — den Juden Staatsländereien zur Verfügung zu stellen. Bis heute haben wir nur Versprechungen erhalten. Im Jahre 1921 hat die Palästina- Regierung im Beisan 250.000 Dtinam an Beduinen abgegeben, die bis heute nichts damit anzufangen wissen. Und jetzt hat. sie dem reichen Effendi Dajani 10.000 Dunam geschenkt, auf denen man tausende Juden hätte ansiedeln können. -Was nicht hindert, daß maßgebende englische Kreise noch immer von den „armen, depoßsedierten Arabern“ reden, die von den bösen Juden verdrängt werden. VPTIKER RUDOLF HAAS & COMP. WIEN,II.,PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK TANZINSTITUT RABENSTEINER I., Parkring 16 (Klncang Hegclgasße ö) Telephon R 21-8-20 KURSE BEGINN FÜR ANFÄNGER (Junioren): Freitag, den 2. Oktober 1936, 7 Uhr abend» ’ BEGINN FÜR FORTGESCHRITTENE (Junioren und Senioren): Mlttwodi, 7. Okt., 7 Uhrabds. BEGINN DER KINDERKURSE (für Kinder von 6 bis 12 Jahren): Sonntag, 11. Okt., 2 Uhr nachm. KURSTAGE: Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag — AUSKÜNFTE und Einschreibungen täglich PERFEKTIONEN: Jeden Sonn- und Feiertag von 7 bis 11 Uhr abends Jazz-Kapelle: „ELITE-KIDDIES" Einzelstunden u. GesellschaFtskurse zu jeder Tageszeit —- Saalvermietung für Vereine u. Festlichkeiten Noch mehr Boden für die Effendis Einige Tage vor Ausbruch der Unruhen in Palästina erhielt der Chef der reichen arabischen Familie Dajani, Hassan Sidki Dajaui, eine Landkonzession .zur Kultivierung von 10.000 Dunam ijn Tale Jericho. Dieser reiche Effendi war dann Präsident des Streikkomitee« und kam als erster ins Konzentrationslager. Der ganze Boden des Jericho-Tales, etwa 125.000 Dunam, gehört dor Regierung. Er ist von schwarzen Beduinen besetzt, die vor einigen Generationen aus dem Sudan oinwandorten. Abgesehen von einem kleinen Streifen, den die Palostino Potash Company benützt, liegt das Land brach, obwohl es fruchtbaren Boclen hat. Und diesen Boden hat die Regierung nun dem reichen Effendi Hassan Sidki Dajani geschenkt. Er hat sich prompt revanchiert und den Terror arrangiert. Die Palästina-Regierung ißt durch den Mandatsvortrag verpflichtet —- und hat cs' Orangen gegen Orangenkisten Wie der „Internationale Holzmarkt“ meldet, orientieren sieh die Importeure itt Palästina immer mehr in der Richtung einer Neuorganisation im Sinne der Kompensation von Kisteneinfuhr mit OrangenaiU:- fuhr. Dio Orangenernte in Palästina wird für diie Kampagne 1936/37 auf rund 10 Millionen Kisten geschätzt. Von diesem Orangencjuantum dürften 8 Millionen Kisten zur Ausfuhr gelangen. Zur Deckung dieses Bedarfes sind bereits über 4 Millionen Kisten in Palästina selbst greifbar, größtenteils zurückgeblieben aus der vorjährigen Kampagne, da diese infolge der vorjährigen schlechten Ernte nicht zur Gänze benützt werden konnten. Auf das noch benötigte Restquantum von 5 bis 6 Millionen Kisten hat bereits Polen 3 Millionen Kisten abgeschlossen, und zwar ausschließlich auf Grund von Kompensationen im Verhältnis von 15.000 Kisten Orangen (zu Kistenteilen für 100.000 Kisten) und zu ausgezeichneten Preisen von 9% und 10)4 Pence per Kiste. Rumänien bietet Einfuhrbewilligung auf 10.000 Kisten Orangen gegen Kistenteile für 100.000 Orangenkisten Dieses Verhältnis wird jedoch von den palästinensischen Interessenten als ungenügend angesehen, so daß ein Abschluß mit Rumänien noch nicht zustande gebracht werden konnte. Heilanstalt Dr. Hauser für Rheumatismus, Gicht, Gelenks- und Nervenkrankheiten Isdiias-Sdinellkur Wien, I., Schottenring 17, Tel. A 17-0*66 Aliance Israelite über die Nürnberger Reden In einer Protesterklärung der Pariser Alliance Israölite Universelle gegen die Haßreden ln Nürnberg heißt es unter anderem: „Stalin ist ebensowenig Jude wie es sein Vorgänger Lenin gewesen ist. Nicht die Juden haben den Bolschewismus geschaffen, dem dagegen der deutsche Genera 1s t a b zum Sieg verholten hat, indem er Lenin nach Rußland befördern ließ. In Spanien sind die Juden von verschwindender Zahl und ohne Einfluß. Vollständig renoviert and vergrößert Cafe Buchsbaum II., Kleine Pfarrgasse 21, Tel. A 43 549 Ausführung: Architekten Ing. i. Rlndler, Ing. L Sdtlelen Die Sehenswürdigkeit in der Leopoldstadt Lüge und Aufreizung New York, 28. September. Das American Jewish Comittee erließ eine vom Präsidenton Dr. Cyrus Adler und dem Vorsitzenden dee Exekutivkomitees Sol M. S t r o o c k Unterzeichnete Erklärung, in der an Hand von zitierten Dokumenten den auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP, aufgestellten Behauptungen, daß Judentum mit Kommunismus identisch sei, mit Entrüstung entgegengotreten wird. Man greift, so heißt es in der Erklärung, unter dom Deckmantel einer Attacke gegen den Kommunißmuß in Wahrheit den Weltfrieden an; die Nürnberger Reden seien nichts anderes als ein Gemisch von Lügenhaf* tigkeit und Aufreizung. Im Beth-Hamidrasch D1"I3N bflK IX., Grüne Torgas*e 28, wird rHätP TÖtS? 22. TDchri 5697, 8. Oktober 1986, um 6 Uhr früh (n&Otftl) wegen TSltt und um %9 {Jhr früh gebetet«

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