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Die Stimme · 1936-09-25 · Heft 583 (25.9.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 583 (25.9.1936)
Date
1936-09-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«•!»• 4 Olf STIMM! Nr. 583 — Wien, Freitag, 25. 'September 1336 tAus Anlaß des Neujahrsfestes sind mir so viele Glückwünsche zugekommen} daß idi außerstande bin, sie alle zu beantworten. Idt erwidere daher auf diesem Wege aUe GlüdCwiinsdie herzlidist. 7)r. Oskar Grünbaum R. Jzhudä Löw B*n Bezahl*): 1/0** du QewißUcit du Sd&süug. Aus dem Hebräischen übersetzt angedeutet, indem sie im Midrasch den Vers (1. Mos. J5I13): „Und er sprach zu Abram: Wissen sollst du, gewißsein..so mislegten: „,Wissen soüst du', daß ich sie zerstreue, 'gewißsein’, daß ich sie zusammenbringe, 'Wissen sollst du*, daß ich sie verpfände, 'gewißsein’, daß ich sie freihole. 'Wissen soüst du’, daß ich sie verknechte, ‘gewißsein’, daß ich sie auslöse." ‘Wissen sollst du’ deutet ihnen auf die Galut, ‘gewißsein’ auf die Erlösung. Unser gegenwärtiger Zustand aber ist die befristete Strafe für eine begangene Sünde und kann nicht ein Heraustreten aus der Wirklichkeitsordnung genannt werden. Daß es jedoch in die Dauer so bleibe, das kann nicht sein, denn man wird kein Ding finden, das am der Ordnung herausgetreten bestehen bleiben kann. Wäre, Oott behüte, in Israel die Kraft, zur Einheit nicht verblieben, dann wäre es bereits in seine Teile zersprengt und hätte nicht die Kraft, sich wieder zu vereinigen. Israel wird sich aber dereinst aus der Kraft der Einheit, die bei ihm geblieben ist, vereinigen, denn die Kraft ist da, die Israel inmitten seiner Ver- Spannendcn Lesestoff für langweilige Stunden bietet ,hr £ei&bUc0erei Jüdische Volkshochschule — Jüdische Kulturstelle Wien, I., Kal Nr. 3, Telephon R 28-2-36 S 1*20 monatlich bannnng eint, und um dieser vereinigenden Kraft willen wird Israel ans seiner Verbannung zuriiekkehren. Das ist es, was wir klar machen wollten. (Aus dem Almanach des Schookoit-Vcrlags auf das Jahr 5697.) Einsicht in unser Schicksal und in unsere Schuld Von Rabbiner Dr. Armand Kaminka Moritz Spitzer Verbannung (Galut) bedeutet ohne Zweifel eine Veränderung und ein Heraustreten aus der Ordnung, nach welcher der Heilige, er sei gesegnet, wie einer jeden Kation, so auch Israel seinen vorgesehenen Baum zugeteilt hat, und das ist Erez Israel, das Land Israels. Die Verschleppung daraus bedeutet nun ganz gewiß eine Veränderung jener Ordnung und ein Heraustreten aus ihr. Was immer aus dem ihm vorgesehenen Baum hinaustritt, kann an einem andern als dem ihm natürlichen Ort nicht dauernd Stand fassen, sondern kehrt an seinen natürlichen zurück. Verbliebe es aber dauernd an dem ihm unnatürlichen Ort, dann wäre die Unnatur selber zur Natur geworden, und das ist nicht möglich, daß die Widernatur zur Natur werde. So verhielte es sich nun aber auch mit Israel, wenn es dauernd in der Verbannung bliebe, die keineswegs der ihm vorgesehene Ort ist, da ihm nach der Schöpfungsordnung doch zugeordnet ist, daß es im Lande Israels, und zwar unter eigener und nicht unter der Gewalt eines anderen sei, so wie von allen Dingen der Schöpfungswirklichkeit gilt, was unsre Weisen, ihr Andenken zum Segen, entschieden haben, daß nämlich kein Ding ohne eignen Baum, und jedes unter eigner Gewalt sei. Das dauernde Verbleiben in der Verbannung wäre also eine Verkehrung der Widernatur, zur Natur. Das gleiche gilt von der Zerstreuung, daß sie nämlich ein Widernatürliches ist. Dem jeder erkennende Mensch weiß, daß die Teile ein Gemeinsames haben. Ist dem aber so, wie sollte dann eine dauernde Trennung zwischen den Teilen bestehen bleiben und sie sich nicht in Eines vereinigen, da sie in Wahrheit doch Eines sind? Darum liegt es im Wesen einer jeden Zerstreuung, daß sie sich in Eins sammle, und dämm ist die Zerstreuung Israels MÖBEL-WINTER für GalegenheJtiklflfe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei LerchenfelderstraBe _ Telephon: A 21*5*31 unter die Völker ein Widernatürliches. Es ist also ganz und gar unmöglich zu sagen, es werde wegen einer Sünde oder Verfehlung so bleiben. Die Widernatur würde zur Natur, wenn die Zerstreuung in die Dauer aufrechterhalten bliebe. Kerner ist nach der Wirklichkeitsordnung nicht vorgesehen, daß eine Nation eine andere verknechte und mit ihrem Joch beschwere. Denn Gott, er sei gesegnet, hat eine jede Nation für sich selber geschaffen, und es ist in der Wirklichkeilsordnung vorgesehen, daß keine Nation, da eine jede doch für sich selber geschaffen ist, Gewalt über die anderen besitze. Bliebe daher die Hand der Völker über Israel dauernd herrschend, dann wäre das wider die Wirklichkeitsordnung und also eine Änderung der für alle Zeiten beständigen Welt- Ordnung. Das aber ist nicht möglich. Aus allen diesen Gründen können wir von der Galut auf die Erlösung schließen, und das haben unsere Weisen in ihrer Weisheit auch *) Der Verfasser des Buches Nezach Jißrael, aus dessen erstem Kapitel diese« Stück mit Kürzungen übersetzt ist, wirkte im sechzehnten Jahrhundert in Prag und ist unter dem Namen: Der Hohe Rabbi Löw bekannt. Bester Unterricht in Klavier, Musiktheorie sowie Kor« repetltlon bei jungem, gepr. Päd. agogen. Honorar mäßig. A 23-9-89 Wir veröffentlichen hier einen Auszug aus einer Neujahrsrede des Rabbiners Kaminka, die er im Großen Musikvereinssaal gehalten hat. Sie umfaßt auch den Sinn des Jom Kippur. I. „Hawineni we-echje“; Gewähre mir Einsicht, damit ich weiterlebe. Schwer ist es ln unseren Tagen, den Sinn des Lebens Jn dieser Welt, die voll ist von Unruhen und gefahrvollen Spannungen, zu verstehen: schwerer noch ist es, das Verhältnis dieser Welt zu uns Juden m begreifen. Wir haben von unseren Propheten das Vermächtnis erhalten, Wahrheit und Frieden tl/ber alles zu lieben. Sie sind die Seele des Judentums geworden; unsere Gegenwart kennt aber weder den Frieden noch die Wahrheit. Gibt es ein aufrichtiges Streben nach Förderung der Erkenntnis und Hebung der Gesittung unter den Völkern? Vor einigen Wochen hat anläßlich der mit großem Pomp veranstalteten olympischen Spiele ein merkwürdiger Ritus, gewiß ohne Absicht der Veranstalter, unwillkürlich wie ein Symbol dessen gewirkt, was wir an Vernichtung der kulturellen Werte der Menschheit erleben. Eine brennende Fackel wurde aus Griechenland, wo sie angeztindet worden war, im Jubel durch die Länder getragen, bis sie in der nordischen Hauptstadt nach kurzem Leuchten und Strahlen zum Erlöschen gebracht wurde. Gerade so wurden ja im Laufe der Jahrhunderte die großen Ideen Platos, der den Geist allein ale das Wesentliche und Würdige im Menschen erkannte; Aristoteles, der ein einheitliches Weltbild erfaßte, und Alexander des Großen, der die Vereinigung und Gleichstellung der Völker des Ostens und Westens anstrebte, nachdem diese Ideen als leuchtende Fackeln viele Generationen hindurch von Volk zu Volk getragen wurden, in eben jenem Reich der rauschenden Feste gewaltsam zum Erlöschen gebracht. Und mit ihnen zugleich die großen Gedanken der Gerechtigkeit und der Menschenliebe, die aus den Lehren Moses und der Propheten Israels der Menschheit seit Jahrtausenden geleuchtet batten. Welchen Sinn hat unser Gebet um Erhaltung unseres Lebens, wenn wir nicht ändern können, daß wir mit grimmigen Haß verfolgt, diffamiert und erniedrigt werden, als Inkarnation alles Bösen, als kulturverneinende Horde zur Ausrottung empfohlen whd. In welch einer Welt leben wir, wenn die großen Kulturnationen keinen Finger Tegen, um diese unsinnige Flut des Hasses und der Lüge einzudämmen und die Urheber dieses Wahnsinns nicht aus der gesitteten Menschheit ausgeschaltet werden? Wenn jede Ruchlosigkeit gestattet erscheint und gar nicht beachtet wird, falls sie sich nur gegen Juden richtet? Wenn wir nach 3000jährigem Kampf für die edelsten Lehren der Menschheit mit Jeremias klagen mußten: „Waiohlu beboscheth jamai“, daß unsere Tage in Schande und Schmach enden? Nur durch tiefere Einsicht in unser Schicksal und Einsicht in unsere Schuld gewinnen wir unsere Zuversicht wieder. II. Unsere Zuversicht beruht darauf, daß zwar die Träger und Verkünder der Wahrheit eingeschüchtert, niedergestoßon werden können, aber die Wahrheit selbst unvergänglich ist. „Udewarecha emeth“. Es zittern vor ihr jene Gewaltigen selbst, weleho sie vertilgen wollen. Wenn die Mauern noch so hoch aufgerichtet sind, um sie vor ihr abzusperren, so kann sie geduldig warten, denn die Mauern werden bersten, werden sinken und, je länger es dauert, mit desto heftigerem Gepolter einstürzen, und die Wahrheit wird wieder zur Herrschaft gelangen. Die Lüge kann sich ja überhaupt nur dadurch halten, daß sie sich in eine fingierte Wahrheit kleidet und durch eine Schreckensherrschaft den Zweifel an ihrer Echtheit unterdrückt. Man achte nur auf ein Kennzeichen, durch welches man deutlich die Selbstsicherheit der Wahrheit von der bangen Furcht der Lüge unterscheiden kann. Seit es ein geistiges Leben in der Menschheit gibt, war die Wahrheit immer kontrovers. Die weisesten Männer haben durch Dialoge ihre Gedanken zur Klarheit und Reinheit au erheben getrachtet und freudig jeden Einwand, jeden Widerspruch gehört, um sich nur sicher vor einem Irrtum zu schützen. Es ist ja kein Mensch in der Welt so weise, daß er sich anmaßen dürfte, in allem und jedem mehr als alle anderen zu wissen. Die hochtönende Lüge spricht aber immer in Monologen. Man hat noch nie gehört, daß in den Riesenversammlungen, vor denen sie sich breit macht, auch nur einen Menschen gestattet worden wäre, in der bescheidensten Weise seine Meinung frei zu äußern. Wehe, wenn er es täte! Die Lüge schließt die Grenzen ihres Landes ab, versperrt die Fenster und Türen, verstopft alle Kanäle, damit nicht ein Wort, ein Gedanke durchsickere, der wie ein Lichtstrahl dem ganzen nächtlichen Spuk ein Ende machen würde. Diese weithin sichtbare Angst, die sich hinter geräuschvollen Kundgebungen verbirgt, ist tröstlich für Freunde der Wahr-j| heit. Weise Männer haben, wenn eie auch persönlich untergehen mußten, im Angesichte ihrer Henker über die unvergängliche Macht der Gedanken gejuibelt, für welche sie ihr Leben eingesetzt haben. Von einem unserer großen Märtyrer, Rabbi Chanina ben Teradjon, erzählt der Talmud, daß er wegen Verbreitung deri Lehren Moses’ zum Tode durch Verbrennung verurteilt, er samt der Thorarolle, die bei ihm gefunden worden war, die Kraft hatte, während die Flammen bereits seinen Leib umzingelten, seinen Schülern zuzurufen: „Das Pergament nur brennt, die Buchstaben flattern frei, die Gedanken bleiben ewig.“ So erscheint uns auch in den schlimmstem Zeiten unser Schicksal. Die Juden werden verbrannt, ermordet, ins Elend gestürzt, aber die Wahrheit und das I Recht und die Friedenssehnsucbt der Menschen, die Worte, die Gott mit ewigem Griffel in die Herzen geschrieben, können nicht vernichtet werden. HI. Aber auch die Einsicht in unsere Schuld muß uns dazu verhelfen, freudig den Sinn unseres Lebens wioderzufinden. Niemand unter den Völkern, in deren Mitte wir leben, und die so viel an uns gesündigt haben, hat das Recht von irgend einer Schuld unseres Volkes zu sprechen. Aber wir selbst müssen in diesen Tagen unser Gewissen prüfen, wenn wir vor Gott stehen, uns die Frage vorlegen, ob wir nicht manche schwere Fehler begangen haben, für welche wir das Unheil, das über uns gekommen ist, als eine gerechte Strafe des Allmächtigen betrachten können. Einer der größten Vorwürfe, der uns von anderen gemacht wird, ist die angebliche Wurzellosigkeit dos Judentums in den Ländern, wo es seine vollen bürgerlichen Rechte beansprucht. Von seiten der anderen gesehen ist dies nur eine böswillige und unaufrichtige Beschuldigung. Da in keinem Lande der Welt, wo jüdische Niederlassungen sind, die Juden an inniger Treue und Anhänglichkeit an Staat und Land anderen Bürgern nachs toben. Aber gerade von uns aus gesehen ist der Vorwurf für große Teile unseres Volkes berechtigt, die durch übertriebenen Eifer, sich ganz in das Leben der anderen Völker einzuführen, das Bewußtsein ihres eigenen Volkstums, ihr eigenes geistiges Leben, ihre hebräische Sprache und ihre historische Überlieferung preisgegeben und dadurch in einer Zeit, in der jedes Volk sich stärker auf seine Eigenart besinnt, ohne festen inneren Halt, ohne eigene kulturelle Wurzel geblieben sind. Diese Schuld ist noch viel schwerer geworden, seitdem die auf die volle bürgerliche Gleichberechtigung der Juden gesetzten Hoffnungen in manchen großen Staaten sich als Trugbilder erwiesen haben und anderseits ein mächtiges WiedereTwachen unseres Volkes zu eigenem Leben den tausendjährigen Traum der Befreiung und Erlösung, trotz den sich auttürmenden Schwierigkeiten in märchenhafter Weise zu verwirklichen im Begriffe ist. Seit vierzig Jahren hat eine Bewegung von ungeahnter Kraft einen großen Teil der Jugend erfaßt und die Sehnsucht entfacht, unser uraltes Heimatland wieder aufzubauon, unsere eigene hebräische Kultur zu neuem Leben zu erwecken. Seit 34 Jahren wirkt mit unvergleichlicher Energie der Jüdische Nationalfonds, Keren Kajemeth, für die Rückgewinnung des Bodens im Lande unserer Väter und die Ermöglichung jüdischer Siedhmgen. Nicht dieser oder jeneT Jude soll einen Landbesitz oder einen Onangengarten erwerben, sondern Besitz des ganzen Volkes, unveräußerlich soll der Boden sein. Und eigene Arbeit seiner Hände wie der Psalmist sie rühmt, nicht II Zwisohenverdienst und Nützung fremder Mühe soll den in seinem eigenen Lande sich stolz auf richtenden Juden ernähren. Man sollte glauben, daß es über dieses große, die jüdische Gesamtheit ehrende Werk keine verschiedenen Meinungen in unserer Mitte geben kann. Von welcher Seite man es immer auch anBehe. Von der religiösen, kulturellen, nationalen oder philantropischen Seite erscheint dessen Förderung als würdigste und dringendste Aufgabe aller Teile der Judenheit; „tehilla liroecha“, ein Ruhraeswerk für die Frommen, die auf die Erfüllung der alten Weissagungen hinweteen Studierende junge Mädchen finden bei akad. gobild. Dame (Kunsthistorikerin) erstkl. Pension. Kultivierter Haushalt, zentrale Lage, Bad. Franz., engl., ital. Konversation, Öer und gesellsohaftl. Anschluß. Vorzügl. nzen. Preiswert. Telephon A 41-6-17. Glück, Wien, II., Obire Donaustraß« 77 Verdopple Deinen Eifer für den Keren Kafemeth im Gotteshaus am Jom Kippuri

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