Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 583 (25.9.1936)
- Date
- 1936-09-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 Oie STIMM! Nr. 683 — Wien, Freitag, 35. September 1036 Einzige Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen. Abendkurse. Wien, II., Taborstr. 39, Tel. A 45-6-57 Unterrichtsbeginn 22. September 1936 Eröffnungsfeier 12. Oktober 1936 8 Uhr abends, mit Ansprachen prominenter Persönlichkeiten im Festsaal des Hotel Bayrischer Hof, II., Taborstr. 39 Eintrittskarten erhältlich nur bis 6. Oktober in der Schulkanzlei. Ohne Eintrittskarten ausnahmslos kein Eintritt Der Parteitag der Ehre Ist das eine Angst vor den Juden! Da regieren seit 1933 schrankenlos die Nationalsozialisten. Sie haben die halbe Million Juden Deutschlands niedergeknüppelt, nehmen ihnen Besitz und Arbeit, und — zittern vor Furcht. Ihr ganzes Tun und Lassen ist von der Vorstellung beherrscht, daß es vielleicht doch noch möglich sein wird, den Juden die Luft zum Atmen abzusperren. Sie reden von nichts anderem als von. den Juden. Wenn ihnen etwas schief geht, gleich ist das jüdische Phantom da wie Banquos Geist. Der Führer und Reichskanzler hat in Nürnberg eine Proklamation verlesen lassen. Er hatte mitzuteilen, daß die Ernäbrungslage Deutschlands schwierig geworden ist, daß es weiter keine Rohstoffe imd keine Devisen besitzt, und daß deshalb ein Vierjahreplan (die Idee stammt von den Sowjets) durchgeführt werden muß, innerhalb dessen die Chemiker an der Schaffung von Ersatzstoffen arbeiten sollen. Um diesen einfachen Kern, der eigentlich die völlige wirtschaftliche und finanzielle Ohnmacht bedeutet, wickelte sich ein stundenlanger Vortrag über die Juden; über die jüdischen Bericht- Vollständig renoviert und vergrößert Cafe Buchsbaum II., Kleine Pfarrgasse 21, Tel. A 43 5-19 Ausfahrung: Architekten Ing. J. Rindler, Ing. L Schleien Die Sehenswürdigkeit In der Leopoldstadt erstatter, die jüdisch-bolschewistischen Revolutionshetzer, über den jüdischen Bolschewismus überhaupt. Dann folgte eine etwas kürzere Rede über die Juden, die keine kulturelle Aufbaufähigkeit besitzen. Dann schloß sich Goebbels an mit einer Paraphrase desselben Unsinns. Nach ihm kam Rosenberg, der nordischeste Mythos- Germane, der seine Vorredner noch in den Schatten stellte. Er prägte das Wort „Sowjetjudäa", und begann damit, daß er den Bürgerkrieg in Spanien auf das Schuldkonto der Judenheit schob. Das, was die Juden in Spanien getan hätten an Zerstörung von Hunderten von Kirchen, Niedermetzelung besten spanischen Blutes, sei die jüdische Rache an König Ferdinand und Isabella, die HÜRHÜUSER KfltTEHtEllTGEBEH fl. G. CHEFARZT PROF DR. ALOIS STRASSER Sämtliche Kuren und Diäten. Idealer Aulenthalt für Kranke und Erholungsbedürftige. Auskünfte: Kaltenleutgeben, Tel. Nr. 3. nachmittags: Stadtbüro. Tel- Nr. U 45-4-34 einmal die Juden aus dem Lande wiesen. Rosenberg bezeichnet^ die Tschechoslowakei als das Flugzeugmutterschiff Sowjetjudäas. Schließlich nannte er es größte und frechste Irreführung der Völker, daß jetzt Sowjetrußland Friedensparolen ausgebe. Das Symbol dieser Unverschämtheit sei der Jude Litwinow, der mit seinen Leuten dio bolschewistische Weltrevolution in allen Staaten vorbereitet, in Genf aber von lauteren Friedensabsiohten der Sowjetunion daherlüge. Man spreche wieder viel von Europa und der Kultur des Abendlandes. Dieser Kultur sei von Moskau der Kampf auf Tod und Leben angesagt. Existenz und Zukunft dieser Kultur seien nur noch in Berlin geschützt. Man kann sich die Mühe ersparen, diese Äußerungen im einzelnen zu widerlegen. Sie sind Emanationen eines Systems, das jedes geradlinige Denken eingebüßt hat, und in der Qual seiner Ängste zu delirieren beginnt. Eben erst haben dieso Judenfresser durch ihren Goebbels cler deutschen Presse verbieten la«s&n2 dio jüdische Äbhunft des fran- Weltprotest der Rabbiner gegen die Diffamierung des Judentums durdi Hitler Am Vorabend des Versöhnungsfestes erachten wir, die geistigen Führer des Judentums. ('s als unsere Pflicht, gegon die Verungliiv.pfung des Judentums und des jüdischen Volkes durch den letzten nationalsozialistischen Parteitag in Nürnberg, an die öffentliche Meinung der ganzen gesitteten Welt feierlich zu appellieren. In seinem unstillbaren Haß gegen das Judentum begnügt sich Herr Hitler nicht damit, die deutschen Juden der Menschenrechte für verlustig zu erklären. Er leitet nunmehr einen fanatischen Feldzug für die Entehrung der Juden in der ganzen Welt ein und versucht, das’Judentum — die Mutter der Religionen — mit dem religionsfeindlichen Bolschewismus zu identifizieren. Siebzehn Millionen Juden, zerstreut in allen Teilen der Welt, sollen für die Taten einer Handvoll Männer in Rußland verantwortlich gemacht werden, unbekümmert darum, daß diese Männer sich längst vom Judentume losgesagt haben und die jüdische Religion mit unerbittlicher Grausamkeit verfolgen. Die Behauptung, daß 98 Prozent der Führer der Sowjet- und Bauernrepubliken | Juden sind, ist falsch. Von 19 Präsidenten! der verschiedenen Sowjetrepubliken und Volkskommissären sind nur zwei jüdischer Abstammung. Der deutsche Reichskanzler übersieht geflissentlich, daß der Aufstieg des Bolschewismus zur Macht im Jahre 1917 durch seinen einstigem Parteigenossen, den General Ludendorff, ermöglicht wurde, daß dieser es war, der die Durchreise Lenins durch Deutschland in der eingostandenen Absicht bewerkstelligte, die russischen Massen mit kommunistischen Ideen zu durchsetzen, um ihren militärischen Widerstand zu brechen. Herr Hitler scheut äuch davor nicht zurück, die Behauptung aufzustellen, daß die Juden für die grauenvollen Massakers, die im spanischen Bürgerkrieg auf beiden Seiten begangen wurden, die Verantwortung tragen, obwohl sie seit dem Jahre 1492 in Spanien nicht mehr seßhaft sind. Diese grundlose Beschuldigung, offenbar darauf berechnet, die rohen Instinkte der unwissenden Massen zu Haß und Wut gegen das Judentum aufzuwühlen, ist ein Schulbeispiel für die Art der Propaganda, wie sie Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“ empfiehlt. Er sagt, gerade die Ungeheuerlichkeit einer Lüge trage zu ihrem Erfolge bei. Die breiten Massen erliegen ihr leicht, da sie es nicht für möglich halten, daß jemand die schamlose Kühnheit hat, solche Dinge zu erfinden. Selbst wenn die Lüge einwandfrei als solche entlarvt wird, bleibt von ihr immer etwas haften. In mancher Not und Bedrängnis ist Israel wehrlos dagestanden, nie aber hat es den Mut und die Hoffnung aufgegeben, die es aus seinem heiligen Glauben schöpft. Israels starker Hort gegen dio Verleumdungen des Nationalsozialismus ist sein Vertrauen auf den.allmächtigen Gott der Gerechtigkeit, der allein die Anschläge des Hasses zunichte machen kann. Gott wird dio Herzen derer, die von Bosheit und Vorurteil geblendet sind, läutern und ihre Augen für die heiligen Güter der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit unter den Menschen öffnen. Wien, 25. September 1936. Oberrabbiner Dr. J. Hertz, London. Oberrabbiner Wiener, Brüssel. Oberrabbiner Dr. Prato, Rom. Rabbiner Meir, Jerusalem. Oberrabbiner Dr. S. Hevesi, Budapest,. Rabbiner Dr. Stephen S. Wise, New York, Oberrabbiner Dr. Nemierover, Bukarest. Oberrabbiner Dr. I. Taglicht, Wien. Oberrabbiner Dr. Koretz, Saloniki. Grandrabbin I. Levi, Paris. Oberrabbiner Nahoum, Kairo. Oberrabbiner Ehrenpreis, Stockholm. Oberrabbiner Maarsen, Haag. Oberrabbiner Littmann, Zürich. Oberrabbiner Prof. Dr. Schorr, Warschau. Oberrabbiner Dr. Alkalay, Belgrad. Cafi Versuchen Sie im Johann Strauß Kai Eine ,fAlt-WIener Jause** BrUge-Salon / Billardsaal / Klubräume / Kegelbahn Kalte und warme Küche, Bier und Wein vom Faß, bürgerliche Preise zösiechen Ministerpräsidenten Blum zu erwähnen. Eben jetzt bemühen sie sich um ein neues Abkommen, von dem jüdischen Bolschewismus die für ihre Rüstungen notwendigen Edelerze aus Sibirien zu erhalten. Seit sie an der Macht sind, drohen sie Tag für Tag dem jüdischen Kommunismus mit Krieg und schreien dann über die jüdische Gefahr, wenn Moskau ihr Bramarbasieren ernst nimmt und die Dienstzeit verlängert. Daß es in Spanien überhaupt keine Juden gibt, stört sie nicht. Und wie stark, wie unvorsichtig und lächerlich stark tragen sie ihre Furcht auf die Gasse! Da sagt der Reichskanzler wörtlich: „Überall beginnt die Minierarbeit der bolschewistischen Drahtzieher wirksam zu werden. Die internationale jüdische Revolutionszentrale betreibt von Moskau aus über Rundfunksender und durch tausend Geld- und Agitationskanäle die Revolutionierung dieses Kontinents. Der Bolschewismus hat das Ziel, die blutmäßigen organischen Volksführungen auszurotten und durch das den arischen Völkern fremde jüdische Element zu ersetzen. Darin liegt auch die Internationalität dieses Problems begründet. So wie in Rußland 98 Prozent der gesamtem staatlichen Führung der Sowjet- und Bauernrepublik in den Händen der Juden liegen, die alle weder Bauern noch Arbeiter jemals waren, sondern als überzüchtete parasitäre Weltintellektuelle einen andersvölkischen Nährboden benötigen, so erleben wir in diesen Woehem, da der Marxismus in Spanien zu wüten beginnt, denselben Vorgang der Abschlachtung und Ausrottung der blutmäßig in Spanien bedingten volkliohen und staatlichen Führung durch das teils dort wohnhafte, teils aus anderen Ländern emigrierte Judentum.“ Deutschland kann seine Bevölkerung nicht aus seiner eigenen Landwirtschaft ernähren. Es hat seine Arbeiterarmee von der schaffenden Industrie abgezogen, läßt sie nur in der Aufrüstung beschäftigen und fürchtet den Tag, wo diese Millionen Arbeiter wieder zur Industrie werden zurückkehren müssen; es hat durch die überdimensionierte Axü'rüstung die anderen Staaten zu dem gleichen, alle Wirtschaft zerstörenden Tun gezwungen, hat überall gegen sich Mißtrauen erzeugt und in der Sorge ob dieses Zustandes — man muß Heilanstalt Dr. Hauser für Rheumatismus, Gicht, Gelenks- und Nervenkrankheiten Ischias-Sdinellkur Wien, I., Schottenring 17, Tel. A17-0-66 Hitlers Proklamation sehr genau lesen — liefert es seinen Bürgern, Bauern und Arbeitern wieder die Juden aus, schreit es die ganze Menschheit an: Hilfe! Hilfe! Die Juden! Die Proklamation und die Reden, dio ihr folgten, haben bei den Staaten, an die sie adxsßßier! svaren, nur neues Erstaunen und neuen Argwohn erzeugt. Daß die jüdischen Bolschewiken das Geld, das dem russischen Volk gehört, in die Armee und in die Propaganda stecken, ist mit Verwunderung angehört worden. Der „Temps“ antwortet auf diese Nürnberger Enunziationen: „Hitler ist aus Gründen seiner persönlichen Politik gezwungen, die Rassenlehre und den Anti- , semitfemus zum Ausgangspunkt seiner Mystik zu machen. Seine These über das Judentum ist weder konstruktiv, noch besitzt sie einen schöpferischen Wert. Es •existiert1 keine Verbindung zwischen einer angeblich zerstörenden Aktion des Judentums und dem wirtschaftlichen sowie dem künstlerischen Leben. Den Juden verdanken wir“, so fährt der „Temps“ fort, „das Entstehen der christlichen Zivilisation. Der Führer betrachtet das Christentum als erledigt und hält das Zeitalter der nationalsozialistischen Kunst für gekommen. Diese anfechtbaren Theorien sind ohne besondere Bedeutung, lassen jedoch die Politik des Dritten Reiches erkennen.“ Fügen wir hinzu, daß die Tagung, die Hitler, Goebbels und Rosenberg zur Entwicklung ihrer Ideen benützten, der Partei- ^adnarzt d7ro (ßcdäcdiePj \en, V., <Scdön dpunnersiraßs SS, töunscdi affen freunden und Gesinnungsgenossen einen derzfieden mi& rwnn macht. Die politische Antwort hat ihm der französische Außenminister erteilt, die militärische die Kleine Entente, die eich zu einer Wehreinheit zusammenschließt. Das jüdische Volk hat schon einige solche nationalsozialistische Systeme kommen und gehen gesehen. Es kann warten. Die Geschieht e wird die notwendigen Korrekturen vornehmen. Sie wird auch feststellen, daß niemand die Ehre eines Volkes heruntersetzen kann. Wir sind eines Sinnes mit der Front der Nichtnationalsozialisten und wir müssen nur aus den Äußerungen der Weltpresse zwei herausgreifen: „Manchester Guardian“ führt im Leitartikel aus, ee sei so weit gekommen, daß ,das Deutschland TANZINSTITUT RABENSTEINER I., Parkring 16 (Eingang Hegelgaese 3) Telephon R 21-8-20 KURSE BEGINN FÜR ANFÄNGER (Junioren)* Freitag, den 2. Oktober 1936, 7 Uhr abends BEGINN FÜR FORTGESCHRITTENE (Junioren und Senioren): Mittwoch, 7. Okt., 7 Uhrabds. BEGINN DER KINDERKURSE (für Kinder von 6 bis 12 Jahren): Sonntag, 11. Okt., 2 Uhr nachm. KURSTAGE: Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag — AUSKÜNFTE und Einschreibungen täglich PERFEKTIONEN: Jeden Sonn* und Feiertag von 7 bis 11 Uhr abends Jazz-Kapelle: „ELITE- K I D D I ES" Elnzelstunden u. Gesellschaftskurse zu Jeder Tageszeit — Saalvermietung für Vereine u. Festlichkeiten tag der Ehre heißt. Er ist ein Tag der jüdischen Ehre, gegen die Hitler die ganze Welt aufbieten will. Er hat eich bemüht, kein Mißverständnis aufkommon zu lassen. Sein Kampf gilt nicht Rußland, nicht einmal dom Kommunismus, dem sozialistischen Bruder des Hakenkreuz-Systems, sondern rein und einfach dem Judentum. In nicht weniger als fünf großen Reden hat Hitler das Thema vom jüdischen Bolschewismus, von den Palästinensern, von den Leuten aus dem Morgenland variiert, und in seiner Sohlußansprache hat er ausgesprochen: „Es ist zu bezweifeln, ob der Judo überhaupt sein Gold ehrlich erwerben kann.“ Der Reichskanzler hat sich vom Beginn an bis zum Ende der Tagung in gerader Linie fortentwickelt, vom politischen Angriff bis zur pauschalen Beleidigung und Schmähung. Dazu wäre nichts mehr weiter zu sagen. 'Aber wenn Hitler tatsächlich, wie die englische Presse schreibt, den Kreuzzug erreichen wollte, dann hat er durch die Wiederholung und Übersteigerung den Weg verfehlt und jede .Wirkung unmöglich goder Goebbels und Streichers die europäische Zivilisation verteidigt4; es werde mehr bedürfen als der Rhetorik des Herrn Goebbels, um dem übrigen Europa einzureden, daß es die Juden oder den Sowjetstaat fürchten müsse. „Daily Herald“ schreibt: p\\\\\\\\\\\\\\\\w 1 OPTIKER | (KARL SIIDMERl I., Franz-Josefs-Kal 33 II., HollandstraOe 7 | Fachmännischer Rat | Reiche Auswahl | | Beste Qualität Preiswert 0 ^\\\\\\\\\\\\\\W^^^ „Kein Psychiater, der Hitlers, Goebbels und Rosenbergs Ausbrüche über Juden und Bolschewisten liest, könno über die Diagnose im Zweifel sein: es handelt sieh hier um einen schworen Fall von Verfolgungswahn.“ Es ist ein Krieg gegen die Juden begonnen worden. Der gelbe Fleek schändet nicht die Judes,