Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 583 (25.9.1936)
- Date
- 1936-09-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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9te “Stimme y« & n« 20 g Nr. 583 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 25. September 1936 9* Tieehri 5697 20. Jahrgang ORBIS billige Reisen naoh POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Polnisches Reisebüro „ORBIS“ i„ KärntnerstraBe 41, R 21-6-78 Oesterreich. Verkehrs-Büro I, Friedrlchstraß# 7, B 27-500, I., Qraban 20, U 29-0-53 6% Millionen Uebersdiuß der Palästinaresieruns Jerusalem, 22. September. (JTA.) £aut dem Bericht der Palästinaregi erung über das letzte, am 31. März 1936 zu Ende gegangene Finanzjahr betrugen die allgemeinen Einkünfte 5,770.546 Pfund, davon 2,751.214 Pfund aus Zolleingängen; die Ausgaben 4,286.201 Pfund, davon 3,315.330 Pfund für laufende Ausgaben. Der Verwaltungsüberschuß betrug Ende März 6,267.810 Pfund. Der Geldumlauf Palästinas Ende August betrug 6,041.134 Pfund. An Sonntagen „FRANCOPOL"- Sonderfahrten nach POLEN und CZERNOQHTZ Poln. VerkehrsbUro „Francopol“ HI., Sehwarzenbergptatz 7 / Tel. (J16-4-90 . NHchste Abfahrten i 27. Sept., 11. Okt. „Cedok“, i., Kärntnerstraße 82, Tel. R 23-4-88 GerngroB, VU., Mariahilferstr. 42, Tel. B 88-2-68 Fär Mifal Bizaron Prag, 21. September. (JTA.) Die Großloge 'der Bne Brith und die ihr angeschlossenen Logen haben 50.000 Tschechenkronen für den „Mifal Bizaron Uwitachon“ (Fonds für Wiederaufbau der während der Araberunruhen zerstörten jüdischen Arbeitspositionen und für Stärkung des Jischuw) gespendet. Regelmäßiger Reisedlenßt der Czernowffzer - Allgemeinen Zelfnng nach Polen und Czemowitz Näohste Abfahrten: 29. Bept. und 11. Okt. Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marlen* brfleke“, I., Rotenhirmstraße 26, Tel. R 24-2-86/87 Eisenegger spurlos verschwunden Genf, 21. September. (JTA.) Der nationalsozialistische Agent Friedrich Eisenegger, schweizerischer Staatsangehöriger, gegen den ein Gerichtsverfahren wegen staatsgefährlicher Umtriebe schwebt, und der. vor kurzem gegen eine Kaution von 500 Schweizer Franken aus der Haft entlassen worden war, ist — wie die „Basler National-Zeitung“ meldet — spurlos verschwunden. Etr nahm zahlreiche kompromittierende Akten, betreffend seine in der Schweiz herausgegebene Zeitung, mit sich. Die Affäre Eisenegger hat vor einigen Monaten großes Aufsehen weit über die Schweizer Grenze hinaus erregt. Aus bei Eisenegger Vorgefundenen Akten ging hervor, daß er im Dienste des Leiters der Erfurter internationalen Antisemiten-Zentrale, Ullrich Fleischhauer, gestanden ist und als solcher ein Überwachungssystem gegen jüdische und nichtjüdische deutsche Emigranten sowie schweizerische demokratische Politiker oinrichete. Er erhielt — wie aus den Akten fostgestellt wurde — von Fleischhauer den ausdrücklichen Auftrag, den damals in Genf tagenden Jüdischen Weltkongreß zu überwuchern Als später Eisenegger gegen die geringe Kaution von 500 Schweizer Franken aus der Haft entlassen worden war, wußte jeder, daß Eisenegger sich nicht mehr den Gerichten zur Verfügung stellen werdo, da die Nationalsozialisten ein starkes Interesse daran haben, daß der gegen ihn und Fleischhauer oingeleitete Prozeß nicht stattündo. Ihre Bezirkssektion ruft Sie, sie braucht Sio zur Mitarbeit bei den Wahlen. Melden Sie sich sofort! Dr. Oskar Grünbaum: Die Galuth hat das Wort „Eine Nation von reichlich entnervter und schwacher Natur, im gegenwärtigen Zustand unfähig zu jeder politischen Regierung, beschäftigt mit ihren partikulären Interessen, wenig oder gar nicht bedacht auf das Interesse der Gesamtheit“ Diese bitteren Worte über das jüdische Volk stammen von einem jüdischen Schriftsteller, aber nicht von einem zeitgenössischen, sondern von Simone Luzzatto. Sie stehen in seinem „Discorso circa il stato degl’Hebrei“, der 1638 in Venedig erschien und sind auch heute, nach fast 300 Jahren noch richtig. Als Simone Luzzatto den politischen Zustand der jüdischen Nation so Schilderte, war das die Feststellung eines bestehenden, durch die Zeitverhältnisse bedingten Zustandes. Jetzt, nach 300 Jahren, 40 Jahre nach Herzls „Judenstaat“, 19 Jahre nach der Balfour-Deklaration, 3 Jahre nach der Katastrophe der Juden in Deutschland, im Jahre 1936, sind Luzzattos Worte eine furchtbare Anklage gegen das jüdische Volk und jeden einzelnen Juden. Der Ein wand, daß die traurige internationale Situation und der damit Hand in Hand gehende wirtschaftliche Zusammenbruch der Juden diese Anklage als ungerechtfertigt erscheinen läßt, kann nicht verfangen. Andere Nationen, so die Tschechen, die Polen, die Litauer und Letten haben uns gelehrt, daß gerade Katastrophenzeiten — und der Weltkrieg war doch sicher eine Katastrophe von ungeheurem Ausmaß — der Zeitpunkt sind, in dem schwache oder unterdrückte Völker ihre Freiheit erringen können. Kein Volk ist durch so viele Katastrophen gegangen wie das jüdische Volk, aber kein anderes Volk hat es so wenig wie das jüdische Volk verstanden, in Katastrophenzeiten das Fundament für die Wiedererrichtung der Nation zu bauen. Das jüdische Volk bejammert seine Opfer, tut aber nichts, um zukünftige Katastrophen zu verhindern. Nutzlose Apologetik, von vornherein zum Scheitern verurteilte Assimilationsversuche, Schtadlanimpolitik und Wohltätigkeit, bar jeder konstruktiven Aufbauarbeit sind im allgemeinen seiner politischen Weisheit letzter Schluß. Der Einwand, daß andere kleine und unterdrückte Völker frei werden und ihr nationales und wirtschaftliches Leben normalisieren konnten, weil sie den Vorteil hatten, in geschlossener Siedlung auf ihrem eigenen Boden zu sitzen, während die Juden über die ganze Erde zerstreut sind, ist in Wahrheit keine Entschädigung gegenüber dem hier erhobenen Vorwurf. Das jüdische Volk kann nämlich nicht einmal einwenden, es sei nicht darauf vorbereitet worden, die Normalisierung seiner Existenz auf eigenem Boden vorzubereiten. Im Jahre 1882 schrieb Leon Pinsker seine „Autoemanzipation“, aber das jüdische Volk blieb unbewegt. Die Chibbath-Zion-Bewegung drang nicht durch. Im Jahre 1896 erschien Herzls „Judenstaat“, aber nur eine kleine Minderheit, die Zionisten, rüsteten zur Befreiung des jüdischen Volkes. Die Majorität blieb stumm, spöttelte oder trieb Sabotage. Der Weltkrieg brach aus. „Die historische Stunde des jüdischen Volkes ist gekommen“, schrieb damals Achad Ha am an Weizmann. Heroische Bemühungen der zionistischen Führer setzten ein, um aus den Wirren des Weltkrieges Palästina als das jüdischo Land dem jüdischen Volk zu sichern. Es gelang den zionistischen Führern im Jahre 1917, die Balfour-DeklaTation zu erhalten. Der Weltkrieg wurde beendet und Palästina stand weit der jüdischen Einwanderung offen. Es gab keine Einwanderungsbeschränkungen, und der Boden war um einen Spottpreis zu haben. Wo blieb das jüdische Volk? Zionistische Arbeiter gingen ins Land. Sie opferten Gesundheit und Leben, entsumpften und bewässerten das öde Land, ließen Felder und Wälder aus Wüsteneien emporschießen, die totgesagte hebräische Sprache wurde zur Sprache des Jischuw. Wo blieb das jüdische Volk? Es gab — wenn es gab — Almosen, Betfcelgroschen. Aber trotz allem gedieh der Jischuw. Seine in der Geschichte aller Völker einzig dastehenden Leistungen weckten das Erstaunen der Kulturwelt, aber die jüdische Masse blieb stumm, zumindest trieb sie keine jüdische Politik. .Es kamen die Unruhen des Jahres 1929. Das jüdische Volk stand nicht auf. Es gab Almosen und dann wurde es wieder ruhig. Als der Zusammenbruch der deutschen Juden kam, die Prosperity in Erez Israel und die zunehmende Verelendung der Juden in Ost- und Mitteleuropa, da gingen viele nach — Palästina, und nur verhältnismäßig wenige nach . Erez Israel. Die nach Palästina gingen, die trieb Gewinnsucht oder der JNationalsozialismus. Die nach Erez Israel gingen, die gingen als Wegbereiter der Befreiung des jüdischen Volkes aus eigener Kraft. Sie sind im jüdischen Schützengraben, der nach unserer zweitausendjährigen Sehnsucht zur mächtigen Festung für das ganze jüdische Volk ausgebaut werden soll. Und diejenigen, die von der Galuth aus für Erez Israel arbeiten, sind die großen Reserven, die das Werk unserer Front ausbauen und beenden sollen. Und sie sind die Mahner und Rufer. Aber große Massen bleiben noch immer stumm. Sie haben Ohren und wollen nicht hören. Sie haben Augen und wollen nicht sehen. Sie sind, um mit Simone Luzzatto zu reden, mit ihren partikulären Interessen beschäftigt, sie laufen der jeweiligen Tagesmode nach und sind nicht bedacht auf das Interesse der Gesamtheit. Und nun ist wieder einmal ein Augenblick von heroischer Größe gekommen. Unsere Brüder und Schwestern an der Front geben der Welt ein Beispiel von jüdischer Selbstbeherrschung und Tapferkeit. Wieder sind wir, so wie 1929, daran, unser bedrohtes Recht auf Erez Israel zu verteidigen. Schläft die Galuth noch immer? Fast scheint es, als ob sie aus dem Schlaf erwachen wollte. Es rührt sich in der trägen Masse.. Die bewunderungswürdige Haltung von 400.000 jüdischen Menschen im Jischuw ringt der Galuth Achtung ab. Es dämmert ihr langsam auf, daß die Sache dieser 400.000 Juden ihre eigene Sache ist. Es gibt ja heute kaum ein jüdisches Haus in der Galuth, das nicht einen Verwandten oder einen Freund in Erez Israel hätte, und die Galuth spürt, daß die 400.000 ihre Avantgarde sind. Wäre heute die Einwanderung frei, so fänden sich sofort zehntausende Juden in der ganzen Welt, die bereit wären, ihren bedrohten Brüdern mit der Waffe in der Hand zu Hilfe zu eilen. An uns Zionisten liegt es in dieser historischen Stunde, die Galuth endgültig aus ihrem Dämmerschlaf zu reißen. Die Galuth wird aufstehen, wenn wir Zionisten uns ins Zeug legen. Die alte heroische Zeit der ersten Zionisten, des alten zionistischem Elans, muß wiederkommen. Alle unsere Kräfte müssen mobilisiert Ab Dlenstag,den 29. September DAfiCY CAMt i taraIuiba Schweden-Kino H.i6.iS.mo werden. Große Massen haben die Vorbedingung für den Zionismus durch die Rückkehr zum Judentum vollzogen. Die Not der Zeit und das heroische Vorbild der 400.000 in Erez Israel haben der Galuth die Augen geöffnet. Der starke Zustrom, den die zionistische Organisation in den letzten Jahren hatte, muß sich jetzt verzehnfachen. Nie noch waren wir so stark wie im diesem Tagen der Unruhen, und der Widerhall der Schüsse in Erez Israel und die eigene Not weckt die Galuth. Sie fühlt, daß sie eich selbst hilft, wenn sie Erez Israel hilft. „Eine Nation von reichlich entnervter und schwacher Natur, im gegenwärtigem Zustand unfähig zu jeder politischen Regierung, beschäftigt mit ihrem partikulärem Interessen, wenig oder gar nicht bedacht auf das Interesse der Gesamtheit?“ Wir wollen das Unsere dazu tun, um uns von diesem, gerade in der heutigen Zeit so schwerwiegendem Vorwurf des altem Simone Luzzatto rein zu waschen. Die Galuth hat das Wort. Nisins hph&ülU? sck&ne und gesunde Sahne 1 ducch ZAHNPASTA Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztl. und pharmakognostischen Institute der Univers. in Wien. Polen will in die Mandatskommission Genf, 21. September. (JTA.) In der Sitzung des Völkerbundrates, in der die Ernennung des englischen Kolonialbeamten Lord Haicly zum englischen Mitglied der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes an Stelle des zurückgetretenen Lord Lugard erfolgt ist, ergriff der polnische Außenminister Oberst Beck das Wort, um eine Erweiterung der Mandatskommission anzuregen, „damit auch anderen lebhaft an den Aufgaben der Mandatskommission interessierten Ländern die Möglichkeit einer Vertretung gegeben werde“. Dieser Vorstoß des polnischen Außenministers erregte Aufmerksamkeit und wird allgemein als die Anmeldung einer polnischen Kandidatur auf eine Vertretung in der Mandatskommission aufgefaßt. Polen ist bekanntlich sehr an einer stärkeren Abwanderung der Juden, besonders nach Palästina, interessiert. Wie verlautet, hat Beck in seiner Ansprache im Völkerbundrat direkt auf die polnische Judenfrage hingewiesen. Vll., KAISEBSTBASSE 123 * IX., AISEBSTBASSE 6