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Die Stimme · 1936-09-16 · Heft 581 (16.9.1936) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 581 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 581 — Wien, Mittwoch, IG September 1936 DIE STIMME Seite ft Dr, Salomo Rappaports t/ft» SUcbti* des ceicUeu HUuu*es (Zur 100. Aufführung das »Jedermann") Dos Vorbild, des Hofmannsthalschen jeder• •mann“ ist in dem alten englischen Legendenspiel vom „Everyman“, das 1529 ohne Angabe des Verfassers unter dem Titel jedermanns Ladung vor Gottes RichlerstuhV* in London zum erstenmal veröffentlicht wurde. Der Niederländer Petrus van Die st hat es bald darauf für niederländische Bühnen bearbeitet und in Antwerpen aufgeftthrt. Später wurde das Spiel durch den Gelehrten Christian Ischyrius ins Lateinische übertragen und diese Fassung bildete dünn die Grundlage für all die zahlreichen Bearbeitungen, in denen das Werk weite Verbreitung fand. Es hat auch Hans Sachs eine Versübertragung der „Komödie vom sterbenden reichen Manne“ vorgenommen. Die erste deutsche Übersetzung stammt von dem Kölner Buchdrucker Jaspar von Gennep und ist schon 1540 im Druck erschienen. Aber der jeder mann“-Stoff selbst, die Dr- Legende, stammt aus dem Jüdischen. Das Thema vom reichen Mann, den Familie, Freunde, Reichtilmer vor seinem Tode verlassen und dem nur seine guten Werke folgen, findet sich häufig in der jüdischen Legenden- und SlttenUteratur. Zwei Bauptfassimgen seien hier mitgeteilt. Die erste findet sich in den Lehren des R. Eli es er (palästinensischer Midrasch aus dem 9. Jahrhundert). Drei Freunde hat der Mensch, so lange er am Leben ist: seine Frau und Kinder, sein Bob und Gut und seine guten Werke. Ist die Stunde des Todes nahe, ruft er seine Angehörigen zw sich und spricht: „Ack, rettet mich vor den Schrecken des Tödest“ Sie antworten: „Weißt du nicht, o Vater, daß es keine Macht wider den Tod gibt? Es heißt doch, daß der Bruder imd Freund es nicht vermögen, den Menschen vom Tode loszukaufen. Oh! Die göttliche Barm» herzigkeil stehe dir bei!u Und der Sterbende denkt an die aufgehäußen Reichlümer und ruft: jch habe mich doch Tag und Nacht um euch bemüht. O rettet mich vor den Schrecken des Todes.“ Die Reichtümer aber antworten: „Weißt du es nicht: Gold und Juwelen vermögen nichts in der Stunde des göttlichen Zornes.“ Nun ruß der Sterbende sehte guten Werke und spricht: „0 rettet mich vor den Schrecken des Todes! Stützet mich! Begleitet mich! Rettet mich! Stets habe ich auf euch vertraut.“ Und die guten Werke antworten: „Geh nur ln Frieden, Freund. Ehe du zum Gerichte angekommen bist, werden wir schon dort sein.“ — So heißt es in der Schriß: Deine Tugend geht dir voraus auf dem Wege, bis die Herrlichkeit Gottes dich aufgenommen hat. Die zweite Fassung findet sich in einem spanisch-fitduchen Sittenbuche, JH e norat hamaor“ (13. Jahrhundert): Ein Mann hatte drei Freunde. Den einen liebte er sehr, den zweiten weniger, den dritten beachtete er nicht viel. Einmal wurde dieser Mann vor den König beschieden und zur Eüe genötigt. Da fürchtete der Mann, getötet zu werden, und sprach zu eich: ,,lch will meinen liebsten Freund rufen, daß er mich begleite und bei dem König für mich spreche.* Doch der Freund wollte nicht mitkommen. Da sprach der Bedrängte: „Ich will meinen zweiten Freund bitten, daß er mich begleite.** Dieser Freund antwortete: „Vor den König trete ich nicht mit dir, aber ich begleite dich zum Königshof. Wenn wir diesen erreicht haben, verlasse ich dich und gehe zurück.“ Nunmehr ging der Mann zu dem dritten Freund, den er nicht hoch geachtet hatte, und erzählte ihm, was ihm mit den ersten zwei Freunden widerfahren war. Dieser letzte Freund sprach jedoch: „Fürchte dich nicht! Ich begleite dich und trete für dich vor den König, Ich wiü für dich zeugen und altes aufwenden, daß du gerettet werdest.“ Und er ging mit ihm, ward sein Anwalt und half ihm aus der Not. — Der erste Mann, den der Mann über alles lieb hatte, ist das Gold. Dieses verläßt als erstes den Menschen nach dem Tode und vermag nichts zu seiner Rettung zu tun. Der zweite Freund, das sind seine Kinder, Verwandten und Bekannten, die ihn wohl bis zum Grabe gelfiten, ihn aber, sobald er in die Erde gelegt wird, verlassen. Der dri*te Freund, der ihm wirklich beisteht und sich seiner nach seinem Tode annimmt, sind die guten Taten, die er auf Erden verrichtet hat. Diese Legende wird auch ln der. jüditeb* Je* :4 PARISER I NEUHElf Modellmantel, die Wirkung | kostOmartlg, | mit prachtvoller | echter Peruaner* Verbrämung, Entklasilge I Atdlerarbelt (U* aktuelle Vterbsteomptei «vt rein Schalk •raflboucIA le Modelarbeo GroOe. echte Whltecoat* Verbrämung Hochelegante Angora« und fein« Stoff« kleidet. Letzte Parker Mode* Neuheiten Elegante eng* lische Mode- Mäntel. Feine Schneiderarbeit deutschen Literatur nacherzählt und tot berühmte Frankfurter christliche Orlenfället 8öhu dt (17. Jahrhundert) führt sie. als ganz besonders charakteristisch für die Bedeutung der guten Werke in der jüdischen Religiosität 9fi. Sie ist nicht nur der christlichen Welt bekanntgeworden, sondern auch in die arabische Literatur gedrungen und dort dichterisch bearbeitet worden. Eo ln der Koran-Tradition und in der berühmten Makamen-Sammlung „Prinz und Derwisch“. Saisonbeginn In den Künsthnplefen Gespräch mit Direktor J. Golt/flies Das jüdische Theater io Wien hat eehfe Krteenzeit überwunden; in den letzten Jahreö läßt sloh merklich ein starker Aufschwung des Publikumsinteresses konstatieren. Die Erstarkung des jüdischen Lebens hat auch meinen „Jüdischen Künstlerspielen“ .nette Impulse gegeben; jüdische Vereine geben ihre Veranetaltungen im jüdischen Rahmen und fördern ihre und unsere Zwecke. Diese erfreuliche Situation ist jedoch nur deshalb möglich geworden, weil das jüdische Theater in letzter Zeit Spitzenleistungen geboten hat. Künstler wie die „Wilnaer“, Bara« toff, Sevilla, Pastor, Morris Sch war tz mit seinem Ensemble, die alle unter meiner Leitung spielten, mußten die Juden Wiens zu Freunden und Anhängern des Jüdischen Theaters machen. Ich will auöh fh der jetzt beginnendem Saison meine Bühne auf dem bisherigen Niveau halten. Der neue Star heißt Davis Seidemann. Ein Künstler, den ich aus London bringe, ein ausgezeichneter Schauspieler, ein Tenor, der ohne Übertreibung als der beste Sänger des jiddischen Theaters gilt. Maßgebend für dieses Engagement war der Umstand, daß ich nach einer Sevilla Pastor, diö nebst Mali Picon konkurrenzlos dasteht, keine ebenbürtige weibliche Nachfolgerin für unser verwöhntes Publikum finden konnte. Da« Morris-Schwarfcz-Gastspiel hat mich gelehrt, daß nur Ensemblekunst Niveauaufführtrngen vermitteln kann. Ich habe daher heuer besondere Sorgfalt auf die Zusammensetzung* lijeiües Ensembles verwendet. Ich bin eigens - in Städte gefahren, die für das jüdische* PENSION ECRSTEBI-Smtiiir neu renoviert Theater tonangebend sind, und bringe als Neuentdeckung eine blutjunge charmante Soubrette aus Wilna. — Sonja Rahel — und ein ausgezeichnetes Buffotanzpaar — Wolf und Susi Re in glas ans Warschau. Dazu kommen: die ständige Partnerin David Seidemanns Chana Lerner, eine Künstlerin von Format, ferner die Wiener Publiknmslieblinge Lora Glücksmann und Simon FosteV die nach längeren Auslandsengagements wieder an die Stätte ihrer Erfolge zurückgefunden haben, dann die Jugendliche Cilll Bell, sowie die Charakterdarsteller A. Bell, Sigall, Scborr, Tunis u. a. m. Besonders interessieren dürfte es, daß es mir gelungen ist, zu diesem Ensemble noch den beliebten Komiker Dolly Nachbar zu verpflichten. Nachbar, der zur Zeit noch eine Auslandsverpflichtung einzuhalten hat, wird Mitte Oktober in einer eigens für ihn geschriebenen Antrittsrolle im Rahmen einer Revue von Dr. S^m Wolf dieses hervorragende Ensemble ergänzen. In dem Bestreben, im Laufe der Saison auch einige literarische Werke zeitgenössischer Dichter aufführen zu können, habe ich mich der künstlerischen Mitarbeit des bekannten Regisseurs Jakob Feldhammer versichert. Dies ist in kurzem mein Programm für die jetzt beginnende Saison, für die a«.s „Theater Reklame“ vollständig renoviert wurde. Die Eröffnung findet Samstag den 36. September mit dem musikalischen Lustspiel „Schlojme Salrnen Splewtschik“ statt. —ei— bei Endstation der Elektrischen, also in 1 Stunde von der Oper erreichbar, zu vernieten Jahres. Wohnung, 2*/» Zimmer und 31/, Zimmer, Mädchenzimmer, Balkon, je samt Küche, Speis, Bad, 2 Erker, jeder Raum vom Vorzimmer separiert, I. Stock, Lift, Dr. Blöd), Baden, Balnerring Nr. 3 Hilferuf! Blinder Jude Vater zweier Kinder, seit langer Zeit arbeitslos und ausgesteuert, befindet sich in großer Notlage und wendet sich an die Öffentlichkeit am Hilfe. Spenden I nimmt entgegen und weist aus die Redaktion mageres Blattes,

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