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Die Stimme · 1936-09-16 · Heft 581 (16.9.1936) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 581 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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S»U« 10 DIC STIMME Nr. 581 — Wien, Mittwoch, 16. September 1095 rechtigkeit in die Welt verpflanzen. Denn auf Recht und Gnade ruht mein Thron. Geh’ hin und beruhige Israel. Und wenn dir auf deinem Wege Menschen begegnen und dir höhnend zurulen: Auserwähltes Volk! Auserwähltes Volk!, eo lasse eie in großer Seelenruhe an dir vorbei. Dieses Völklein überlasse mir, ich will mit ihm rechten!“ v Worte des Propheten: Und weiters sprach zu mir der Herr aus dem Dunkel: „Bevor der Morgenstern den Himmel rötet, wirst du am Lager deines Weibes stehen. Du wiret es im tiefen Schlafe finden, die beiden Kinder an seiner Seite. Der jüngst dir Geborene wird hart an der Brust seiner Mutter ruhen. Ein Schimmer des Glücks wird von ihrem Antlitz leuchten. Iet es nun denkbar, daß du dieses Weib verläßt? Sie, deren Schönheit dich in Bande e oh lug? Nach der du in schwülen Nächten deine Arme ausetrecktest in Schmerz und Sehnsucht? Sag’, Menschenkind, wirst du jemals dich ewig von deinen Kindern wenden? Oder glaubst du, daß deine Kinder diese Mutter lassen können, um sie gegen eine andere einzutauschen? Oder kann es dir jemals einfallen, daß diese« Weib voll Kraft und Liebe und Schönheit, einer jungen Löwin vergleichbar, ihre Kinder einmal verlassen könnte, um sie nicht wieder zu sehen? Menschenkind, ist Raum in deinem Kopfe für einen solchen Gedanken, für eine solche Empfindung in deinem Herzen?! So wird mein Volk da« Land nicht verlassen, nach dem es sich Tausende von Jahren sehnte. Kein andere« Land wird die gelobte Erde ihm ersetzen. Denn es ist die Liebe seiner Jugend, die unersetzbar ist. Künde diese« Gleichnis deinen Brüdern und den Völkern, die es nicht verstehen. Kein Land kann meinem Volke die Erde ersetzen, die ich ihm zitgelobt habe. Und dieses Land wird sich nur durch Israel erlösen lassen. Und dies ist mein Zeichen, das ich allen wies, die es sehen wollen: Hart und widerspenstig blieb die Scholle Kanaans, bis sie die Hände Israels berührten. Das ist mein ewiges Zeichen, gleich dem Regenbogen am Firmament.“ Und noch sprach der Herr: „Auf dem Wege nach deinem Heim wirst du weder rechts noch links etwas sehen. Denn dich wird umgeben das tiefe Schwarz dieser Nacht. Deinem Blicke entrückt werden die Gärten liegen, die Friedhöfen gleichen, weil frevelhafte Hände ihre Bäume niederlegteu. Und leer liegen dort die Hütten, deren Bewohner sie aus Furcht vor Iemaels bluttriefenden Fäusten verlassen haben. Und die Schlote, die dort jüngst geraucht, wirst du nicht sehen, weil unter ihnen kein Feuer ist. Und aus den öden Farmen, die auf deinem Woge liegen, wird dein Ohr nicht das Brüllen einer Kuli und nicht da« Krähen eines Hahnes vernehmen. Deswegen soll dein Herz nicht erbeben. Ich schwöre bei der Treue deiner Ahnen Abraham. Jizchak und Jakob, daß ich für jede leere Farm hundert blühende errichten werde! Und jedes verlassene Dorf will ich zur rauschenden Stadt erheben! So wahr ich mein Volk geführt habe im Wandel aller Zeiten, so wahr wird mein Wort werden, das ich dir verkünde im Dunkel dieser Nacht!“ Worte des Propheten: Als die Stimme aufhörte zu mir zu sprechen, schrie es aus allen Höhen und allen Tiefen: Amen! Amen! Amen! Da erhob ich meine Füße und machte mich auf den Weg, um Gottes Wort zu verkünden. Oberrabbiner Dr, Robert Serebrenik (Luxemburg): VON DER NOT DER EWIGEN MINORITÄT Ruf aus Zion: »Für des hebräische Buch« Die Broschüre „Am wa — Sefer“, eine Zeit* sehrift des „Brith Iwrith Olamith“, enthält) einen Überblick über die Neuerscheinungen! im hebräischen Schrifttum, doch werden! darin auch die Probleme der Hebraisierung in der Golah und in Erez Israel ausführlich behandelt. Das Heft enthält auch einen Brief „An die Freunde der hebräischen Sprache lind Literatur in allen Ländern der Diaspora“* in dem es heißt: Die letzten Jahre galten dem Aufbau dc9 nationalen Heims für Israel in seinem Lande. Es erstand zu neuem Leben das neue Pa* lästina. Aber leider scheint es gerade jetzt* in der Renaissance des Judentums, als ob in der Diaspora das Band zwischen dem V o1k und dem hebräischen Buch gerissen wäre. Beinahe habqn wir aufgehört, das Volk des Buches zu sein. Was es heute au hebräischen Lesern in der Diaspora gibt, sind meist schon in mittleren Jahren stehende Menschen. Wenn dieses Geschlecht nicht mehr da ist, besteht die Gefahr, daß in der Diaspora kaum jemand noch die hebräische Sprache kennt. Dieser Gefahr muß begegnet werden. Helft uns, den Bund zwischen Volk und Buch zu erneuern, stärkt das geistige und kulturelle Band zwischen Erez Israel und der Golah. Wir wollen das hebräische Lesen organi* sieren. Dafür haben wir folgenden Plan: 1. Organisierung der Leser und Käufer« Jedes Mitglied teile uns mit, welchen Jahres* betrag es für hebräische Bücher zeichnet. Zwischen jedem Melirheitsvolk' und der Minderheit, die in seiner Mitte wohnt, besteht ein natürliches Spannungsverhältnds. Ist die Minorität innerlich gesund, ungebrochen und zukunftsfreudig, so wird sie versuchen, unter Wahrung ihrer Eigenart und bei Erhaltung ihrer kulturellen und sozialen Substanz die Spannung zu überbrücken, und ein ersprießliches Zusammenleben mit der Mehrheitsbevölkerung herzustellen. Ist sie innerlich faul und haltlos geworden, dann wird sie diese Spannung gänzlich zu überwinden suchen, indem sie, zur Selbstaufgabe bereit, sich auflöst und in dem Hauptvolk nnfcerzugehen und zu. verschwinden ' trachtet.* Welcher Weg eingeschlagen wird, ob der eine oder der andere, ist eine Frage der Vitalität und des sittlichen Potentials der betreffenden Minderheit.!Als nach der großen politischen Katastrophe des Jahres 70 dde Juden sich über die ganze Welt zerstreuten und vornehmlich in den europäischen Ländern niederließen, machten sie als Minderheit über kurz oder lang die Erfahrung von dem natürlichen Spannungsverhältnis, das auch ihre Beziehungen zu den Mehrheitsvölkem zu überschatten begann. Und wenn wir die allerdings langen Jahrhunderte der Absperrung in Ghettos bedseitelassen, da die Lösung des Spannungsproblems nicht dem freien Spiel geistiger und sozialer Gestaltungskräfte von beiden Seiten überlassen war, sondern durch den Staat einseitig und gewaltsam durch eine Ausschaltung der Juden diktiert wurde; wenn wir also nur die verhältnismäßig kurzen Geschichtsabschnitte betrachten, in denen die Juden bald da und bald dort frei lebten und im Genuß eines größeren! oder geringeren Maßets von Gleichberechtigung frei und aus sich selbst heraus an die Bewältigung des Spannungsproblems herangehen konnten, so finden wir, daß die Juden, in der Hauptsache zwei Wege eimsehlugen. Diese beiden Wege bat schon die Bibel vorausgekündigt, in einer den heutigen Juden so hart ansprechenden und tief erschütternden Weise, daß wir die Richtung und den Ablauf wohl am besten an Hand ihrer eigenen Worte verfolgen können: „Der HERR streut dich unter alle Völker von einem Ende des Erdenrundes bis zum anderen; dort dienst du fremden Göttern, von denen du nie gewußt, weder du noch deine Väter, Holz und Stein. ER gibt dir dort ein beständig aufgeregtes Herz, versagende Augen und eine verschmachtende Seele. Dein Leben wird immer in Schwebe sein dir gegenüber, aufschrickst du bei Tag und bei Nacht, du traust deinem Leben nicht mehr“ Onkelos, der im zweiten Jahrhundert seine bekannte Bibelübertragung in die aramäische Volkssprache verfaßte, ändert hier den Biibeltext. Das hebräische: „Dort dienst du fremden Göttern“ lautet in seiner Übersetzung: „Dort dienst du fremden Völkern, die andere Götter anbeten.“ Was Onkelos zu dieser ungewöhnlichen Änderung an dem sakralen Text der Schrift veranlaßt«, war jedoch keine Willkür, sondern geschichtskritische Überlegung, die er durch persönliche Erfahrung gestützt zu finden glaubte. Er meint: Wenn Juden den Gott und den Glauben ihrer Väter abschwören und mit den Lebensformen auch die Seinsinhalfce der WirtsvölkeT amnehmen, warum sollten §ie dann — wie es im Nachsatze heißt — keine Ruhe finden? Solche Juden würden ja als mit der Umwelt einsgeworden angesehen werden, sie würden auf diese Weise mit den anderen verschmelzen und ununterscheidbar in ihnen aufgehen. Für sich hätten sie die Judenfrage gelöst und wären dem von der Thora ausgesprochenen Fluch der Galuth entronnen. Warum sollten sie auch weiterhin eine „Zielscheibe der Witzwetzumg, ein Gegenstand des Hasses und der Verachtung, der Verfolgung und Peinigung“ ausgeeetzt sein?!? Onkelos selber war doch den umgekehrten Weg vom Heidentum zum Judentum gegangen, und war er nicht ganz Jude geworden?!? Ihn Esra jedoch, der berühmte Bibelkommentar, hält den Text aufrecht und verzeichnet hier als Anmerkung kurz und desillusionierend: „Und es wird dir nichts nützen.“ Ibn Esra lebte im Spanien des 12. Jahrhunderts, in der Blüteperiode jenes Landes, dessen Segnungen auch die Juden in vollen Zügen mitgenossen. Diese glückliche Ära jüdischer Geschichte gleicht bis aufs Haar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, das im Zeichen der Emanzipation stand. Damals wie heute versuchten viele Juden, das Spannungsverhältnis zur Umwelt durch die Taufe oder sonst eine der mannigfachen Zwischen- und Übergangsformen zu überwinden. Ibn Esra muß solche Fälle aus eigener Beobachtung gekannt und auch ihren negativen Ablauf miiterlebt haben. Darum schreibt er in Bekräftigung der Bibelstelle, die diesen ersten Weg illustriert: „Und es nützt ihnen nichts.“ Für die Umwelt blieben sie Juden, und gerade sie waren vor allen anderen ein Gegenstand des Mißtrauens, der Verachtung und des Hasses für die Völker, unter denen sie doch keine Ruhe finden konnten. Dieser eine Weg, die Spannung zur Umwelt durch Selbstaufgabe aufzuheben, war — zu unserer Ehre sei es gesagt — niemals der Weg jüdischer Massen. Er artete niemals in eine Massenerseheinung oder in eine offizielle Gruppenideologie aus, sondern beschränkte und beschränkt sich, heute wie früher, auf einzelne, auf Randelemente. Aber wenn der Judenhaß sein Haupt erhebt, werden auch die Fahnenflüchtigen in die jüdische Solidarität zurückgeworfen. Der andere Weg, den die Schrift nach Onkelos vorhersagt: „Dort dienst du Völkern, die andere Götter anbeten.“ Diesen Weg sind jüdische Massen gegangen, ganze Judentiimer, er wurde gewissermaßen das Glaubensbekenntnis der dem Ghetto Entronnenen und Erlösungsbedtirftigen. So suchten wir als Minorität das Spannung®Verhältnis zur Majorität zu überbrücken und ihm den Stachel und die Härte zu nehmen. Wir haben uns den anderen Völkern hingegeben, mit der ganzen Inbrunst unserer Seele, mit all dem Feuer und der Innigkeit unseres Herzens. Ihre Nöte waren unsere Nöte, ihre Fremden unsere Freuden. Alle Gebiete ihres Lebens haben wir mitgefördert, ihre Wissenschaft zn Ruhm gebracht, ihre Literatur bereichert, ihrer Wirtschaft durch eine Fülle von Ideen und durch unerschöpflichen Unternehmungsgeist stets neue Impulse gegeben. Wir haben ihnen gedient und dienen ihnen bis zur Entäußerung der inneren Würde, bis zur Aufgabe der geschichtsüberlieferten Persönlichkeit. Und das Ergebnis? Trotz alledem „finden wir keine Rast, keine Ruhestatt unseren Fußsohlen; trotz alledem müssen wir nun erfahren, was es heißt, „ein tobendes Herz zu haben, und Versagen der Augen und Verschmachten der Seele“. Audi dieser Weg hat1 uns aus der Galuth nicht herarsgeführt. Audi mit dieser Methode ist es uns nicht gelungen, das zwischen uns und den Majoritätsvölkern bestehende Spannimgsverhältnis zu überbrücken und ein klares und dauerhaftes Beziehungssys'tem an seine Stelle zu setzen. Die Brücken, die wir geschlagen, reißt der erste rauhere politische Luftzug ein, und ein stärkeres Fühlbarwerden der Krise ist Grund genug, uns zu verleumden, unseren jüdischen Namen zu besudeln, und alle kleinen Geister, die gut hassen können, gegen uns zu organisieren und aufzuhetzen. Denn die Organisation intellectuelle des haines politiques ist ja, wie Julien Binda sagt, die glorreiche Erfindung unseres Jahrhundorts. Warum aber wirkt sich diese Spannung, die sich zwischen jede Majorität und ihre Minoritäten schiebt, so ganz besonders furchtbar gegen uns Juden aus? Die Antwort ist einfach genug. Weil wir Juden eine Minorität auf der ganzen Welt bilden, weil wir die Minorität par excellence sind, die Minorität ohne Rückendeckung. Alle anderen Minderheiten, mögen sie nationaler, religiöser oder rassischer Art sein, besitzen irgendwie an einem Punkt der Erdoberfläche einen Staat, wo ihro Volksgenossen in der Mehrheit sind. Das gibt ihnen mit der Riicken- Jeder Leser bekommt Kataloge, aus denen er Bücher wählen kann. Sein Bücherverzeichnis sendet er an den „Ausschuß des hebräischen Buches“, der die gewählten Bücher vom Ver* leger besorgt. Wer will, kann auch dem Ans* schuß die Auswahl überlassen. Er braucht nur die gewünschte Bücherkategorie (Wissen* schaft, Erzählung, Lyrik usw.) anzugeben. 1 2. Die Mitbauenden und Aktiven, die als! Pionierorganisation gelten. Ihre Namen wer* den im jährlich erscheinenden „Gedenkbuch für hebräische Kultur“ veröffentlicht. Siel haben uns mindestens zehn Namen von stän* digen Lesern und Käufern des hebräischen! Büch es bekanntzugeben. v; ■ i Der-Aufruf, der betitelt ist „Ruf aus Zion“j ist gezeichnet vom Waad ha-Leumi, vom BiaK lik-Institut der Jewish-Agency, von den SethriftstellerorganiBation Palästinas, vom He* bräischen PencLub Palästina«, von der Lehrer* Organisation Palästinas und vom Brith Iwrith Olaimith sowie vom „Ausschuß des HebräischeU Buches“. deckung Kraft und ein stets gegenwär* tiges Sicherheitsgefühl. Wir Juden allein sind auf Toleranz und Humanität angö* wiesen. Aus dieser fatalen Situation: gib? Qä logischerweise und zwangsläufig nur einem rettenden Ausweg: den Aufbau eines majoritären jüdischen Gemeinwesens in Palästina. Wenn wir nicht die über jede Gewißheit erhabene Überzeugung hätten, daß durch ein solches Erez Israel die moralische und gesellschaftliche Position der Diaspora implicite gebessert würde, wir brauchten keinen Finger für seine Schaffung zu rühren. Es ist unmöglich, die Diaspora gänzlich zum Verschwinden zu bringen. Aber um einer Diaspora1 Sicherheit von Leben, Existenz, Ehre,und Recht garantieren zu können, brauchen wir einen, den historischen Punkt auf der Erdoberfläche mit jüdischer Majori* tät. Durch eine solche Heimstätte mit’ jüdischer Mehrheit, 'und nur so kann sie uns Heimat werden, wird auch für die Diaspora das größte Gefahrenmoment, das Golus, fortfallen. In oiner Zeit, in der die Umwelt, in zwei Lager geteilt, von uns entweder Gleichschaltung fordert oder uns mit Ausschaltung bedroht, in beiden Fällen also die Hand an die Wurzel unserer geschichtlichen Existenz zu legen sich ansohickt, erwartet das jüdische Volk im kommenden Jahr, „daß jeder seine Pflicht tut“, daß ihm durch eine Verbreiterung der Grundbasis in Erez Israel der gebeugte Rücken gedeckt und gestärkt werde. Wir machen unser gosch. Loser auf das Inserat der renommierten Buchhandlung Rath & Gin., II., Tabomtraßo 20a, besonders aufmoi ksam.

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