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Die Stimme · 1936-09-16 · Heft 581 (16.9.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 581 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit» 4 Oli STIMM» Nr. ööl — Wien. Mittwoch, 16. September 1936 D. TABAK, I., Salzgries 5 wUnsoht allen werten Kunden, Freunden und Bekannten ein recht glückliohea Jahr Dr. Rottenstreich über Palästinas Wirtschaft 2u (Uh höhen JciectageH wie alljährlich — auch heuer ins TM RESTAURANT \j), Spcii&u Jelxt II., Hammer Purgstallg. 7 (Nähe Dianabad) Bekannt vorzügliche Wiener Küche Menüs von Schilling 1.60 aufw. Orientalische Speisen am Rost u. Spieß daß wir Zusammenkommen müssen, ob nun mit oder ohne England. Das neue Jahr beginnen wir in der Klage ran die 87 Toten, die für das jüdische Volk in Erez Israel gefallen sind. Wir beginnen es in Not und Sorge. Aber wir beginnen es in ungebeugtem Mut. Wir streichen unsere Flagge nicht. Wir wissen nicht, was dieses neue Jahr einmal deuten wird. Aber wir hoffen, wir arbeiten, wir danken nicht a.b und wir vertrauen auf unsere Entschlossenheit, die wir auf dem jüdischen Weltkongreß ausgesprochen haben. Es war nicht vom ganzen jüdischen Volk beschickt. Die Treulosen, die Unehrlichen, die Feigen sind ihm ferngeblieben. Aber trotzdem hat er laut gesprochen und er ist gehört worden. Er appelliert an alle und wir wollen, was wir können, tun, um den Ruf zur Einigkeit aller zu befolgen, aller, die einig sein wollen und die den Willen des Volkes zimi Leben und zum Sammlungbejahen. Wir wollen gegen den Parteiwahnsinn ankämpfen, wir wollen ein einiges jüdisches Volk, daß durch europäische Parolen auseinandergehalten wird. Hoffentlich wird uns da« neue Jahr in diesem Streben zum Erfolg führen. Wenn das jüdische Volk einig ist,, dann iet es unüberwindlich. Einzige Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen. Abendkurse. Wien, II., Tabontr. 39, Tel. A 45-6-57 Unterrichtsbeginn 22. September 1936 Eröffnungsfeier 12. Oktober 1936 8 Uhr abends, mit Ansprachen prominenter Persönlichkeiten im Festsaal des Hotel Bayrischer Hot, II., Teborstr. 39 Eintrittskarten erhältlich nur bis 6. Oktober in der Schulkanziei. Ohne Eintrittskarten ausnahmslos kein Eintritt In den letzten Wochen weilte Doktor Fiscbl-Rottenstreieb, Mitglied der Zionistischen Exekutive, in Europa. Während seines Wiener Aufenthaltes hat Rottenstreich einem Redakteur unseres Blattes die folgenden interessanten Mitteilungen über Palästinas Wirtschaft und die Pläne für ihre nächste Entwicklung gemacht. Die Pläne des Jischuw, den palästinensischen Markt für palästinensische Produkte zu erobern, konnten nur zum Teil gelingen, weil Palästina nach dem Mandatsvertrag keine Schutzzölle hat. Die Krise, die durch den italienisch-englischen Konflikt um Abessinien hervorgerufen wurde, hatte eine großzügige Propaganda für Tozereth Haarez zur Folge, wobei sich besonders die Konsumenten, das sind vornehmlich die Arbeiter, mit Begeisterung in den Dienst der Sache stellten. Mau machte Vorstellungen bei der englischen Regierung, daß sie doch einige Zölle bewillige. Die Aktion war von teilweisem Erfolg begleitet, es wurden gewisse Zölle bewilligt und so konnten ausländische Produkte zugunsten der palästinensischen Produktion vom Palästinamarkt verdrängt weiden. Unsere Bemühungen, noch weitere Maßnahmen zum Schutze der palästinensischen Industrie zu erlangen, werden fortgesetzt. Die Araber machen mit uns gemeinsame Sache, wo es sich um den Schutz der landwirtschaftlichen Produkte handelt, weil sie selbst Landwirte sind, wogegen sie aber die Schutzzölle für Industrieprodukte bekämpfen. Die Unruhen hatten ein Absinken dos Zustroms ausländischen Kapitals zur Folge. Der Jischuw erkannte sofort, daß im Interesse der Zahlungsbilanz der Import entsprechend eingeschränkt werden müsse. Es wurde darum eine weitere Aktion zur Stützung der heimischen Produktion eingeleitet. Es hat auch das nationale Kapital, besonders der Keren Hajessod der Industrie durch besondere Kredite geholfen. Neue Industrien entstehen heute begreiflicherweise nicht, denn in Unruhezeiten entschließt man sich nur schwer zu neuen Investitionen. Wenn die Unruhen aufhören, wird aber sofort ein Teil der in den Banken liegenden Gelder in die Wirtschaftskanäle fließen, so daß neue Produktionsstätten entstehen werden. Das vorhandene Kapital in den Banken beträgt etwa 17.5 Millionen Pfund. Die Exekutive wird nicht müde, das Kapital im Interesse neuer Investitionen zu beeinflussen, damit der palästinensische Konsum unabhängig gemacht werde vom Import solcher Waren, die im Land erzeugt werden können. Es soll aber auch der palästinensische Export gefördert werden. Die Exekutive beabsichtigt, eine Exportgesellschaft zu gründen, die die Eroberung dos nahen Orients für palästinensische Produkte versuchen soll. Unsere Industrie hatte im letzten Jahr ziemlich guten Absatz in Syrien. Da aber Syrien bekanntlich den Aufstand in Palästina unterstützt und die Belieferung Palästinas mit, seinen Agrarprodukten eingestellt hat, hat auch der Export aus Palästina nach Syrien wieder aufgehört. Wir wollen jetzt vorsuchen, Ersatz für den Ausfall in anderen Ländern des nahen Orient« zu finden. Es werden zu diesem Zwoek zunächst fahrende Ausstellungen veranstaltet- Bekanntlich hat Ägypten die Lage in der Weise ausgentitzt, daß es nun Waren, die früher aus Syrien kamen, liefert. Wir versuchen jetzt, unseren Export nach Ägypten zu vergrößern. Ein besonderes Problem bilden die Länder mit Devisensperre. Sie sind Nutznießer der Politik der offenen Tür in Palästina, sie können dort viel verkaufen und kaufen sehr wenig von uns. Mit diesen Ländern führen wir jetzt Verhandlungen, um Clearingverträge abzuschließen. In der Landwirtschaft, bemüht inau sich, die eigene Produktion zu vergrößern, um ganz unabhängig zu werden von den arabischen Produzenten. Die Exekutive wird für diese Zwecke aus dem Keren Bizaron wahrscheinlich 100.000 Pfund zur Verfügung stellen. 50.000 soll die Industrie bekommen. Es wird dahin gearbeitet, daß die jüdischen Importeure den Streik der arabischen Importeure ausnützen und deren wirtschaftliche Positionen besetzen. Gewisse Erfolge sind auf diesem Gebiet schon zu verzeichnen. Früher war zum Beispiel der Eierimport, der sehr groß ist, fast ausschließlich ln arabischen Händen. Mit Hilfe Vollständig renoviert lind vergrößert Cafe Buchsbaum ll.f Kleine Pfarrgaise 21, Tel. A 43 5-19 Ausführung: Architekten Ing. J. Rindler, Ing. L. Schielen Eröffnung: Samstag, 19. Sept., 7h abends der Exekutive haben die jüdischen Eier-! händler den Import bereits zum Teil in ihre. Hände bekommen. Wenn man die Liste der Importwaren dufchsiebt, erkennt man, wie viel Pros d ti k t i o n s- und V e r d i e u s t, m ö g* lichkeitenin Palästina noch erschlossen müden können, wenn du« jüdische Kapital sich zu Investitionen entschließt. Ich bin überzeugt, daß die Regierung weitere Zölle bewilligen wird, wenn sie sich überzeugt, daß die palästinensische Produktion den heimischen Bedarf mindestens zu 50 bis 80 Prozent zu decken vermag. Können Kinder auf dem Düthe basteln, turnen, planschen, douchen, sonnen, Sand spielen,Schlitten fahren, Schneemann bauen? /al ater nur im Privatkindergarten an der Schuiedenbrache II., Taborstraße 1 (englische Spletstundonl Niemand darf abseits stehen f wenn der Zionismus kämpft! Wir kämpfen neuerlich um die Wiener Kultivsgemeinde. Wir werden siegen! Aber wir brauchen die Mitarbeit jedes Zionisten. Melden Sie sich zur Wahlarbeit sofort bei Ihrer Sektion! Sehen Sie nach auf Seite 7 dieses Blattes! Dort können Sie feststellen, wo das Sekretariat der Sektion Ihres Bezirke« ist! mobel-winter für Gelegenheitskäufe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 be) lerchenfelderstraße Telephon; A 21-5-31 Zahlungsmoral In Palästina erstklassig Wie das österreichische Exportförderungsinstitut mitteilt, ist die Zahlungsmoral in Palästina trotz der schwierigen Verhältnisse weiter erstklassig. Es treten für österreichische Firmen, die Schulden im Lande haben,, keinerlei Verzögerungen ein. Landaufenthalt mit Gelegenheit zu landvrlrtach. Arbeit für Jungen M!,nn, etwas nervenschwach, womöglich t>»f Arzt oder Lehrer ge^en en'spiechende Bezahlung gesucht Anbote unter «Landwirtsch. Betätigung” ah die Adm. d. BL * Zionistische Bezirkssektion Wieden- Margareten. Hebräiscb-Kurse: Die Sektion eröffnet Hebräißch-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene unter Leitung eines bewährten Lehrers. Anmeldungen nehmen die AusrcIiußmitglieder Wilhelm Feldschub, Wien. V., Wiedner Hauptstraße 00/92, und Alfred Bentfeld im Heim entgegen. — Kindergarten: Die Sektion eröffnet auch den Kindergarten. Anmeldungen beim Obmann Fritz Müller, IV., Argentinierstraße 62. De* alle R.e1> 5dtlntcii Von Jizchak Leib Perez „Was tragt Ihr für einen Schatz unter dem Arm, Rob Schimon? Mit zitternder Hand drückt Ihr ihn ans Herz und die Freude strahlt Euch aus den Augen!“ „Ach!“ antwortet Reb Schimon mit verlegenem Lächeln: „Es ist nur mein Schofar, mein Feiertagsschofar!“ „Ein Feiertagsschofar?“ „Das ist bei mir einmal ßo: an Wochentagen im Elul blase ich einen gewöhnlichen Schofar. Dieser aber ist ein teurer, ßchön gearbeiteter Feiertagsschofar!“ Er nimmt ihn in die Hand und betrachtet ihn mit großer Liebe. Es ißt ein kleiner, dünner, aschgrauer, aber zierlicher Schofar... Er ist gekrümmt wie jeder andere, doch anmutig wie daß Lächeln eines Kinde«... Und er streichelt ihn mit zitternden Fingern und hebt ihn bis an den Bart, so daß die langen, feinen, silbernen Haare ihn liebkosen. Die beiden Heiligtümer — der heilige, aschgraue Schofar und der heilige, silbergrauo Bart berühren sich, und aus den alten Augen leuchtet eine kindliche Freude... „Liebt Ihr den Schofar?“ „Wie das Leben? Denn ich liebe das Sohofarblaßen über alles!... Mein Vater, er ruhe in Frieden, war Pächter, wir lebten in einem Dorfe, und ale kleiner Junge beneidete ich immer den Schafhirten um ßoine Flöte... Er pfeift, und die Schafe sammeln Bich um ihn und blicken ihm ln die Augen... Ein Schofar ist aber noch mehr: er sammelt die Seelen, jüdische Seelen, wie sie sich einst um den Berg Sinai drängten... Und die Seelen lauschen ihm! Ich liebe daß Schofarblasen über alles... Aber nicht jedes Schofarblasen!“ fügt Rob Schimon hinzu. „Die lange Tkije am Jom-Kippurabend liebe ich zum Beispiel nicht... Wenn ich den Schofar an den Mund führe, liegen schon fast alle Leute unter den Bänken. Wenn ich mich umschaue, «ehe ich ein Ährenfeld im Sturme; die Ähren neigen sich zu Boden... Und da muß ich Schofar* blasen! Es ißt gar nicht schön! Auch den ganzen Elul macht mir das Schofarblaßen keine rechte Freude... Die Gemoiude ist wie än Wochentagen klein und zerstreut. Der eine kommt, der andere geht... Durch die offenen Fenster dringt der Lärm des Marktes herein... Schreie von jüdischen Frauen und Bauern, sie seien voneinander wohl unterschieden! ... Auf dem Schulhofe trompeten dio Gassenjungen... Ich blase, und sie blasen... Ganz verwirrt bin ich jedesmal! Es ist nichts! Am Bosch-Haschanah ist es gany anders! Die Betonden stehen in ihren Gebetmänteln mit den funkelnden Besätzen wie Königssöhne, da.,, Sie. wiegen sich wie frische Ähren auf einem von Gott gesegneten Felde. Alles rauscht wie ein Wald, wie ein Fluß...“ „Ihr denkt wohl noch immer an Euer Dorf, Reb Schimon?“ „Ja, das waren schöne Zeiten... Meine Jugenderinnerangen... Wald und Fluß, und eine alte Mühle stand am Fluß... Und wenn ein Wind ging und der Wald und der Fluß rauschten, dachte eich der dumme Junge, daß sie einen Pßalm sprechen und daß der Himmel gleich Schofar blasen wird... Ach ja, clie alte Zeit.. „Und wie ist es jetzt, Reb Schimon?“ „Jetzt? Wenn ich jotzt vor Pessach ins Dorf fahre, um die Mühle zu kaschern, und 'wieder den Wald und den Fluß rauschen höre, so Ist es mir, als ob sio mir zürnten... Sie brummen: ,Man hat dich doch von hier vertrieben, was hast du hier noch zu suchen?!4 Wenn ich aber an der heiligen Stätte stehe, und die Gemeinde sieh im Gebet wiegt und rauscht, bo sehe ich den alten guten Wald wieder vor mir und den alten guten Fluß... Und er rauscht immer lauter und lauter, bis er schließlich entwurzelt uinfällt! Viele Flammen, ein Flammenmeer steigt hinauf, steigt durch die Peoko und durch dio Wände zum Himmel empor, wie ein brennender, glühender Psalm!... Und plötzlich ißt alles verschwunden... Es ist still... ganz still... die Gemeinde hält den Atem an... Man hört nur die Lichter auf dem Vorbeterpult in heiliger Hitze knistern... Die Gemeinde wartet auf mein Gebet, auf meinen Segensspruch! Nun führe ich den Schofar an die Lippen ... Der Dajen sagt mir vor, und ich blase ,Tkioh‘, ,Truoh‘, ,Schworim‘... Die Töne sind klar und rein wie kristallklares Wasser.. In seinen Augen leuchtet wieder eine kindliche Froude. „Daß Ihr es in Eurem Alter noch fertigbringt, Reb Schimon!“ „Ach“, antwortet er und verzieht das Gesicht. „Sonst bin ich ja schwach wie eiue Fliege.. „Und beim Schofarblasen seid Ihr ein Löwe?“ „Es ist kein Vergleich, aber ich bin wirklich wie ein Löwo!“ „Und es gelingt Euch immor?“ „Nein, nicht immer... Zuweilen habo Ich mit Schwierigkeiten zu kämpfen .. „Wonn der Satan in den Schafur liineinkrieoht und die Öffnung verstopft?“ „Ach, es gibt ärgere Dinge! Gegen den Satan habe ich meine Mittel... Sichere, altbewährte Mittel.. ,,Wa« gibt ee denn sonst?“ „Was es sonst noch alle« gibt? Manchmal befällt mich moin Husten... Mein alter Hußten... Er stammt noch von Taschlich ... Vierzig Jahro sind es wohl her... Was den Gojim nicht alles einfällt! Der Prißtaw erließ einmal ein Gesetz, daß die Juden nicht mehr zum Stadtbach gehen dürfen, um ihre Sünden abzuschüttuln!.,. Mit den Krümeln, dio wir aus den Taschen schütteln, wird daß Wasßor verunreinigt... In Jerusalem, sagt er, werdet iihr es tun dürfen... Nun gebt man natürlich heimlich hin.,*

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