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Die Stimme · 1936-08-28 · Heft 576 (28.8.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 576 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Soft« 4 Oll IffMMI Nr. 576 — Wien, Freitag, 28. August 1986 Das Leben der Jemenitin Die Forderungen des Jischuw Die bekannt* jemenitische 8ängerin und Tänzerin Sarah Osnat Halewi, iie sich in Palästina amresiedelt hat, leierre kürzlich in New York große künstlerische Triumphe. Bei dieser Ge* e^euhe t späh eie einem Journalisten die folgende Darstellung des Lebens im Jemen: Die Lage der Juden im Jemen ist besonders traghch. Sie wohnen in Lehmhütten oder Zelten. Sie haben keine bestimmte Tracht, sondern tragen alle ein langes Hemd mit Gürtel. Am Feiertag ziehen sie lange Kaftans an. Ihre politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Bind trostlos und werden auch in der nächsten Zeit keine Besserung erfahren. Die Juden leben inmitten der Moslems, die jeden Andersgläubigen, sowohl den Juden als auch den Chr sten, als den Feind des Islams betrachten und als ein unreines Wesen anseben.' Die Musiems sind den Andersgläubigen feindlich gesinnt. Aber die jemenit'schen Juden verlieren nicht die Hoffnung auf Besserung und da sie Kontakt weder mit der Zivilisation nach unseren Begriffen noch mit unserer Kultur haben, glauben eie subjektiv, daß ihr Leben erträglich sei. Außerdem kennzeichnet sie eine stark ausgeprägte optimistische Einstellung zum Leben und seinen Erscheinungen. Das erleichtert ihnen dieses harte Leben. Im übrigen entspricht ihr Lebensstandard demjenigen des Arabers. Ebenso w'e die Araber bauen sie Gemüse und manche Getreidearten, nur einzelne der nach einigen tausend zählenden jüdischen Familien können sieb den Luxus leisten, von Zeit zu Zeit ein Stückchen Fleisch zu essen. Jerusalem, 24. August. (Palcor.) Die Abordnung der jüdischen Nationalversammlung, welche die kürzlich beschlossenen Resolutionen zu überprüfen hatte, wurde heute vom Oberkommissär empfangen. Der Führer der Delegation, Ben Zwi, führte in seiner Ansprache aus, daß der Terror weiter um sich greife, da die Regierung keinen Gebrauch von den Notverordnungen mache und mit den bisher angewandten Mitteln eine Wiederherstellung der Ordnung nicht erreicht wurde. Der Jischuw stelle daher folgende Forderungen: 1. Jüdische Wachen auf den Chausseen, Eisenbahnlinien und sonstigen Verkehrsverb’ndun^en; 2. Mitwirkung der jüdischen Jugend m der Bekämpfung der Araberbanden; 3. Eingliederung der jüdischen Viertel in Jaffa in den Tel-Aviver Stadtbezirk; 4. Fertigstellung der Chaussee Tel-Aviv—Haifa. Der Jischuw fordere ferner, daß die arabischen Streikführer für die Unruhen verantwortlich gemacht wer de n und daß die Regierung eine Entschädigung für die Opfer der Unruhen gewähre. Die Delegierten äußerten sich voll Erbitterung über die Tatsache, daß die Notverordnungen im gleichen Umfange gegen die Verteidiger wie gegen die Angreifer angewandt würden. Sie protestierten gegen die Verbannung von zwei Juden aus T i b e r i a s, von denen einer Mitglied der Deputation war. Politische Konzessionen und eine Einschränkung der Einwanderung unter dem Druck des Terrors würden das Vertrauen des Jischuw in die Regierung erschüttern. Die von den Juden trotz allen Provokationen bewiesene Selbstbeherrschung beruht auf ihrer festen Überzeugung, dal ihre politischen Reohte nicht angetastet werden. Der Oberkommissar weicht aus In seiner Antwort erklärte der High Commissioner. daß er bezüglich der Frage der Einwanderung der von Ormsby Gore gemachten Erklärung im Unterhaus nichts hinzu fügen könne. Die Regierung sei in erster Linie bemüht, dem Terror ein Ende zu machen, der wohl noch kurze Zeit andauern könne, jedoch schließlich unterdrückt werden würde. Er wies auf die kürzliche Verstärkung der jüdischen Hilfspolizei hin und erklärte, er sei bereit, weitere ähnliche Maßnahmen in Erwägung zu ziehen. Was die Einordnung jüdischer Grenzviertel in Jaffa in dem Tel-Aviver Stadtbezirk anbetreffe, so würde er diese Frage ernsthaft in Erwägung ziehen. Was Entschädigung anlangt, so sei diese Frage vor Wiederherstellung der Ordnung nicht diskussionsreif, und die letzte Entscheidung hierüber liege beim Kolonienminister. tag iiueli BAli n, BOLLfi I I A > S IK > .mnziähng (jeöffnet, Zentralheizung, fließendes Kall und Warmwnsser. Telephon S6S/1I (TJOMimyiwaiCBamaa Fleisch ist in Jemen eine Seltenheit und ist sehr teuer. Auch die Araber konsumieren kein Fleisch. IMe Juden haben sich derart an die arabischen Sitten assimiliert, daß sie Fleisch nur zur Zeit des Erscheinens der Heuschrecken essen. Bei den südlichen Arabern ist die Heuschrecke ein Volksnahrungsmittel. Wenn ein Mann das 18. Lebensjahr erreicht hat, muß er nach de® dortigen Sitten sofort heiraten. Er hat damit keine großen Schwierigkeiten. Er schenkt dieser Sache überhaupt keine Aufmerksamkeit. Die Eltern erledigen für ihn alles. Sie wählen für ihn eine Braut und sagen: mit dieser mußt du unter den Baldachin gehen. Er darf dagegen nichts einwenden. Sobald die Eltern ihm diese erste Frau gewählt haben, gehört die Auswahl der weiteren Frauen ausschließlich ihm. Er kann sich zwei Frauen nehmen, auch drei und sogar sieben. Eigentlich gibt es keine diesbezügliche Begrenzung, den® das Verbot von Vielweiberei, daß von Rabbi Gerson ausgesprochen wurde, wird von den jemenitischen Juden nicht anerkannt. Aber das Leben der Frauen, sowohl der arabischen als auch der jüdischen in Jemen ist viel schwieriger, als das der Männer. Die Männer arbeiten sehr wenig. Ihre Aufgabe ist, in der Synagoge zu sitzen und die Heilige Schrift zu studieren. Das bedeutet aber nicht, daß sie große Kenner der Judaistik sind. Aber genau wie die Araber den ganzen Tag in den Kaffeehäusern oder auf den öffentlichen Plätzen berumlungern, so sitzen die Juden in den Bethäusern. Die profane Wissenschaft wird nicht gepflegt. Die« hat zur Folge, daß das geistige Niveau des jemenitischen Juden besonders niedrig ist. 1 Der Jemenite, der also mit einigen Frauen verheiratet ist, hat mit jeder einige Kinder. Je mehr Kinder eine Frau in die Welt setzt, desto gTößere Bedeutung erreicht sie. Eine kinderlose Frau wird allgemein verachtet. Es wäre alles in Ordnung, wenn sowohl die jüdische als auch die arabische Frau in Jemen nicht ausschließlich das Arbeitsmonopöl inne hätte. Da« Innere innerhalb einer solchen Familie, bestehend aus einem Manne und einiger Frauen, gestaltet sich sehr eigenartig. Oft geschieht es, daß der Mann mit einer seiner Frauen in Streit gerät. Dann nehmen sich die Frauen nicht ihrer Geschlechtsgenossin an, im Gegenteil. Sie ergreifen Partei des Mannes und geben ihm Recht und hetzen ihn gegen die Frau auf. Im allgemeinen ist die jemenitische Jüdin mit ihrem Schicksal zufrieden. Die fatalistische Duldsamkeit diktiert der Frau das Joch des Lebens zu ertragen, genau so wie der Mann die poHtischen Demütigungen zu ertragen hat. Wenn das Mädchen sechs Jahre alt wird, beginnt die Hölle des Lebens. Da« Kind wird das erstemal ine Feld mitgenommen und wird in die Feldarbeit eingeführt. Da die Araber, wie alle anderen orientalischen Völker, die Frau geringschätzen, indem sie sie als ein minderes Gottesgescböpf betrachten, so wirkt sich diese Anschauung auch auf das jüdische Leben au«. Genau wie die Araber vertreten die Juden den Standpunkt, daß die Frauen nicht unterrichtet werden sollen. Infolgedessen besitzt das jüdische Mädchen nicht einmal das Minimum an Bildung, wie der jüd^he Knabe. Das Mädchen wächst ganz verwildert auf. Wenn das Mädchen zwölf Jahre alt wird, beginnen die Eltern sich um einen Mann umzu sehen, denn ein dreizehn- bis vierzehnjähriges Mädchen wird bereits als ,spätes Mädchen“ be trachtet. Vielleicht haben sie in,dieser Hinsicht recht, denn die Frauen im heißen Kürna verblühen rascher, besonders die Jemenitinnen, die so schwer arbeiten. Die Frauen werden furchtbar abgearbeitet und da sie jährlich ein Kind zur Welt bringen, werden sie im Laufe von einigen Jahren zum Wrack. Während des Tages verbringt die Frau lange Stunden bei glühender Sonne und während der Nacht schläft sie kaum. Und dies zu einer Zeit, wo sie noch selbst ein Kind ist. Aber was kann sie tun? Der Jemenite erhält Mitgift und das ist der einzige Unterschied zwischen den jüdischen und arabischen Sitten des Jemens. Bei den Arabern erhält der Vater der Braut für seine Tochter ein Lösegeld genau so wie in allen arabischen Ländern. Die Mitgift ist bei den Jemeniten festgesetzt und beträgt etwa 180 S. Die Eltern der Braut überreichen die Mitgift dem Vater des Bräutigame, der nicht nur vor der Hochzeit die Mitgift genau prüft, sondern dieser übergibt die Mitgift seiner ganzen Familie und allen seinen Freunden zur Überprüfung, ob auch kein Groschen fehlt. Erst dann gehen die Verlobten zur Hochzeit. Die Arbeit der Frauen mit ihren Töchtern beginnt um 6 Uhr früh und dauert beinahe ohne Unterbrechung bis 5 Uhr abends. Abends begeben sich alle Männer gemeinsam mit den Frauen und Kindern zu den Nachbarn auf einen kurzen Plausch. Hier sitzen alle auf der Erde und beginnen ihre Nächsten auszuriebten. Die Gespräche sind naiv und gewöhnlioh. Sie handeln von dem harten Leben, von der Arbeit, von den Tugenden der Kinder, von der Ernte. So verläuft das Leben ohne Abwechslung von Tag zu Tag. Die kulinarischen Liebhabereien der Jemeniten, die sieb dem arabischen Leben angleichen, sind sonderbar. Alle Speisen werden in einem Ausmaß gewürzt, insbesondere gepfeffert, wie dies kein Europäer vertragen könnte. Einerseits essen sie stark gewürzte Speisen, anderseits sehr gesüßte Speisen. Trotz der schweren Lebensbedingungen und der ungesunden Lebensart, leben die Leute dort durchschnittlich 70, 80 und mehr Jahre.“ Die Künstlerin erzählte ihren Lebenslauf. Sie wurde vor 24 Jahren in der Hauptstadt Jemens, Sana, geboren. Ihr Vater besaß nur zwei Frauen. Als die erste gestorben war, nahm er die zweite Frau. Der ersten Ehe entstammen zwei Söhne, der zweiten die Künstlerin. Ihr Vater nahm eine besondere Stellung bei den Jemeniten ein. Ihre Mutter batte eine schöne Stimme und besaß Vorliebe für die Musik. Ihre Eltern waren arme Leute, aber sie erfreuten sich der Achtung der Allgemeinheit, da ihr Vater ein Gelehrter war. Als vor dreißig Jahren der Zionismus sich für da« jemenitische Judentum zu interessieren begann, entstand bei dem letzteren die Hoffnung auf ein besseres Morgen. Alles entwickelte sich aber geheim, denn naoh den jemenitischen Gesetzen dürfen die Juden nicht auswandern. Zum erstenmal beschiß eine Gruppe von fünfzig Juden, Jemen zu verlassen und in das Heilige Land zu gehen. Sie ließen alles zurück und begaben sich zu Fuß auf den Weg. Auf andere Weise konnten sie nicht reisen. Während der Nacht verließen sie die Stadt und schlichen sich durch die Felder. Aber noch in der gleichen Nacht wurden sie durch die arabische Miliz entdeckt und stark beschossen. „Obwohl ich damals kaum vier Jahre zählte — sagte die Künstlerin —, sehe ich noch heute vor mir das schreckliche Bild dieser Nacht, das ich nie vergessen werde.“ Die Araber begannen die jüdischen Auswanderer zu verfolgen. Der Vater der Künstlerin und noch andere zwei Juden wurden an Ort und Stelle getötet, andere wieder verletzt. Es war nicht möglich, die Verwundeten zu pflegen und die Toten zu bergen. Sie flüchteten weiter in der ständigen Angst um das Leben bei Hunger und Frost während der Nacht und der höllischen Hitze während des Tages, wobei sie tagelang kein Stückchen Brot und keinen Tropfen Wasser zu sich nahmen. In Fetzen gehüllt, langten sie in Palästina ein und infolge der Erschöpfung erlagen einige Flüchtlinge ihrer Schwäche. Unter anderen starb auch die Mutter der Künstlerin und die kleine Sarah wurde iu da« Waisenhaus aufgenommen. Sie lernte hier sohreiben und lesen. Als man ihre musikalische Begabung entdeckte, wurde sie auch im Gesang und Klavierspiel unterrichtet. Nach Absolvierung der allgemeinen Schule und des unteren Klavierkurses hatte sie keine Mittel zur weiteren Ausbildung. Sie wandte sieh da an einen ihrer Brüder, der damals ln Tel-Aviv lebte, mit der Bitte, sie in der Tbeaterkunst, Musik und Gesang ausbilden zu lassen. Dieser junge Mann, der noch von den Traditionen des Jemen durchdrungen wai, glaubte, sie sei verrückt geworden. Aber Sara Osnat gab die Sache nicht auf. Sie trat bei einem Arzt als Hausgehilfin ein und erleichterte diesem den Kontakt mit den arabischen Patienten, da sie nicht nur der hebräischen Sprache, sondern auch alle arabischen Dialekte beherrschte. Mit der Zelt ersparte sie soviel Geld, um nach Europa reisen zu können. Hier verbrachte sie drei Jahre, worauf eie nach Palästina zurüekkehrte. Vor zwei Jahren begab sie sich auf eine Konzerttournee nach Europa, wobei sie Griechenland, Jugoslawien, Bulgarien und Frankreich durchreiste. Durch ihre palästinensischen, jemenitischen, arabischen, sephardiseben, persischen und buebariseben Lieder errang eie großen Erfolg. Gegenwärtig hält sich die Künstlerin ln New York auf und ihre Konzerte finden bei ausverkauften Häusern statt. Diesen Erfolg verdankt sie nicht nur dem hohen Niveau ihrer Kunst, sondern auch ihrem persönlichen Scharm. (Ins Deutsche übertragen von Dr. F. P.) Restaurant Rillet nr: i^estrenommierte Küche ts Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u. 2*60 il.,Hammerpurgstal gasse3 (nächst Sa ztorbrOdce) tm SfranJikatI Zwei junge Menschen, offenbar Arbeitslose, diskutieren Über den Lauf der Welt im Arbeiter- Strandbad. Unweit von ihnen liegt ein Mann allein, zunächst nicht beteiligt an dem, Gespräch, Die beiden Arbeitslosen sind furchtbar verbittert. Man kann es verstehen. Entsetzlich ist das Los der jungen Menschen von heute. Man hört es ihnen an, sie wären bereit, diese Welt, die für sie keinen Platz hat, kurz und klein zu schlagen. Ihre Diskussion langt alsbald beim Thema „Juden“ an. Man merkt Ihnen deutlich eine Erleichterung an, als sie endlich die Ursache alles Unglücks gefunden haben. Der Jud ist schuld an allem, die Welt ist schief und verkehrt, weil er sie aus dem Geichgewicht geworfen hat. Ihre Wut hat ein klares und erreichbares Ziel bekommen. Die ganze Welt kurz und klein schlagen, das wäre doch ein gefährliches Unternehmen, aber die Juden... das soll heutzutage sogar eine verdienstvolle Sache sein. Die zwei Arbeitslosen haben inzwischen immer wieder zu dem dritten Mann hinübergeschielt, ihre Worte halb an ihn gerichtet, ihn deutlich einladend, sich ihrer Wut gegen die Juden anzuschließen. Der Mann hat anfangs geschwiegen, schließlich spricht er aber doch, „Habt ihr gehört", so beginnt er, ,Aaß in Budapest ein Haus eingestürzt ist?" Sie wissen es natürlich aus der Zeitung. „Wißt ihr, wie das gekommen ist? Es haben einige Judenbuben mit kleinen Steinkugeln gespielt und da hat einer eine solche Kugel etwas heftiger gegen das Haus geworfen, worauf es zusammenbrach. Die Burschen lachen. „Nicht war, das glaubt ihr nicht?" „Geh’n S’, halten S‘ uns nit für ’n Narfn?** „Ihr habt auch von dem Schiff gelesen, das auf der Donau gegen einen Pfeiler gefahren und untergegangen ist. Wißt ihr, wie das gekommen ist? Bei Klosterneuburg ist ein Jude ins Wasser gesprungen, die Donau hat hohe Wellen geschlagen und da hat bei der Reichsbrücke der Steuermann die Herrschaft über sein Schiff verloren und es ist an dem Pfeifer angefahren" Die Burschen lachen wieder, der Mann aber fährt fort: „Nicht war, auch das glaubt ihr nicht? Aber ihr glaubt, daß 16 Millionen Juden die Welt aus den Angeln heben können. Ein Häuflein Menschen ist imstande, gegen die gesamte übrige Menschheit jede Ordnung auf den Kopf zu stellen. Sind die sechzehn Millionen Juden gegenüber zwei Milliarden Nichtjuden mehr als ein Steinkügelchen gegenüber einem großen Haus oder ein Jude, der in die Donau springt? Ihr wißt, das Haus in Budapest ist eingestürzt, weil es baufällig war, und ihr wißt, das Schiff auf der Donau ist gestrandet, weil seine Konstruktion versagte. Meint ihr nicht, daß die Welt darum einstürzt, weil sie baufällig ist, daß die Gesellschaft darum strandet, weil ihr Steuer nichts wert ist?" Die Burschen schauen verblüfft drein, der eine erholt sich aber bald und fragt den Mann: „Hör’n S’, Sie san vielleicht a a Jud?" Der Mann antwortet: »Na, und...?" „Na, und ...J" Der zweite Bursche aber antwortet: „Aber es ist gar net so blöd, um er sagt!" „Aber was kann man da machen", sagt wieder der erste, „einer muß doch schuld sein..." Der Jude antwortet: „Aber warum grad der Jud?" Der Arbeitslose: »Wer denn sonst?" Der Jude: „Habt ihr gehört, daß in Budapest ein Haus eingestürzt ist, und wißt ihr, wie das gekommen ist?..." Die Burschen springen auf: »Herr, uns halt'n S' nit für 'n Narfn. Jetzt fangt er von vorn anl" Unerschütterlich setzt der Mann fort: „Es haben einige Judenbuben mit Steinkugeln gespielt,..“ Die Burschen können nicht anders, sie müssen doch wieder lachen, und der eine, der schon früher mehr Verständnis für das Gleichnis gezeigt hatte, legt seinen Kameraden auf den Strand zurück und sagt: „A Jud is er, aber recht hat er vielleicht doch..."

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