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Die Stimme · 1936-08-25 · Heft 575 (25.8.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 575 (25.8.1936)
Date
1936-08-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 oik siimm» Nr. 575 — Wien, Dienstag, 25. August 1936. Po^om L gibt Dinge, die tausendmal versagt haben, abe doch immer wieder gemacht werden. ba-u gehört die Methode, radikale Par-' teien da buch zu bekämpfen, daß man ihre Paro'en übe nimmt odei ihre Bestrebungen ..grun.hüt ich1' gutheißt und nur „andere“ Mittel 7.u ihrer Verwirklichung empfiehlt. So ha’ en in Deutschland die bürgerlichen Recbts- und Mittelparteien den Nationalsozialismus groß emacht, abei auch in näher gelegenen Gegend-m hat man Ähnliches erlebt. Jetzt treiben die rumänischen Demokraten die gleiche Jüdische Kunst: Volkskunst — täte gas nickt! Von Dr. Alfred Werner Demnächst wird, heraus&egeben den ärmeren Schichten stammender Juden, Förderung (j^e ein Meisterwerk was Schärfe des Aus- Schrift „Alexander Watin und drucks> Tl®fo dee Eindringens in den Gegendie jüdische Volkskunst“ von Dr. Alfred Werner erscheinen. Wir veröffentlichen hier einen Abschnitt däraus. bänger als ein Jahrtausend dem Heimatboden fern, länger als ein Jahrhundert semem Selbst entfremdet gewesen, fet Israel nun an Ziel und Ursprung angekommen. Endlich geöe.bat o dpoHtib. Die National» Bauernpartei. , t „ daI slch Ton a„eB Se;t8n Iu hat e.ne groBe Kampa*n9 gegen ie ntnaMi-; tracbt mlt im A en äesse d<sr nlcbt8 sehen Reehtsradtknien ..«geleitet und ihr<3«jTOr der w<lti nlcbt8 Tor 8|ob 8elb8t 2U v8r. Gene.a Sekretär, Miouter ». D. V.rgtl Mad.|be bat, vje, „ am ,a w e ein. gearu, als ersten Veraantmlung.redner Ins „abu6t, T,a, ,m efin6m Be,teum isl nocb Treffen geschxkt. Er hat aunaohst d.e Zuimmw gafbbrdet _ Iarael Iäbu 8c,Mn Be. s ände, die heute m Rumänien herrschen, plasland an G(lte.n de8 uibes „nd der Seele st,sch und rfleksiehtslM geschildert Er verur-| Bs lstZeit 2U sammeln!“ hat teUte auch die Regierung, d.e das Treiben der Bu)lk vW,n Jabr6n 8einein ieimkahren. Terrorbanden du de „d,e ungehindert Ihr fred8n Vollt8 mgeru(fm.. Hat der Dichter dabei velhaftes Spiel treiben und die Jugend nur n„r „ d,e Bacb8r edacbt und „|bbt darüber Verübung von Gewalttaten erziehe«“. hlnau8 ra lUa8i wora„t der Genlu8 de8 VoI. Aber dann . . . nun, dann setzte er ausemraehr, nur von Juden geübte Kunst. Worin unterscheidet sich diese „jüdische Kunst“ von dem Kunstschaffen anderer Völker? Darin - - daß sie keine Volkskunst ist! Sie ist es noch immer nicht, und sie wird es! auch dadurch nicht, daß Künstler jüdischer Herkunft, Maler, Bildhauer, Architekten sich jüdische Stoffe „erwählen“: nicht auf den „Stoff“ kommt es an, sondern auf den Geist. Dieser Geist kann aber nicht künstlich, nicht auf Befehl geschaffen werden, er gibt sich auch ander, wie seine Partei, wenn sie ihr Programm verwirklichen könnte, das Judenproblem ohne Pogrom, aber auch durchaus im „nationalen Sinn“ lösen wü’de. Er sagte zunächst, es sei ein nationaler Defekt, daß die Juden in Rumänien einen großen Teil der wirtschaftlichen Macht In Händen hätten: legte also seinem Programm von vornherein dieselbe Lüge zugrunde, von der die Cuzisten ausgehen, die er zu bekämpfen vorgibt Und zog daraus folgende Konsequenzen: „Wer erkennt nicht die Notwendigkeit, die Dinge zugunsten der Rumänen in b eschleunigtem Rhythmus zu ändern? Das Problem kann aber nicht durch Gewalt gelöst werden. Die Umwandlung kann nur evolutionär erfolgen. Wir besitzen ein wohlausgearbeitetes Programm für die Romani- ’sierung des gesamten Wirtschaftslebens. Here Cuza i ingegen möchte die Juden in Madagaskar kolonisieren. Sollten wir die Juden vertreiben? Wer nimmt sie auf? Wenn wir 100.000 Juden auswelsen, werden dann die Rumänen glücklicher sein? Es bleiben dann noch immer gegen 900.000 im Lande und dazu haben wir weitere 8 Millionen anderer Minderheiten...“ Das nennt man dann Bekämpfung des Rechtsextremismus. Man bekämpft Cuza, ifjdem man sagt, die Juden sollten nicht deportiert, sondern zum Verhungern in Rumänien festgehalten werden. In beschleunigtem Rhythmus . . . Sicher ist, daß Madgearu mit solchen Reden nicht einen Anhänger gewinnen wird. Der einfache Mann denkt einfach. Er hört aus der Rede eines heraus: Wir haben einen nationalen Defekt, den die Juden verursacht haben. Und er erinnert sich, daß das der von Madgearu so heftig bekämpfte Cuza schon seit Jahrzehnten sagt. Wenn man ihn dann aber vor die Wahl stellt, welche Methode zur Beseitigung dieses Defekts die riobtige ist, die Methode des direkten Pogroms und der Austreibung, wie Cuza meint, oder die komplizierte Methode des evolutionären Pogroms naoh der Konzeption Madgearus, so zögert er, der einfache Mann, nicht einen Augenblick, und er geht zu Cuza mit seinem klar verständlichen, schnelle Wirkung versprechenden, direkten Pogrom. Wann werden die Politiker endlich einsehen, daß der Teufel nicht mit Beelzebub ausgetrieben werden kann? Künstler.Akademl* In Vöslati Samstag, den 15. Anguet, fand im überfüllten KursaJon Vöslau eine jüdische Künstler-Akademie statt, die in künstlerischer wie in materieller Hinsicht großen Erfolg brachte. Nach einer Begrüßungsansprache Dr. Leo Meinzers wickelte sich ein hochwertiges, künstlerisches Programm ab. Oberkantor Gereon M a r g u 1 i e s begeisterte das Publikum durch den blendenden Vortag jüdischer und hebräischer Volkslieder. Jefouda Ehrenkranz bot eine glanzvolle Rezitation in jiddischer und deutscher Sprache. Die talentierte kleine Edith Türkisch, eine Schülerin von Stellt Mann, erntete mit ihren Tänzen großen Beifall. Mundi Hausknecht trug durch seine Gesangsvorträge viel zum Gelingen des Festes bei. Die Musik besorgte die Kapelle Isi G e i g e r* Das Komitee konnte den recht ansehnlichen Betrag von S 548.— als Reinertrag dem KK. abliefern. kee je sich niederrelassea? C h a t i m a — Abschluß und G e n i s a — Verbergen: verlangt das nicht eine Bilanz über unser gesamtes kulturelles Gut, eine Zusammenfassung der hellwirkenden Kräfte, Ausscheidung der Krankheitske!me und Gifte — Besinnung auf das einzig Wahre, Schöne und Gute? Ist es da niemandem aufgefallen, daß wir an das Wichtigste vergessen haben, wichtiger als ein Großteil der Politik — an die Pflege des Auges? Des Auges, das dem „Volk der Schrift“ seit langem nur mehr noch als Instrument gedient hat, Konserven des Geistes dem Hirne zu übermitteln, es sei dies nun ein Bibelvers, ein Gedicht oder ein Kursbericht Weshalb ist für die meisten von uns das Auge aus einem Zweck — Mittel zum Zweck geworden? Deutlicher gesprochen: Wie Stiefkinder sind die bildenden Künste, von uns vernachlässigt worden! Während der Intellekt in Jahrtausenden geschult wurde, dem Ziel, der Wahrheit, näher zu gelangen, ist uns das Auge im Dunkeleinerlei so stumpf geworden, daß mancher von uns nicht mehr fähig scheint, die Natur des Schönen zu erblicken, das doch nur eine andere Erscheinungsform des W a hr e n ist. Noch weniger fähig scheint er, es jemals wiederzugeben: denn die Hände sind nur die untergeordneten, ausfübrenden Werkzeuge — das Auge allein zeichnet, malt, formt! So konnte es den, der die Ursache dieser Anomalie, die einzigartige Geschichte des Volkes, nicht studieren wollte, leicht bedünken, unter allen Völkern der Erde sei da« jüdische allein der Fähigkeit beraubt, Form, Farbe, Harmonie mit der Netzheit aufzunehmen und, wie man durch die Sprache sich die gegenständliche Welt erobert, durch die bildende künstlerische Tätigkeit zur eigentlichen Sichtbarmachung der Welt zu gelangen. Viele« von dem, was der Jude selbst nicht wahrhaben, nicht rechtzeitig bessern wollte, hat der Haß Wahrheit mit Falschem vermengend — ihm klargemacht. Otto Hauser schreibt in seiner „Geschichte des Judentums“: „Während in der Dichtkunst und in der Musik die Juden auf eine lange heimische Übung zurückweisen können, traten «ie in die bildenden Künste als Neulinge ein. Die jüdische Baukunst liegt zwei Jahrtausende zurück; ob die Juden Palästinas Bildhauerei und Malerei über das^ Einfachste hinaus überhaupt kannten, ist nicht überliefert. Das spätere Judentum verbannte und verdammte die Darstellung von Gott oder Menschen. So kam es nur zur Fortführung des Kunstgewerbes, das natürlich immer bestand. Das alles war nicht Folge des rabbini«chen Verbots, sondern dieses der Ausdruck des Rassenwesens. So hatten diejenigen nicht Unrecht die den Juden die Begabung für die bildenden Künste abspracben. Es zeigt sich da« schon am jüdischen Kinde, Wo nichtjüdiecbe Kinder in großer Zahl ganz erstaunliche Fähigkeit haben, allerlei Gesehenes sicher und deutlich wiederzugeben, und sie auch gerne üben, zeichnen jüdische im allgemeinen gar nicht oder schlecht. Es fehlt an Raum- und Anscbauungssinn. Aber die Emanzipation als eine Auslese brachte auch auf diesem Gebiete Anlagen zum Vorschein, die bis dabin gebunden waren.“ Hätte Hauser solches geschrieben, wenn er die Sobüler Alexander Wafcins bei der Arbeit gesehen hätte, jüdische Burschen und Mädchen, deren schlummernde Talente ihr Lehrer wie mit einem Zauberstab erweckt bat? 1 Wenn er diese Zeichnungen un/verbildefcer, au« stand betrifft, zu Gesicht bekommen hätte? Aber Hauser hätte auch aus der „Geschichte der jüdischen Kunst“ des berühmten nichtjüdischen Archäologen Felicien de Sauloy ersehen können, daß die Bildlosigkeit des nicht rlem Einzelindividium kund, sondern nur jüdischen Kultus keineswegs als die Folge' dem Volksganzen. künstlerischen Unvermögens erklärt werden1 ^U9 d&m aus der Seele, aus dem darf. Der französische Gelehrte batte zu An-. Geiste de» v°lkes, dfir wlrd die Kl,DBt fang der Fünfzigerjahre des vorigen Jahr-! S°boren ~ £ena« 80 w>'0 eine Pflanze hundert« eine wissenschaftliche Reise nach Pa-1 vermag sie in der Luft Wurzel zu schlagen, lästina angetreten mit der vorgefaßten, von j Vor ß:»era Vierteljahrhundert, anläßlich der allen zeitgenössischen Fachkollegen geteilten i ev?ten Ausstellung jüdischer Künstler in Ber- Meinung: „L’ar t j ud a i q u e n’e x i s t e p a s; I Iin> wurde der Versuch einer Definition ge- U n’a jamais exlst 6.“ (Es gibt keine; macht: JüdischeKunst — Kunst der jüdische Kunst, 6ie hat nie bestanden.) Doch 0 * m a 11 o s i g k e i t. Das mag vielleicht schon nach einem kurzen Aufentalte im Heigeistreich klingen, ist aber tiostlos, iet eher ligen Lande gewann er, wie er in der Vorrede i e5no Negation als eine Bestimmung. Kunst sagt, die Überzeugung, daß das jüdische Volk, obno Ho raat, das ist Kunst ohne Volk, Kunst von einst auch die bildenden Künste bis zu nbne SH1, das *8fc 'etzten Ende«: Kunst einem hohen Grad der Vollkommen-,0'1110 Cturalrtei:! heit gebracht batte. Dabei war damals, vor j Die jüdischen Künstler, die jüdischen Kunstmehr als 80 Jahren, erst ein Bruchteil der bis ( Ivstoriker spüren, was uns fehlt: Volksheute (1936) bekannt gewordenen altjüdischen kunst als Grundlage. Wohl gibt es be- Baudenkmäler, Kunstgeräte und Münzen ans Tageslicht gelangt. . Immerhin befällt auch uns ein Schuldgefühl, wenn von unserem Verhältnis zu den bildenden Künsten die Rede ist. Das kommt zum Ausdruck in der verblüffenden Übereinstimmung, die sich zu Beginn der drei neuen großen Arbeiten über die Geschichto der jüdischen Kunst bemerkbar macht. Alle drei Autoren fragen da neugierig-erstaunt: Jüdische K^unet — gibt es das überhaupt? Die hundert, hundertfünfzig Jahre* unserer Emanzipation haben eben das Gefühl, daß es eine jüdische Kunst, eine jüdische Volkskunst geben könne, geben müsse, in uns getötet, so daß wir uns noch nicht gewöhnen können, vor allem an das Ehegestern und — an das Morgen zu denken. Im Zeitalter der Emanzipation gab und gibt es freilich, vom Ostjudentum abgesehen, keino jüdische Kunst rühmte und bedeutende jüdische Künstler — doch über, fern ihrem Volke; deutsche, französische, holländische, russische — palästinensische Maler jüdischer Herkunft. Und die Masse? Kunstfremd, kunstfeindlich, dem Kitsch, der Warenhaus-„Kunst“ ausgeliefert. Ohne die selbstverständliche Kunstliebe und Kunetübung des deutschen Handwerks ist kein Albrecht Dürer denkbar, ohne das italienische Kunstgewerbe kein Benvenuto Celli n i. Sollten für uns andere Gesetze der Kunstwerdung gelten? Volkskunst soll man nicht, kann man nicht programmgemäß schaffen, sonst kommt etwas so krampfig Gewolltes wüe die neudeutsche „Blubo“-(Blut- und Boden)Kunst heraus. Kunst ist da, sie schlummert nur oder sie schläft einen tiefdumpfen Märchenschlaf. Man muß sie aus dem Schlaf singen oder, wenn es not ist, derb aufrütteln. „Es ist Zeit zu sammelnl“ Der deutsche Nationalsozialismus hat von Anfang an nicht nur den Juden als „Untermenschen“, sondern auch ihrem Gotte als dem Nationalgott einer „minderwertigen Bastardrasse“ den Krieg erklärt. Die jüdische Bibel wurde als eine Sammlung von Iloßtäuscher-Gescbichten verächtlich gemacht und aus dem deutschen Religionsunterricht ausgeschaltet. Noch vor wenigen Tagen hat der „Blitz“, ein nationalsozialistisches Kampfblatt des Dritten Reiches, im Anschluß an seine Entdeckung, daß die Geschichte vom ägyptischen Josef und derPotiphar „einjtidischer Dreh“ sei, denn nicht diese, sondern jener sei der schuldige Teil gewesen, die Forderung aufgestellt: „Die jüdische Bibel muß aus den deutschen Schulen verschwinden, da sie eine ständige Gefahrenquelle für die sittliche Entwicklung und Erziehung unserer Kinder bildet. Der jüdische Geist muß restlos ausgerottet werden mit Stumpf und Stil, wobei Rücksichten auf althergebrachte Gepflogenheiten nicht genommen werden dürfen. Dem deutschen Volke muß es klar werden, daß die Geschichtsbücher der Hebräer, das sogenannte Alte Testament, keine' Religionsbücher sind und uns nichts geben können, >was des Naeheiferns und Nacbstrebens wert wäre.“ Während aber sonst der Blitz allgemein als ein Symbol größter Schnelligkeit gilt, muß in diesem besonderen Falle festgestellt werden, daß der „Blitz“ einigermaßen hinter den Ereignissen zurückgeblieben ist und sich in blamabler Weise dem Tempo der religiösen Entwicklung im Dritten Reiche nicht gewachsen gezeigt hat. Denn kurze Zeit vorher hatte die Reichsleitung der „Deutschen Christen“, das ist jene nationalsozialistische Sekte, die bisher unter Leitung des von Hitler ernannten Reicbsbiscbofs Müller das Neue Testament vom Alten emanzipieren, in der germanischen Mythologie neu verankern und .vom jüdischen Geiste gänzlich hatte reinigen wollen, eine Kundgebung von sieben Punkten veröffentlicht, worin sie überraschend Erklärt, daß sie sich von nun an zum Alten Testament positiv e i n s t e II e. Es ist nur ein Kennzeichen, welch* beschämend geringe Bedeutung heute das geistige Leben im einstigen Volke der Dichter und Denker spielt» wenn in einem Lande, in dem einst die Anschlagung von 95 theologischen Thesen an der Wittenberger Kirche durch Luther die Welt aus den Angeln zu heben drohte, jetzt die Veröffentlichung von sieben Punkten, die im Nationalsozialismus das Unterste zu oberst kehren müßte, ohne jede sensationelle Wirkung, ja, wie der „Blitz“ zeigt, sogar ganz unbemerkt blieb. Wohl fehlte es nicht an Symptomen, daß die Bewegung der „Deutschen Christen“ „oben“ nicht mehr in Gunst stand. Die beiden Führer der Sekte waren plötzlich zurückgetreten, ohne Nachfolger zu finden, und die im 9. Jahrgang erscheinende Zeitschrift „Deutsche Volkskirche, Monatsschrift zur Vollendung der Reformation durch Wiederherstellung und Ausbreitung der reinen Lehre Christi“, in der der berüchtigte Judenfeind Dr. Arthur D i n t e r auf der von Huston Stewart Chamberlain aufgestellten These, daß Christus ein Arier gewesen sei, weiterbauend, ein dem nationalsozialistischen Geiste artverwandtes Christentum zu schaffen, bemüht war, wurde, verboten. Anderseits aber durfte sich Reichsbischof Müller vor kurzem rühmen, daß es ihm gelungen sei, der Bergpredigt Christi, die jeden aktiven Haß verbietet, dagegen die größte Passivität gegenüber fremdem Haß fordert, eine dem deutschen Ehrgefühl entsprechendere Fassung zu geben. Nichts ist charakteristischer für die Entwicklung der christlichen Lehre auf deutschem Boden als die Tatsache, daß zur Zeit der Völkerwanderung der Gotenapostel Wulfila die biblischen Bücher der Könige unübersetzt ließ, weil sie ihm allzu heroisch dünkten und or von ihrer Lektüre eine Neuentflammung der durch das Christentumi kaum erst paziflzierten kriegerischen Instinkte seines Volkes befürchtete, während jetzt der nationalsozialistische Reichsbischof das Neue Testament ins Heroische übersetzt, um. sein Volk vom jüdischen Pazifismus zu befreien. Wie fügt sich nun aber ln dieses Schema die überraschend verlautbarte Bekehrung der „Deutschen Christen“ zur positiven Einstellung gegenüber dem Alten Testament ein? Die Aversion des Pazifisten Wulfila gegen dio kriegerischen Bücher der Könige ist logisch verständlich. Wie jedoch soll man die plötzliche Anerkennung der Judenbibel durch nationalsozialistische Kreise begreifen,

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