Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 574 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 574 — Wien, FreitAg, 21. August 1936 Dil STIMMI Seit« 3 Pxuj&s&acU, eiu ICütdecpcvcMUes Zur Hälfte in Küb, zur Hälfte in Payerbach liegt ein herrlioher Park von 56.000 Quadratmetern, der früher einmal der Baronin Vetsera gehört hat; in dem Park steht ein kleines wohnliches Schloß: darin leben jetzt den Sommer über jüdische Kinder; Kinder ganz armer Juden, durch Entbehrungen geschwächt, von Krankheit bedroht. Kinder der Ärmsten, die die Wiener Kultuegemeinde für den Sommer in ihre Sorge genommen hat, die sie hier auffüttern läßt, denen sie wieder zu Kräften verbiet, denen sie — dieser moralische Gesichts punkt ist ebenso wichtig wie alles Materielle —, hier auch wieder einmal das Gefühl gibt, daß der Jude, auch wenn er arm ist, Mensch ist und Anspruch hat auf ein menschenwürdiges Leben. Es ist jemand da, der an euch denkt, Kinder der Armen, der von dem, was er hat, euch gibt: und so gilbt, wie — eben Juden zu geben pflegen: nicht als Almosen, sondern, weil es Pflicht ist, für die Armen zu sorgen. Das bekommen die Kinder täglich und stündlich zu fühlen in diesem vorbildlichen Sommerheim. Es ist so, wie es im jüdischen Gesetz steht. Der Arme hat Ansprüche an die Gemeinschaft und die Gemeinschaft erfüllt die Ansprüche mit Freuden. * Das ist die Atmosphäre von Payerbaoh: Als ob die Kinder die Gebenden wären, und die, die sie betreuen, die Nehmenden. Man muß diese Menschen unter ihren Kindern gesehen haben: Die prächtige Tante Ella, die Mutter des Heims, die Leiterin der Jugendfürsorgeabteilung der Kultusgemeinde Rosa Schwarz, die jede Woche in „ihr“ Payerbach kommt, und die Gruppenleiter, junge Männer und junge Frauen — woher haben sie den ausgeglichenen, harmonischen Ausdruck in den Gesichtern? Sie sehen ganz anders aus als andere Menschen. Überhaupt, diese Menschen in der Fürsorge: ich habe sie in den Insti¬ GEORGE RAFT und ROSALIND RUSSELL in an Bankräuber In U.S.A. Roy d«l Ruth/ der Regisseur von Broadway Melodie schuf dieses Meisterwerk voll Sensation und Spannung ab heutet KREUZ-KINO HEIMAT-KINO tutionen der Gemeinde in Wien gesehen und sehe sie jetzt wieder in Payerbach. Sie sehen sich alle irgendwie ähnlich. Es ist ein ganz eigener Schlag von Menschen. Frau Kornfeld (so heißt Tante Ella im gewöhnlichen Leben) hat vor kurzem ihren Mann verloren, mit dem sie jahrzehntelang in glücklicher, harmonischer Ehe gelebt hatte: sie hat aber den gleichen Gesichtsausdruck wie die jüngste ihrer Gruppenleiterinnen. Es ist die tiefe innere Befriedigung über das Werk, an dem sie alle zusammen arbeiten, die aus diesen Menschen spricht und die ihre Gesichter einander so ähnlich gemacht hat. Man sieht heute so wenig harmonische Menschen. Es ist ,in unseren Tagen eben selten jemand zufrieden mit seinem Leben und der Welt. Diese sind zufrieden mit ihrer Welt, weil sie jüdischen Kindern helfen dürfet. * : Helfen dürfen... der Jude dankt dem Schicksal, wenn er hälfen darf. Dieser jüdische .Geist, herrscht in allen Anstalten der Wiener jüdischen Gemeinde, Darum sind die K Inder in Payerbaoh die Gebenden, wo sie doch hier so unendlich viel bekommen. * Dreihundert Kinder kommen in drei Gruppen alljährlich in dieses Heim. Jede Gruppe bleibt einen Monat lang. Hier werden nur Kinder im schulpflichtigen 'Alter aufgenommen; erholungsbedürftige oder von Krankheit gefährdete, aber keine kranken Kinder. Grundsätzlich trägt die Kultusgemoinde die Kosten der Verpflegung, aber aus moralischen Gründen wird auch den Eltern der Kinder ein Beitrag auferlegt. Er bewegt sich zwischen 50 Groschen und einem Schilling. Fräulein Schwarz geht sehr richtig von dem Gedanken aus, daß doch in. der ärmsten Familie ein Betrag von 50 Groschen für ein Kind äufgewendet wird, u&d diepen Befrag eollflB #9 Ütom «Qfib fül die Zeit zahlen, wo das Kind im Erholungsheim ist. Dazu ist aber zu sagen, daß natürlich noch nie ein erholungsbedürftiges Kind abgewiesen worden ist, wenn die Eltern die 60 Groschen wirklich nicht zahlen konnten. Die Kinder sind zur Erholung da. zum Ausgefüttertwerden. Dementsprechend ist ihr Leben hier. Wichtigstes ist das Essen. Sie bekommen fünf Mahlzeiten im Tag (streng rituell selbstverständlich) und werden möglichst schonend „beschäftigt“. Es wird nur etwas geturnt, es wird etwas im Freien gespielt, und streng ist man nur bei einer Art von „Beschäftigung“, das ist die Liegepause nach dem Essen, die zwei Stunden dauert. Die Kinder sind in Gruppen zu fünfundzwanzig eingeteilt, wobei auf die Gleichheit der Neigungen Rücksicht genommen wird. Es sind lieh sind sie um 1% bis 2 Kilo schwerer, aber es hat schon Zunahmen bis zu 6 Kilogramm gegeben. Die Kontrolle ihrer weiteren Entwicklung zeigt, daß Payerbach aber auch stark naohwirkt, ja. daß die wirklich entscheidende Gewichtszunahme gewöhnlich mit den Monaten nach dem Aufenthalt in Payerbach kommt. * Aber es ist noch etwas sehr Wichtiges und Ernstes zu sagen, und das möge sich jeder zu Herzen nehmen, dem an der jüdischen Jugend und an der Zukunft unseres Volkes liegt: Die Kultusgemeinde kann in den jetzigen Krisenzeiten dieses Heim nur mit den größten Anstrengungen erhalten. Das Heim kostet viel Geld! Dreihundert Kinder zu versorgen, das ist nicht einfach. Die Kultusgemeinde braucht immer mehr Geld für ihre Fürsorgetätigkeit. Es ist Ungeheures geleistet worden, aber es bleibt noch , •v-i £ Das Payierbacher Kinder-Ferienheim die Sportliebenden zusammen, die Bastler und so weiter. Beten, Vorlesen, Singen ist natürlich gemeinsam. * Es ist nicht viel zu berichten über das Leben dieser Kinder hier — und das ist gut und richtig so. Der Tag vergeht ihnen, wie er Kindern zu vergehen hat. Mit tausend Nichtigkeiten, zwangslos und — ohne etwas Wesentliches. Sie lassen sich's gut gehen. Dazu sind sie ja da. * Es wdr gerade Barmizwah-Feier, als ich Payerbaoh besuchte. Eine einfache Feier, aber eindrucksvoll. Der Gefeierte bekam eine Torte und (Spende der Kultusgemeinde) eine Uhr. Die Torte gebührt übrigens auch an Geburtstagen. * Was ist sonst noch zu berichten? Daß die Kinder fast alle mit Gewichtszunahme fortgehen, wenn ihr Monat um ist. Durchschnittviel zu leisten. Alles braucht noch Ausbau, es muß noch Neues geschaffen werden. Auch Payerbach ist noch nicht fertig. Mit entsprechenden Investitionen könnte man RESTAURANT STEFANIE II., Taborstraße Nr. 12 Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küche Gepflegte Getränke Aufmerksamste Bedienung Zeitgemäße Preise Reichhaltige billige Menüs sowie alle Spezialitäten ' Schöner schattiger Garten IMW Platz für noch hundert Kinder oder mehr schaffen. Das ist also zum Schluß noch zu sagen: Wer kann, gebe der Gemeinde für ihre Kinder, gebe für ihre segensreiche F ü r s o r g e t ä ti gk e i t! Er gibt es seinem Volk — also auch wieder s i c h s e 1 b s t! B. H. WARNER BROS. FIRST NATIONAL bringen ALJOISON SINGING KID mit dem neuen Wunderkind Sybll Jason Uraufführung: ROTENTURM-KINO Schweiz gibt keine Auskünfte Uber Rasse Genf, 17. August. (JTA.) Die Regierungdes Kantons Luzern hat den Zivilständesämtera Weisungen gegeben, wonach es ihnen „untersagt ist, einem ausländischen Konsulat Zi vitetandeeregis te r auszüge über Schweizer Bürger zu liefern“. Es heißt dann in der Weisung: „Deutsche Konsulate in der Schweiz oder deutsche Behörden wenden sich mitunter an schweizerische Behörden mit dem Ersuchen um Abgabe eines Ausweises über die arische Abstammung. Unsere Gesetzgebung kennt diese Ausweise nicht. Sofern die Abgabe jedoch im Interesse von Schweizer Bür°örn liegt, soll sie erfolgen. Immerhin dürfen diese Ausweise nicht an deutsche Konsulate und Amtsstellen direkt abgegeben werden, sondern es hat sich der interessierte Schweizer Büiger selber um die Beschaffung zu bemühen, entweder direkt oder durch Vermittlung des Schweizer Konsulates in Deutschland.“ Reichsvertretuny der Juden In Deutschland erweitert Berlin, 18. August (JTA.). Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gibt bekannt: 1. Der Präsidialausschuß der Reichs Vertretung wird durch Rinzutritt von vier Zionisten un einem Orthodoxen erweitert. 2. Der bisherige geschäftsführende Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Franz Meyer, tritt in die Geschäftsführung der Reichsvertretung ein, -um eine Reihe wichtiger Sachgebiete, teils selbständig, teils in ständiger Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Präsidialausschusses, Dr. Otto Hirsch, zu übernehmen. 3. Es wird ein „R a t b e i der Reichsvertretung“ gebildet, der aus 23 Mitgliedern besteht. Er setzt sich aus 15 Vertretern der Landesverbände und Gemeinden, je einem Vertreter des jüdischen Zentralvereins, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie fünf direkt berufenen Persönlichkeiten zusammen. Der Rät soll m allen grundsätzlichen Fragen gehört werden. In Fragen, die die Selbstverwaltung der Landesverbände und Gemeinden berühren, soll seine Zustimmung erforderlich sein. Er soll ferner die Finanzgebarung der Reichsvertretung überwachen und gemeinsam mit dem Präsidialausschuß über Verfassungsfragen der Reichsvertretung beschließen, künftig die Mitglieder des Präsidialausschusses wählen und den Haushalt der Reichsvertretung festsetzen. Seine wichtigste Aufgabe wird darin bestehen, der engen Zusammenarbeit der Reichsvertretung mit den Landesverbänden und Gemeinden zu dienen. Die Landesverbände werden in ihrem Gebiet für die Durchführung der Beschlüs'e der Reichsvertretung sorgen. N«hm Wlonor Konservatorium MuaikvareinsBabluds / 27. Schuljahr / Tal. 46-4-87 Unterricht in Musiktheorie, Oeaang, Klavier and allen Oreheaterlnstramenten durch erat* klaaalge Lehrkräfte. Von den ersten Anfängen bla zur Staatsprüfung und. letzten kUneUerieohen Ausbildung. Opern, Behauptet und Operettenaehale fltaateprOtnngakara, Kammermusik. Klnderabtellnng (für 6 bla 12Jähr. Schüler) mit eigenem, auch rhythm. Gymnastik, Kinderkammermuaik, Gehörbildung und eine lebende Sprache umfassenden Lehrplan. Auskünfte und Prospekte auaaehlleOllehi. Musikvereinsgebäude, I. Bösendorferstrafie 12. Daselbst ab 1. September Anmeldungen und Aufnahmeprüfungen. Hebräisches Pädagogium. Das Unterrichtajabr 1936/37 beginnt am Dienstag, den 13. Oktober 1936. Anmeldung neuer Hörer und Hörerinnen schriftlich an das Sekretariat des Hebräischen Pädagogiums, Wien, II., TempelgH.sse 3. Aufnahmeprüfungen am Tage deg Unterrichts« Mail tu Jl Hk naifeMi