Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 571 (11.8.1936)
- Date
- 1936-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054327--6072-3061881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Granada 1× ep/1052823
- Haifa 1× ep/1047930
- Rabat 1× ep/1045497
OCR text
Seite Z OIE ST1MMB Nr. 571 — Wien, Dienstag1, 11. August 1930 Ein Appell an den Völkerbund sich eben die volle Unabhängigkeit erstrebt lind ist sehr wohl imstande, die arabischen Unifizierungstendenzen unter seinen Schutz zu nehmen. Der weiße Mann, der schon im großen Krieg „farbige Truppen“ aufgeboten hat, erfährt nun eine weitere sehr empfindliche Schwächung seines Prestiges durch die spanischen Generäle; in Sevilla, Granada, Cordoba, Cadix (wo 711 Tarik gelandet ist) marschieren maurische Araber, singen ihre schrillen Kriegslieder, bestaunen die Paläste, die ihre Ahnen gebaut haben, erinnern sich an die Torschlüssel, die in arabischen Familien in Rabat, Fez und Tetuan noch heute pietätvoll verwahrt werden — und schießen über Kommando spanischer Offiziere auf das spanische Volk. Ihre Kameraden daheim haben auf Befehl der weißen Generäle die Juden in Konzentrationslager gesperrt... Aber der Strom dieses neuen Geschehens bleibt nicht bei Spanien stehen. In Griechenland ist Hals über Kopf, ohne einen äußerlich erkennbaren Anlaß — der Kommunismus ist nur ein Vorwand — die Diktatur aufgerichtet worden. Es ist möglich, daß es sich dort um eine militärpolitische Maßregel handelt, im eine Vorbereitung für Ereignisse, dh man erst noch ahnt. Denn es wird auf einmal von der Befestigung der Inseln gesprochen, die bisher auf Grund der Protokolle von Mudros und Lausanne verboten war. Es wird auch bekannt, daß Italien auf dem Dodekanes Befestigungen vornimmt und es soll sogar auf einer Insel die Errichtung einer deutschen Flugbasis zugestanden haben — als Freiradschaftsgeste für England. Verschiedene, immer bestimmter auftretende Nachrichten lassen für die nächste Zeit die Machtergreifung der nationalsozialistischen Zankowisten in Bulgarien erwarten. Es brennt rings um das Mittelmeer... ... an dessen Ostküste sich das jüdische Volk seine neue Heimstätte zu bauen begonnen hat. Der Aufruhr der Araber ist noch nicht zu Ende, die königliche Kommission sitzt noch in London. Aber es bestehen Symptome, daß der in Spanien begangene Verrat an der weißen Rasse hier auf palästinensischem Boden gegen die Juden vorbereitet wird. England hat ein Mandat, auf Grund dessen es in Palästina ist; aber, so argumentiert ein Organ des Außenamtes, es ist ein Unterschied zwischen Mandat und Mandatspolitik und dieser Unterschied liegt in der Interpretation. Wenn die Kommission, die im Oktober vielleicht doch wird wegfahren können, eine Einwanderungssperre als Voraussetzung ihrer Untersuchung verlangen wird, so wird diesem Vorschlag entsprochen werden; wrird sie sich für das Nationalheim der Juden aussprechen, so wird England vertragstreu bleiben; wird sie eine Benachteiligung der Araber feststellen, so wird sich England — ach wie gern — anpassen. Es bleibt demnach nicht maßgebend, ob und was England und die anderen Garanten in San Rerao beschworen und besiegelt haben, sondern das größere oder, geringere Wohlwollen von fünf Herren aus London. Wenn sie das so für richtig befinden, wird das europäische Element der Juden an irgend einen arabischen Khan verraten werden. Aber es ist doch so, daß bereits 400.000 Juden in Palästina leben und, wie sich jetzt gezeigt hat, dessen Wirtschaft beherrschen. Es mag kommen, daß das Beispiel Herbert Samuels, der nach 1921 die Einwanderung suspendierte, wieder befolgt werden wird. Was die Juden in Palästina bauen und arbeiten, kann nicht eingeschränkt werden. Was die Einwanderung aber betrifft, so ist sie Sache der 17 Millionen Juden auf der Welt. Wir lassen uns nicht einschüchterri und werden jede Retorsion als Verrat brandmarken. Und dafür bleiben uns die verantwortlich, die anerkannt haben, daß das Judentum kraft seines Rechtes in Palästina ist. Den Wog zu den Arabern werden wir uns freizumachen wissen —• die arabischen Interessen Englands sind uns herzlichste Nebensache, Für die Minderheiten im Dritten Reich Genf, 7. August. (JTA.) Acht große f r a. nz ö s i & c h e und amerikanisc h e Organisationen haben sich zusammengetan, um an den Völkerbund zu appellieren und die bevorstehende 17. Vollversammlung des Völkerbundes zu veranlassen, sich der der Vernichtung preisgegebenen deutschen Juden anz «nehmen. Die Petition a.n den Völkerbund, die sich auf das engste an den bekannten Brief anlehnt, den der ehemalige Hohe Kommissar für die deutschen Flüchtlinge, James G. M a c D on a 1 d,. bei seiner Demission veröffentlichte, ist von acht Organisationen unterzeichnet: USA.: American Jewish Committee (Doktor Cyras Adler), B'nai Brifch-Loge (Senator Alfred M. Cohen), Conference on Jewish Relat.ions (Professor Morris Cohen); Frankreich: Alliance Israelite Universelle, Liga für Menschenrechte (Prof. Victor Basch), Comitö National de Secours aux Refugtes Allemands (Senator Henry Berenger), Comite Central d’Assistance aux Emigrant« Juifs (Präsident Oualid) und Comite pour la Defense des Droits des IsraMites en Europe Centrale et Orientale (Senator Justin Godart). Die Petition stellt fest, daß die Diskriminierungen und Verfolgungen, deren Opfer die Juden, die „n i c h t a r i s c h e n“ Christen, die K a t h o 1 i ke n und Protestanten u. a. m. durch die Gesetzgebung der deutschen nationalsozialistischen Regierung geworden sind, und das Weitertreiben dieser Maßnahmen in den anderen Ländern, wo die Flüchtlinge Schutz zu suchen gezwungen waren, weitgehende Folgen gehabt haben. „Allein durch ihre Anwesenheit“, so heißt es, „stellen die Flüchtlinge ein internationales Problem dar, das die Prüfung dieser Frage durch den Völkerbund und seine Vermittlung rechtfertigt.“ Die Petition erinnert dann an den Demissionsbrief MacDonalds, in dem es hieß, die ständigen Verfolgungen in Deutschland bedeuten für Hunderttausende deutscher Staatsbürger eine schwere Bedrohung mit Elend oder Exil. Die Petition stellt folgendes fest: Keine innere Angelegenheit „Die deutsche nationalsozialistische Regierung kann nicht einwenden, daß es sich um eine ,innere Gesetzgebung4 oder um Hoheitsreohte handelt. Der Völkerbund hat die Macht und Kompetenz, um diese Frage von Grund auf zu behandeln, und zwar nicht nur aus Gründen der Menschlichkeit, sondern auch, weil die Taten und die Gesetze der deutschen nationalsozialistischen Regierung unmittelbare Auswirkungen haben, die die territoriale Souveränität der anderen Staaten berühren und gleichzeitig eine Verletzung ihrer Rechte darstellen und so Verpflichtungen und Verbindlichkeiten des internationalen Rechts brechen.“ 1 Aus London meldet JTA.: In einer Zuschrift an die „Times“ polemisiert James A. Malcolm gegen die Heranziehung der Meinungsäußerungen des verstorbenen Munitionsministers und Staatssekretärs für Indien Edwin S. Montaga durch J. M. N. Jeffries zur Stützung seines antizionistischen Standpunktes. Montagu, der, obwohl Jude, sich detm Plan der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina widersetzte, weil er befürchtete, daß die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in den anderon Ländern dadurch erschüttert werden könnte, habe offenbar, so wie manche andere Juden und Niohtjuden, irrtümlich geglaubt, daß er mit seiner Stellung zum Zionismus dem großen D i s r a e 1 i nacheifere; in Wirklichkeit aber sei der Cypern- Vertrag, der einer von Di6raells Erfolgen war, unter anderem auch als Fassade für ein zionistisches Palästina gedacht gewesen, ein Projekt, dem der Sultan im geheimen seine Zustimmung gegeben habe und das verwirklicht worden wäre, wenn nicht hinter den Kulissen der Vatikan und der Botschafter des Sultans in London, Rustem Pascha, der ein Levantiner italienischer Herkunft mit angenommenem türkischem Namen war, dagegen interveniert hätten. Religiöse Vorurteile hätten damals natürlich weit mehr Geltung gehabt als heute. Malcolm befaßt wich sodann mit dou Einwänden, die .Jeffries gegen die Verbindlichkeit der A b ru a e h u n g o n z w i s c h c n D r. W e i z rn a n u und E m i r F e i ß a 1 erhoben batte, und fragt: Rechneten die Verbündeten nicht mit Feisal? War Feiwal nicht tatsächlich die zentrale Figur und. der „Die deutsche Regierung verletzt, indem sie die Diskriminierungen und Verfolgungen gegen die zu „Nichariern“ gestempelten Individuen zum System erhebt, ausdrücklich die feierliche Erklärung, die sie auf der F r i e-, denskonferenz Im Juni 1919 den alliierten und assoziierten Mächten gegeben hat. Gemäß den anerkannten Prinzipien des internationalen Rechts behält diese Verpflichtung weiter ihre Gültigkeit. Die alliierten Mächte haben das Recht und die Pflicht, von der Tatsache Kenntnis zu nehmen, daß diese Verpflichtung nicht eingehalten worden ist, und jedesmal zu intervenieren, damit diese Verletzungen aufhören.“ „Die deutsche Regierung hat tausende Personen nach ihrer Einwanderung und Seßhaftmachung in den Nachbarländern ihrer Nationalität beraubt. Sie droht mit noch rigoroseren Maßnahmen. Ein ganzes System der Spionage und des Terrors ist zur Verfolgung der aus Deutschland gekommenen Flüchtlinge organisiert. Dieses System ist imstande, den internationalen Frieden und die Sicherheit zu stören, Indern es die souveränen Rechte der Staaten verletzt, die denen ein Asyl geboten haben, die vor den Verfolgungen fliehen mußten.“ „Das Recht eines Staates zur Gesetzgebung gegenüber. Bürgern, die seiner Rechtsprechung unterliegen, ist k e i n u nbeschränktes Recht. Der Mißbrauch dieses Rechts zum Schaden anderer Staaten, um so mehr dann, wenn er eine Verletzung internationaler Verpflichtungen in sich schließt, ist eine Angelegenheit, die die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit erfordert.“ Die Petition erinnert dann an die Ausführungen, die der Delegierte der französischen Regierung, M a s 6 i g 1 i, auf der Ratstagung am 24. Jänner 1935 gemacht hat. Massigli erklärte, eine Verschärfung des Flüohtlingsproblems sei eine zu wichtige Angelegenheit, um mit Stillschweigen übergangen zu werden. Dem Memorandum ist ein Anhang beigefügt, der die historischen Begebenheiten aufführt und auf die Rechtsgründe für eine internationale Aktion des Völkerbundes ‘ hinweist. Mag auch die deutsche Regierung, heißt es darin, die Minderheitenverträge nicht mitunterzeichnet haben, so folgere daraus noch nicht das Recht für diese Regierung, mit ihren Juden und christlichen Minderheiten nach Willkür zu . verfahren; denn Deutschland ist an die internationalen Verpflichtungen gebunden, . die den Schutz der Minderheiten einschließen. Der Völkerbund — so heißt es zum Schluß — ist durchaus befugt, die deutsche Regierung vor die Schranke Internationa-1 ler Gerichtsbarkeit zu bringen. Araber, die sich erhoben hatten oder die zur Erhebung zu bringen man durch Freigebigkeit mit englischem Gold versuchte? Wer sonst als Feisal sprach für die Araber bei der Friedenskonferenz in Paris und anderwärts? War es nach der Niederlage der Türken nicht notwendig, von Zelt zu Zeit gegen jene „verbündeten“ Araber Krieg zu führen, die weiterhin gegen die englischen Trappen kämpften (niancho von ihnen versuchten scheinbar immer noch gegen England in Palästina zu kämpfen, das, daran sei erinnert, ebensogut ein erobertes wie ein Mandatsland ißt)? Malcolm stellt fest, daß König Hussein und Emir Feisal die Bestimmungen der Balfour-De. klaration vor und nach ihrer Verkündung bereitwillig akzeptiert hatten, und daß der Irak unter Feisal sich dem Völkerbund bedingungslos angeschlossen hat, ohne daß von Irgend einer späteren Abmachung die Rede war, durch die Sinn und Wortlaut des englischen Palästinamandats Irgendwie hätten aufgehoben werden können. Malcolm spricht die Hoffnung aus, daß Leute wie Jeffries und andere Verfasser von Zuschriften, die einen starken Einfluß auf dio öffentliche Meinung haben, allo Vorurteile und Voreingenommenheiten beiseite lassen, die Ethik der z i o n i6 11 e eh en ßowogung sorgfältig ln Betracht ziehen und die sehr ernsten Folgen berücksichtigen werdon, d i e für 13 u r o p :i u ii ei fl i o W o 1 fc o i n o S a b ot a g o <1 e r „W iodorhorßtollung <1 e s J ü d i s c Ii (; n N a t,i on aI h eim s in P a 1 ä s t, i n a“ li ä 11 o, auf die dio Judonheit zweitausend Jahre lang mit Geduld und verzweifelter Sorge gewartet hat und die mitten in einem wachsenden Sturm des politischen Antisemitismus für Millionen Juden, besonders in Mittel- und Osteuropa, die einzige Hoffnung auf Rettung zu sein scheine» Roosevelt fifir die Rechte der Juden New York, 6. August. (Palcor.) Präsident Roosevelt hat im Zusammenhang mit der bevorstehenden Veröffentlichung eines Jahrbuches, in dem die jüdischen Bestrebungen und Leistungen in Palästina angeführt werden sollen, an den United Palestine Appeal ein Schreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß jedfts Volk ein unerschütterliches Recht auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück hat. Völkerrechtlich ist den Juden das Recht auf Wiederansiedlung im Lande anerkannt worden, in dem ihre Religion entstand und dem die moderne Kultur viel verdankt. Der 54. jüdische Tote Jerusalem, 9. August. (JTA.) Der 45jährige aus Polen eingewanderte Siedler Seef L i nd e n f e 1 d aus der neuen Kolonie Tagla wurde auf der Straße nach Chedera e rmordet. Lindenfeld fuhr mit seiner Frau auf einem Wagen nach Chedera, um dort Gemüse zu verkaufen. Auf halbem Wege begegnete ihnen ein Auto, dessen jüdischer Chauffeur die Frau Lindenfelds einlud, mitzufahren. Als der allein auf dem Wagen gebliebene Kolonist viele Stunden später noch nicht in Chedera eingetroffen war, ging man ihn suchen und fand ihn neben seinem Wagen ermordet. Das Pferd war weggeführfc worden. Die Siedlung Kirjat Anawim wurde um Mitternacht heftig beschossen. Der Kolonienwächter Ben Jaakob wurde hiebei schwer verwundet. In der Nacht sind von Arabern Schüsse auf die jüdische landwirtschaftliche Schule auf dem Berg Tabor und auf dio Siedlungen Aifiulo, Tel-Jossef und Mizpa abgegeben worden. MÖBEL-WINTER für flelegenheltskanfe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerdienfelderstraße Telephon: A 21-5-31 Wieder größere Kampf. Handlung Nach wenigen Tagen verhältnismäßiger Ruhe kam es am Freitag nachmittag wiederum zu einer größeren Kampfhandlung. Auf der Straße zwischen Tel-Aviv und Haifa, wurde bei Nablus ein Transport von Aufständischen angegriffen, Truppen und Flugzeuge kämpften mehrere Stunden gegen die Angreifer, welche schließlich flohen und drei Tote und zwei Gefangene zurückließen. Auf britischer Seite; wurde ein Soldat verletzt. Londoner Araberdelegation zurückgereist London, 7. August. (JTA.) Die von J amal el Hussein! geführte inoffizielle: arabische Delegation, dio in den letzten Wochen in politischen Kreisen Englands für die arabischen Forderungen Propaganda gemacht hat, trat am 5. August dio Rückreise nach Palästina an. „Evening Standard“ meldet, den Arabern werde das Zugeständnis einer vorübergehenden Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht gemacht werden, da die Regierung, solange der Streik andauert, keino Verhandlungen wünsche. Die Entscheidung über Fortsetzung oder Einstellung der Einwanderung werde ausschließlich von der Regierung in London getroffen werden. In R egi orungskr eisen glaube man, daß die arabische Revolte höchstens nur noch wenige Wochen andauern könne. Eingreifen der drei arabischen Könige Berlin, 9. August. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet aus Jerusalem: Ein vor zwei Wochen von den Herrschern dos H e d s c h a s, des Irak und dos Yejnsn Unterzeichnetem Memorandum zugunsten der Araber in Palästina steht wahrscheinlich mit Verhandlungen im Zusammenhang, die diese Herrscher mit dem arabischen Kampf aus sch uö in Palästina führen. Dio Verhandlungen haben anscheinend oinon feierlichen Aufruf dor drei Herrscher an dio arabische Bevölkerung Palästinas zum Gegenstand, durch den der Generalstreik und dio Unruhen beendet worden sollen. Diesen Schritt solle England mit einem t o i 1 w c i s o n E n t g e g e n k o m-t men beantworten. Das Eingreifen der arabischen Herrscher entspricht offensichtlich der Ansicht, daß kein Parteiführer mehr dtei Möglichkeit besitzt, dio Unruhen abzublaseiL James Malcolm für das jüdische Palästina znsammenfassende Punkt für diejenigen