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Die Stimme · 1936-08-11 · Heft 571 (11.8.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 571 (11.8.1936)
Date
1936-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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<Dh JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 571 Wien, Dienitag, IX. August 1936 * x3. Aw 5696 V. b. b. 20 8 Wir melden t Roosevelt und James Malcolm für das )Udische Palästina Jüdischer Appell an den Völker* bund Die Kämpfe in Palästina 9* Jahrgang Das Bodenproblem in Palästina Der Weltkongreß Genf, 9. August. (Priv.) Gestern in vorgerückter Nachtstunde — wegen des Sabbaths erst nach Sonnenuntergang — trat im Verhandlungssaale des Genfer Parlaments der erste jüdische Weltkongreß zusammen, zu dem Delegierte aus allen Weltteilen erschienen sind, am zahlreichsten aus Polen, aus Amerika und aus den ehemaligen russischen Randstaaten. Von europäischen Staaten ist nur die Judenschaft Deutschlands nicht vertreten, weil ihre Delegierten ihre Sache nicht hätten vertreten können. Die Amerikaner aller Parteien sind, unter Führung des Präsidenten des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses, Dr. Stephan W i s e, erschienen. Die europäischen Staaten waren zumeist durch Mitglieder der Genfer Völkerhunddelegationen vertreten. Ferner waren der französische Generalkonsul P e r o n und jStaatsrat von Genf Dr. E h r 1 e r anwesend. Den jüdischen Delegationen gehören alle jüdischen Führer aller Richtungen an. Unter den zahlreichen Literaten fielen Professor B e r n h a r d (Paris), Emil Ludwig (Lugano) und Schalom Asch (New York) auf. Dr. Stephan Wise schilderte in seiner Eröffnungsrede die Lage des jüdischen Volkes in allen Ländern. Sowohl politisch wie wirtschaftlich ist das Judentum an der Grenze seiner L e b e n s m ö g 1 i c h k e 11 angelangt. Wenn moralisch und politisch zuerst auf ihre Leiden in Deutschland hingewiesen werden muß, so stehen wirtschaftlich die breiten jüdischen Massen des Osten s, namentlich Polens, auf der tiefsten Stufe des Elends. All das zeigt sich am eindrucksvollsten in den Auswanderung s Ziffern. Die Zahlen sind aber viel zu gering gegenüber den Ziffern jener, die auswandern wollen und nicht können. Denn fast alle Eingangspforten sind ihnen verschlossen daher gewinnt die Einwanderung nach Palästina Immer mehr an Bedeutung. Der Konflikt mit den Arabern ist tief zu bedauern, weil die Juden bestrebt sind, in gemeinsamer Zusammenarbeit das Land wirtschaftlich und kulturell zu heben. Palästina hat Platz für beide, und die wirtschaftlichen Vorteile für die Araber liegen so sehr auf der Hand, daß nur eine irregeleitete politische Agitation sie leugnen kann. Der Redner hofft deshalb, daß die Unruhen sich wieder friedlich werden beilegen lassen, wozu die „Königliche Kommission“ viel beitragen könne. (Beifall.) Dr. Nahum Goldmann der die Jewish Agency beim Völkerbund vertritt, wies auf dje Notwendigkeit hin, eine repräsentative Vertretung des Judentums zu schaffen, die, über alle Parteien hinaus, legitimiert ist, gegenüber der ganzen Welt die Wünsche des. Judentums vorzulegen. Es müsse eine geordnete und legale jüdische Aus- und Einwanderung geschaffen werden, weil jetzt Tausende im Elend verkommen. Der Völkerbund habe die Pflicht, sich dieser Entwurzelten anzunehmen, und die Hilfe der Staaten zu organisieren. Die Palästina-Frage wünscht der Redner im Sinne der B a 1four-Deklaration behandelt, das den Juden ein Recht zur Siedelung gibt; Redner verweist auf manches Unrecht, das die englische Administration an den Juden in Palästina begeht, obzwar das Parlament die Rerechll'f’mg der jüdischen Forderungen anerkannt hat. In der ersten Nachtsitzung sprach noch I der Genfer Staatsrat E h r 1 e r, um namens I des Kantons den Kongreß zu seinen Aufgaben zu beglückwünschen und der Genfer U n i v e r s it ä t s p r o f es s or R a pp a r d, der bekannte Völkerrechtslehrer, der in französischer Sprache ausführte: Er ergreife das Wort als Privatmann, um als Nichtjude zu bekräftigen, daß es keine Solidarität der Nichtjuden in der religiösen und rassenmäßigen Intoleranz gebe. Er spreche auch als Vertreter der Univ.ersitätsgelehrsamkeit, daß überall, wo die Juden verfolgt sind, ebenso die Frei- „Great Britain and the Ea&t“, ein dem Londoner Außennmt nahestehendes Organ, das von gewesenen hohen Kolonialbeamten redigiert wird, beschäftigt sieh in seiner letzten Ausgabe mit der PaJästina-frage. Daß Blatt sagt, zunächst, die Regierung lehne offenbar' eine Vorübergehende ■ Einstellung der Einwanderung als Mittel zur Wiederherstellung der Ordnung, in Palästina ab. Aibeir nach der in einem, bas zwei Monaten zu erwartenden Beendigung der Unruhen werde die Frage neuerlich erwogen werden. D i e Entscheidung werde vormu 11 i eh von kein e m der S t r ei 11 ei 1 e begrüßt werden. v;. Wa,s immer entschieden werden sollte — so heißt es in dem Artikel das Mand a t b 1 e d b t a u, f r e c h t. , pprüibpr fe^nn nicht der geringste Zweilei.bestehep.! das , Mandat, äjüifeohrföuerhalten, . ist, ..wie: jedermann wissen sollte, an sich keine Pölir tik: die, Politik liegt in der Interpretation. ,, Verschiedene Interpretationen sind möglich; Die Juden legen den Nadidrüök auf den „Aufhau eitles Jüdischen N a t i o n a 1 h e i m s“ in Palästina, manche von ihnen gehen so wei t, zu' sagen, daß dies der primäre Zweck des Mandats sei und ohne ihn Eng 1 a n d üb e rhäüp t n i ch t i n P a 1 ä s t i n a w ä re. Die Araber anderseits weisen auf die Verpflichtung .def Mandatarmacht hin, nichtjüdische Rechte zu schützen. Es ist die erklärte Politik Englands, eine Politik, die vom Völkerbund selbst akzeptiert wurde, diesen beiden Verpflichtungen gegenüber Juden und Arabern -„gleiches Gewicht“ zu geben. Hätten wir die gegenwärtige Lage im Heiligen Lande, wenn diese Politik treulich erfüllt worden wäre? Das ist nur eine der vielen Fragen,. die die Kommission zu beantworten haben wird. Sollte sie zum Beispiel erklären, daß die. in Das sozialdemokratische Blatt der Schweiz, das Zürcher „V o I ks r e c h t“,. reproduzier das Photo eines Briefes, den der Führer der Frontisten Friedrich E iß e flügger, Inhaber und verantwortlicher Direktor des Lausanner Verlages Alba'S. A., Herausgeber des frontißtisohen Organs „Front national“, an das Berliner Propagandaministe, rium gerichtet hat. In dem Brief, dem ein E mpf eh l u ng s s ch r e iben des Ulrich F1 e j s chhaü er, Experten im Berner Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion“, beigelegt war, heißt es: „... Durch die in meiner Presse öfters sehr scharfen und erfolgreichen Angriffe gegen die in der schweizerischen Bank- und Geschäftswelt dominierenden jüdisch-frei.- maurerisoheni Kreise v e r.m i t t eist A üfdeckung großer Skandale einerseits, wie auch durch die periodisch zur Veröffentlichung gelangenden Freimäurerliistqn der welschen Schweiz anderseits, wurde pur gegenwärtig unmöglich gemacht, die nötigen Gelder für den normalen Weiterbetrieb meines Verlages, in der Schweiz selbst aufzutreihcn. Mein liquides Vermögen habe ich in dem jahrelangen Kampf im Dienste der Nationalen Front. vollständig auf&ebrauch^ heit eingeengt werde. Wissenschaft ohne Freiheit zu lehren, sei aber der Versuch eines -Vogels, ohne Flügel zu fliegen. Es war ein ergreifender Augenblick, als Üssischkin in hebräischer Sprache der Toten in Palästina, die das Opfer der letzten Verfolgungen geworden sind, gedachte, und die ganze Versammlung sich von ihren Plätzen erhob. Die palästinensischen Vertreter betonten mit Nachdruck, daß die jüdische Kolonisation mit verdoppeltem Eifer wieder aufbauen werde, was blinder Fanatismus einer irregeleiteten Menge jetzt zerstöre. letzter Zeit stark vermehrte Einwanderung der; Juden durchaus berechtigt war und fortgesetzt werden soll, dann werden wir auf alle Fälle wißsen, wo wir stehen, und verm.n t bi c h wird die Regierung einem solchen Rät entsprechend handeln. Sollte die Kommission anderseits eine wesen tlich ver-ra.fl gerte".Ein wanderung anraten, so wird man das ebenfalls hinnehmen müssen. ‘ Neuorientierung? Zum. Schluß wind betont, daß der Aufbau eines .. Jüdischen Nätionailhehns auf . Grund der Balfour-Deklaration nur einExpcr im e nt darstellt, und die Möglichkeit., einer N e u o ri en ti e r un g der e ng lis ch on I ä s Lj 11 a P;9' 1 L-t i k andeutet. Die Kötthmiseiön schreibt „Great Britaip and the East“ —- ist vielleicht nicht dem Wesen nach; beätimaflt äjber nach Ausbau und Prestige; yeTSCihieden■: von früheren Kommissionen., Es. handelt sich hier lim eine wirklich große Sache,-von der es kaum zu viel gesagt ist,- daß die Regierung von ihr das Dnrchs chn ei d en. des g o rd i s chen Knoteng erwartet. Überblickt man das Problem auis größer Perspektive, so wird man sehen, daß das, wais in Palästina seit dem Kriege geschieht, ein Experiment, ist. Der Urheber der BaffÖür-Daklarat-ion hat. in der Tat mehr , als einmal den. Aufbau;eines Jüdischen Nation älhedanis als ein Experiment bezeichnet. Experimente aber können in der Politik ebenso wie in der Wissenschaft nur auf dem Wege vön Ve r s u e h und I r r-t u m durchge,führt werden. Nach dem Ergebnis zu urteilen — und welches andere Kriterium gilbt es? t-thaben' wir geirrt.' Sollen wir Geschehenes ungeschehen machen, die Uhr zurüokdrehen, eine neue Linie ziehen? Wir werden' es nicht wissen, bevor nicht die Kommission ihren Bericht erstattet und die Regierung diesen Bericht geprüft hat. so..daß ich: gezwungen bin, zur Verwertung meines in , Deutschland inves t i e rit e n. G e 1 d e;s ‘ zu - schreiten, wenn ühöer so mühsam aufgebautes Unternehmen nicht klanglos unteigehen soll.“ ‘Eisenegger bittetindem Brief,- ihm Beträge in Sperrkonten von insgesamt 280.000 Reichsmark, die ihm verschiedene Freunde in Deutschland zum Aufbau seines Verlages zur . Verfügung gestellt haben, zum Transfer in "die Schweiz, freizugeben, und zwar sollen ihm die Reichsmark in Devisen zum amtlichen Tageskurs (Göldmarkwähnmg) ausgezahlt werden. Weiters bittet er, daß ihm ein Darlehen , in Höhe von 15.000 Reichsmark gegeben und nach der Schweiz transferiert wird. Er schließt: ,,... Das Gebot der Stunde ist: Aiifreohterhaltomg uiid Festigung unseres gesunden und bodenständigen German en tum sin der Schweiz im ständigen Kämpfe mit ‘ eingeführten fremdländischen Sitten und. Gebräuchen...“ > „Volkereoht“ erfährt, daß der Brief erst abgesohickt wurde, nachdem in mehreren Konferenzen, die Sache mit Vertretern des Goebbelsschen Bropagandaiministeriums vorjhftTBttiM» m». , Rings um aas Mittelmeer Die schmerzhafteste Aufmerksamkeit Europas konzentriert, sich jetzt wieder einmal auf das Mittelmecrbccken. An fast allen seinen Ufern schlagen Flammen auf, deren Schwaden sich nach allen Küsten der anrainenden drei Kontinente ziehen. Und an der Ostküste dieses uralten Erdbebcngebletes steht ein kleiner Teil des jüdischen Volkes als Träger und Vorkämpfer der Hoffnungen der ganzen Nation. Dort haben sich zuerst die Auswirkungen der abessinisehen Tragödie gezeigt; die erste Etappe scheint dem Ende zugehen zu wollen. Aber in ihre letzten Auszuckungen dringen die großen Ereignisse hinein, die sich vom Westen her nach der Lehre vom Stoß verbreiten. Und sie alle ziehen auch uns in ihren Bereich, lehren uns von neuem, daß das jüdische Problem ein Teil der Weltsorge sind — für uns der wuchtigste —, und daß es kein Ereignis gibt, das nicht in irgend einer Weise, und meist in der unangenehmsten, mit uns in Verbindung gesetzt wird. Der grausige Bruderkrieg in Spanien, der heute nach drei Wochen Dauer, bereits die staatliche Struktur dieses Volkes zu zerbrechen scheint, vollzieht sich unter Symptomen,.die für die ganze Kultur-weitein grelles Warnungssignal bedeuten. Dem Mordterrorismus ' der Linksextremen lud der organisierte Militarismus nationalistischer Prägung das gleiche System entgegengestellt. Die Anbetung der Waffe feiert wieder einmal blutige Feste. Es gibt einen Völkerbund, es gibt Friedensorganisationen, Verbrüderungs- und Versölmungsbünde. Aber sie alle führen nur ein höchst platonisches und nicht einmal fragwürdiges Dasein. Als hätte es im Jahre 1919 keinen Friedensschluß gegeben, so führen die Völker ihre Rüstungen fort, so sind aus dem Ungeist des Krieges neue Systeme der angewandten Gewalt entstanden, die die Völker zwingen, sich selbst zu zerfleischen. Das hat im äußersten Osten Europas, in Rußland. begon - nen, hat sich dann nach der Mitte fortgesetzt und hält jetzt in Spanien. Aber dort ist ein neues Moment hinzugetreten, das vor allem die moralische Verlotterung der auf. Rassenstolz sich einstellenden weißen Welt illustriert. Die spani-' sehen Nationalisten, deren Parole seit Jahrhunderten das „sang pure‘',das reine Blut, war, haben zur Wiederaufrichtung ihrer Tradition die Mauren zu Hilfe gerufen, so wie dies einst vor 1200 Jahren die westgotischeil' Adeligen getan haben, als sie in dem Kampf gegen das Königtum sich an das damals große arabische Weltreich wandten, das ihnen dann den Feldherrn Tarik ins Land schickte. Vielleicht hat der spanische Generalstab, wenn er die andere Hälfte seiner Nation niedergeschlagen haben wird, die Kraft, seine marokkanische Assistenz wieder abzuschieben. Aber schon jetzt sind in der arabischen Bevölkerung des spanischen und des französischen Marokko die ohnedies sehr lebendigen Unabhängigkeitsbestrebungen von neuem aufgeflammt. Die Ermordung des Großiihan von Algier, den die Ulema-Partei, eine nationalistisch-orthodoxe Geheimvereinigung hat erdolchen lassen, weil er sich den Pogromgelüsten widersetzte, ist aus diesem Haß gegen Europa erfolgt. Ein weiterer Schritt ist der Beschluß der Notabein des Rief-Gebietes, keine weiteren Rekrutierungen zuzulassen. Es kann leicht geschehen, daß dort ein Funke das dürre Gebälk ergreift und daß es zu einer arabischen Erhebung kommt; Ägypten, die arabische .Vormacht, hat Die Finanzierung der Judenhetze in der Schweiz Mandat und Palästinapolitik

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