Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 570 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.,570 — Wien, Freitag, 7. August 1906 Salta 3 Der Bandenführer von ienin Jerusalem, 4. August. (JTA.) „Haarez“ veröffentlicht Einzelheiten über den Führer der arabischen Terroristen, der sein Hauptquartier in den Bergen von Jenin hat. Er heißt F a b r i E f f e n d i A b d u H a d i, ist 70 Jahre alt, doch noch sehr rüstig, und entstammt einer angesehenen Familie des Landes. Schon als,junger Mann betätigte er sich als Banditenhäuptling in den Bergen zwischen Nablus und Jenin. Mehrmals wurde er von den türkischen Gerichten zu bängeren Festungsstrafen verurteilt, einmal sogar zu 15 und einmal zu 20 Jahren Festung, es gelang ihm aber immer wieder, zu fliehen und sich in den Höhlen von Jenin verborgen zu halten. Jetzt Ist er das Oberhaupt der Terroristen, die er in den Bergen befehligt und aus deren Mitte er von Zeit zu Zeit Trupps in die Städte zu Terroraktionen entsendet. 50 Prozent der Terroristen sind religiöse Eiferer, 20 Prozent sind städtische Arbeiter, 10 Prozent sind abgestrafte Verbrecher, 10 Prozent sind Eingewanderte ans Syrien und Tra.nsjorda.nien, 10 Prozent setzen sich aus arabischen Christen aus der Gegend von Jerusalem zusammen. Jeder Terrorist muß schwören, daß er, falls er unverwundet oder verwundet in Gefangenschaft gerät, seine Kameraden nicht verrät; andernfalls droht ihin der Tod. Bei Beginn des Aufstandes verfügten die Terroristen nur über sehr wenige Gewehre. | HOFGASTEIN g | KURHAUS WESTEND f % Streng *^3 % unter Aufsicht der Sdiiffschul, Wien Thermalbäder im Haus Wiener Köche % Mäßige Preise. Geöffnet bis Ende September Itoik wuede \Jotk! Dem Jüdischen Weltkongreß 1936 Schmerzgespaltener Leib, Volk zwischen Völkern: Traum, einst von Sehern geträumt, reif endlich ward — Gestalt! Denn ein Zauberspruch wirkte, daß aus Gliedern ein Körper ward. Schicksal hieb wie ein Beil blühendes Fleisch entzwei, Sturmwind schleuderte weit, weit über Land und Meer schaudernd blutige Fetzen Haß und süchtiger Gier zum Fraß. Doch die Seele — sie blieb unversehrt, rein und stark, weder Messer noch Spott ritzten ihr Wunden ein — über Qualfluten schwebte göttlich sie wie am Schöpfungstag. Aber heute: welch Fest mitten in Sorge, Not, fern von Lachen und Prunk, fern auch von Jubel, Sieg: Fest der festlosen Juden, feiernd körpergeword’nen Geist! Nennt eiii Volk noch, das lebt gestern und morgen! Zeigt einen Stamm, der sein Land tausende Jahre trug als ein Saatkorn im Herzen — Enkel pflanzen es heute ein. Da ein Arm, eine Hand; dort ein zerspelltes Haar — heut’ ein Ganzes, ein Volk! Ströme, von Land zu Land, gießen Tränen der Freude rauschend tief in die Schale Leid. Schmerzgespaltener Leib, Volk unter Völkern, sieh’: gläubig steigt aus dem Grau Feuer von Opfern auf, und im Widerschein leuchten Arbeitsfriede und Ernteglück!... Alfred Werner Aber schon nach wenigen Wochen hatten sie Überfluß an Gewehren, von denen 60. Prozent englischer und 40 Prozent deutscher Provenienz sind. Die Munition fabrizieren sie sich selbst, die Zurichtungen hiezu wurden ihnen aus dem Auslande geliefert. Die in den englischen Berichten oft genannten Beni Sa ehr sind ein transjordanischer Boduinenstamm, der sich schon 1929 hervorgetan hat. Sie stehen in direkter Verbindung mit deutschen Nationalsozialisten. Josef Urphali in Freiheit Jerusalem, 4. August. (JTA.) Der jüdische Wächter Josef Urphali, der nach den Unruhen des Jahres 1929 wegen Überschreitung der Notwehr zum Tode verurteilt und später zu lebenslänglichen Gefängnis begnadigt wurde, ist auf Grund der anläßlich des Regierungsjubiläums König Georg V. verkündeten Amnestie gleichzeitig mit mehreren anderen Gerangenen in Freiheit gesetzt worden. Der zweite Jude, der nach den Unruhen von 1929 zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt worden war, Simcha Hinkes, war schon im Juni 1935 freigelassen worden. Das Jaffaer Gericht sprach einen jüdischen Chauffeur, den Araber beschuldigten, auf dem Wege nach Petach Tikwah vorsätzlich ein arabisches Kind überfahren zu haben, frei, wobei Richter Copeland in der Begründung ausfübrte, die vernommenen arabischen Zeugen hätten erwiesenermaßen falsches Zeugnis abgelegt. Jüdische Wächter zu Zuchthaus verurteilt Jerusalem, 5. August. (Palcor.) Zwei jüdische Wächter, Aharon Nehama und C h a i m Tzafam, die am 18. Juli in einem Steinbruch bei Jerusalem wegen unbefugten Waffenbesitzes verhaftet wurden, hatten sich heute vor Richter Plunkettzu verantworten. Die Angeklagten wandten ein, daß sie die Gewehre zur Verteidigung des Steinbruckes, der schon zweimal von Arabern in Brand gesetzt worden war, hei sich geführt hatten; der Richter zog jedoch diesen Umstand nicht in Betracht und verurteilte Nehama zu sechs und Tzafam zu sieben Jahren Zuchthaus. 15 Juden und 6 Araber, die gestern in Tiberia.s verhaftet worden waren, sind heute auf Bürgschaft aus der Haft entlassen worden. Von dem 15 Juden stehen 11 unter der Anklage, mit Steinen und Flaschen geworfen zu haben, während vier aus Häusern geschossen haben sollen. Die Verhandlung gegen sie wird vor dem Bezirksgericht stattfinden, da der Gouverneur, der urspriingilich die Verhandlung führen sollte, in allen Fällen als Zeuge auftreten wird. Der Jüdische Weltkongreß Genf, 6. August. (JTA.) Der Vorsitzende des Komitees für den Jüdischen Weltkongreß, Dr. Stephen S. W i s e, ist in Genf eingetroffen.; Uber die Stärke der einzelnen Länder-, Vertretungen auf dem Kongreß gibt das Komitee bekannt: Die Vereinigten Staaten werden 75 Delegierte entsenden, England wird durah 16, Jugoslawien durch 3, Argentinien durch 5 Delegierte vertreten sein. Die Delegation aus Kanada umfaßt 4 Vertreter.' Die Schweiz, hat eine dreigliedrige Delega-1 tion unter der Führung des Präsidenten des Verbandes der Jüdischen Gemeinden, Sallyt Mayer, : angemeldet. Spanien, Portugal, | Danzig upd Chile haben je einen Vertreter., In Österreich und in der Tschechoslowakei; wurden je 8, in Frankreich 10 Delegierte wählt. Aus Marokko und Algerien kom- * men je 4, aus Tunis 3 Delegierte. Litauen j entsendet 5, Belgien 4, Italien und Lybien ebenfalls 4, Griechenland 3 Vertreter. Je zwei Delegierte wurden in Bulgarien und Brasilien gewählt, aus Uruguay, Estland und Finnland kommt je ein Delegierter, Dänemark, Schweden und Norwegen werden durch Beobachter vertreten seih. Die Judenheit Polens, die größte Judenheit Europas und zweitgrößte der Welt, die etwa 3 Millionen Seelen umfaßt, schickt eine Abordnung von 60 Delegierten zum Kongreß. Aus Rumänien, wo es eine Million Juden gibt, kommen 30 Delegierte. Die Judenheit Palästinas entsendet 10 Delegierte. Das Zentralkomitee der Allgemeinen Zionisten Polens (Weltverband) hat die drei auf sie entfallenden Mandate für den Jüdischen Weltkongreß dem Präsidenten Leon L evite, dem .Abgeordneten Dr. J. Gottlieb und dem Direktor Ing. J. Thon zugeteilt. Die Referate des Kongresses Die Eröffnungssitzung des 8L August I abends wird unter dem Vorsitz von Doktor Stephen S, Wise stattfinden. Nach Anhören von Begrüßungsreden seitens der Vertreter der Schweizer Behörden und der Genfer Israelitischen Gemeinde und nach Verlesen anderer Begrüßungsschreiben wird Dr. Wise seine Eröffnungsrede halten. Dann wird der Kongreß am gleichen Abend dos Referat von Dr. Na hum Gold mann über die Lage der Juden in der Welt anhören. Die zwei nachfolgenden Tage werden durch die Referate Lestschinekls über die wirtschaftliche Lage der Juden in den Ländern Osteuropas, Jeffroykins über die Probleme des .jüdischen Hilfswerkes, Tart akowers über die Probleme der jüdischen Migration, Dr. Wises über das deutschjüdische Problem und Kubowitzkis über das Problem der Organisation der' jüdischen Weltgemeinschaft ausgefü'lilfc sein. Eine besondere Sitzung wird der Darstellung der Lage in Palästina gewidmet sein, wobei als Referenten die am Kongreß RESTAURANT STEFANIE II., Taborstraße Nr. 12 n®: Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küdie / Gepflegte Getränke Aufmerksamste Bedienung / Zeitgemäße Preise Reichhaltige billige Menus sowie alle Spezialitäten * Schöner schattiger Garten teilnehmenden Mitglieder der palästinensischen Delegation das WoTt ergreifen werden. Nach Anhören dieser Referate wird eine öffentliche Generaldebatte stattfinden. Der Mörder von Jlzdiak Frenkel gefaßt Jaffa, 3. August (JTA.). Beamte der Anglo- Palestine Bank, die Augenzeugen der Ermordung van Jizchak Frenkel in Jaffa am 19. April gewesen waren, erkannten heute in einer Jaffaer Straße den Mörder, einen arabischen Hafenträger, der auf ihre Veranlassung verhaftet wurde. * Die Wasserpumpstation der *Palestine Potash Co. am Toten Meer ist niederjebrannt worden. Der Wächter wurde erschossen. Bei einem Angriff der Araber in Südpalästina kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Arabern und britischem Militär, wobei ein Araber getötet und ein britischer Soldat verwundet wurde. Grodnaer „Rösch Jeschfwah“ gestorben Wien, 3. August. (JTA) Der Leiter der berühmten Grodnaer Jeschiwah, Fedwel Hindes, ist ira Alter von 57 Jahren im Wiener Rothschild-Spital, wohin er sich zur Heilung von seiner schweroai .. hatte, gestorben. Stern sehe Lehr- und Erziehungsanstalt I., Werdertorgasse 12, Tel. U 28-1-97 Volksschule f. Knaben u. Mädchen (9 Uhr Schulbeginn) / Oeffentlichkeitsrecht / Hauptu. Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Sport, Fremdsprachen, Musik Notizen aus den Unruhetagen Der Nachrichtendienst der Regierung über die Vorkommnisse im Land seit, Beginn der Unruhen zeigt merkwürdige Veränderungen. Bisnun wurden täglich zwei Bulletins im Radio durohgegeben — um zwei Uhr nachmittags und um %9 Uhr abends —, die Vertreter der auswärtigen Presse bekommen eie per Post zugesendet, so daß sie sie erst einen Tag .später, nachdem sic sie schon längst in der Zeitung gelesen hatten, zur Hand bekommen. Nun, seit drei Tagen, verbreitet die Regierung nur mehr ein Bulletin, und zwar um 2 Uhr nachmittags, so daß diese Radiomeldung praktisch jeden Wert verliert, da die Vorfälle zu einer Zeit bekanntgegeben werden, da man sie schon aus der Zeitung könnt. Überdies werden sic« von Einzige Jüdische Handelsschule lür Knaben und Mädchen. •— Abendkurse. Wien, II., TaborstraOe 39, Tel. A 45-6-57. Unterricht nach dem normalen Lehrplan der Handelsschulen. — Erstklassige Lehrkräfte. — Aufnahme täglich von 10—12 und 3—5 Uhr. — Prospekte gratis. Tag au Tag knapper, das heißt, sie melden immer weniger, wiewohl leider noch immer sehr viel in Palästina geschieht. Es ist möglich, daß diese Beschränkung des Nachrichtendienstes mit einer Kritik zusammenhängt, die kürzlich im „Davar“ erschien. Diese Zeitung machte aufmerksam, daß die Radiomeldungen der Regierung das Gegenteil von dem erreichen, was sie wollen. Wenn, man in den arabischen Dörfern tagtäglich hört, daß diese und diese Überfälle vorkameu, diese und diese Morde und dann stets den Nachsatz: „Die Täter wurden nicht ermittelt“, ist es naheliegend, daß diese Berichte nicht nur Schadenfreude aüslösen müssen, sondern auch den Glauben an die Regierung und an die Macht der bewaffneten Exekutive aufs tiefste erschüttern. Im Zentrum der jüdischen Neustadt von Jerusalem, in jener kleinen Straße beim Cinema Zion, in der sich die Redaktionen der jüdischen Zeitungen befinden, gibt es eine ein wenig anrüchige, zumeist nur von Soldaten besuchte Bar, deren Besitzer ein christlicher Araber ist, der in der deutschen Kolonie bei Jerusalem ein großes Haus besitzt. Dieser Tage fiel es der Polizei ein, in dem Lokal eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. Bei dieser Gelegenheit fand man 25 Pistolenkugeln. Der Besitzer wurde verhaftet. Am folgenden Tag untersuchte man das Lokal nochmals und fand,, in Schuhsahaohteln, nicht weniger als drei Pistolen, darunter eine Parabellum-Pistole. Die Frage, was ein Araber, der unangefochten seit vielen Jahren in einem rein jüdischen, also hundertprozentig sicheren Viertel sein Geschäft betreibt, mit einem kleinen Arsenal anfängt, wird auch der Prozeß, der dem Angeklagten zumindest sieben Jahre Zwangsarbeit bringen wird, nicht, beantworten, denn keiner der vielen Prozesse dieser Zeit hat derartige Fragen, oder die Ka.rdinalfrage, woher die Waffen stammen, beantwortet. * In Jaffa fand dieser Tage ein Prozeß statt, dessen Urteilsbegründung überaus interessant. ist. Angeklagt waren vier arabische Hafenarbeiter wegen Behinderung der Abladung von einem Schiff. Einer der Zeugen sagte aus, daß die Angeklagten ihm zugerufen hätten: „Morgen wirst du sterben!“ und „Du bist ein Jude!“. Der Richter sprach die Angeklagten frei und erklärte, daß beide Rufe weder Drohung noch Beleid i g u n g seien. Der erste Ruf deswegen nicht, weil das Ende eines jeden Menschen der Tod sei, und der zweite nicht, weil der Zeuge tatsächlich Jude ist. Zionistische Sektion und hebräische Schule Zwischenbrücken Samstag, den 15. August 1. J., 8 Uhr abends, veranstaltet die Sektion und hebräische Schule Zwischenbrücken im Praohtgorfcen des I. Kaffeehauses, II., Hauptallee- Praterj ein Gartenfest mit anschließender Künstlerakademie und Tanz im Freden bei erstklassiger Jazzband, zu welchem alle Zionisten höffiohst eingeladen werden. Karten zu S 1.— sind bei allen Kamiiteemiitgliedenn und unter Teäepim A 46-7-15 zu haben,