Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 570 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIB STIMME Nr. 570 — Wien, Freitag, 7. August 1936 „Die Araber können zufrieden sein" |er Misrachi Landesverband gratuliert seinem Vizepräsidenten Herrn Abraham Löw zur Vermählung seiner Tochter und wünscht recht herzlich aiü S’tt Der antijildisdie Dreibund Die arabischen Christen Palästinas erlassen einen Aufruf an die Christen der ganzen Welt, der in der Forderung gipfelt, .,das Möglichste zu tun, daß aus dem Heiligen Land nicht ein Judenstaat werde“. Um dies zu erreichen, teilt der Aufruf mit, daß die jüdischen Einwanderer „mit radikal-kommunistischen Ideen und ohne jede Religion ins Land der Bibel“ kommen, daß sie heilige christliche Stätten verächtlich entweihen und daß jüdische Mädchen und Burschen die Geburtskirche in Bethlehem durch unwürdiges Benehmen entheiligten. Dazui sei gleich bemerkt, daß diese Behauptungen erlogen sind. Ein christlicher Araber hat als Führer eine jüdische Ausflüglergruppe zur Kirche geleitet; die Juden verließen die Kirche sofort; der christliche Araber wurde wegen Belästigung eines Mädchens verhaftet und vom Richter mit schwerer Strafe belegt. So hat sich der Vorfall abgespielt. Er wird in dem Aufruf verdreht dargestellt, nebenbei gesagt als das einzige greifbare Faktum, das die „ersten Zeichen“ feindlicher Handlungen der Juden repräsentieren soll. Natürlich werden die Araber als die verfolgten Lämmer hingestellt, die von der Mandatsregierung durch schärfste Maßnahmen niedergehalten werden. „Tod, Brand, Verbannung, Haussuchungen und das Niederreißen von Häusern sind an der Tagesordnung.“ An der Tagesordnung nämlich, die von den mohammedanischen Führern der Bewegung bestimmt worden ist. Wenn man den Aufruf liest, so müßte man meinen, daß die Unruhen und der Streik von den Juden provoziert worden sind. Aber am Anfang der Affäre steht ein Protest der jüdischen Bevölkerung von Tel-Aviv gegen die englische Polizei, die ein paar arabische Mörder nicht hat auffinden können. Irgend jemand hat aus dieser Demonstration die Lüge gemacht, daß Juden Araber ermordet hätten — und so ist das ganze große Unglück entstanden und lawinenmäßig angewachsen. Die Juden sind nicht die Angreifer gewesen, wie überhaupt ihre ganze Funktion im Lande nur gutes gebracht hat. An dieser ihrer Tätigkeit geht der Aufruf natürlich schweigend vorbei: Dagegen versucht er negativ eine wirtschaftliche Funktion der Araber nachzuweisen. Der Streik, so heißt es, erstrecke sich „von Dan bis Berseba“, Handel, Industrie und Verkehr sei ins Stocken geraten. Das ist eine Übertreibung. Der Streik, der nicht einmal bei den Arabern allgemein ist, hat das Leben nur einschränken, aber nicht zum Stillstand bringen können. Allerdings sind die Juden, die jüdischen Bauern, Arbeiter und Gewerbsleute, also diejenigen, die den Wert des Landes geschaffen haben, stark betroffen. Ihre Gärten und Felder sind von arabischen Terroristen a.ngeziindet worden, 53 Juden sind bisher aus dem Hinterhalt in feiger Weise abgeschossen worden. Bomben gegen Schulkinder, gegen einsame Wohnungen, Überfälle auf arbeitende Menschen — das sind die Äußerungen der „Revolution“, die der Aufruf preist. „Christliche Kreise“ sind sonst nicht bereit, Revolutionen, Terror, organisierte Mordbrennereien und Erhebungen gegen die gesetzliche Macht zu verteidigen. In Palästina besteht eine legale Regierung, die Errichtung der jüdischen Heimstätte ist unter die Kontrolle des Gesetzes gestellt. Es gibt keinen Fall, in dem die jüdische Arbeit sich als Bedrohung der inneren und äußeren Ruhe und Ordnung erwiesen hätte. Die Erhebung der Araber, insoweit von einer solchen im politischen Sinn die Rede sein kann, richtet sich gegen die Legalität, und die ganze Art ihrer Durchführung ist ein Ausdruck der Anarchie der Wüste. Der christliche Aufruf tut so, als würden seine Verfas- London, 6. August. (JTA.) Rückhaltloser, als cs die englische Tagespreise getan hat, äußert sich die mitunter von der Regierung als Sprachrohr benutzte führende konservative Zeitschrift „Speetator“ über die Königliche Kommission für Palästina. Während die „Times“ und der „Manchester Guardian“ die „Unparteilichkeit“ der Kommission in den Vordergrund gestellt haben, macht der „Speetator“ kein Hohl daraus, daß ganz besonders die Araber Anlaß haben, mit d er Kommission zufrieden zu sein. Nach den üblichen Höflichkeiten an die Adresse der Kommission und ihrer einzelnen Mitglieder und nach der Feststellung, daß „die Kommission von Anfang an allgemeines Vertrauen genießen sollte“, schreibt der „Speetator“ ganz offen: Insbesondere sollten die Araber in Anbetracht dessen, daß alle Koirnn/issionamitglieder völlig frei sind von jüdischen Verbindungen oder Einflüssen, erkennen, daß ihrer Sache vollste Gerechtigkeit widerfahren wird, und einsehen, daß es durchaus in ihrem Interesse liegt, den Arbeitsbeginn der Kommission so schnell wie möglich durch Wiederherstellung von Frieden und Ordnung herbeizufü'hren, die herrschen müssen, bevor die Kommission nach Palästina aibreisen kann. In derselben Nummer bringt der Sekretär des Jerusalemer Obersten Arabischen Ausschusses, J. S. G a b n, der Zeitschrift „mit besonderer Freude das unlängst von dem Arabischen Obersten Ausschuß in Palästina für Ihre freundliche Einstellung zu der arabischen Sache in Palästina angenommene Votum des Dankes und der Anerkennung“, was die Redaktion zu folgender Bemerkung veranlaßt: „Die Politik des ^Speetator* war es und ist es, beid-en Parteien in dem Streit um Palästina in fairer Weise Gehör zu schenken.“ Im Anschluß an dieses offizielle „Dankesvotum“ des Obersten Arabischen Ausschusses bringt „Speetator“ eine Zuschrift Jerusalem, 4. August, '(JTA.)'"Zwei...jüdische Hilfspolizisten, der 22jährige 'Jehoasch Zoller und der 23jährige Jfzchak K a 11schewskl, beide aus Polen stammend und seit einiger Zeit der Wachmannschaft der jüdischen Kolonie Jokneam bei Haifa, zwischen dem Karmel und Sebulun gelegen, zugeteilt, gingen Sonntag nachts auf eine Wachpatrouille mul kamen nicht mehr zurück. Am Montagmorgen fand man sie erschossen in der Nähe der Kolonie auf. Der Kopf des einen war von einem D u ni - D u m - Ges c h o ß getroffen und vollkommen zerschmettert. Jehoasch Zoller und Jizchak Kalischewski sind das 52. und 53. jüdische Todesopfer seit Beginn der Unruhen. Die Haifaer Polizei hat drei arabische Einwohner des Dorfes Rehaina im Zusammenhang mit diesen Morden verhaftet, ln der Wohnung des einen Arabers wurde ei n deutsches Gewehr gefunden. Der Name des am Sonntag in Haifa erschossenen arabischen Polizeiinspektors ist Achmed Naif. Er hat sich in der Bekämpfung der Terroristen energisch hervorgetan, weswegen er den Haß der Terroristen auf sich zog. Die nationa« ser diesen Grundcharakter nicht erkennen. Das ändert nichts an der Wahrheit, aber die Forderung des Appells, das Werden des Judenstaates zu verhindern, zeichnet voll seino Herkunft aus dem europäisch-nationalistischen Nihilismus, der sich im Antisemitismus seine stärkste Propagandainstitutiön geschaffen hat. Er will das Judentum vernichten und ihm selbst den letzten Weg zur Neuordnung verlegen. In diesem Streben vereinen sich die Hakenkreuzler und die Kommunisten. Als Dritter im Bund erscheint die Vereinigung der „christlichen Araber“ mit ihrem Aufruf. Wir werden es uns merken. Die Behauptungen des Aufrufes über „verächtliche Entweihung heiliger christlicher Stätten durch die Juden“ sind unwahr. Sie sind genau so erlogen wie der im letzten Herbst von dem sogenannten Brüsseler Komitee provozierte Aufruf gegen die Silvesterfeier in Tel- Aviv. Der Schutz der heiligen Stätten ist durch das Mandat der englischen Regierung anvertraut und der Kolonieminister Ormsky Gore hat vor kurzem im Unterhaus die Erklärung abgegeben, I von Israel Cohon im Namen der Zionistischen Organisation Großbritanniens. Die Argumentation von jüdischer Seite wird in den folgenden Punkten kurz zusnmmengefaßt: 1. Nur 5% des Bodens Palästinas slnfl in jüdischem Besitz. 2. Allein in zwölf jüdischen Siedlungen werden 8000 Araber beschäftigt. In mancher dieser Siedlungen bilden sie die Mehrheit und ihr Lohn ist doppelt so hoch wie der, den arabische Arbeitgeber bezahlen. 3. Von den 656 arabischen Familienoberhäuptern, denen mit Hilfe eines Regierungsfonds von 250.000 Pfund neuer Boden für den an Juden verkauften angeboten wurde, haben nur 43 von diesem Angebot Gebrauch gemacht, da die übrigen in besseren Verhältnissen lebten als die Araber auf dem Lande. 4. Die Ausgaben der Regierung für das arabische Schulwesen betragen 168.000 Pfund, diejenigen für das jüdische Schulwesen 34.000 Pfund. 5. Die Juden, die 30% der Bevölkerung bilden, zahlen 50% der Steuern. 6. Die Entwicklung des Genossenschaftswesens bei den Arabern ist durch die Juden gefördert worden; 70 arabische Kooperativgesellschaften sind entstanden. Gegenüber der Behauptung, die Empfehlungen früherer Kommissionen seien außer acht gelassen worden, weist Israel Cohen zum Schluß darauf hin, daß von den beiden wichtigsten Vorschlägen, die die verschiedenen Kommissionen seit 1929 erstattet haben, dem, der sich auf die „dislozierten Araber“, und dein, der sich auf den Legislative Council bezieht, der erste 1934 vollständig d u r c h g e f ii h r t war. Über den zweiten Vorschlag bestanden bei den Arabern selbst Meinungsverschiedenheiten, so daß sie der Einladung, eine Delegation nach London zu Unterredungen mit dem Kolonienminister zu entsenden, nicht Folge leisteten, sondern statt dessen den Generalstreik proklamierten. Somit sei klar, wer daran schuld ist, daß die Vorschläge nicht verwirklicht wurden. listischen .Araber in . Haifa haben,, während des ‘ Begräbnisses, das mit militärischen Ejiren erfolgte/ die Moschee Verbarriica'diert, um zu verhindern, daß eine religiöse Feier für Naif abgehalten werde. Am Samstag wurde der 20jährige jüdische Wächter Joseph Kaie b^ ein Sepharde, während er in einer Straße von Haifa ging, von einem Araber angeschossen und schwer verletzt. Der Attentäter konnte flüchten. Bei der jüdischen Kolonie Bajit Wegan in der Nähe, von Tel-Aviv wurde der jüdische Hilfspolizist Jaacob Krieger bei zufälliger Entladung des Gewehrs eines britischen Polizisten von einer Kugel getroffen und leicht verletzt. Am Montag vormittags wurde der 36jährige jüdische Hilfspolizist Mendel Baran o w s k i aus Kfar Ezion schwer verwundet, als er jüdische Arbeiter zu ihrer Arbeitsstätte begleitete. Von den Arbeitern wurde Jakob Cohen leicht verwundet. Beide wurden in das Hadassa-Kränkenhaus nach Jerusalem gebracht. In der Nähe von Kfar Jeladim (Kinderdorf)- wurden ein britischer Soldat ernst und vier Soldaten leicht verletzt/ durch Schüsse eines Arabers aus dem Hinterhalt. daß England diese Pflichten im vollen Umfang erfüllen werde. Seine Erklärung ist von den jüdischen, nicht aber von den christlichen Zeitungen veröffentlicht worden. Aber selbst wenn es ein solches Gesetz nicht gäbe — von jüdischer Seite würde niemals ein Akt der Verletzung religiöser Empfindlichkeiten erfolgen. Wir wissen, was Gewissensfreiheit bedeutet, und die zionistische Vergangenheit hat sowohl durch Ilerzl und York- Steiner sowie durch Weizmann und Sokolow dom Vatikan alle Zusicherungen nach dieser Seite hin gegeben und insbesondere vor und nach der Verkündigung des Mandates verpflichtende Erklärungen in Rom abgegeben, die von der Kurie in einer Note mit Dank bestätigt worden sind. Wir müssen es uns verbitten, daß man an unser Wort nicht glauben will, und daß man es wagt, zu schreiben, „daß die heiligen Orte in einem Judenstaat der Verwahrlosung anheimfallen“. Als noch die türkischen Soldaten die verschiedenen christlichen Sekten gegeneinander beschützen mußten, hat kein christlicher Araber es gewagt, zu protestieren.. „ .Die Stadt Safed wurde am Sonntag von 1 Arabern, die sich in den umliegenden Höhen verbargen, beschossen, doch gab es keine Opfer.. ln die Kolonie Bajit Wegan wurden von Arabern auch drei Bomben geschleudert und mehrere Schüsse abgegeben. Unter den Kolonisten gab es keine Opfer. Der Keren-Kajemeth-Wald der Kolonie Kfar Hachoresch wurde in Brand gesteckt, 4000 Bäume wurden vernichtet. im Norddistrikt, in der Nähe des arabischen Dorfes Mugar, beschoß eine Terroristenbande eine militärische Patrouille und verletzte einen englischen Soldaten. Die Patrouille erwiderte das Feuer, tötete einen Angreifer und verletzte einen zweiten. MÖBEL-WINTER für Geiegenheltskäufe Wien, VII!., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerdienfelderstraße Telephon: A 21-5-31 Oberster Gerichtshof auch gegen Internierungen Jerusalem, 4. August. (JTA.) Der Oberste Gerichtshof Palästinas hat nach seiner Entscheidung, durch die die Verhängung von Kollektivstrafen als ungesetzlich erklärt wird, nunmehr die Behörden aufgefordert, die Gründe darzulegen, warum der Jerusalemer Rechtsanwalt und Führer des Streikkomitees S i d k y s II a s s a n D a j a n i nicht aus dem Konzentrationslager entlassen werden könne. Es handelt sich hier um einen Probofall, der für alle Internierungen in Konzentrationslagern maßgebend sein könnte, da das Gericht sich auf die aus dem englischen in das palästinensische Recht übernommenen Garantien für die Freiheit der Person beruft. Restaurant Rillet ■ww Bestrenommierte Küche ys Reichhaltige Menüs ä S 1'90 u. 2a60 ll.,Hammerpurgstallgasse3 (nächst Salztorbrücke) Jewish-Agency fordert Entlassung der Memorandum-Araber Jerusalem, 4. August. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency hat der Regierung ein Memorandum überreicht, in welchem sio die Ersetzung derjenigen arabischen Beamten, die das Memorandum mit der Forderung nach Einstellung clcr jüdischen Einwanderung unterzeichnet haben, durch jüdische Beamte oder durch Araber, die nicht mit den Unterzeichnern des Me* morandums solidarisch sind, fordert. Die jüdischen Kolonien im Ernek und inj Scharon übergaben allen Distriktskominissaren des Landes ein Memorandum, in welchem sie erklären, daß sio zu jenen arabischen Beamten der Distriktsäniter, die chis bekannte Memorandum an den High Commissioner mit der Forderung nach Einstellung der jüdischem Einwanderung unterzeichnet haben, keinVertrauenm ehrhabe n; die Beseitigung dieser Beamten wird gefordert. Ein Polizist hält Araberbando in Schach Jerusalem, 5. August. (JTA.) Bei Rechowot bat der Polizeikorporal Ellls, der mit einem Kameraden in einen Hinterhalt geraten war, seinen Begleiter nach Verstärkung geschickt und in der Zwischenzeit, nachdem das Maschinengewehr unbrauchbar geworden war, mit einem gewöhnlichen Gewehr eine ganze Araberbande in Schach gehalten, biö Truppen borankamon. Auf der' Straße von Hebron nach Bethlehem wurdon sämtliche Tiere oiner Karawane, die Gemüse und Obst nach Jerusalem bringen sollte, von streikenden Arabern erschossen. Die Kameltreiber blieben unverletzt. Abteilungen de« tranßjordanisolven Grenzkorps uncl der Palästinapolizei haben die Verfolgung einer Araberbando aufgenomman, die aus dem Dorf Samra eine Herde von 63 Schafen fortgetrieben hat. Die Regierung hat den Ausnahmezustand für ein jo 200 Meter breites Gebiet zu beiden Seiten der Pipe-Line in ihrer ganzen Ausdehnung verhängt. Wie aus Amman in Trans Jordanien telegraphiert wird, wurde dort gegen das Hans eines arabischen Offiziers eine Bombe gc* schleudert. Der Attentäter, Mitglied oiner extremen, politischen Gruppe, sowie der Führor dieser Gruppe wurden vorhaftet und nach Akkaba ias Gefängnis geschickt. Zwei jüdische Polizisten erschossen