Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 568 (31.7.1936)
- Date
- 1936-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054324--6051-3061857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite Z DIE STIMMI Nr. 568 - Wien, Freitag, 8t Juli 1936 Der Bombenanschlag auf Kinder Jerusalem, 29. Juli. (Palcor.) Wie gentel det, ist am 23. d. in Tel-Aviv ein Bomben attentat auf die jemenitische Schule verübt worden, wobei sieben Kinder schwer verletzt wurden. Die Erregung, die diese Tat im Jischuw hervorgerufen hat, kommt in der jüdischen Presse, zu stärkstem Aus druck. Die „Palestisne Post“ erklärt, Müßigang sei nicht nur aller Laster Anfang, sondern auch der Grund fttr ein Sinken dor Moral zu einer Tiefe, die Gefühllosigkeit gegenüber den ungeheuerlichen Ausbrüchen erwarten läßt. Zur Verantwortung müßten die arabischen Wortführer gezogen werden, die in wohlgesinnten Kreisen in London den arabischen Protest als eine durchaus friedliche, mit keinerlei Gewaltakten verbundene Aktion darstellen. Wir halben uns jedoch weniger mit der Lügenhaftigkeit arabischer Politiker zu befassen, führt der Artikel weiter aus, als mit dem Widerhall, den «io zu erwecken suchen. Was auch immer daß Ergebnis der Untersuchungen der Königlichen Kommission sei, kein Araber darf den Eindruck gewinnen, daß politische Konzessionen zu erzwingen sind, wenn man junge Burschen zu Boamibenattontaten auf hiftlose Schulkinder dingt; nichts würde die Grundlagen einer geordneten Gemeinschaft mehr erschüttern als eine solche Konzession, selbst wenn sie mit Ormsfoy-Gores Versicherungen, „daß die Regierung sich durch Gewalt und Einsohüchterungßversuche nicht beeinflussen lassen werde1* gemacht wird. Wenn man den Arabern sage, die Einstellung der Einwanderung sei eine ofiene Frage, so könnte man ihnen ebenso Zitrusfrüchte zur Verladung für den Export kommen dürfen. Bis Jetzt ging der Zitrueexport nur durch Haifa und Jaffa. Die Schiffe, die bei Tel-Aviv ihre Waren löschen, nehmen nunmehr Zitrusfrüchte für den Export auf. Inzwischen gehen die Hafenarbeiten an der Jarkon-Mündung in Tel-Aviv weiter vor sich. Die Fertigstellung der Mole wird demnächst erfolgen. Es werden eodann auch größere Schiffe direkt an der Mole ankern können. Tfilr die mir anläßlidi meines siebzigsten JL Geburtstages seitens der Vereine, Korporationeni Freunde und Bekannte zugekommenen Glückwünsche und Aufmerksamkeiten, die midi herzlidi erfreutens spreche ich allen meinen innigsten Dank aus, Salomon Oesterreicher gut sagen: Gesetzlosigkeit macht sich bezahlt. Die Helden der arabischen Revolution, so schließt def Artikel, haben den Gipfel ihres Heldentums erreicht. „Haarez“ führt aus, daß nun tatsächlich da« Blut von Ädern vergossen wurde, wae ein Beweis für das Talent einer nationalen Regierung ist und den Juden vor Augen führt, wie sehr doh Engländer, Araber und Christen vor der Zukunft unter einer solchen arabischen nationalen Regierung fürchten. Dieses Attentat wurde einen Tag nach Onmsby-Gorea Ankündigung im Unterhaus verübt, derzufolge die Regierung sieh die Entscheidung über1 eine vorübergehende Einstellung der Einwanderung bis zum Eintreffen der Königlichen Kommission Vorbehalte. Ein Versuch, eine Einstellung der Einwanderung herbei-, auführen, erklärt „Haarez“, wäre eine Belohnung für die Mörder und di© echreck-, „ . , , „ , _ . T ... liebste Strafe für ihre Opfer. Der Gedanke der Schaffung eine« Jücü-1 — und auf dm Dauer gonugl es auch hiefiir Dawar“ weist darauf hin, daß nicht zum I •schon Weltkongresses stellt, wie alle I nicht — um Juden passiv beim Judentum onstenmal Kinder das Ziel eines Angriffe« großen revolutionierenden politischem teßtzuhaltcn. Sie zur Aktivität zu bringen, geworden sind, und erinnert an den Brand- Ideen im Leben der Völker, eigentlich eine &Lq zusammenzufasson nicht mir zu einem stiftungsversuch am Säuglingsheim und am Selbstverständlichkeit dar. Es* ist das Ohaclie Schüsse auf das Waisenhaus in Jeruraktoristikium jedes wahithaft großen posalem; diesmal jedoch äat der Versuch ge-1 litis eben Gedanken«, dor oft au seiner lungen, Md 4» Blut von Kindomi Kt, vorh>woteotelmg Jataetate oder Jahrhunderte SHfelEwA”dTUSeiÄ' Nahum Goldmann: Der historische Sinn des Jüdischen Weltkongresses stammen, dorthin geflohen sind. MOBEU.W»NTER für CelagsniicitskSufa Wien, Ylll„ Stadtbchnviadokt 23 bei ler<henfefderstraBe Telephon: A 21-5-31 Kein Gebei an dev Klagemauer am 9. Ab Wir haben gemeldet, daß in diesem Jahre das Gebet am 9. Ab bei der Klagemauer in Jerusalem unterblieben ist. Sowohl das Rabbinat von Jerusalem wie der Nationalrat haben in Aufrufen die jüdische Bevölkerung ersucht, von dem herkömmlichen Zug zur Kotei ma arawi abzusehen Hiezu wird uns aus Jerusalem berichtet: Begründet wurden diese Aufrufe und Maßnahmen mit der Verbreitung aufreizender Legenden durch die Araber. Die Legen den lauteten dahin, daß die Juden am 9. Ab machtvolle Manifestationen an der Klagemauer planten. Diese Legenden wurden unterstützt durch einen Aufruf des Mufti an die Araber Palästinas, sich zur „Verteidigung der heiligen Stätten gegen die J u d e n“ zu sammeln. Der Aufruf wurde bis in die entlegensten arabischen Dörfer verteilt. Aus allen Teilen des Lande« strömten Bauern nach Jerusalem. Es verlautete, daß viele dieser arabischen Bauern heimlich Bomben und Gewehre in die Stadt schmuggeln und sich in der Nähe der Klagemauer postieren wollten. Es war das erstemal seit Jahrhunderten, daß Juden am 9. Ab nicht an der Klagemauer die Kinot sprechen. Die Polizei verhaftete in Jaffa zahlreiche Agitatoren. Zwei Militär-Detachements wurden in B a j i t W e g a n, der jüdischen Kolonie südlich von Jaffa, die häufig das Ziel arabischer Terrorakte war, stationiert. Im ganzen übrigen Gebiet von Jaffa wurde das Militär verstärkt. Verdächtige arabische Bewegungen längs der Küste, besonders in der Nacht, wurden den Behörden signalisiert. Der britische Zerstörer H 58 kaperte in der Nacht zum Sonntag ein arabisches Boot, das aus einem jenseits der gesetzlichen Drei- Brand gesteckt. Council-Tagung der WIZO Am 25. August findet in Zürich die Council-Tagung der WIZO statt. Gleichzeitig tritt, ebenfalls in Zürich, bekanntlich auch das Aktionskomitee zusammen. nären Prozesse hervorruft, daß hinterher, wenn' er einmal verwirklicht Ist, niemand versteht, wieso man «o lange und so heftig um seine Durchsetzung kämpfen mußte, da er so selbstverständlich erscheint. Der Prozeß der nationalen Einigung der europäischen Völker beispielsweise ist für uns Heutige etwas so ohne weiteres Gegebenes, geradezu ein politischer Gemeinplatz. Trotzdem hat es heftiger Kämpfe bedurft, __ bis die Maasen der einzelnen Völker zum Meilen-Grenze ankerndem Schaff W a f f e n Bewußtsein der Notwendigkeit einer nntionaoh Palästina schmueffelte. , v : i . , Arabische Agitatoren verbreiteten das I n&len Einigung gedanp waren, von den Gerücht, daß vier Araber von Juden getötet Sohwueirigkeitem der konkretem Verwirkworden seien. Daraufhin rottete sich eine Höhung gar nicht zu sprechen. Nur wenn große Menge an der Grenze zwischen Jaffa man sieh dieser allgemeinen historischen Er- und Tel-Aviv zusammen und drohte, in Tel-1 scheinning bewußt ist, wird man es über- Aviv eimzudringen, um „Rache“ au nehmen, haupt verstehen, daß der Gedanke des Jü- Die Menge sah aber ein, daß sie angesichts I efeeben Weltkongresses seit so langer Zeit der Sicherungen durch Stacheldraht und umstritten ist, und daß solch große Schwiediuirch verstärkte Polizei- und Militärabtei-1 rigkeitem überwunden werden müssen, ehe lungen nicht werde Vordringen können; sie Uine Realisierung möglich sein wird, zerstreute «oh, ohne daß es am Gebrauch Dattn diese>r Gedanke ist nichts anderes afe In Nablus würde ein Angehöriger derhle,ko*rtte f'Vf Sekte der Samaritaner von zweiIBnrigung des jltdreohen Volkes in der Welt. Arabern duroh Schlisse verletzt. Das Dorf I Un'd “ »st nur folgerichtig, daß, wenn Vftl- Lifta bei Jerusalem wurde nach Waffen ker, die in normalen Bedingungen, in einem gründlich durchsucht. . Mehrere arabische eigenen Territorium uod einer natürlichen Regierungebeamte und Kommunisten wursozialen Struktur leben, Jahrzehnte bemöfcigden verhaftet. Viele Gewehre und eine ten, uim übre Einnigumg durchzuführen, die große Menge Munition wurden beechlag- Judenheit der Welt mit ihrer einzigartigen nahmt. In der Nähe von Rae-el-Adn wurde und abnormen Schichtung und ihren speein Güterzug^sum Entgleisen gebracht, wozifificben Lebemßbedmgunigem in der Diathk Ra/mat HakoweßCh dauert jetzt noch an. Jcan.T}’ über alle Differenzen^ die durch die Militär mit Tanks begibt sich zum Kampf- ^^tonaile Zerstsrautheifc, die sprachliche platz, um die Angreifer zu vertreiben. Die I kulturelle Verschiedenheit, die ökonoaräbischem Dörfer Qalqiilieh und Jilijilieh I mischen Schichtungen und religiösen Diffewurden wegen der Zerstörung des Babnkörrenzen gegeben sind, zur Schaffung ihrer pers in ihrer Nähe mit je 100 Pfund Strafe politischem Geeamtorganiisation hu $ legt. langen. Der Kampf in den judäischen Bergen, w o 12 Araberfielen, war der blutigste seit Versuche der Organisierung Beginn der arabischen Revolte. Aeroplane der J u d e n h e i fc im 19. J a h rgriffen ein und bewarfen die Araberbande hundert, mit Bomben. 10 Gewehre, und viel Mund- .... ..... , „ tion wurden beschlagnahmt. Vor dem „ 1l.e selbstverständlich und durch seine Kampf hatten die Araber den staatlichen Selbstyerstäudiiichkeit letzten Eudes un Forst an der Straße Jerusalem—Jaffa in \überwmdli>ch der Gedanke der OrgamilS'iie- Pressezensur in Palästina aufgehoben Jerusalem, 28. Juli. (JTA.) Die Regierung hat am 25. d. die Pressezensur aufgehoben. Auch die Zensur für Telegramme nach Europa wurde aufgehoben. Telegramme nach dem Orient unterliegen weiter der Kontrolle. Budgetkürzung in Tel-Aviv Tel-Aviv, 29. Juli. (2. T. A.) Dct Stadtrat von Tel-Aviv hat in geschlossener Sitzung eine Kürzung des Etats für das Finanzjahr .1936/37 um 40.000 Pfainid vorgenommon. 10.000 Pfund sollen durch Herabsetzung der Gehälter und 30.000 Pfund durch Einschränkung der Ausgaben aiuf anderen Gerung aller Juden der Welt zair Verteidigung ihrer gemeinsamem Interessen und mir . . . , j.. Bpm ... . .Sicherung ihrer Lebeaisrechte tat, beweist Ibieten emgospart wenden. Due öffentlichen n«. «*.• u* a llAtetage? dar Gemeinde »oto trotodem?? GaMhrehte des keine Minderung erfahren.! Jahrhunderts. Seitdem durch die EmiamocAft A , » i . . zipation der Juden und durch ihr Hinein- -ä5UU Arbeitslose in Tei**AviV wachsen in das Leben und die Kulturen Tel-Aviv, 29. Juli. (2. T. A.) Die Zahl der Ihrer Umgebung jene selbstverständhche Arbeitslosen beträgt zur Zeit in Tel-Avirv I geästige Einheit der jüdischen Volkstlber 2500. Von diesen sind über 2000 „ab-1 gememschaft, die im Ghetto gegeben war, solut“ arbeitslos. Am stärksten betroffen ist gesprengt wurde, haben führende jüdische die Bauarbeiterscbaft, die etwa 45 Prozent Politiker unid Schriftsteller immer wieder der Arbeitslosen in Tel-Aviv stellt. In Jaffa den Gedanken einer Zusammenfassung der sind infolge der Unruhen 500 jüdische Ar- Juden aller Länder au einheitlicher Organibedfcer ohne Arbeit geblieben. sierung und einheitlichem Tun propagiert Die Exekutive der Landarbeitergewerk- und verschiedentlich auch zu verwirklichen sohaft (Merkas Chaklai) hat dem Binwande-1 versucht, rungsdepartement vorgeschlagen, die in den Die Versuche mißlangen, weil ihnen die nächsten Wochen zu erwartenden über 1900 ideelogische Basis fehlte. Mit dem Schlagneuen Einwanderer auf die landwirtscbaft-1 wort „Juden aller Länder, vereinigt euch!“ allein läßt sich die Einigung nicht 'durchführen. Man versuchte, die Juden au einigen auf der Basis ihres gemeinsamen Bewußtseins, Juden, das heißt Träger einer bestimmten Vergangenheit zu sein. Aber dieses historische Enkelbewußtsein, da« Erleb-' nis gemeinsamer Ahnen und gemeinsamer liehen Siedlungen zu verteilen. Dar Hafen von Tel-Aviv Jerusalem, 27. Juli (JTA.). Die Regierung teilte der Exekutive der Jewish Agency mit, daß die Tei-Aviver Auf- und Ausladestelle zu denjenigen Häfen gezählt wird, in denen. * hi«torischer Schicksale, genügt bestenfalls Bekenntnis der gemeinsamen Vergangenheit, wozu solche Einigung überflüssig wäre, sondern au gemeinsamer politischer Aktion bedarf es de« Bewußtsein« eine« gemeinsamen Gegenwarfssohicksailß und eine« gemeinsamem Zukaurftswlllens. Beides aber ist nur möglich, wenn man die Juden der Welt ails eine politische Einheit betrachtet und sie ak solche organisieren will. Wichtiger noch ails die Formel ist der konkrete Inhalt: diie Auffassung der Juden als einer politischem Gesamtheit mit geanainsamen politischem, ökonomischen und sozialen Aufgaben für die Gegenwart und für die Zukunft, die sie nur durch Zusammenschluß und durch Kooperation erfüllen können. Au dem Mangel dieser Erkenntnis scheiterten alle Versuche der Einigung der Judemheit der Welt im 19. Jahrhundert mit Ausnahme des Zionismus, dem dieser Versuch wenigstens für einen Teil der Juden der Welt gelang, weil er eben eine ideologische Basis für die Schaffung einer internationalen! jüdischen Organisation batte. Internationa 1 o Anerkennung des jüdischen Volkes nach dem Weltkrieg. Eg bedurfte daher erst eines langwierigen Prozesses, in dem der Majorität der Juden und weiten Kreisen der nightjüdischem Welt der Charakter der Judeuheifc als einer nicht nur religiösen, sondern auch politischen Einheit au Bewußtsein gebracht wurde, bevor der Gedanke der Schaffung einer umfassenden jüdischen Gesamtoigani1siation, das heißt des Jüdischen Weltkongresses konkrete V er winkLi chiungsm ög- ■lichkeiten hatte. Und so war es historisch nur sinairvoill, daß unmittelbar nach Beendigung des Weltkrieges, der diese Anerkennung des politischem Charakters deo.* Judenheit sowohl duroh die Balfour-Dekkiration wie dui-ch die internationale Gewährung und Sanktionierung von nationalen Minoritätenirechten für große Teile der Judenheit horbeiführte, die Bewegung zur Schaffung des Jüdischen Weltkongresses konkrete Formen anzunohmen begann. Es soll hier nicht untersucht werden, warum die Verwimkliiohung in den Jahrein seit denn Versailler Friedensschluß nicht möglich gewesen äst. Vielleicht war es notwendig, daß der Jmdeoiiboit in drastischer ‘ und für alle fühlbarer Weise die Gemeinsamkeit ihres Schicksals, die Gleichartigkeit der bestimmenden Tendenzen ihres Lebens in allen Ländern der Welt zum Bewußtsein gebracht wurde, bevor auch die psychologischen Voraussetzungem gegeben waren, um über alle natürlichem, und begreiflichen Schwierigkeiten hinweg den Prozeß der Einigung zur Durchführung bringen zu können. Auch diese zweite „erzieherische“ Arbeit haben die letzten Jahre vollbracht. Die rapide, in ihrem Ausmaß nahezu unfaßbare Ver- «chleohterung der jüdischen Lage in fast allen Ländern, die Gefährdung der Existenz großer Teile dos jüdischen Volkes, die Vernichtung ihrer elementarsten Existenamögliohkeitem und die Negierung 'ihrer primitivsten Lebensrechto durch neuerwaotite maßlose antisemitische Bewegungen, all dies hat eine Lage geschaffen, in der alle Voraussetzungen für die Verwirklichung des Konr greßgedamkenis gegeben sind, unid in der die Möglichkeit, gegen alle Widerstände die Einigung wenigsten« der Majorität der Jurlcniheit der Weilt horbeizufiihreu, als eine aktuelle und nahe Aussiciit crsclieiait. •f.