Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1936-07-31 · Heft 568 (31.7.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 568 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054324--6050-3061856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr» $68 Wien, Freitag, 31. Juli 1936 33» Aw 3696 9» Jahrgang ^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Dia Königliche Kommission Die Königliche Kommission für Palästina ist gebildet. Der Kolonäcniminiister hat dem Unterhaus die Ernennungen mitgeteilt und den Aufgaibenkreis der Komassion umschrieben Dies in einer sehr elastischen Formel, die alle niur denkbaren Kombinationen zuläßt. „Den Vorsatz in dieser Kommission wind Lord Peel fuhren. Sein Stellvertreter ist der ehemalige britische Botschafter in Berlin, Sir Horace Rum/bold. Die Aufgabe der Kommission besteht darin, die tieferen Ursachen der Unruhen in Palästina zu untersuchen und festzustellen, im welcher Weise das Palästinamandat durch diie Verpflichtungen gegenüber den Arabern unid den Juden eine Erweiterung erfahren soll, und ob schließlich bei richtiger Auslegung des Mandats die Araber oder die Juden berechtigten Grund zu Beschwerden wegen einer Erweiterung der Erfüllung der Mandatsaufgaben haben. Falls die Kommission solche Beschwerden für gerechtfertigt findet, soll sie daun entsprechende Vorschläge unterbreiten.“ Sicherlich hat die Londoner Regierung den Wunsch, zu einer klaren Übersicht über die Vorgeschichte und den Verlauf der Unruhen zu gelangen. Die Regierung wind sieh, wie der Koloniennmnister hervorhob, in allem und jedem an die Vorschläge der Kommisision halten. -Sie hat sicherlich ehren,hnfte Männer ausgesucht, die den besten Willen halb au, unparteiisch vörzugelieii und die wohy äuqh. den. Auftrag erhalten haibeu, in diesem Sippe flir.es Amtes zu walten. Aber was .ißt hier unparteiisch? Es kommt bei den Instruktionen darauf an, ob der Ausgangspunkt der Untersuchung das Mandat ist. Dies ißt gutem Vernehmen nach voigeschriebem worden. Aber der Auftrag, im Rahmen des Mandats , zu bleiben, wird durch die Fragestellung, „ob es eine Erweiterung erfahren soll oder ob beii richtiger'Auslegung Grund für Beschwerden wegen einer Erweiterung besteht“, ins Karikaturenhafte verzerrt. England hat die jüdische, nationale Heimstätte au fördern. Das ist seine Aufgabe. Ihm ist für alle Fragen, die sich ans dieser Bestimmung ergehen, diie Jewiish Agency zur Seite gestellt. In diesem Sinne ist alles, was die Erfüllung .des -Mandats einauischränken oder zu verhindern geeignet ist,,, feindlicher Akt. Die Formulierung des Mandats, daß alles zu untenbleiiben hat, was die Stellung der Niohtjudem im Land beeinträchtigt, steht zu diesem Zweck in keinem Widerspruch und ist nur iar den Text als Gegengewicht, gegen den zweiten Satz aufgenomimen worden, demzufolge sieh aus der Errichtung der jüdischen Heimstätte auch keine Rückschlüsse auf die Rechte der Juden in ihren derzeitigen Wohn! ändern ergeben dürfen. Durch die Entwicklung der Verhältnisse ist hum eine innere Verbindung der beiden Sätze hengesteUt worden.. Die Einwanderung" der Juden hat infolge der Vorgänge in Deutschland und ihres Reflexes auf andere Staaten einen mächtigem Antrieb erfahren. Sie ist, wio das in hunderten englischen Zeitungen hervorgehqbctn wurde, zu rasch gewesen.. Das ist Schuld der europäischen Staaten, insbesondere des Völkerbundes, der es unterlassen hat, die seinerzeitige Zusage Deutschlands, dal! es alle aus der Mitgliedschaft zum Völkerbund sich ergebenden Vonpllicihbumgon anerkenne und sie getreulich erfüllen wolle, auf die Juden nach der Machtergreifung Hitler« anzuwondem. England, da« im Völkerbund die erste Geige spielt, hat sich nicht darum gekümmert, daß im Dritten Reich die Juden rechtlos ehrlos und besitzlos gemacht wurden, und es hat nicht den in der Balfour-Dcklaratioii vorgesehenen Schutz außgeübt. Und es geht, heute, da ORBIS “«isrsssnssz POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebllro „O R BIS“ I Oesterreich. Verkehrs - Büro I., Kärntnerstraße 41, R-21-5-78 | I., Friedrlohstr. 7, b-27-soo, l„ Graben 20, 0-29-0-35 Weltkongreß vom 8.—14. August in Genf London, 27. Juli. Der Vorsitzende des Komitees für den jüdischen Weltkongreß, Dr. Stephan W i se, teil mit, daß der Kongreß programmgemäß am 8. August, 9 Uhr abends, in Genf eröffnet werden und voraussichtlich bis zum 14. August dauern wird. Der Tagung werden Beratungen des Exekutivkomitees vorangehen, die am 5. August beginnen. Dr. Wise erklärte, sein Aufenthalt in London und Polen habe ihn in der Überzeugung bestärkt, daß der Kongreß ohne jeden weiteren Aufschub eröffnet werden muß. AN SONNTAGEN »FRANCOPOL«- SONDERFAHRTEN nach Polh. Verkehrsbüro »Francopol«. III., Schwarzenbergplatz 7 Tel. U 16-4-90 IlfluhflA IlhfNliMl 1 fliiMiiei »Cedok«, I., Kärntnerstraße 32, Tel. R 23-4-88 nuCnSlß ADfann. Z. August Gerngroß, VH., Mariahilferstraße 42, Tel. B 38-2-68 Spießrutenlaufen auf der Ringstraße! „Für dein Olympischen Gedanken!“, daß war der Wahlspruch, der tausende österreichische Sportler beim Ö lymp ia-Festzmg auf der Ringstraße vereinte. Alle Sportarten, alle Vereine waren bei dieser imposanten Schau auifgeboten, alle beseelt vorn hehrey, Gedankende Goaibertins, des Initiators der modernen Olympischen Spiele. Auch die Hakoah war in drei Gruppen, deren größte der Schwiimmiklub Hakoah stellte, bei dieser Parade, der österreichischen Jugend vertreten. . . Bei diesem Aufmarsch sind Zwischenfälle eingetreten, die neuerlich beweisen, daß diejenigen jüdischen Sportler, die - es. aiblehnten,. nach Berlin zu gehen, recht getan haben. Die Hakoahner, die im strammen Gleichschritt über die Ringstraße gingen, haben geseheu und gefühlt, wie schwer ihre .jüdischen Brüder in dem Lande geächtet sind, da« die Elften Olympischen Spiele durchführt. Noch nie in der Geschichte des österreichischen Sports ist eine sportliche Veranstaltung derart zu einer politischen Demonstration mißbraucht worden wie dieser Festzug. Aber nicht davon soll hier die Rede sein, dies betrifft die Juden erst in zweiter Linie, hier soll nur das Verhalten von Leuten gebranidmarkt werden, die es sich nicht 1 nehmen ließen, ihren- Autiseamti&imis auch bei dieser Gelegenheit freien Lauf zu lassen. Vom Schwiarzenbergplatz zum Burgtheater und weiter zum Hekienplatz marschierten die Hakoahner durch ein Spalier von Verbalinjurien, von denen das-Wort Sanjud noch die kleinste Beschimpfung war. Was sich insbesondere diejüdischen Mädchen, die in derselben eisernen Disziplin über den Ring gingen wie ihre männlichen' Kameraden, anhören mußten, ist zu niederträchtig und gemein, als daß es gedruckt werden könnte. Insbesondere taten sich einige Weiber hervor, die vor .dem Burgtheater 'Aufstellung genommen hatten und sich so weit vergaßen, auf die vorbeiizieheniden Hakoahner zu spucken. Jeden Sonntag billige Ferien-Sonderfahrten mit der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung .... Polen. Czemowitz Abfahrten: 2. und 9. August Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marlenbröckc“, I. RotentürmstraBe 26 Telephon R 21-2-86/87 Es sind gestern auch einige Juden „bejubelt“ worden, weil sie in der österreichischen Olympiamannschaft marschiert sind. Mögen sie nicht vergessen, daß die Behandlung ihrer Klubkameraden aus dem Geiste kommt, der das Land, das die Olympischen Spiele durchführt, beherrscht. ITut aib vor den jüdischen Schwimmerinnen, die noch die jüdischen Opfer dieser englischen Nachlässigkeit in großen Massen sich der Heimstätte zuwenden, gegen sie vor und hat die Roohte der Araber, die zu keiner Zeit bedroht waren, in den Vordergrund geschoben. Die jüdische Arbeit in Palästina und ihre wachsende Bedeutung für , den Weltverkehr ebenso wie die für den ganzen nahen Orientr sind den Engländern nicht genehm und um ihnen oino Schranke zu setzen, wurdo zuerst das unglückselige Parlamentsprojekt und dann das Boden verkaufsverbot her vorgeholt — Winke an die Araber, daß die von ihnen so augefeinäeto Balfour-Erklärung doch auch ihre guten Seiten hat. Die Juden sollen, arbeiten und den Wert des Landes erhöhen, die Araber'sollen den politischen und materiellen Profit oinstecken. Dio Juden haben opponiert, die Araber haben gemordet, England hat Militär geschickt und nun kommt eine Königliche Kommission und soll fragen, Kinder warum vertragt ihr euch nicht? Ist das Mandat zu eng oder wird es falsch ausgelegt? Die Kommission wird sich plötzlich darauf besinnen, daß doch die Araber die Mehrheit im Lande haben. Hat nicht England, das doch der größte mohammedanische Staat ist,'Rücksichten zu nehmen, insbesondere auf dio Mohammedaner in Indien? Ist liier nicht die Möglichkeit, eines politsohen Konipensatonsgeschäftes? „Right or wrong — my country!“ Freilich geht dio Kommission noch nicht ab. Es wird wiederholt, daß erst Ruhe im Lande herrschen müsse. Aber wer soll denn dafür sorgen? Eben als Qrinby Gore sprach, tobte eine förmliche Schlacht zwischen englischen Truppen und arabischen Banden in dem berüchtigten Gebiet von Nablus, wo eine energische Polizei schon längst, hätte Ordnung schäften können. Aber England kann heufo nicht einmal in der Hauptstadt Jerusalem die Sicherheit garantieren und darum mußte der traditionelle Zug der Juden zur Klagemauer ‘ am 9. Ab unterbleiben. Das ist beschämend für die Verwaltung, beschämend für England und für ganz Europa. IIONEI &AR.R.YMÖR.E KAY FRANC IS MAME EVANS IM »IM PACKEN fr E N MUMI N ALFIl/V ELITEmnoi. OPER.N Kt NOt höhere Ideale kennen als olympischen Lorbeer aus dem Dritten Reich. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß nicht alle, die dem Festzug beiwohnten, derart tiefstehende Elemente waren, wie diejenigen, dio die erwähnten Vorfälle herbeiführten. Ein enheblicher Teil der Zuschauer verhielt sich beim Vorbeimarsch vollkommen ruhig und man konnte diesen Leuten deutlich anseh en, daß ihnen die Beschimpfungen aus tiefstem Herzen zuwider waren. So kam eine Dame, die selbst erklärte, Arierin zu sein, auf clem Heldenplatz spontan zu den Leichtathleten der Hakoah und nahm -gegen diese Demonstrationen offen Stellung, wobei sie ihr unumwundenes Lob über die Haltung der jüdischen Sportler aussprach. Diese Meinung ist gewiß nicht vereinzelt und deshalb war die Teilnahme der Hakoah an diesem Festzug nicht vergeblich. Der Repräsentant des jüdischen Sports in Österreich hat eich — trotz den Beschimpfungen, denen er durch die Demonstranten ausgesetzt war — bei den anständigen Leuten . die Achtung ertrotzt, die er verdient. -ig Auch Lucie Goldner gesperrt Nunmehr ist auch die dritte Hakoahnerin, die sich weigerte, nach Berlin zu gehen, dem Schicksal der Schwimmerinnen Deutsch und Langer verfallen, Lucie Goldner, die im Rückenschwimmen die Jugendmeisterschaft gewann und bei den Staatsmeisterschaften Zweite wurde, wurde auf Grund ihrer Leistung in der Freistilstaffel der Hakoah für Berlin nominiert und auf ihre Weigerung, im Dritten Reich anzutreten, auf zwei Jahre gesperrt. FeriennAI Etl reisen mm r. VfcEli billigst und bequem; nfichste Abfahrt 2. August. Rückfahrt 1. September usw. Auskünfte erteilt Dr. S. Tocfcer Aumeld. im Reisebüro„In die Well“ (W. N. Renner), IX., Liechtenstelnstr. 2 (beim Schottenring), Tel. A 14*504 König und Finczus sind gefahren König und Fhiczus sindbereit« nach Berlin abgefahren. Nicht einmal die Vorgänge vom Mittwoch konnten sie mehr aurücikhalten. Wie wir erfahren, sind sie übrigen« nicht mehr Hakoahner. Sie habe« noch vor ihrer Abreise ihren Austritt ans dem Klub angemeldet. HOR’AUF, MEIN KIND, UND DEINE MUTTER WIRD DICH SEGNEN! DIE HEILUNG VON DER HASARD- LEIDENSCHAFT DURCH EIN BUCH PREIS S 2'9 2 IN ALLEN BUCHHANDLUNGEN VERLAG ZUR WAHRUNG DER MENSCHEN¬ WÜRDE, WIEN, OBERE DONAUSTR. 79/T Dio Juden haben von vornherein die Kommission als unnütz und -als eine Belastung der 'Situation erkannt. Sie werden sicherlich alles tun,.tun der Kommission, die nun einmal ernannt ist, bei der Erforschung der Wahrheit zu helfen. Aber sie werden in nichts von ihrem Recht zurück weichen, das heute in der Arbeit von fast. 400.000 Menschen begründet, ist und das England feierlich unterschrieben hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.