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Die Stimme · 1936-07-28 · Heft 567 (28.7.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 567 (28.7.1936)
Date
1936-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z DIB STIMM! Nr. 667 — Wien, Dienstag1, 28. Juli 1936 Kommt ein extremer Kurs in Rumänien? Von unserem x-Korrespondenten. essen im Auge behalten. Erweist es sich als vorteilhaft, mit England zusammenzuarbeiten, so werden wir uns daran halten. Zeigen sich andere, bessere Wege, so werden wir sie gehen. Maßgebend bleibt, daß wir die ununterbrochene Verleugnung des Mandats und die ganze Haltung der britischen Faktoren überdenken und — um ein Wort Simons zu gebrauchen — realistisch behandeln werden. Neben den Rücksichten auf England haben wir auch noch 50 frische Gräber, die zu uns sprechen. MÖBEL-WINTER für öelegenheltsklufe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A 21*5*31 Bedingung für jüdische Mitarbeit : Wahrung des Mandats London, 26. Juli. (JTA.)' Ober die Stellungnahme der Jewish Agency zur gegenwärtigen politischen Situation in Palästina sprach in einer Pressekonferenz in Manchester der stellvertretende Vorsitzende der English Zionist Federation, Rev. M. L. Perlzweig. Er betonte, daß die Jewish Agency grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit der Kgl. Kommission für Palästina im Rahmen der vorgesehenen Prozedur bereit sei, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Untersuchung keinesfalls über die durch die Mandatsbestimmungen gesetzten Grenzen hinausgeht. Mit voller Schärfe wandte sich Rev. Perlzweig gegen jede Möglichkeit von Konzessionen an die Araber unter dem Druck von Terror und erklärte, eine Einstellung der Einwanderung in diesem Augenblick würde tatsächlich nichts anderes als eine Prämie für die Anzettelung von Unruhen bedeuten. Von der zionistischen Führung erklärte der Redner, werde eine intensive politische Aktion in parlamentarischen Kreisen durchgeführt. 1603 Einwanderer im Jnni Jerusalem, 24. Juli. (JTA.) Das Amtsblatt der Regierung teilt mit, daß im Juni 1936 in Palästina 1603 Juden, davon . 157 mit einem Mindestkapital von je 1000 Pfund, eingewandert sind. TfWAttMr gg&jStt&k totSoMHoSumt Bisher 670.000 Pfand für deutsche Juden London, 26. Juli. (JTA.) Der Council for German Jewry veröffentlicht die 14. Liste seiner Sammlungen, die damit insgesamt die Höhen von 669.530 Pfund erreicht haben. Ziel der Sammlung ist es bekanntlich, in den außer-amerikanischen Ländern eine Million Pfund aufzubringen, während das amerikanische Judentum zwei Millionen Pfund aufzubringen haben wird. Ansiedlung deutscher Juden durch ICA Berlin, 23. Juli. (2. T. A.) 1935 wurden zwanzig jüdische Familien aus Deutschland durch die Jewisch Colonisation Association (ICA) ln ihrer Argentinien-Kolonie Avigdor angesiedelt. Im Laufe eines Jahres werden weitere 150 Familien, die durch den Beauftragten der ICA bereits ausgewählt sind, in den ICA-Kolonien zu landwirtschaftlicher Arbeit angesiedelt werden. Die ICA hat nunmehr auch damit begonnen, jüdische Familien aus Deutschland in Brasilien auf einem Areal in der Nähe der Stadt Rezende, 190 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt, anzusiedeln. Für diese ICA- Siedlung sind in erster Linie die vertriebenen Siedlerfamilien aus Groß-Gaglow bei Berlin vorgesehen, deren Zahl durch die Auswahl weiterer, von dem Beauftragten der ICA bereits geprüfter Familien erhöbt werden soll. Landwirtschaftliche Ansiedlung in Amerika New York, 23. Juli. (JTA.) Ira Rahmen einer staatlichen Wiederbesiedlungsaktion ißt in Hightstown, Nev' Jersey, die erste An- Siedlung jüdischer Industriearbeiter erfolgt. Acht jüdische Familien haben ihre Heime in der Siedlung bezogen, die nach und nach 200 Familien aufnehmen soll. Die neuen Siedler kommen aus Brooklyn und aus Bronx- New York. Neben Ihrer landwirtschaftlichen Arbeit wert yq die Siedler weiterhin Gelegenheit Die Lage der Juden in Rumänien charakterisiert sich durch das Wort: Ungewißheit. Man erhofft das Beste und befürchtet das Schlimmste. Man rechnet mit einem Regierungswechsel, hofft, daß die demokratischen Nationalzaranisten (nationale Bauernpartei) zur Regierung berufen werden, man hat aber allen Grund zu fürchten, daß nicht sie, sondern ein compositum mixtum von reohtsorientierten Elementen die Regierung übernehmen werde. Man rechnet mit einer Regierung des von den Nationalzaranisten abtrünnigen ehemaligen Ministerpräsidenten V a j d a, der sich in sein Schlagwort vom „Numerus valahicus“ verliebt hat und mit der Proportion 80 :20 (d. h. 80% aller Wirtschafts-Positionen den. Rumänen von Geburt und blos 20% den Minoritäten) die rumänischen Massen erobern und eine minderheitenfeindliches Regime etablieren will. Das geht zunächst natürlich gegen die Juden, obwohl er bei jeder möglichen Gelegenheit bekundet, er sei kein Antisemit. Noah gefährlicher aber als Vajda wären jene, die er in seine Regierung aufnehmen müßte, weil er allein zu schwach ist, um eine Reofitsregierung zu tragen. Professor A. C. C u z a, der Apostel des Judenmordes in Rumänien, kommt für ein Ministerportefeuille sohwerlich in Betracht, Er ist zu alt und zu einseitig. Er wird wohl seinen temperamentvollen Sohn, Professor Georg Cuza präsentieren und die zweite Säule der nationalchristliohem Front, den ehemaligen Innenminister G o g a, dem der Antisemitismus wohl nicht Überzeugung, aber das beste Mittel ist, um die Massen zu betören und für einen rechtsextremistischen Kurs zu gewinnen. Einer solchen Rechtsregierung werden sich auch andere zwar in der Luft schwebende, d. h. anhanglose Politiker wie die ehemaligen Minister Argetoianu, Manoilesou anschließen — Männer, von denen man sagt, daß sie im Palast gern gesehen sind. Eine solche Rechtsregierung erlangt mit dem bekannten Prämiensystem und mit der sogenannten zestrea guvernului — die Tatsache des Besitzes der Macht ist die Mitgift jeder Regierung — bei den Paclamentswahlen eine Zweidrittelmehrheit, mit der man mit Leichtigkeit clio K o n s 111 ution ändern und insbesondere den Juden die so schwer und so spät erlangte Gleicherechtigung nehmen kann. Rettung vor dieser Möglichkeit einer rechtsextremistischen Regierung kann nur die rumänische Außenpolitik bringen. Sie wird von T i t u 1 e s c u gemacht und dieser ist rückhaltlos nach Frankreich und nicht nach dem Dritten Reich orientiert. Vor kurzem fand eine schwerwiegende Auseinandersetzung zwischen Titulesou und der gegenwärtigen liberalen Regierung statt, von der es kein Geheimnis ist, daß sie und namentlich der Ministerpräsident Tatarescu mit den Rechtsextremisten, die nach dem Hakenkreuz schielen, konzentriert. Titulesou verlangte klaren Wein und sagte aut-aut. Entweder er geht oder die Regierung bekennt sich restlos zu Frankreich, und weil die große Mehrheit der rumänischen Staatsmänner und der sonstigen Intellektuellen haben, ihre Kenntnisse in der Textiiproduktion zu verwerten. In der Siedlung Ist bereits eine Kleiderfabrik von der Regierung fertiggestellt worden, ln der die Arbeit bald aufgenommen werden soll. Die Erzeugnisse dieser Fabrik werden unter einer besonderen Handelsmarke „Treped“ auf den Markt gebracht werden. Nach ihrem vollständiger! Ausbau wird die Siedlung eine Milchwirtschaft, eine Geflügelzucht, Genossenßohaftsläden und ein Gememsohaftszentriira besitzen. Jede Familie erhält ein Haus und ein Acre Boden. Iden: Nicht auf der Tagesordnung London, 24. Juli. (JTA.) In der Sitzung des Unterhauses forderte Geoffrey Mander vom Außenminister Anthony Eden, daß er von der deutschen Regierung die Zusicherung verlange, daß sie die Olympischen Spiele nicht zu politischer Propaganda ausnutze. Minister Eden wies diese Forderung zurück. „Können wir nicht“, fragte Mander weiter, eins gewisse Sicherheit erauf Frankreich eingestellt ist, hat Tituleecn vorläufig gesiegt. Die Regierung versprach — zum wievielten Male? — einen scharfen Kurs gegen rechts, also Eindämmung der Pogrom-Propaganda und Beseitigung der mit dem Rechteextrem Ismus verbundenen Anarchie. Man hört die Botschaft, aber es fehlt der Glaube. Noch ist der zweideutige Außenminister I n c u 1 e t nicht beseitigt. Von ihm stammen die Weisungen an die Polizei, bei rechtsextremistischen Exzessen nicht oder nur sehr sanft einzugreifen. Die Ereignisse der letzten Monate, die öffentlichen Verbrennungen der demokratischen Zeitungen — genannt Judenblätter —, die fürchterlichen Mißhandlungen von Redakteuren, die zeitweiligen Überfälle auf Juden und jüdisch ausgehende Personen, die unausgesetzte Hetze der Rechtspresse gegen die Juden — trotz Belagerungszustand und sonstiger strenger Preßzensur — all diese Ereignisse der letzten Monate sprechen eine beredte Sprache. Vor einigen Tagen hat eine Gruppe von Studenten, die zur revolutionären eisernen Garde gehören, an dom ehemaligen Deputierten S t e 1 e s c u, der früher Eisengardist war und als Verräter angesehen wurde, einen entsetzlichen Fememord begangen. Er lag schwer krank im Spital und die aus zehn Studenten bestehende Gruppe hat auf den Bettlägerigen 32 Revoalverschtlsse abgegeben und dann gegen den bereits Toten mit einer »scharfen Hacke noch mehrere Streiche geführt. Dieser Fememord hat ungeheures Aufsehen erregt und wird noch Weiterungen nach sich ziehen. Unverständlioherweise werden die Mörder nicht vor das Kriegsgericht sondern vor die Ziviljusiiz (Geschworenen) gestellt. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Regierung es mit dem angekündigten scharfen Kurs Ernst meint. Man zweifelt. Die Juden in Rumänien sind gegenüber den Ereignissen so gut wie ohnmächtig. Sie haben keine , parlamentarische V ertretung, die einen solchen Namen verdient. Die Presse steht unter schärfet Zensur. Der neugeschaffene Z e n t r. a 1 r .a t der r u m ä n isehen Juden wird, wenn er um Audienzen wirbt, nicht empfangen und seine Tätigkeit erschöpft sich in zwar gut motivierten Memoranden, die aber in der Regel in die Papierkörbe der Behörden wandern; unausgesetzt hetzen die nationalistischen Zeitungen gegen die Juden und als Vorwand dient der Umstand, daß die Mehrzahl der von der Polizei erfaßten und vor Gericht gestellten Kommunisten Juden sind. Es wird verschwiegen, daß die ganze kommunistische Bewegung in Rumänien klein, unbedeutend und in Wahrheit für den Staat ganz ungefährlich ist. Es wird verschwiegen, daß kaum Einer unter Tausend von der jüdischen Bevölkerung Kommunist ist und d a. ß die Judenschaft in ihrer Totalität dein Kommunismus offen ablehnt. Zielbewußt stellt man die Masse der Juden alß Kommunisten dar, um für den AntiseinitismukS einen brauchbaren Vorwand zu haben. langen, daß die Verfolgung der Juden nicht s.o f o r t nach Beendigung der Olympischen Spiele einsetzen werde?“ Minister Eden erklärte, die Frage nicht beantworten zu können; sie figuriere nicht auf der Tagesordnung. Nazi-Propaganda In Mittel* und Südamerika New York, 28. Juli. (2.T. A.) Das Administrative Committee des American Jewish Congress beschloß, eine Untersuchungskommis&ion in die mittel- und südamerikanischeri Staaten zu entsenden, um der judenhetzerisehen Propaganda der deutschen Nationalsozialisten in diesen Ländern entgegenzuwirken. Die Deutsche Transocean-Agentur verbreitet ununterbrochen in der Presse Meldungen, in denen die Nürnberger Rassengesetze verherrlicht werden. Unter der Bauernschaft und der städtischen Jugend werden antisemitische Broschüren, oben»so illustrierte Journale und Flugzettel verbreitot. Auch die Regiorungsbeamten werden dahin beeinflußt, die Einwanderung von Juden nicht zu Zulagen. Die. Na/zipropaganda ist besonder« stark in Argentinien, Chile, Peru, Columbia, Costa Rica und Mexiko. Die von den Nazisten beeinflußte Presse propagiert die Schaffung von Gesetzen, die die Juden in der Wirtschaft isolieren sollen. Ein in Costa Rica erlassenes Dekret, das jüdische Familien, besonders die aus Polen stammenden, die ihre Angehörigen ins Land zu bringen wünschen, verpflichtet, eine hohe Garantiesumme zu hinterlegen, bedeutet faktisch die Einstellung der jüdischen Einwanderung. Mörder Walter Rathenaus geehrt Berlin, 23. Juli. (2. T. A.) Die beiden Rei chsarbei tsdien s tabteilungen in Bad Schmiedeberg und Dobersohütz (Reg.-Bez. Merseburg) haben vom Reichsarbeit»sfiihrer die Namen „Erwin Kern“ und „Hermann Fischer“ verliehen erhalten. Kern und Fischer waren die Führer des Mordattentate auf Walter Rathenau. „Ist erst Olympia vorbei.. Amsterdam, 26. Juli. (JTA.) ..Nieuw Israelietisch Week-blad“ zitiert aus der „Haagsche Post“ vom 18. Juli den folgen len Text eines jetzt in Deutschland viel verbreiteten Liedes: „Halt' Ruhe, Brüder, Ruhe jetzt, Nicht offen, nur nicht laut gehetzt, Ihr müßt noch bis zum Herbeste warten, Sonst spielt ihr Juda in die Karten. Ist erst Olympia vorbei, Dann kommt die Reinemachere 1. Dann kommen all die großen Sachen, Die uns von Herzen Freude machen, Dann packen wir den Judenmann Noch einmal ganz gehörig an. Nimm dich in acht, o Israel, Und mach dich aus dem Staube schnell, Nimm dann gleich mit die Glaubens-Pfaffen, Die haben hier nichts mehr zu schaffen, Auch ohne ihren Heil’genschein Ziehn wir einst in Walhalla ein.“ Lord Melchett an Judith Deutsch Der Ehrenpräsident des Weltmakkabü Lord Melchett richtete an die Hakoah- Schwimmeisterin Judith Deutsch, die als erste wegen ihrer Wei,'rr>’•’. an der Berliner Olympiade teilzunehmen, disqualifiziert wurde, das folgende Schreiben: „Fräulein Judith Deutsch, Sportklub Hakoah, liebe Maccobioth und Maccabim! Ich habe mit viel Freude von Ihrem Entschluß gehört, in Übereinstimmung mit der Ente Scheidung des österreichischen Makkabi zu handeln, wonach ,die Teilnahme österreichischer Makkabim an den in Berlin stattfindendien Olympischen Spielen 1936 mit der jüdischen Ehre unvereinbar ist4. Die ganze Kulturwelt wird Ihnen darin zusfcimmen, daß nicht die Juden — die Sn Deutschland von Sportpltäzen und Bädern ausgeschlossen, aus Klubs und Vereinen ausgestoßen und zum Training oder Wette bewerb mit deutschen Ariern nicht zugelas-1 sen werden — sondern das gegenwärtige deutsche Regime die Politik in den Sport getragen und den Geist des Sports mit Haß und Erniedrigung vergiftet hat. Ich verstehe, daß Sie zur Ehre Ihres Landes und für das Ideal, der Olympischen Spiele Ihre großen Fähigkeiten zu zeigen wünschten; aber es gibt da Grenzen, und die Ehre geht vor. Jeth zweifle nicht, daß die sportlichen Autoritäten Österreichs Ihre Beweggründe voll verstehen werden. Mit den herzlichsten Makkabi-Grüßen, Ihr aufrichtiger Melchett.“ Auch von vielen nicht,jüdischen Persönlichkeiten, so u. a. vom Monarchistenführer Oberst Wolf und anderen höheren Offizieren, gingen Judith Deutsch Beglückwünschungen wegen ihres Verhaltens zu. Die zweite disqualifizierte Hakoahnerin Ruth Langer hat erst am vorigen Sonntag bei den Staatsnieisterschaften in Baden in den Konkurrenzen über 100 und 400 m- Freistil den österreichischen Meistertitel erobert. Als Ersatzschwimmerinnen für Ruth Langer kommen die Hakoahnerinnen Pick und G o 1 d d e r in Betracht. Da auch diese nicht in Berlin starten würden, ist mit weiteren Disqualifikationen zu rechnen. Gegast jüdische Kriegsblinde Berlin, 26. Juli. (JTA.) Seitdem die jüdischen KriegsMR’n au,s der Fachabteilung „Bund erblindeter Krieger“ ausgeschlossen worden waren, genießen sie keinerlei für Kriegsblinde bestehende Vergünstigungen. Der „Bund erblindeter Krieger“ teilte soeben dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mit, daß der Reichspostminister es mit Schreiben von'j 13. Juli 1930 abgelehnt habe, die Kriegsblinden gewährte Ermäßigung der T o 1 e p h o n g e b ü h r e n auch auf jüdische Kriegsblinde zu erstrecken,

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