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Die Stimme · 1936-07-28 · Heft 567 (28.7.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 567 (28.7.1936)
Date
1936-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr* 567 Wien, Dienstag, 28. Juli 1956 9* Aw 5696 9« Jahrgang V. ft. ft y<'%\ Jn JÜDISCHE ZEITUNG Meir Dizengoff: Tel-Avivs Hafen gesichert Ein Interview unseres Berichterstatters mit dein Bürgermeister von Tel-Aviv Unserem Mitarbeiter, Alfred Joachim Fischer ist es gelungen, Meir Diezong'off, Tel-Avivs Bürgermeister zu interviewen. Der heutige 75jährLgc Schöpfer der einzigen rein jüdischen Großstadt wurde von den Ärzten schon mehrmals aufgegeben. Es ißt ein Wunder an Energie, daß ■ er in diesen kritischen Tagen weiter sein Amt verwaltete, an vorderster, ve rantwor tungsreicbster Stelle mitarbeitet und mitkämpft. Der erste Eindruck ist der eines sehr kranken Mannes, in dessen Zügen schmerzhafte Leiden eine deutliche Sprache sprechen.. Um so erstaunlicher und fesselnder, wie eindringlich Diezengoff auf den Besucher einspricht, ihn.für seine Ideen gewinnt, den ganzen Menschen neben sich erobert: „Sie wollen etwas über die Zukunft des Töl-Aviver Hafens wissen, der heute noch eine provisorische Ausladestelle ist, aber Tag lind Nacht durch unermüdliche Arbeit von aberhundert freiwilligen Helfern mächtig fortsebreitet! Über. 60.000 Palästina-Pfund hat der kleine Mann aus dem Volke als Zeichen . bewunderungßwii rdiger Selbstdisziplin fÜT einen Hafen gezeichnet, der noch nicht existierte, ans ein paar Brettern und einer geplanten Eiißenkonstruktlon bestand. - Heute sind die finanziellen Voraussetzungen gesichert. Der , Hafen wird kommen und bleiben. Man irrt dem wirtschaftlichen Impul s J der Stadt einen neuen Antrieb geben werden. Das ist selbstverständlich auch mit einem weiteren Anwachsen der Bautätigkeit verbünde n. Tel-Aviv wird in nächster Zeit auch wieder zahlreichen Einwanderern Lebensmöglichkeiten bietenkönnen. Palästina ist ein Aufbauland, das die Pflicht hat, eine sorgfältige Auslese zu treffen. Nicht jeder kann hier mit Erfolg rechnen. Alte, verbrauchte Menschen werden keinesfalls vorwärts kommen. Auch, solche Leute, deren Geschäfte in Europa schlecht gehen und die nun bei uns ein Paradies vermuten, dürften enttäuscht sein. Harte Arbeit1 ist notwendig. Niemand, der sich durchsetzen will, darf hier mit leeren Händen einwandern. Er soll entweder Kapital mitbringen oder außerordentliche Fähigkeiten, besondere Facihkenntnisse. Geschulte Facharbeiter, werden bei uns. immer ihren Weg finden. Mit der Einwanderung ist, es so wie bei N e u g e b u r t e n. Ein kleiner Teil stirbt, der größere, kräftigere aber bleibt am Leben. Wenn Sie sich von der künftigen Entwicklung Palästinas ein Bild machen Wpjlen, dann besuchen Sie unsere Industrieunternebmtmgen. Auf keinen Fall aber sollten Sie auch eine Besichtigung des Tel-Aviver Museums versäumen. Wir wollen nicht, daß, wie in Amerika oder, um von liäherliegeoden Ländern zu sprechen, in Ägypten, Städte aus dem Boden wachsen, deren Kulturzentrum jlas Kino des Ortes ist. Mit dem fortschreitenden Aufbau muß auch die geistige Erziehung der Menschen Schritt halten. Selbstverständlich eine universelle! Es genügt nicht, daß man zufällig vorhandene Ausgrabungen sauber sortiert. Genau so falsch wäre es, in dieser Stadt der Juden ein rein jüdisches Museum aufzubauen, das nur im Galuth Existenzberechtigung hat. ‘ Der jüdische Mensch, materiell und geistig in Palästina festwurzeind, darf unter keinen Umständen den geistigen Zusammenhang mit der Welt und ihren verschiedenen Kulturen verlieren.“ A. J. Fischer. Billige lRUT-Reise nach Polen u. Cerno witz am 2. August 1936 IRÜT, I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5-79 sich, wenn man in einem Teil der Weltpresse annimmt, dieser Hafen sei für uns Juden nur Druckmittel, gewissermaßen taktischer Feldzug gegen die Araber. Ich kann fest versichern, daß wir niemals mehr aufden Hafen Tel- Avivs verzichten werden. Wahr- . scheinlich wird England nach Beendigung der Unruhen feststellen, unser Hafen sei nicht mehr nötig, er habe seinen Zweck erfüllt und wir sollten nach Jaffa zurückkehren. Das geschieht 'aber unter keinen Umständen. Dabei. sind, wir uns bewußt, daß sehr schwierige Verhandlungen und Kämpfe mit England kaum zu vermeiden sein werden. Unser Hafen ist eine nationale Notwendigkeit, der die Lebensbedürfnisse des Landes für alle Zeit sichern soll. Er ist aber auch allgemein wirtschaftlich gesehen notwendig, da Haifa und Jaffa allein für die B edtirf.nisse Palästinas nicht mehr ausreichen. Eine Vereinigung in späterer Zukunft erscheint mir nicht unmöglich. Keine Unterbrechung der Einwanderung London, 24. Juli. (JTA.) Im Zusammen- J hang mit der bevorstehenden Offiziellen Nominierung der Untersuchungskommission' ist in der politischen Diskussion die Möglichkeit einer Einstellung der Einwanderung während der Arbeiten der Kommission wieder aufgetaucht. Aus arabischer Q u e 11 e wird das Gerücht verbreitet, Dr. Weizmann habe seine Zustimmung zu einer vorübergehenden Einstellung der Einwanderung während der Beratungen der Kommission gegeben. Diesen Gerüchten tritt die Exekutive der Jewish Agency kategorisch entgegen. Sie erklärt, diese Berichte seien vollkommen aus der Luft gegriffen. Weizmann selbst stellt die Behauptung nachdrücklichst in Abrede. Jede solche Einstellung, heißt es in der Erklärung der Jewish Agency weiter, würde als Vertrauensbruch und ernste Präjudizierung der Arbeit der Kommission angesehen werden. Auch die Jerusalemer Exekutive veröffentlicht ein scharfes Dementi der von arabischer Seite ausgesprengten Gerüchte. Es wird darauf hingewiesen, daß die Jewish Agency mündlich und schriftlich gegen eine Einwanderungseinstellung, die mit einer Belohnung für die Unruhen gleichbedeutend wäre, aufgetreteh ist. IJeden Sonntag billige Ferien-Sonderfahrten mH der Czernowttzer Allgemeinen Zeitung nach * Polen uCzemowitz Abfahrten: 2. und 9. August Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „IWarlenbrilcke“, I. Rotenturmstraße 26 Telephon R 24-2-86/87 Ormsby Gore: Lage noch immer ernst! Genau wie in der Hafenfrage werden wir auch sonst unsere Lebensreehte zu verteidigen wisse«. Palästina muß für die Getsamtjudenheit nationale Heimstätte bleiben. Eine unbändige, geschlossene Kraft wird sich gegen alle, auch gegen alle vielleicht noch kommenden Widerstände durchzusetzen wissen, Wir wollen mit jedermann in Eintracht leben, aber wir fordern auch* * die Erfüllung der uns feierlich zugesdcherten Rechte.“ „Entspricht es den Tatsachen, daß in Tel- Aviv ein Flughafen geplant ist?“ „Ich rede nur ungern ausführlich Äilber Dinge, die heute noch nicht spruchreif sind, will aber zugeben, daß man Gedanken dieser Art ernstlich erwägt. Bei der raschen Entwicklung Palästinas pflegen sich auch die kühnsten Zukunftsträume sehr bald zu verwirklichen.“ „Können Sie mir etwas über die nächste Zukunft Tel-Avivs sagen?“ „Es steht fest, daß man in Tel-Aviv, sobald Ruhe eintritt, große und wichtige Zu* kunRsprojekte verwirklichen wird, «die London, 25. Juli. In der Palästina-Debatte im Unterhaus am 22. Juli fragte Sir Percy Harris, ob eine Besserung' der Lage eingetreten sei und ob sie besser «ei als vor drei Wochen. Kolouienminister Ormsby Gore antwortete: „Ich sage ganz offen, die Lage ist noch immer ernst. Bewaffneter Aufruhr, Schießereien und Störungen des Verkehrs halten> an und die Bedrohungen der Ölleitung usw. sind noch sehr ernst.“ Der Abgeordnete Lansbury fragte, ob der Minister Vorstellungen in dieser Sache auch von Personen in England, die mit den betreffenden Verhältnissen vertraut sind, entgegenzunehmen bereit sei. Der Minister antwortete, er habe solche Vorstellungen, darunter auch von g. e bilde t e n Arabern, die sich jetzt in England a u f h a 11 e n, empfangeu. Diese Personen könnten jedoch nicht für alle in Palästina sprechen; wer die Verhältnisse kenne, der wisse, daß Leute dieser Art nicht die Stimmung innerhalb eines wesentlichen Teiles der Bevölkerung repräsentieren. Abg, Commander F 1 e 18 c h e r wies darrauf hin, daß arabische Regierungsbeamte, unter ihnen Richter, ein Memorandum unterzeichnet haben, in dem die Palästinapolitik der englischen Regierung mißbilligt wird. Er fragte, ob die Einleitung eines Disziplinarverfahrens geplant sei und ob diese Beamten in den Diensten der Regierung, die sie kritisiert haben, verblieben sind. Minister Ormsby Gore antwortete, er habe vor kurzem durch den High Commissioner ein Memorandum erhalten, daß diesem von arabischen Beamten der ersten Rangklasse der Zivi I v e r w a 11 u n g in Palästina überreicht wurde. Das Memorantdum behandelt die gegenwärtige allgemeine Lage im Lande. Es werde jetzt geprüft; er sei uoch nicht in der Lage mitzuteilen, welche Antwort er erteilen werde. Der Abgeordnete fragte weiter, ob es mit der Beamtenpflicht vereinbar sei, eine solche Denkschrift über Ereignisse in Palästina vorzulegen. Der Minister antwortete, daß diese durch die Bestimmungen des englischen Verwaltungsdienstes geregelt sei. Was im vorgeschriebenen Dienstweg dem Minister durch den High Commissioner vorgelegt wird, werde setst geprüft, Der Ruf des Landes Im Unterhaus hat dev Kolouienminister nochmals versichert, die bereits ernannte Untersuchungskommission werde erst dann nach Palätsina abgehen, wenn wieder die volle Ruhe hergestellt sein wird. Als er dies erklärte, warfen Araber in ein0 Schule in Tel-Aviv eine Bombe, die sieben Kinder schwer verletzte; andere Araber warfen Bomben in Jaffa, und Haifa, eine Bombe flog in Jerusalem in ein jüdisches Haus. Am selben Tag wurde ein englischer Soldat im Kampf getötet, zwei jüdische Chauffeure und mehrere jüdische Wächter wurden ans dem Hinterhalt angeschossen. Man ist also noch sehr weit von Ruhe und Ordnung und demgemäß a.ueh sehr weit von dem Moment der Abreise der Kommission. Ihre Aufgabe ist eine politische und es wird von arabischer Seite verbreitet, daß die Zionisten einer Unterbrechung der Einwanderung' zugesüinimt hätten. Das Dementi der Exekutive ist eine Selbstverständlichkeit. Aber es ist doch notwendig zu sagen, daß die neuerliche Verschlimmerung der Zustände nichts mehr mit Politik zu tun hat. Es sind Auswüchse des Bandenwesens, und die Macht Englands ist nicht imstande, sie abzustellen; sie hat freilich auch nicht den Willen dazu, sie hält sich diese Banden als ein stets gebrauchsfertiges Mittel bereit, um auf die Juden einen Druck auszuüben. Wenn die Regierung immer wieder betont, sie werde ihre Entscheidungen nach den Empfehlungen der Kommission einrichten,' so muß man das auch von der anderen Seite her lesen. Die Erklärung besagt, daß England je nachdem auch bereit ist, sich den Forderungen der Araber zu fügen und ihre Mandats Verpflichtung wieder einmal zu interpretieren. Die zionistische Exekutive leistet scharfen Widerstand und demgemäß wächst auch . die . Kompromißbereitschaft der Regierung. Wauchope und Thomas und das ganze Unterhaus haben die Disziplin des Jisehuw gepriesen und geschworen, daß diese Haltung ihre politische Honorierung finden wird. Aber wohin sind diese1 Eide inzwischen geschwommen? Die weltpolitischen Anlässe für die Haltung Englands liegen ^lar zutage. Die Lage im Mittelmeer ist peute ganz anders als vor einem halben Jahr. England denkt heute weniger als je an die moralische Grundlage seiner Stellung in Palästina. Es wird Palästina, unter keinen Umständen aufgeben und es sieht die Unruhen nicht gar so ungerne. Sie liefern die Vorwände, das Land mit Militär vollzustopfen. Und das Geld hiefiir liefert Palästina selbst. Das Weißbuch über die Ergänzungskredite Englands stellt die Kosten für die Verteidiger Palästinas und Transjordaniens mit 1\3 Millionen Schilling fest und bestimmt, daß diese Summe von Palästina zu tragen ist. In die gewöhnliche Sprache übersetzt heißt das, daß die Juden Palästinas diese finanzielle Last zu tragen haben, und das Weißbuch zeigt ein schönes Vertrauen zu ihrer Kraft, indem es annimmfc, daß die bezügliche Rate schön in diesem Jahre voll eingesetzt werden wird. Nun sind die Kolonien schwer geschädigt worden. Vielfach wurde die Ernte vernichtet, die Wälder sind zerstört worden, Wasserstationen, Scheunen, abgelegene Schober wurden in Brand gesteckt. Dies alles, obgleich England für die Ruhe zu sorgen hat. Die Frage des Schadenersatzes ist bis heute noch nicht aufgeworfen worden und die Regierung hat bisher großherzig ganze 12.500 Schilling für die jüdischen Flüchtlinge gewidmet. Der Jisehuw leistet bisher alles selbst und er hat einstweilen nur die Hoffnung, daß die Regierung ihre Pflicht erkennen wird, die Schäden, die ihr Versagen und ihre geduldige Araberfreundschaft erzeugt hat, gutzumachen. Wie aber soll aus dieser Siedlung die Rate für das Militär herausgezogen werden? Den arabischen Streikfonds wird man wohl nicht anrühren wollen ... Es ist deutlich sichtbar, welche Komplikationen für die nächste Zukunft zu erwarten sind. Das jüdische Volk weiß es, daß es verlassen ist und nur zu sich selbst Vertrauen haben kann. Selbstverständlich muß das jüdische Volk von nun tab mehr als je nur seine eigenen Inter-

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