Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 566 (24.7.1936)
- Date
- 1936-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 566 Wien, Freitag, 24. Juli 1936 DIE STIMME UHa 3 Deutsche Protestanten gegen die deutsche Judenpolitik Dem „Prager Tagblatt“ wird aus Berlin mitgoteilt, daß die Bekenntnis-Pfarrer N i $- m ö 11 e r unrl M (i 11 e r, (Dahlem), J a c o b i von der Gedächtniskirche am Kurfürstendamm und sieben andere Geistliche im Namen der deutschen evangelischen Kirchen eine Eingabe an den Reichskanzler Hitler gerichtet naben, in der Hitler zunächst darauf hingewiesen wird, daß in einer Anzahl evangelischer Kirchen sein Bild als Altarschmuck angebracht wurde, eine Ehrung, die nur Gott zusteht; weiter wird auf die einer Kulturnation unwürdige Einrichtung der Konzentrationslager aufmerksam gemacht; sodann wird betont, daß der Antisemitismus vielfach Auswüchse zeigt, die offensichtlich nur dem Haßgefühl gegen die jüdische Minderheit entspringen. Ihm stellt die Eingabe den obersten Grundsatz des Christentums gegenüber: „Liebe deinen Nächsten!“ Diese Eingabe hat Hitler nicht #zur Kenntnis genommen, weil eine solche Leitung gesetzlich nicht anerkannt ist. In einer halbamtlichen Mitteilung ist davon die Rede, daß die Kirchenleitung eine illegale Organisation ist, der keine Beschwerdebefugnisse zustehen. Zum ’ Schluß wird angekündigt, daß sich die „rechtmäßige Kirchenleitung“, nämlich die „Deutsche Kirche“ des Reichsbischofs Müller, noch mit der Eingabe befassen wird. Der letzte Satz läßt die Auffassung zu, daß die Staatsorgane gegen die vorläufige Leitung der deutschen evangelischen Kirchen wegen der Eingabe disziplinarische oder strafrechtliche Maßnahmen vorkehren werden. mammmemmmmmmemmmmmmnßßßßßßßß/umm RESTAURANT STEFANIE 1JO II., Taborstraße Nr. 12 Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küdie /* Gepflegte Getränke Aufmerksamste Bedienung / Zeitgemäße Preise Reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten / Schöner schattiger Garten Ein Jude kann nicht Vormund eines jüdischen Mündels sein Berlin, 20. Jiuli (JTA.). Laut Gesetz darf ein Jude bekanntlich nicht Vormund eines arischen oder halbarischen Kindes sein. Das Landgericht Berlin hat soeben eine Entscheidung gefällt, der gemäß ein Jude nicht das Amt eines Vormundes bekleiden darf, selbst wenn das Mündel volljüdisch ist. Begründet wird dies damit, daß der Staat Ehrenämter an Juden grundsätzlich nicht verleihe und das Amt eines Vormundes ein Ehrenamt sei. J EAN RENOIR'S RÜGER'KINO I* teit i .za.*s* Der Prozeß gegen David Frankfurter Genf, 20. Juli (JTA.). Wie ans Chur berichtet wird, wird der Prozeß gegen David Frankfurter in der Oktober-Session des Graubündener Kantonsgerichtes zur Verhandlung kommen. Der Antrag der Anklagekammer lautet auf vorbedachten Mord. Frankfurter wird von Rechtsanwalt Dr. Eugen Curti aus Zürich verteidigt werden. Der Gesundheitszustand Frankfurters, der weiter im Gefängnis „Sennhof“ in Ohur verweilt, ist den Umständen gemäß zufriedenstellend. Einzige Jüdische Handelsschule Kaufmännische Wirtschaftsschule fUr Knaben und Mädchen Einjähriger Fachkurs Abend- und Spezialkurae fUr Herren und Damen Unterricht nach dem normalen Lehrplan der Handelsschulen Wl«n, II., TaborstraBe Nr. 39 Aufnahme in der Direktionskanzlei: An Werktagen von 10—12 Uhr vorm, und 2—5 nachm. Samstag geschlossen. Normaler Schiffsverkehr mit Palästina. Es wird uns mitgeteilt, daß der Paesagen- und Frachten verkehr nach und von Palästina der Palestine Shipping Co. (Schilf „Tel-Aviv“) nach wie vor reibungslos von- Btatten geht. Frau David Tabak gestorben. Unser langjähriges und allseits beliebtes Mitglied, Herr David Tabak, ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Seine geliebte Gattin ist nach oinem langen, schweren Leiden verschieden. Dem trauernden Gatten wendet sich unsere nufriehtige und innige Anteilnahme zu. Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. Hü&eemat* ü&ec seift Pjrfästüui-OccUestec Von Jul. Wolfsohn iirttia..*. WM *'r MM \y ('i' Die ersten Bestrebungen, Musikkultur nach Palästina zu verpflanzen, gehen auf den ehemaligen Dirigenten der Petersburger Oper, Gol inkin, zurück. Er gab für diesen Zweck ein Konzert in Petersburg, und Schaljapin wirkte uneigennützig mit, was zu großem, materiellem Erfolg führte. Mit diesem Geld errichtete Golinkin die erste Oper in Tel-Aviv in hebräischer Sprache. Er batte aber mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es gab keine Orchestermusiker, die ausschließlich der Oper hätten zur Verfügung stehesn können, ja, es waren manche Instrumentalistem überhaupt nicht aufzutreiben. Gute, brauchbare Sänger waren auch nicht leicht zu finden. Jahne vergingen, die ernste, unermüdliche Arbeit von Männern, wie S c h o r, Ros o w s k y und anderer, um die Verbreitung der Musikkultur in Erez Israel waren und sind schätzenswert, aber sie blieben unzulänglich. Dann bildete sich ein Komitee berühmter Musiker in Amerika mit Godows k y und dem mittlerweile verstorbenen Professor Auer (dem berühmten Lehrer von Jasoba Helfetz, Mische Elman, Efrem Ziimbalist) an der Spitze, das eine Musikhochschule in Jerusalem errichten wollte. Leider sind diese Bestrebungen des Komitees im Sande verlaufen. Es wären noch materielle Subventionen für musikalische Zwecke in Palästina durch Konzerte von Jasoha Heifetz, Ossip Gabrilo wits ch, Miseba Elm an zu erwähnen. Dann aber ist der einflußreichste jüdische Künstler der Verbreitung der Musikkultur in Erez Israel zu Hilfe gekommen: Bromiisiliaiw Huberman, der gfroße und großzügige Mensch und Künstler, der als wannfühlender, stolzer Jude vom grandiosen Aufbauwerk in Palästina förmlich elektrisiert ist, begann mit der ihm eigenen Vehemenz für die große Sache zu arbeiten. Er spielte für diesen Zweck, er schrieb, agitierte, sammelte MÄtel, nützte seine unscliä/tzbareu Beziehungen aus, suchte die Musiker-Juden für ein Symphonieorchester in Palästina aus, fand Zeit zum Anhören unzähliger Bewerber, gewann für die Sache keinen geringeren als Toscanini, förderte das Konservatorium in Jerusalem und interessierte dafür sogar den High Commission er. Huberman spricht mit Leidenschaft von dem großen Werk, an dessen Gelingen er fest glaubt. — Sehen Sie, die Histodruth hat tausend Pfund für die Errichtung des Orchesters in Palästina gezeichnet! Man zeige mir ein anderes Land, dessen Arbeiterschaft so viel Interesse für Symphoniekonzerte hätte... — Welche Motive waren entscheidend für Ihren Entschluß, ein Orchester in Palästina au gründen? — Vor allem hat mit das großartige Publikum angeregt. So viel Musik Verständnis findet man kaum noch irgendwo. Im Dezember vorigen Jahres habe ich zwölf Konzerte in Palästina in der Zeit von zwanzig Tagen mit einer Besucherzahl von jo 1500 bis 8000 absolviert. Die letzten zwei KiO«aaste in TelnA*#: — außer den vier vorangegangenen — fanden in der Ausstellungshalle (Fassungsmim 3000 Personen) statt; dias letzte war besonders für die Arbeiter veranstaltet. Die Halle war nicht nur überfüllt, sondern 6000 weitere Ansuchen um Eintrittskarten mußten abgewiesen, werden! Dos ist ein einzigartiger Rekord in meiner Konzertlaufbahn! — Ein anderes Beispiel: dos Oratorium „Judas Makkabüus“ von Händel mußte vor drei Jahren achtmal wiederholt werden. Fünf dieser Aufführungen waren von der Gewerkschaft der Arbeiter gekauft wqpden. — Waren auch irgend welche ökonomische Gründe in bezug auf die vielen arbeitslos gewordenen jüdischen 0 r ches termusik er maßgebend für Ihre Idee? — Natürlich, die wirtschaftlichen Momente sind auch Wichtig. Die jüdischen Orchestermusiker aus Deutschland haben vielleicht noch mehr zu leiden als ihre Brüder aus anderen Berufen. Es gibt gegenwärtig kein Land, das bereit wäre, eine größere Anzahl von Orchestermusikem aufzunehmen — mit Ausnahme von Palästina. — Wird das Orchester einen ständigen Dirigenten haben, und wer wird es sein? — Es wurden drei Dirigenten fest engagiert, und zwar Fritz Steinb e r g, Generalmusikdirektor in Frankfurt und Nachfolger J£emlinskis in rrag. Ihm wird außer der Leitung eines Teiles der Abonnementkonzerte auch die Vorbereitung des Orchesters für Toscanini obliegen. Ferner der berühmte Dirigent Issay Dobroven von der Scala in Mailand und San Franzisko und schließlich Michael Taube aus Berlin. — Kommen auch Gastspieldirigenten? — In der Sommersaison sind Freilutftkonzerte nach dem MtBfcer von Los Angeles mit Gastdirigenten geplant. # — Daß Streicher bei Juden dominieren, ist bekannt, wie verhält es sich mit den Bläsern? — Bis jetzt sind alle Bläser außer der Tuba vorhanden. Fagottist ist der bekannte Orchestermusikor Szulc aus Warschau. Allerdings, wenn die Juden jetzt die Mauern von Jericho mit ihren Posaunen zum Einstürzen bringen wollten, so müßten sie schon die Streicher zu Hilfe nohmen...! — Ist der Botrieb materiell gesichert und auf wie lange? — Das Budget des Unternehmens wird ungefähr 65.000 Pfund betragen. Für drei Jahre ist Deckung aus Sammlungen in Europa und Amerika bereite vorhanden. Ich habe berechtigte Hoffnung, daß während dieser drei Jahre das Orchester zum ersten Prof. Jul. Wolfsohn ITALIEN, CESENATICO Sornmeraufenlhalt des „Brith Zion* in einer erstklassigen Pension, direkt am Meere, zwischen Pinienwäldera gelegen. 3 Wochen Aufenthalt mH reichlicher Verpflegung. Fahrt: Wien—Ceaenatte©—■ Wien, inklusive Strand, Kabine, Duschen, Bedienung, ttrztl. Aufsicht usw. und eintägigem Aufenthalt in VENEDIG S 201*—. (Für Nichtatudenten Bahnzuschlag S 10*—). Abfahrten nur am 25. Juli, 1., 8. und 15. August nachts. Anmeldungen und Auskünfte: Zion. Landesverband, I., Marc-Aurel-StraBa 6, Tel. U 22-2-11. .Brith Zion*, Prater, II., Stuwerstraße 1, Tel. R 40-1-86. sich selbst erhaltenden Orche-* ster der Welt werden wird. — Haben Besprechungen oder Engagements mit prominenten Künstlern (Dirigenten und Solisten) sfcattgefunden und mit wem? * — Für die Eröffnungskonzerte wurde als Dirigent Toscanini gewonnen, und einer der Solisten wird Adolf Busch sein. — Sind auch Musiker aus Palästina engagiert worden? — Achtzehn Orchestermusiker sind aus Palästina, zehn aus Polen, einige aus Wien und die übrigen aus anderen Ländern, hauptsächlich aus Deutschland. — Welche Ziele verfolgen Sie mit der Schaffung Ihres Palästina-Orchesters? — Aber das Orchester soll — mit vielen anderen Dingen zusammen — Zeugnis ablegen von der Schaffenskraft, der Konstruktivität des jüdischen Genius. Dies waren auch die Motive, die i Maestro Toscanini bewegt haben, sich an die Spitze des Orchesters für die acht Eröffnungskonzerte in Palästina und in Ägypten zu stellen. Diese Patronanz des größten lebenden Dirigenten, der kein Jude ist, macht mich besonders glücklich, weil es mich in die Lage versetzt, diese Institution in dem Geiste zu leiten, für welchen #idh seit Jahren in Europa kämpfe, nämlich für internationales Verständnis und Völkerversöbnung (Huberman war einer der Gründer der Paneuropa-Bewegung). — Zum Schluß noch eine Frage: Wie werden die Programme der Konzerte gestaltet? — Es wird ein Programmkomitee eingesetzt, dem außer den genannten Dirigenten einige prominente Musiker aus Palästina angehören werden. Als Grundpfeiler der Programme sind Bach, Mozart, Beethoven und Brahms vorgesehen Es werden aber selbstverständlich lebende jüdische schaffende Künstler! berücksichtigt. Erez Israel Ein großer Strom Entquillt dem Garten Eden, Es eiten seine Wogen durch Kanaan Und bringen Segen am dem Paradies Der ganzen Erde. Der Name dieses Stroms ist Euphrat Und heilig ist das Land, Durch das er fließt. Am Tagte, da der Herr Den Bund schloß mit Abraham, Verfinsterte die Sonne sich, Und großer Schrecken Traf den Patriarchen, Als ihm verkündet ward Das Schicksal seiner Kinder. „Doch wisse“, sprach der Herr, ..Wenn Ich sie a/uch zu Knechten macke, Ich strafe dennoch jedes Volk, Das sie bedrücken wird“ Und wieder war Dem Patriarchen Prophezeiung: „Auch deinem Sohn Ismael Soll der Segen werden. Ich mache ihn, Weil er dein Same itt, Zum Voder großer Fürsten, Und vor den Kindern Jakobs Solle n diese wohnen, Doch wilde WOstensöhm Bleiben ihre Stämme. Den Kindern aber, Welche Mich erkennen, Hab* Ich zum dauernden Besitz Schon heut* Mein Land verheißen.“ Viel tarnend Jahre Bückten seither in die Welt, Und ihre Menschen können nicht An diesem Wahrwort rütteln. B is zu der Zelt, Da sich das Wort erfüllt Und sich 'die FriedemzeUe Breiten auf ein Gottesvolk Vom Strom Mizraims Hin zum großen Euphrat. Oskar Rosenzweig