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Die Stimme · 1936-07-21 · Heft 565 (21.7.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 565 (21.7.1936)
Date
1936-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 565 — Wien, Dienstag, 21. Juli 1936 DIE STIMME Seite 3 genommen worden. Ferner sollen neue Straßen in Rchoboth und Rishon le Zion gebaut werden. Bauvorschläge der Jewish Agency Die Jewish Agency hat der Regierung Vorschläge fiir eine dringende Revision des Programms für öffentliche Arbeiten unterbreitet, Auf Grund der aat3 den gegenwärtigen Unruhen gewonnenen Erfahrungen drängt die Jewish Agency auf Beschleundgung der Straßembauarbeiten, die im Interesse der Sicherheit notwendig seien. Mehrere konkrete Vorschläge werden vorgebraoht, wobei besonders die Fortsetzung der Straße von Tel-Aviv nach Eaifa, die an jüdischen Siedlungen in Sharon, Emek Hefer und Schomrom vorbeiführt, angeregt wird. Eine solche Straße hätte, wenn sie schon früher gebaut worden wäre, viele Menschenleben gerettet, da die gegenwärtig benutzten Umwege um die Hügel von Nablus durch rein arabisches Gebiet führen und Wegelagerern Unterschlupf gewähren. Dieser Vorschlag soll, wie verlautet, von der Regierung mit besonderem Interesse aufgenommen worden sein. Leichte Entspannung in Lenden London, 16. Juli. (JTA.) In der Frage der jüdischen Einwanderung nach Palästina ist eine leichte Wendung zum Besseren eingetreten. Es ist, jetzt als ganz unwahrscheinlich anzusehen, daß die Einwanderung nach Palästina vollständig eingestellt werden wird. Man erwartet vielmehr, daß die Einwanderung auf Grund der laufenden Eimvan derungsq uofco ungestört weitergehen wird, dagegen rechnet man damit, daß der High Cornmissioner im Oktober, wenn ihm die Vorschläge für die neue Schedule unterbreitet werden, mit der Festsetzung der Arbeitereinwanderung sq u o t. e bis zum Abschluß der Arbeiten der Untersuchungskommission warten wird. Von Palästina, aus versucht man weiterhin, das Kolonialamt im Sinne einer Einstellung der jüdischen Einwanderung und der sofortigen Entsendung der Untersuohungekommiission als des einzigen Mittels, die Araber zu beruhigen, zu beeinflussen. Es wird dabei darauf hingewiesen, daß die Gefahr des Übergreifens der nunmehr schon drei Monate andauernden Unruhen auch nach Trans Jordanien bestehe. Weiter wird geltend gemacht, daß England sich mit Rücksicht auf die ungewisse politische Situation im Mittelmeergebiet nicht in einen Gegensatz zur arabischen und mohammedanischen Welt stellen sollte. In amtlichen englischen Kreisen sind die Meinungen geteilt. Hier herrscht die Befürchtung, daß das politische Prestige Englands in nicht mehr gut zu machender Weise geschädigt werden würde, wenn der Eindruck entstände, daß England vor den Einsohüchterungsversuchen der Araber aurüokweicht und seine wiederholt erklärte Absicht fallen läßt, vor Wiederherstellung von Ruhe und. Ordnung in Palästina die Kommission nicht zu entsenden. Man sieht ein, daß eine auch nur vorübergehende Einstellung der Einwanderung die unerwünschte Wirkung halben würde, daß die Araber zur Entfesselung einer neuen Streik- und Guerillakampagne ermutigt werden würden, um auf England einen Zwang hinsichtlich weiterer arabischer Forderungen auszuüben. Allerdings ist man der Ansicht, daß mit der Einstellung der Einwanderung keine neue Maßnahme getroffen werden würde, da die jüdische Einwanderung schon früher zweimal eingestellt worden ist. Man glaubt, daß ein Kompromiß auf Grund der angedeuteten Richtlinien zustande kommen wird. , Der materielle Niedergang des deutschen Judentums Berlin, 15. Juli. (JTA.) Instruktionen des Reichswirtschaftsministers Dr. Schacht an die Reiohswiirtschaftekammer, in die der Sonderkorrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur Einblick nehmen konnte, zeichnen die Konturen einer neuen W i r t s c h a f t s p o 1 i t i k ab, ' die dazu angetan ist, den heute noch in der Wirtschaft tätigen Juden .die Betätigungsmögliohikeit in der Zukunft abzusobnüren. Gemäß diesen Instruktionen wird das gesämto Wirtschaftsleben unter eine „totale Kontrolle des Staates gestellt; jedes industrielle oder Handelsunternehmen, auch Detailgesohäfter werden zu einem Bestandteil des von der der Reichswirfcsohaftskammer zu organisierenden „totalen“ Wirtschaftsapparats.' Es ist nun mit Grund zubefürchten, daß man, wie dies bei den Berufsorganisationen bereits der Fall ist, Juden die Eingliederung in diesen Apparat verwehren wird; dadurch würden sie innerhalb des Wirtschaftslebens in Deutschland vollkommen isoliert dastehen. Man hätte dann die Handhabe, den Juden schon im künftigen Jahre die Handels!izenzen nicht zu erneuern, es sei denn, daß sie sich im rein jüdischen wirtschaftlichen Sektor betätigen. Diese neue Entwicklung hat die Panik In den jüdischen Wirtschaftskreisen erhöht. In der Befürchtung, daß nach der Olympiade die Kapitalsausfuhr aus Deutschland noch mehr erschwert sein wird als jetzt, bestreben sich jüdische Kapitalisten, ihre Kapitalien im Wege über die Reichsbank zu transferieren, was ihnen jetzt aber nur bei einem Verlust von 75% ihres Vermögens ermöglicht ist. In Bankkreisen schätzt man, daß allein in der vergangenen Woche auf diese Weise nicht weniger als 5 Millionen Mark jüdischen Kapitals ins Ausland transferiert wurden. Eine englische Gruppe mit Sir Andrew MacFadden an der Spitze erwarb einen bedeutenden Teil der Aktien des Schokken-Kon zerns, dem etwa 19 große Warenhäuser in Mitteldeutschland angeboren. Der Hauptaktionär, Salman Schocken, bekanntlich Schatzmeister der Hebräischen Universität in Jerusalem, bleibt Miteigentümer des Konzerne. I Die Londoner Konferenz für soziale Arbeit London, 18. Juli. (Eigenbericht.) Vom 8. bis 10. Juli fand in London die Konferenz für jüdisch soziale Arbeit statt. Sie war unter Mitwirkung der großen interterritorialen Organisationen, wie Joint Distribution Comittee, Hioem und Ica zustande gekommen und durch Berichte aus 42 Ländern vorbereitet worden. An der Konferenz waren etwa 100 Delegierte aus fast allen Ländern Europas, aus Palästina, Nord- und Südamerika und Australiern beteiligt. Es wurden Berichte über soziale Arbeit in den jüdischen Zentren erstattet. Den Vorsitz führte Dr. M. J. Karpf aus New York. Außerdem wurden in das Präsidium Doktor Josef Löwenherz aus Wien und Doktor J. Horowitz aus Frankfurt am Main berufen. Die Eröffnungssitzung stand unter dem Eindruck der Begrüßungsansprachen des Chief-Rabi Herz, des Sir Osmond d‘Avigdor G o 1 dsm i d und Dr. Claude M ontef i o r e s. Es wurden Referate gehalten über wirtschaftliche Hilfe, Bevölkerungsbewegung, soziale Arbeit in den Ländern, soziale Arbeit in ihrer Beziehung zur Gemeinschaft, über Wanderungsfragen, über die Frage der Umschichtung der Jugend und insbesondere auch über Emiigrationsfragen, wobei sowohl Palästina wie aridere Länder im Betracht gezogen wurden. Die sozialen Leistungen der Wiener Gemeinde Unter den Berichten über jüdische soziale Arbeit in den Ländern ist der Bericht des Wiener Delegierten Dr. Löwen herz über die Leistungen der Wiener Gemeinde mit besonderer Aufmerksamkeit angehört und mit allgemeiner Zustimmung ausgenommen worden. Dr. Löwenhenz konnte auf die großen Erfolge der jüdischen Gemeinde Wien hinweisen, die zum Zentrum der gesamten sozialen Arbeit in dieser Stadt geworden ist. Er konnte ferner darauf hinweisen, daß die Wiener Gemeinde von einem Budget von 6*7 Millionen Schilling rund 3 Millionen Schilling für Fürsorgezwecke ausgebe und auf Grund der Tatsachen den Anspruch anmelden, daß Wien von den großen interterritorialen Organisationen eine entsprechende Unterstützung erlange. Dieser Anspruch ist um so begründeter, als die Gemeinde durch die deutsche Emigration und durch die Wanderfürsorge im allgemeinen besonders stark in Anspruch genommen wird. Dr. Löweuherz stellte bei der zuständigen Kommission den Antrag, daß die Konferenz die uneingeschränkte Ein Wanderung nach Palästina fordere. Der Antrag wunde von der Kommission übernommen und vom Plenum unter großem Beifall einstimmig angenommen. Unter Vorsitz des Wiener Delegierten wurden lebhafte Debatten über die Kommissionsanträge betreffend Wirtschaftshilfe, sanitäre Fürsorge, Jugendfürsorge, soziale Arbeit und Auswanderung, Berufsuimschichtung und das Problem der Beschaffung der nötigen Mittel durchgefülurt. Alle Konunissions an träge wurden mit großen Mehrheiten angenommen. Ständiges Exekutivkomitee der KonSerenz Eine besondere 0nganisationskomimission unter dem Vorsitz Dr. Löwenherz beschloß, daß keine neue Organisation geschaffen werde, daß vielmehr von der Konferenz ein Exekutivkomitee eingesetzt werde, das im engsten Einvernehmen mit den bestehenden Organisationen weiter arbeite, die einzelnen Länder bis zur nächsten Konferenz vertrete und diese Konferenz vorbereite. Der Beschluß der Kommission wurde im Plenum von Dr. Löwenherz vertreten. Er wurde einstimmig angenommen. Für Österreich wurde in das Exekutivkomitee Dr. Löwenherz gewählt. Neben den Arbeiten in der Konferenz hatte der österreichische Delegierte Gelegenheit, mit verschiedenen Persönlichkeiten über wichtige soziale Fragen der Wiener Gemeinde Unterhaltung zu pflegen. So sprach er mit Dr. Karpf und den anderen amerikanischen Delegierten, mit Sir Osmond d‘Avigdor Goldsmid und dem Präsidenten des Board of Deputies Dr. Montefio-re. Er fand überall volles Verständnis und volle Sympathie für die österreichischen Probleme. Stephen Wise gegen die Kommunisten Warschau, 17. Juli (JTA.). Der Präsident des Komitees für den Jüdischen Weltkongreß, Dr. Stephen S. Wise, traf am 15. Juli in Begleitung des New-Yorker Anwalts Doktor P o s n e r auf dem Warschauer Hauptbahqhof ein, wo er von einer mehrhundertköpfigen Menschepmenge begrüßt wurde. Dr. Wise hielt Besprechungen mit Führern verschiedener jüdischer Gruppen ab. In einer Pressekonferenz sprach er über die Lage im Zionismus, die er als sehr ernst bezeichnete. Man dürfe aber anderseits die Schwierigkeit der Situation nicht übertreiben. Man werde zwar vorübergehend mit Hindernissen zu kämpfen haben, doch werde sich das Jüdische Nationalheim schließlich und endlich siegreich behaupten. Zum bevorstehenden Jüdischen Weltkongreß bemerkte Dr. Wise, die Kongreßdelegierten würden keinesfalls mit Vertretern der amerikanisch-jüdischen Kommunisten (die von der Wahlkonferenz ausgeschlossen wurden und jetzt auf eigene Faust nach Genf kommen wollen) zusammensitzen. „Lieber wollen wir“, erklärte er, „gar keinen Kongreß haben, als die Leute zulassen, die den Araberterror inPalästinagutge heißenhabe n.“ Über die Leiden der Juden in Polen sprach Dr. Wise mit tiefer Trauer und erinnerte daran, daß er seinerzeit gemeinsam mit Paderewski für die Unabhängigkeit Polens kämpfte. Der Judenboykoft in Deutschland Frankfurt a. Main, 16. Juli. (J. T A.) Nach einem Bericht der „Frankfurter Zeitung“ führte Reiohsleiter Maurer in Stuttgart zur Frage des Einkaufes in jüdischen Geschäften in einer Unterredung u. a. folgendes aus: „In allen größeren Versammlungen der Partei, bei Arbeitstagungen, in Zellen und Sprechabenden und bei den Appellen der Politischen Leiter und der Gliederungen in Stuttgart wurden jedesanal mit eindringlichster Deutlichkeit die Volksgenossen auf die nationalsozialistische Pflicht aufanorksam gemacht, in keinem jüdischen Geschäft einzukaufen. In unseren Schulungsabenden wurde immer wieder die Judenfrage nach der weltanschaulichen und politischen Seite hin aufgerollt und besprochen. Die chemische Fabrik Wittlicih in Wittlicb (Rheinland) ist in arischen Besitz übergegangen. Keine Jüdischen Lotterie- Einnehmer Berlin, 16. Juli (JTA.) Das „Schiwarze Korps“ teilt mit, daß demnächst auch in Hamburg mit der restlosen Beseitigung aller jüdischen Lotterie-Einnehmer zu rechnen ist. Der Präsident der Preußischen- Süddeutschen Klassenlotterie ermächtigt die Zeitung zu der Erklärung, daß ihre sämtlichen Kollekteure den Ariernachweis erbracht haben, bis auf drei in Obersohlesien, dio unter das internationale Schutzabkommen fallen. Nur arische Lumpenhändler Berlin, 16. Juli. (JTA.) Der „Angriff“ veröffentlicht einen Artikel über die R e i n igun g i m Lum p e n hand e 1. Demnach wäre dieses Gewerbe, dessen Jahresumsatz 1 Milliarde Mark beträgt, bis zu 80 Prozent verjudet. Der Nationalsozialismus hätte jetzt Ordnung geschaffen und alle 16.000 Lumpenhändler in einer Organisation vereinigt. Es sei dafür gesorgt, daß unter den Lumpensammlern, die in Städten und Dörfern Deutschlands herumziehen, und die ganz überwiegend Juden waren, das arische Element entsprechend der Bedeutung der Aufgabe mehr Geltung gewinne. Es gebe jetzt an jedem Ort einen arischen Lumpensammler. pendet Schuhe, Wäsche, Kleider und Einrichtungssegenstände für unsere Chaluzium! Allfällige Spenden werden vom Büro des Landeskomitees/ Wien, l.f Marc-Aurel-Straße 5, Fernruf U 22-2-11, abgeholt Titulescus Eingreifen Bukarest, 15. Juli. Nach einer vierstündigen Unterredung mit dem Monarchen und mehrstündigen Verhandlungen mit dem Regierungschef Tatarescu und den anderen Mitgliedern der Regierung hat sich der Außenminister Titulescu entschlossen, sein Amt zu behalten. Titulescu wies bekanntlich auf die starke Diskrepanz zwischen der westlich orientierten Außenpolitik Rumäniens und der den antisemitischen reaktionären und deutsoh-orientierten Fronten freien Spielraum gewährenden Innenpolitik hin. Er forderte volle Garantie, daß die Innen- und die Außenpolitik Rumäniens organisch und einheitlich bleiben. Er bezeichnete es als notwendig, sämtliche politischen demokratischen Richtungen des Landes zu koordinieren und verhandelte zu diesem Zweck auch mit dem Präsidenten der oppositionellen nationalzaranistisohen Partei, Mihalaohe. Es scheint, daß Titulescus Bestrebungen der Erfolg nicht ganz versagt bleiben wird. Hinzu kommt, daß die Spaltung innerhalb der Rechtsparteien, die sich seit einigen Monaten bekanntlich zur Übernahme der Regierung rüsten, bis jetzt nicht au überwinden war. Anläßlich der Jahresfeier der Fusion zwischen den Cuaisten und der Goga- Partei hat der Ehrenpräsident der Partei A. C. Cuza dem Jassy er Korrespondenten des „Curentul“ ein Interview gewährt, in dem er u. a. sagte: Mit der Bildung einer Rechts regier ung ist so lange nicht zu roehnafcionalen Partei und Vaida keine Einigung erfolgt ist. Erklärung des polnischen Ministerpräsidenten Warschau, 15. Juli. Der Jüdischen Telegraphen-Ag.entur wird mitgeteilt: Ministerpräsident General Slawoj Skladk o w s k i hat eine von der letzten Tagung des Hauptrats von der jüdischen Kaufmannschaft Polens gewählte Abordnung, bestehend aus den Herren M. M e i s e 1, A. G e p pn e r, A. L e w s t e i n, Ing. K u n k i und Direktor Ing. Seidenmann empfangen. Die Abordnung schilderte dem Ministerpräsidenten die Lage der jüdischen Kaufmannschaft, die Angriffen ultranationalistischer polnischer Elemente und einer heftigen Boykottpropaganda in verschiedenen Teilen des Landes ausgesetzt ist, In seiner Antwort erklärte der Ministerpräsident mit voller Entschlossenheit, die Regierung werde unter Bedachtnahme auf Ruhe und Ordnung im Lande und gemäß dem Grundsatz gerechter und gleicher Behandlung aller Bürger es nicht zulassen, daß irgend jemand in Polen unverdientes Unrecht zugefügt wird. Jeder Bürger, ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität könne der Arbeit auf seinem Sektor ruhig nachgehen. Die Regierung garantiere Sicherheit und ausnahmslos gleicihg .Behandiliung; aller Arbeitsstätten.

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