Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 565 (21.7.1936)
- Date
- 1936-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 865 Wien, Dienstag, 21. Juli 1036 Woher nehmen die Araber Waffen und Geld? Von Maurice Nofcl Im „Figaro“ veröffentlicht Maurice N o 81 einen Bericht über seine Fahrt durch Palästina. Seine farbige Darstellung, die wir im folgenden wiedergeben, bestätigt _ alle Nachrichten, die über die Zweideutigkeit der Mandats macht laut geworden sind. In Haifa, im Zollamt, sah der Kontrollor meinen Koffer mit einer verzweifelten Miene an. „Das kann ich wirklich nicht durchlassen.“ „Das“ war ein gewöhnlicher Revolver, ein Ding, das in unruhigen Ländern sehr notwendig ist. Für einen Journalisten kommt der tatsächliche Gebrauch dieser Waffe kaum in Frage. Man muß &ie aber einfach besitzen, um sie im ntsprechenden Augenblick zu zeigen oder mit ihr wenigstens in die Luft zu schießen, wenn fünfzehnjährige arabische Buben die Absicht hätten, ein Auto mit Steinen zu bewerfen. Mein Revolver blieb also im Haifaer Zollamt und der Kontrollor ersuchte mich höflich, daß ich ihn bei Verlassen Palästinas abhole. Ich bewundere den Ordnungssinn der Engländer ganz besonders. Ich sagte mir, daß die Gefahr in Palästina unverhältnismäßig größer sein müsse als es auf Grund der verschiedenen Pressenachrichten scheint. Denn wie konnte man sich entschließen, einem Journalisten das primitivste Verteidigungsmittel wegzpnehmen? Ich empfand daher tiefes Mitgefühl mit den armen arabischen Aufständischen: wie können sie sich bei solcher Strenge Waffen verschaffen? Aber zum Glück istdiebritischeRigorosität, die auf dem Strand des Mittelländischen Meeres so scharf ist, an den Landesgreazen sehr lax. Das Rätsel ist gar kein Rätsel Ein Generalstabsoffizier gab mir die Zahl der bewaffneten Araber mit 20.000 an, während der Chef der arabischen Abteilung der Jewish Agency, ein Mann von scharfer Intelligenz und beweglichem Geist, mit arabischem Aussehen, die Aufständischen auf 30.000 bezifferte. Bedürftigen zu 10 Piaster täglich. Die Gemeinde ist reich. Sie verbrauchte also zu diesem Zwecke ihr ganzes soziales Budget und hat dann im Einvernehmen mit der britischen Verwaltung’ bestimmte Summen aus dem Budget für öffentliche Arbeiten an den Streikfonds abgeführt. In Jaffa, erhalten manche Arbeiter einige Piaster, andere wieder ein wenig Lebensmittel. Trotzdem schaut diesen Streikenden der Hunger aus den Augen, obwohl aus Jerusalem immer wie-1 der neue Sendungen vom Hauptkomitee kommen. In Jerusalem verteilt man Brot und Reis. Die christlichen Araber wenden1 sich an die Klöster, wo traditionsgemäß jeder Mensch Freitisch erhält. Aber auch J dort sind alle Reserven bereits erschöpft. Die Unterstützungen aus Ägypten, I'dien und Syrien sind bestimmt kleiner, als a.lgemein angenommen wird, es wird -ber doch schwer, sieh einen Begriff von den finanziellen Mitteln der streikenden Araber zu machen. Wie der Mufti mit dem Geldern „umgeht“ Wenn Sie die Wahrheit schreiben wollen, sagen mir die Juden und manche Europäer dann teilen Sie mit, daß hier europäische Gelder hereinj<omm'-n. dank den Bemühungen des syrisch-palästinensischen Komitees in Genf, an dessen Spitze der Agitator Schekib Arslan steH.1 Und doch... Der Großmufti ist doch ein sehr wohlhabender Mann. Während des, Drusenaufstandes verwaltete er die großen Fonds, die man zugunsten der Aufständischen gesammelt hatte. Die Drusen aber behaupten, daß sie keinen Groschen erhalten haben! Derselbe Mufti erhält jährlich namhafte Summen von den amerikani- Ben Gurion über di j sehen Arabern, damit er sie für die Erhaltung der drtisischen Emigranten, die von j Frankreich zurti Tode verurteilt worden i sind, verwende. Diese Emigranten aber leben unter schrecklichen Bedingungen. Schließlich erhält er ständig 'Gelder a u s I n d i e n, um die arabischen heiligen Orte zu pflegen, wobei die Omar -Moschee sich selbst erhält. Die Gelder fließen aus Europa. Das ist klar. Ira übrigen hier die Beweisei Neben dem Zionstern in Jerusalem sieht man mit Kreisen bezeichnete Hakenkreuze. Einer meiner arabischen Bekannten weiht mich in diese Sache ein: Im Zusammenhang mit der Kundgebung für die arabischen „Märtyrer“ vom Jahre 1929 wurden deutsche und italienische Fahnen vorbereitet. Während eines Empfanges bei einer Tasse Tee I erzählte der deutsche Konsul mit , Genugtuung, daß in der Gegend von Nablus die Araber sein Auto aufgehalten hätten. Als sie jedoch die Hitler-Fahne bemerkten, entschuldigten sie sich und gestatteten ihm weiterzufahren, wobei sie ihm sichtbare Beweise von Sympathie und Verehrung erwiesen. „Corriere della Serra“ teilt mit, daß der italienische Gesandte in Jerusalem die ihm von der englischen Polizei angebotene Eskorte nicht angenommen hat, mit der Begründung, daß die italienischen Farben für ihn einen genügenden Schutz darstellen. Man kann annehmen, daß die Araber mit den Italienern sympathisieren mit Rücksicht auf ihr gespantes Verhältnis zu England und mit den Deutschen, mit Rücksicht auf die Verfolgungen der Juden im Dritten Reich. IMW Mk&HVL Schutz fiBHfll wrtSeHitai&MHi Lage in Palästina ander. Dies sei eine ermutigende Tatsache, die der Intransigenz der Extremisten gegenübergestellt werden könne. Steigender Widerstand gegen den Streik Jerusalem, 17. Juli. (JTA.) Infolge der durch die Unruhen entstandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten macht sich unter den Arabern Palästinas ein verstärkter Widerstand gegen die Streikbewegung geltend. Die Uneinigkeit ln arabischen Kreisen wächst. Wieder hat man den Eindruck, daB man vor einem Wendepunkt in der gesamten Streikbewegung steht. MOBIL-WINTER fllr delegenheltskluf« Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchen felderstraße Telephon: A 21-5-31 Versammlung von Araberfreunden in London London, 17. Juli. (JTA.) Am 15. Juli fand in London unter dem Vorsitz von Oberstleutnant B. H. Waters-Taylor eine Versammlung der National League und araberfreundlicher Mitglieder des Oberhauses statt. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der die baldige Entsendung der königlichen Untersuchungskommission nach Palästina und die Einstellung der jüdischen Einwanderung während der Arbeit der Kommission gefordert werden. Eine ursprünglich auf die Tagesordnung gesetzte Resolution, in der dauernde Einstellung der Einwanderung verlangt worden war, kam nicht zur Abstimmung. Die „inoffizielle“ Abordnung London, 17. Juli. (JTA.) Der Empfang der von Jamal Hussein! geführten arabischen Delegation beim Kolonienminister Ormsby* Gore am 14. Juli erfolgte auf Ansuchen der Delegation. Von maßgebender Stelle wird mitgeteilt, daß es 6ich bei dieser Zusammenkunft nicht um Verhandlungen oder formelle Besprechungen gehandelt hat. Da die arabische Delegation nicht offiziellen Charakter trägt, wird auch ihre Begegnung mit dem Kolonienminister als inoffiziell angesehen. Die konfiszierte Pistole Woher stammen die Waffen? Poetisch angehauchte Leute glauben, daß sie-aus Europa, kommen. Ich aber glaube, daß diese Angelegenheit sich viel einfacher darstellt. Es genügt ein Blick auf die Landkarte. Zweifünftel des palästinensischen Lanaes im Süden, in der Gegend von Beer-Scheba und, Sinai, sind Halbwüsten, wo die Beduinen mit ihren Herden ein Nomadenleben führen. Sie kommen oft nach Akaba in der Verlängerung des R-oten Meeres, die von alters her ein Paradies für de<n Waffenschmuggel ist. Und nun sehen wir nach Norden, an ne syrisch-palästinensische Grenze. Von hier aus erfolgt die saisonmäßige Emigration der Hauraner, die Arbeit in Palästina suchen. Die Grenze ist zu lang, als daß eine genaue Überwachung möglich wäre, und die Hauraner tragen bekanntlich grundsätzlich Waffen. Wenn ich mir meinen in Haifa konfiszierten Revolver ersetzen wollte, würde ich mich nach Aman begeben, in die Hauptstadt Transjordaniens, das drei Fahrtstunden von Jerusalem entfernt ist. Dort herrscht, unter Aufsicht Großbritanniens, Emir Abdulah. Dieses Land ist ruhig und dennoch floriert dort beinahe freier Waffenhandel. Im Hafen Allenby sind die Zollbeamten genau so streng wie ihre Freunde in Haifa. Aber wenn jemand Waffen durchführen will, macht es ihm nichts aus, daß er noch zehn bis zwanzig Kilometer nördlich gehen muß. Von dort aus ist der Waffenschmuggel beinahe eine Spielerei. Es genügt, nur die Sandalen auszuziehen und den Jordan zu überqueren, wobei man notabene unentgeltlich baden kann. Die Regierung unterstützt den Streikfonds Die Araber wissen das und die Juden auch. Seit meiner Reise durch Palästina verlor ich viel von meiner bisherisren Begeisterung für die Karriere der Wafrenschmuggler. Wie könnten sie sonst allen Ausgaben nachkommen, die der Streik verschlingt? Als?ch darüber in den Kreisen, die dem Mufti nahestehen, sprach, lachte man mich aus: „Wie Sie sehen, herrscht unter den Arabern Einigkeit Die Geschäfte sind gesperrt, \io Arbeiter arbeiten nicht, mit einem Wort, eine wunderbare Solidarität unter den Reichen und den Armen. Der Arme also sucht bei den Reichen Hilfe. Der Araber Dt sehr genügsam. Man verteilt Lebensmittel, während finanzielle Hilfe selten ist, und Geld spielt hier gar keine Rolle.“ So lautet die offizielle Erklärung. Tn Wirklichkeit geschieht die finanzielle Organisierung des Streiks in verschiedenen Formen. Der Bürgermeister von Bethlehem, Issa Bendek, verteilt (unter die London, 17. Juli (JTA.). David Ben G ijr I o n, Vorsitzender der Exekutive der Jewish Agency, der soeben im Flugzeug aus Palästina in London in wichtiger Mission eingetroffen ist, gab bei seinem Eintreffen die folgende Mitteilung über Lage und Stimmung in Palästina: Als ich Palästina verließ, war der Jischuw in einer ausgezeichneten Geistesverfassung. In den jüdischen Kclonien herrscht im Hinblick auf die beträchtliche Zahl jüdischer Sonderpolizisten, die die Kolonien zu bewachen haben, ein Gefühl der Sicherheit. Wohl ist die wirtschaftliche Lage infolge von Unruhe und Streik schwierig, allein man hält durch und klagt wenig. Die wirtschaftlichen Verluste der Juden sind absolut und relativ geringer als die der Araber. Infolge dieser wirtschaftlichen Verluste nimmt die Stimmung gegen den Streik unter den Arabern, besonders unter dem Handel treibenden Bevölkerungsteil, zu. Die Streiklage wäre längst eine weit schlimmere als sie ist, würde der Streik nicht durch ständige ermutigende Berichte der arabischen Delegation in London in Gang gehalten werden. Jetzt aber weiß man, daß diese Ermutigung keine Grundlage habe. Der Streik wird bald zusammenbrechen. Die arabischen Terroristenbanden arten nach und nach zu Banditentrupps aus, die, auch die. Araber nicht schonen; immer häufiger . höxt : man . . jetzt von Angriffen und Räübüberfälien auf Araber. Ben Gurion. wies .auf die Tel-Avlyer Hafenmole hin, die bereits 150 Meter lang ist, und schloß seine Erklärung mit folgenden Worten: Was die Jischuw am meisten fürchtet, ist die Möglichkeit einer - Einstellung der Einwanderung. Doch kann man Bich nicht vorstellen, daß die Regierung in diesem Punkte der Gewalt und der Drohungnachgeben werde. Sollte dies unerwarteterweise dennoch geschehen, so würde dies unter unserem Volke in Palästina die ernsteste Reaktion auslösen mit Konsequenzen, die jedermann beklagen würde. $ Von autoritativer britischer Seite wird erklärt, daß die Regierung unbedingt an ihrer Absicht festhält, die Kommission erst dann nach Palästina zu entsenden, wenn die Ruhe wiederhergestellt ist. Die Zusammensetzung der Kommission werde jedoch schon bald, am Schluß der jetzigen Parlamentssession, bekanntgegeben werden. Wauchope in Tel-Aviv Jerusalem, 15. Juli. (Palcor.) Der High Commissioner besuchte heute vormittag die Tei-Aviver Mole, die er während der Arbeitszeit einer einstündigen Besichtigung unterzog. In seiner Begleitung befanden sich der Leiter der Zollbehörde sowie der Hafendirektor von Haifa. Sir Arthur Wauchope und seine Begleiter wurden von Mr. Hoofien im Namen des Tel-Aviver Hafenkomitees empfangen und von einer Menschenmenge sowie den Hafenarbeitern mit Ovationen begrüßt. Während der Besichtigung wurden dem High Commissioner Pläne für Erweiterung der Hafenarbeiten unterbreitet. Der Oberkommissär hielt eine Rede in der er u. a. sagte: „Arbeit, die hier geleistet wurde, ist ein schönes Beispiel für die Energie der Einwohner und für ihre Entschlossenheit, alle Schwierigkeiten au überwinden.“ In Jaffa, wo der High Commissioner den Häuserabbruch besichtigte, drückte er seine Zuversicht aus, daß die Arbeiten durohgeführt werden konnten, ohne Verluste an Menschenleben zu verursachen. Er sei überzeugt, daß die Erschließung dieses verbauten Bezirks sich für ganz Jaffa vorteilhaft erweisen würde. Juden und Araber London, 17. Juli (JTA.). Der Wirfcschaftsredakfceur der Zeitschrift „G r e a t B r i t a i n and t h e East“ veröffentlicht einen Artikel, in dem er sich optimistisch über die künftigen Beziehungen zwischer Arabern und Juden in Palästina äußert. Die Nachrichten der letzten Wochen, so heißt es in dem Artikel, könnten manche, die mit den wahren Tatsachen nicht vertraut sind, zu einer u ng c r e o h t f o r t i g t pessimistischen fiesr Steilung künftigen Austachten | veranlassen. Sie könnten glauben, daß es I jetzt keinerlei Aussicht mehr auf dauernde Harmonie zwischen Juden und Arabern gebe, und daß jede Hoffnung auf Zusammenarbeit der beiden Volksstämme bei der wirtschaftlichen Erschließung des Landes als illusorisch fallen gelassen werden müsse. Glücklicherweise seien die Unruhen nicht bezeichnend für die allgemeine Lage in Palästina. In einigen wichtigsten Industriebetrieben, so bei der Palestino Potash Company, a r b q itou Juden uu tl tA rab e r ohne die S.pp,r frlftgg Ekibaitß Todesurteil gegen englischen Soldaten Jerusalem, 17. Juli (JTA.). Ein Feldgericht unter dem Vorsitz eines Obersten hat einen englischen Soldaten, der Waffen und Munition an Araber verkauft hatte, zum TodedurchErschießea verurteilt. „Jiskor" für Bäume Tel-Aviv, 17. Juli (JTA.). Im Amphitheater von Tel-Aviv wird demnächst ein das Erleben dieser Zeit widerspiegelndes Weiihespiel „Jiskor für die Bäume“ zum Gedenken an den verwüsteten Baumbestand aufgeführt werden. An der Aufführung werden 300 Jugendliche aus allen Jugendbünden mitwirken. Der Hafenbau in Tel-Aviv Tel-Aviv, 17. Juli. (JTA.). Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv hat den Ingenieur Armstrong aus Alexandrien, einen Spezialisten für Hafenbau, eingeladen, ein Gutachten über den am Strande von Tel-Aviv errichteten Landungssteg abzugeben und Pläne für den weiteren Ausbau der Anlegestelle zu entwerfen. Ingenieur Armstrong erklärte bei dor Besichtigung des Stegs, er sei ü b e r r a s c h t über eine in so kurzer Zeit vollbrachte hervorragende technische Leistung. Bezüglich der weiteren Pläne hielt er eine Reihe von Konferenzen mit der Hafenkomraission ab. Man hofft, daß der Bau eines Hafens in Tel- Aviv bald weitere Fortschritte machen wird. Fast ununterbrochen werden an der Mole Löschungen von Schiffsladungen vorgenommen. Gegenwärtig ankern an der Molo drei Schiffe, unter ihnen die „Atid“. Produktive Notstandsarbeiten Jerusalem, 15. Juli. (Faleor.) Mit Unterstützung der Bitzur-Gesellschaft sind im ganzen Lande Bauarbeiten in Angriff genommen worden. Die Arbeiten au der Chaussee von Ras el'Ain nach Migdal Zedek sind begonnen worden, wodurch den dortigen jüdischen Steinbrüchen die Wiederaufnahme der Arbeit, die infolge der Unruhen stillgelegen hatte, ermöglicht wird. In der Nähe von Kirjat, Chaiim hat mau ebenfalls mit den Nivellierungisarbeiten für ein neues Viertel, das dort gebaut werden soll, begonnen. An der Bucht, von Haifa beginnt der Koren Kajeuioth mit den Arbeiten für eine Chaussee. In Klar Joeheskel, Nahalal und Klar Jehosiliua ist der Bau von Schulgebäuden fjOii; Jugend au* Deutschland in Angriff