Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 565 (21.7.1936)
- Date
- 1936-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 565 Wien, Dienstag« 21. Juli 1936 2. Aw 5696 9. Jahrgang Vor der Tagung des Aktionskomitees 15.000 Mamm. britischer Truppen sind jetzt in Palästina angesammelt, eine respektable Macht in dem verhältnismäßig kleinen Gebiet, die ausreichen würde, um den Plänen der Regierung einen sicheren Halt zu bieten. Das Londoner Kabinett scheint aber noch keine feste Position bezogen zu haben. Es heißt, daß die königliche Kommission bereits ernannt ist, daß sie im September a-bgehen tmd etwa vor Neujahr ih-retn Bericht erstatten soll, der dann die Grundlage für die endgültigen Beschlüsse Englands bilden würde. Die Kommission wird gerichtliche Befugnisse haben und wind wohl versuchen, sich durch Einvernahmen von Juden, Arabern und Vertretern der Verwaltung ein Bild von den Ereignissen und ihrer Vorgeschichte zu machen. Da die Auskünfte, die die Regierung schon bisher im Unterhaus gegeben hat, ziemlich klar lauteten, wird es deutlich, daß die Kommission nichts andereis ist als eiiie V er legen hei tsm a ß rege l, die den Mangel an Enteoh lu ß festigkeit Londons maskieren soll unid darauf abzielt, noch einige Monate, Zeit zu gewinnen. Trotz der ununterbrochenen Verstärkung der Garnison dauern ja die Unruhen fort, der Zustand der Unsicherheit ist zur Normalität geworden, 135 Tote sind zu verzeichnen, darunter 44 Juden, die gestorben sind, weil die Mandatsregiemng so ist wie sie ist. Inzwischen hat sich in der englischen 'Öffentlichkeit eine gewisse Einflußnahme zur Herbeiführung eines Stimmungswechsels gezeigt. Eine ganze Anzahl bedeutender Organe der liberalen und konservativen Richtung, die noch im Juni zur Zeit der großen Unterhausdebatten sich unzweideutig auf den Boden des] Mandats und des mit ihm eng verbünde-1 nen Prestiges stellten, will umschwenken. Man rät zur Unterbrechung der jüdischen Einwanderung und sogar zur Revision des Mandatstextes, die allerdings nicht im Wege des Völkerbundes, sondern einfach im Wege einer neuerlichen Auslegung versucht werden soll. Das Sind einstweilen nur Fühler, die ausgestreckt werden, um die Stimmung zu erkunden und wohl auch, um die zionistische Exekutive, die sich allen Überredungskünsten verschließt und unnachgiebig auf dem jüdischen Recht auf ein ganzes und unteilbares Palästina beharrfc, umzustimmen und unter psychologischen Druck zu stellen. Wir haben in den letzten drei Monaten allzuviel ertragen müssen, als daß wir jetzt zum guten Schluß auch noch eine politische und territoriale Einengung akzeptieren könnten. Diese feste Haltung wird nicht bloß durch die Vorgänge im Lande und durch das jüdische Verdienst um sein Aufblühen bedingt, sondern auch durch die Entwicklung in Europa. Es sind Anzeichen in Menge vorhanden, daß nach Ablauf der Olympiade sich im Dritten Reich eine Ausbreitung des antijüdischen Gesetzwerkes vollziehen wird, und die neue Situation in Zentraleuropa ist eine sehr ernste Mahnung. Zu allem Elend ist auch noch eine pöbelhafte Agitation der onglischen Faschisten getreten, die getreu nach dem bewährten Muster die jüdische Bevölkerung in den Londoner Vorstädten unter Terror hält und von den Sicherheihsbehörden mit landsinaimschaftlicher Milde behandelt wird. Nimmt man dazu die Vorgänge in Polen und in Rumänien, so ergibt sich, daß das jüdische Volk seine letzte Position in Palästina, die es sich selbst errichtet hat, in keiner Weise cinschränken lassen kann. Pia fckmSs&otiä ExetorBsö gtasg das Aktionskomitee einberufen, und die Beschlüsse dieser Körperschaft werden nochmals bekräftigen, daß das jüdische Volk nicht gewillt ist, auch nur jtm Haaresbreite von seinen Forderungen und seinem Recht abzugehen. Es wird nochmals erklärt werden, daß durch die jüdische Arbeit sich auch das wirtschaftliche und sogar nationale Niveau der Araber gehoben hat, daß kein Araber handlos gemacht worden ist, daß viele Tausende arabischer Proletarier legal oder illegal eingewandert sind und durch die Juden in Arbeit und Verdienst gesetzt wurden. Es wird aber auch zu erwägen sein, ob nicht die Erscheinung, daß die arabischen Bauern und die Arbeiter sich zum größten Teil den Unruhen ferngehalten haben. Vielleicht ergibt sich hier eine Möglichkeit, zu einem Frieden und einem harmonischen Miteinander mit dem ara/- bischen Volk zu kommen. Anderseits wird in der Beratung mit allem Nachdruck festzustellen sein, daß wir es nicht allein mit England und dem Völkerbund zu tun haben. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind, obzwar oder weil sie nicht dem Völkerbund arigehörßn, durch den seinerzeitigen Beschluß des Kongresses und durch die Erklärungen des Präsidenten Wilson an Stephen Wise in der gleichen Weise Garanten der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk. Diese Tatsache, die sonst zu wenig bedacht wird, muß jetzt in die politische Rechnung eingestellt werden. Billige IRUT-Reisen nach Polen i. Cernowitz am 26. Juli und 2. August 1936 IRUT, I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5^79 Die Nennungen zur Olympiade Das österreichische Olympische Komitee hat den Ringer Fincsus (Hakoah) und den Fechter Lion (Union Fechtklub) als Teilnehmer bei den Olympischen Wettbewerben nominiert. Die Weigerung der Schwimmerin Deutsch nach Berlin zu gehen, hat' in der ganzen Welt Verständnis und Sympathie gefunden und man muß verlangen, daß die Herren Fincsus und Lion soviel Rückgrat haben werden, wie die siebzehn- Alfred Guth startet! Ein jüdischer Sportler allerdings hat sich schon hach Berlin gemeldet, ja er läßt sich die Schande noch ein Stück Geld kosten, er drängt sich zu ihr vor. Es ist Alfred Gut h, der frühere österreichische Strommeister, Für Olympia und für Oesferreich Am 29. Juli findet bekanntlich in Wien der. Aufmarsch der Sportvereine statt. Anläßlich der Ankunft der olympischen Fackelläufer in Österreich werden nämlich große Festlichkeiten veranstaltet. An dem Aufmarsch nimmt die Hakoah mit einer großen Mannschaft teil. Sie will damit ihr Bekenntnis zum olympischen Gedanken ablegen und Vierfacher Rekord Ruth Landers Bei den österreichischen Staatsmeisterschaften im Schwimmen wurde die Hakoahnerin Ruth Langer Meisterin in vier Disziplinen und wurde nach Beendigung der Wettkämpfe für die olympischen Spiele in Berlin nominiert. Es ist aber als sicher anzunehmen, daß sie Die Gerüchte über die Einwanderungssperre Jerusalem, 18.’Juli. (Palcot.) Die „Palestiue Post“ erklärt in einem Leitartikel, daß die Gerüchte über die bevorstehende Sperrung der jüdischen Einwanderung von der arabischen Delegation in London auegehen. Der Zweck sei, bei den Arabern falsche Hoffnungen zu erwecken und unter den Juden Verwirrung ziu schaffen. Die Delegation hoffe durch Fortsetzung des Streiks and der Unruhen die Regierung zu 'Konzessionen zu zwingen; die Versuche, neues Leben in den aJbflauenden Aufstand Die Zertifikate Jerusalem, 18. Juli (Palcor). Die zweite und letzte Rate der Einwanderungs-Schedule für das laufende Halbjahr, bestehend aus 2000 Zertifikaten, ist der Jewish Agency von der Regierung übergeben worden. Die Zertifikate gelangen zur Verteilung laut dem von der Agency im Mai d. J. aufgestellten Plan, I Die arabtectan Zdtaogen »AJJaintef* no&J jährige Judith Deutsch und es demgemäß ablehnen werden, in Berlin zu starten. Eine Nominierung des Läufers König ist bisher nicht erfolgt und kann auch nicht erfolgen, da König türkischer Staatsbürger ist und aus dem türkischen Staatsverband nicht entlassen wurde. Daran kann auch die Ausstellung eines österreichischen Passes für König nichts ändern. der eine Zeit lang in Palästina gelebt hat und dann nach Österreich zurückgekommen ist, um hier reich zu heiraten. Er fährt unaufgefordert zur Olympiade, und noch dazu auf eigene Kosten. gleichzeitig für Österreich demonstrieren. Der Aufmarsch der Hakoah bedeutet aber unter keinen Umständen, so sagt uns Präsident Dr. Lifcsis ausdrücklich, eine Zustimmung zur Olympiade in Deutschland. Auf österreichischem Boden demonstriert die Hakoah begeistert für Olympia. dem Beispiel ihrer Klubkanieradin . Judith Deutsch folgen und es als Jüdin ablehnen wird, im Dritten Reich an den Start zu geben. Näheres über die Meisterschaft im Sportteil des Blattes. zw blasen, führen jedoch mir zu neuem Blutvergießen. Der Artikel erinnert an die Erklärungen der Regierung in London sowohl als in Jerusalem, daß Konzessionen nicht in Frage kämen. Man müsse den Arabern , klar zu verstehen geben, daß die Frage der Einwanderung von der Königlichen Kommission sehr eingehend behandelt werden wird, und daß es für die Regierung u n m ö g 1 i e h sei, den Beschlüssen der Kommission , vorzugreifen, wenn sie nicht einen undenkbaren Rückzug antreten wolle. „Alislamia“ sind für 21 Tage verboten worden. In den letzten Tagen haben sich Überfälle von Terroristen auf Araber, die den Streik beenden möchten, gemehrt. Gestern nachts wurde auf das Haus des Bürgermeisters von Bethlehem ein Bombenüberfall verübt, der jedoch keinen ßgtodüt sAi»mcfttoi Das Aktionskomitee einberufen Der zionistische Landesverband ist aus London telegraphisch verständigt worden, daß die Exekutive das Aktionskomitee für den 25. August einberufen hat. Die Tagung wird in Zürich oder in Prag zusammen treten. Palästina hebt die Sanktionen gegen Italien auf Jerusalem, 16. Juli. (JTA.) Die Palästinaregier.ung hat am 15. Juli die anläßlich des italienisch-abessinischen Konflikts gegen Italien beschlossenen Sanktionen aufgehoben. Neue jüdische Todesopfer Jerusalem, 19. Juli. (J. T. A.) In einem Regieningscommunique wird mitgeteilt, daß der aus Rumänien stammende 22jährige jüdische Arbeiter Amsehel K i m c h i in der Nähe von Ghedera, durch Schüsse getötet wurde, die arabische Marodeure auf ein von drei jüdischen Arbeitern besetztes Auto abgegeben haben. Kianchi Ist der 47. jüdische Tote. Der 40jährige buoharisehe Jude Jakob I.e r a i 1 o f f, der bei einem arabischen Überfall auf von der Arbeit im Steinbruck in der Nähe von Moza heimle ehrende jüdische Arbeiter lebensgefährlich verletzt wurde, ist heute in Jerusalem seinen Verletzungen erlegen. Er hinterläßt eine Witwe . und sieben Kinder. Er ist das 48. jüdische Opfer seit Beginn der Unruhen. Der 58jährige, aus Polen eingewanderte Jude Isak Becher beging in *dem Jaffaer Viertel Newej Schaanän S e Ihs t m o r d. Der aus. Riga, Lettland, eingewanderte Menachem Strelitz wurde von einer in. einem brennenden Holzstoß explodierten Bombe aus der TUrkenze.it getroffen und getötet. Eine jüdische Frau wurde in Tiberias leicht verletzt, als Araber in ein jüdisches Haus feuerten. . In der Nähe von Beisan. wurde die Ölleitung durch arabische Schüsse beschädigt, aber sofort repariert. In der Kolonie f?a.n Naphtali wurden in einem Hain drei Jahre alte Bäume auf einer Fläche von 30 P -nam ausgerodet. Aus verschiedenen Teilen des Landes werden Angriffe ‘ auf Trurmen, Saibotageversuche gegen Verkehrsmittel usw. gemeldet. Jn der A'lteadt von Jaffa werden weitere 150 Häuser isn. ...Interesse der Sicherheit demoliert. Joden Sonntag billige Ferien-Sonderfahrten mit der f^Eernowitzer Allgemeinen Zeitung .... Polen. Czernowlfz Abfahrten: 26. Juli, 2. August Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „IWarienbrücke‘% I. RotentnnnstraBe 26 Telephon R 24-2-86/87 Der jüdische Selbstschutz London, 16. Juli. (JTA.) „News Chronicle“ bringt einen sensationell auf gemachten Bericht ihres aus Jerusalem zurückgekehrten Korrespondenten über das Bestehen einer jüdischen Verteid igungsmach t in Palästina. Derselben gehören nicht weniger als 50.000 Mann an, sie verfügt über eine Kette gutgedeckter Festungen, über mehrere Radiostationen mit einem genau ausgearbeiteten Signal-Kodex. Die Truppen sind mit Maschinengewehren, Handwaffen, Bomben, Granaten und reichlicher Munition ausgerüstet, den Gesundheitsdienst besorgt eine eigene Sanitätstruppe. Die Verteidigungsmacht ist nach einem Zellensystem organisiert, jeder Zelle gehören sieben Mann an. Ein geheimer Ausschuß, dem Vertreter aller jüdischen Gruppierungen angehören, kontrolliert die Verteidigungsmacht. Hunderte im jüdischen Landwirtschaftsbetrieb tätige Traktoren sind so gebaut, daß sie im Bedarfsfälle in Panzerautos umgewandelt werden können. Der Korrespondent erklärt, daß der britischen Regierung das Bestehen dieser Verteidigungsmacht bekannt sei. Die Königliche Kommission London, 16. Juli. (I. T. A.) Die für Palästina bestimmte Kommission setzt sich aus fünf Persönlichkeiten zusammen, von denen keine dem Unter- oder Oberhaus amgehört. Sie wurden nickt nach politischen Gesichtspunkten gewählt, keine von ihnen hat im politischen Leben eine irgendwie prominente Rolle gespielt. Die Namen der Mitglieder werden vor Schluß der jetzigen Parlamentsseesion bekanntgegeben werden. Der Anfgabenkreis der Kommission wird ein sehr weitgespannter sein. Wenn auch die Regierung sich selbst die endgültigen Entschließungen Vorbehalten hat, so wird doch allgemein angenommen, daß die Regierung schließlich und endlich dem Bericht dieser Kommission weit größeres Gewicht beirnessen wird, als den Berichten früherer Kouimfeekmeu» dfa fe BaÜsÜBft täfcjg saren.