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Die Stimme · 1936-07-17 · Heft 564 (17.7.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 564 (17.7.1936)
Date
1936-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 564 — Wien, Freitag, 17. Juli 1936 OIB STIMM! Seite 3 IRUT-Ferienreisen nach Polen u. Czernoultz ab 26. Juli, 2. August. Aufenthalt nach Wunsch Direkter Schnellzug. — Anmeldung Reisebüro „IRUT“, I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5-79 Meir Grofimann über die Palästina-Vorgänge Aus Amlaß der Anwesenheit des Präsidenten der Weltleitung der Judemetaatspartei Meir Großmann fand dieser Tage ejn Empfang der Wiener Pressevertreter statt. Oberbaurat S t r i e k e r gaib einen kurzen Überblick über die Lage in Palästina. Präsident Großmann berichtete über die politische Situation in. London und Palästina. Die Unruhen in Palästina haben in der Londoner öffentlichen Meinung und in Regierungek reisen einen ganz außergewöhnlichen Eindruck hervorgerufen, denn Palästina steht heute im Brennpunkt des englischen Interesses in Asien und in Afrika. Es besteht heute in London kein Zweifel mehr, daß es sich in Palästina nicht um einen lokalen arabisch-jüdischen Konflikt handelt, sondern daß großeMächteam Werke sind, unter Verschiebung arabischer Extremisten den Machtbereich Englands zu gefährden und zu erschüttern. Die englische Regierung hat unwiderlegliche Beweise ihieftir in der Hand, sieht jedoch von ihrer Veröffentlichung aib, um nicht die bestehenden internationalen. Spannungen zu erhöhen. Durch die Vorgänge ist das zionistische Aufbauwerk einer harten Probe ausgesetzt, und a.n die Nerven der jüdischen Bevölkerung Palästinas sind die größten Anforderungen gestellt. In England wird die Haltung der Juden Palästinas, welche allen Provokationen ruhig standhält, rückhaltlos anerkannt und als Ausdruck beispielloser Selbstbeherrschung und nationalen Heroismus gelobt. Die Regierung weiß, daß die Juden sehr leicht imstande wären, den Arabern Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Was maxÄen. Sie Jeden Mendt? „Ich lasse massieren!“ mich mit Diana-Franzbranntwein —„Warum gerade mit Diana-Franzbranntwein?“ — Weil ich mich überzeugt habe, daß nur Massage mit Diana solche Schmerzen lindert, welche von Ueberanstrengung und schwerer Arbeit herrühren. Eben darum kaufe ich nur ana FRANZBRANNTWEIN mitMENTHOL Die Haltung der palästinen sischen Regierung steht im Gegensatz zur öffentlichen Meinung in England. Sie hat eich nur schwer und nach vielen Beschwerden aus London entschlossen, stärkere Kräfte gegen die arabischen Terroristen einzusetzen, und nimmt auch jetzt vielfach eine Haltung ein, welche geeignet ist, den Terror zu ermutigen. Hiezu kommt noch, daß die derzeitige englische Regierung ihrer ganzen Mentalität nach zu radikalen Maßnahmen nicht neigt. Unter diesen Umständen besteht tatsächlich die Gefahr, daß trotz der Kundgebungen des Parlamentes die Regierung versuchen wird, mit halben Maßregeln das Auslangen zu finden, was natürlich die Liquidierung der Unruhen in weite Ferne rückt. Im Zusammenhang mit den Gerüchten über die Absicht der englischen Regierung, die jüdische Einwanderung zeitweise zu vermindern oder zu suspendieren, konnte Großmann mitteilen, daß der Regierung bekanntgegeben wurde, daß ein solcher Schritt als Bruch der Mandatsverpflichtung und Desavouierung der von der englischen Parlamentsmajorität abgegebenen Erklärungen betrachtet werden müßte. In diesem Falle würden die Zionisten ihre bisherige Haltung gegenüber der Mandatarmacht zu revidieren gezwungen sein. Dies bezieht sich auch auf eventuelle Verbote des Bodenkaufes oder sonstigen Behinderungen des jüdischen Aufbauwerkes. Die Wehrhaftmachung der Juden ln Palästina und die Bildung militärischer jüdischer Einheiten im Rahmen der Sohutzmacht des Landes ist heute eine Forderung des gesamten Zionismus . Antijüdische Demonstrationen in London London, 13. Juli (JTA.). Auf Veranlassung der Labour Party fand, wie schon kurz mitgeteilt, im Unterhaus eine Beratung über das Budget des Innenministeriums statt, dessen Pasten „Gehälter und Ausgaben der Polizei in England und Wales“ Anlaß zu einer Debatte über das Vorhalten der Polizei angesichts des in letzter Zeit verstärkten antij'üdisohen Terrors im Londoner East End gab. Die Einleitung zu der Aussprache bildete ein Antrag des Abgeordneten von North Kamme rsmlth, P r i 11, den Budgetposten für die Polizei um 100 Pfund zu verringern, weil „in letzter Zeit die freie politische Meinungsäußerung dauernd von der Polizei unterbunden worden sei, während anderseits ihr Verhalten gegenüber der Tätigkeit faschistischer Gruppen Beunruhigung verursacht und den begründeten Verdacht erweckt habe, daß sie unter Einflüssen stehe, die sie für eine Begünstigung der Faschisten gewinnen wollen“. Der Redner führte eine Reihe von Beispielen an, in denen seiner Meinung nach die Polizei für die Faschisten Partei genommen habe. In einer faschistischen Versammlung unter freiem Himmel, die am letzten Montag in Hiampstead stattfand, habe ein Redner erklärt: „Was den Juden in Deutschland geschehen ist, ist nichts gegen das, was wir mit ihnen tun werden, wenn wir zur Macht kommen." Dann wandte sich der Redner zu einem der Zuhörer und sagte: „Das gilt ganz besonders für Si e.“ Zwei Polizisten hätten mit albernem Grinsen dabeigestanden. In Stepney hübe ein Redner Zwlsohenrufem gedroht, er werde sie entfernen lassen, wenn sie widersprechen. Dabei habe der Redner Äußerungen getan wie: „Die Ratten und das Ungeziefer von Whitechapel. Die Juden sind die größten Zuhälter des West End. Während ihr im Krieg gekämpft habt, haben die Juden euch Verdienst und Heim gestohlen.“ Auch der Ausdruck „dreckige Juden“ sei gefallen. Aus einer Zeitschrift „Der Faschist“ zitierte der Abgeordnete einen Passus, in dem es heißt, es sei trotz zahlreicher Ableugnungen naohgewiesen, daß die Juden Ritualmorde an Christen begingen, um frisches Blut in ihr rituelles Osterbrot zu mischen. L a n s b u r y führte aus, in allen Vierteln des East End herrschte ein wahrer Terror gegen die jüdische Bevölkerung. Er glaube, das Innenministerium hätte manche Vorkommnisse, die allwöchentlich in gewissen Stadtteilen sich ereignen, verhindern können. Der einfache Bürger in anderen Landesteilen könne nicht verstehen, wie es möglich sei, daß Zeitungsverkäufer über einen Marktplatz gehen, der voll von jüdischen Händlern ist, und gegen diese die gemeinsten Beschimpfungen gebrauchen. Durch solche monatelang dauernde Propaganda, bei der den Juden die Schuld für alles und jedes zugosclioben wird, werde die Stimmung für große Exzesse vorbereitet. Schreite man nicht energisch ein, dann könne es in der nächsten Zeit zu Ausschreitungen kommen, wie man eie sich kaum vorzustellen wage. Die Antwort des Innenministers Im Namen der Regierung erklärte Innenminister Sir John Simon, die Regierung lege auf den Schutz der bürgerlichen Freiheiten und gleiche faire Behandlung aller Bürger größten Wert. Die Polizei müsse aber auch vom Publikum in ihrer Arbeit unterstützt werden. Der Polizei sei der Auftrag erteilt worden, nicht nur uniformierte Polizisten, sondern auch Geheimagenten für solche Anlässe bereitzustelien. Solange organisierte Gegenkundgebungen gegen faschistische Versammlungen veranstaltet werden, habe die Polizei einen sehr schweren Stand. Man müsse diejenigen feststellen, die Gewalttaten verüben oder beschimpfende Äußerungen tun, damit ein Beweisverfahren ermöglicht werde. Wenn dies geschehe, könne voller Schutz seitens der Polizei gewährt werden. Man müsse den Menschen, die solcher Behandlung ausgesetzt sind, sagen: Helft uns, den Kampf für euch zu führen; die Polizei wird sich nicht weigern, euch zu helfen, aber ihr müßt auch ihr helfen. Es ist unbedingt notwendig, daß das Publikum seihst alles tue, um eine Lösung dieses Problems zu ermög- Jüdisches Kinder Ferienheim »ATID« in Spital am Semmering (820 m) für 6- bis 16-jährige Inhaber u. pädagog. Leiter A. Täglicht Modernes, gepflegtes Heim, ständige ärztliche Aufsicht, Sport, Gymnastik, Schwimmen, eigene Bibliothek, Heimkino, vorzügliche rituelle Verpflegung, Mastu. Diätkuren. Fremdsprachige Konversationsgruppen. Anmeldung, Prospekte, Photos usw. im Wiener Sekretariate, IX., Schwarzspanierstr. 12/3, Tel. A 26-3-73 liehen. Es sei nicht richtig, daß die Polizei die freie Meinungsäußerung langsam vernichte oder eine Partei gegenüber der anderen begünstige. In den letzten Monaten sei alles geschehen, um die Schwierigkeiten zu überwinden, und die Polizei erhöhe weiter ihre Anstrengungen. Ich bitte die Mitglieder des Hauses, schloß Sir John Simon, der Überzeugung zu sein, daß alles geschieht, um diese Angelegenheit entsprechend zu regeln. Nach der Antiwort des Innenministers erklärte Sir Arnold Wilson, es wäre falsch zu glauben, daß die Juderuhetze nur auf den Faschismus zurUokzuführen ist. Die Regierung sollte sich mit dien wirtschaftlichen und sonstigen Gründen befassen, die zur Verbreitung der bei gewissen Bevölkerungsschichten zweifellos bestehenden Meinung geführt haben, daß eie die Opfer eines bestimmten Bevöilkerungistoiiles seien. Die Kürzung des Budgetposten für die Polizei wurde sodann mit 148 gegen 76 Stämmen abgelehnt. Zweiklassige, private, einzige Jüdische Handelsschule Kaufmännische Wirtschaftsschule für Knaben und Mädchen. Einjähriger Fachkurs. Abend- und Spezialkurse für Herren und Damen. Unterricht nach dem normalen Lehrplane der Handelsschulen (Erlaß des Bundesministeriums für Unterricht vom 12. Juni 1934, Z. 17620). Wien, ll.f Taborstraße 39 (Bayrischer Hof). Aufnahme in der Direktionskanzlei: An Werktagen v. 10—12 vorm, und 2—5 Uhr nachm. Samstag geschlossen. Mit vor Erregung bebender Stimme sagte Abgeordneter Pritt: „Diese alte, grausame, brutale Behauptung ging jedem Pogrom in Rußland und jedem Progrom in Polen voraus; wenn die Regierung nicht einechreitet, dann wird sie einem Pogrom auch hier in England vorausgegangen sein. Propaganda unter ehemaligen Kriegsteilnehmern Die Herzogin von Atholl lenkte die Aufmerksamkeit auf die judenf ein etliche Propaganda der „National Workers Party“. Diese Propaganda reize zu Gewalttaten auf. Der Führer dieser Partei habe gesagt, er werde seinen ganzen Einfluß und seine ganze Macht aufbieten, daß Menschen nicht wieder im Interesse jüdischer Finanzleute a/uf die Schlachtbank geschickt werden. In einem Flugblatt der Partei heiße es: „Wir werden es nicht zulassen, daß die Blüte unseres Landes und des Reiches wieder auf die Schlachtbank geschickt werde, damit der Geldbeutel der Juden und ihrer Marionetten gefüllt wird." Die Herzogin erklärte, das sei eine fürchterliche Beschuldigung. Man predige diese Theorie in Versammlungen ehemaliger Kriegsteilnehmer. Dies geschehe auch in Stadtteilen, wo es jüdische Geschäftsleute und Angestellte gibt, so daß Ausschreitungen zu befürchten seien. Von der Polizei müsse äußerste Wachsamkeit gefordert werden. # Sir Percy Harris stellte fest, es herrsche die Empfindung, daß die Polizei irgendwie mit den Faschisten in geheimem Einverständnis steho. Der Abgeordnete verlangte, daß das Tragen von Uniformen halbmilitärischen Charakters bei politischen Versammlungen verboten werde. Provokation durch Zeitungsverkäufer Der Abgeordnete J. R. Macnamare nahm die Polizei gegenüber den Beschuldigungen des Abgeordneten Pritt in Schutz. Judenhetze sei bedauerlich, unfein und u n e n g 1 i s c h. Er hoffe, daß man imstande sein werde, allen Einfluß und, wenn nötig, alle Kraft anzuwenden, um diesem sich anscheinend einschleichenden abscheulichen Übel Einhalt zu gebieten. Aber wenn gewisse Faschisten sich der Judenhetze ergeben, könne man doch nicht den Vorwurf der Judenhetze gegenüber den Faschisten im allgemeinen erheben. , Der frühere Anbeitsminißter George Der jüdische Weltkongreß Genf, 15. Juli. (2. T. A.) Das Sekretariat der Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß hat dieser Tage seinen . Sitz von Paris nach Genf (121, Rue de Lausanne) verlegt. Delegierte aus 32 Ländern haben bereits ihre Teilnahme am Kongreß angekündigt. Die provisorische Tagesordnung sieht die folgenden Referate vor: Dr. N. Goldmann, Vertreter der Jewiish Agency beim Völkerbund - und Mitglied der Exekutive für den Weltkongreß: „Die Lage der Juden in der Welt.“ Dr. Stephen S. Wise, Vorsitzender der Exekutive für den Weltkongreß: „Das Problem der deutschen Juden.“ Jakob Lestschinskj: „Die wirtschaftliche Lage der Juden in Mittel- und Osteuropa.“ J. Jefroykin, Paris: „Die Ziele und Methoden des jüdischen Hilfewerks.“ Weitere Referate werden über das Problem der jüdischen Wanderung, über das Aufbauwerk in Palästina und über die Organisationsfragen des Jüdischen Weltkongresses gehalten werden. Die Namen dieser Referenten werden später bekanntgegeben. Der Kongreß, der im Genfer Bätiment Electoral stattfindet, wird am 8. August eröffnet und. soll bis zum 14. August dauern. Gegen den Strich zeigt Bich die Qualität Elastisch, rasch und sicher gleitet die Dr. Josef Wettenstein und sein Tuberkulose-Heilmittel Budapest, 15. Juli. (2. T. A.) Seit Jahren arbeitet der Budapester jüdische Arzt Dr. Josef Wettenstein an einem Mittel gegen Tuberkulose, das er „Comain“ nennt. Nunmehr veröffentlichen bekannte Mediziner authentische Darstellungen dieses Heilverfahrens, das bereits viele Tausende Tuberkulöse dem Leben wiedergegeben hat; vielfach auch in Fällen, die von hervorragenden Internisten als unrettbar bezeichnet worden waren. Vor einiger Zeit hat Mussolini Dr. Wettenstein nach Rom eingeladen und mit ihm über Produktion des „Comain" in Italien verhandelt. Im ungarischen Parlament wurden einige Male Interpellationen eingebracht, die die ungarische Regierung auf die Tatsache aufmerksam machen sollten, daß Dr. Wettenstein nur deshalb keine Klinik für seine wissenschaftlichen Zwecke bekommen kann und auch sonst sabotiert wird, weil er Jude ist. Zuletzt wurde Dr. Wettenstein von einem hervorragenden Wiener Internisten, einem Christen, nach Wien eingeladen, in dessen Klinik er die Behändlung von 30 schweren Tuberkulosefällen übernahm. Wie der Internist jetzt mitteilt, sind die in ganz kurzer Zeit erreichten Heilresultate verblüffend. RESTAURANT STEFANIE II., Taborstraße Mr. 18 Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küche / Gepflegte Getränke Aufmerksamste Bedienung / Zeitgemäße Preise Reichhaltige billige Menus, sowie alle Spezialitäten / Schöner schattiger Garten Ein Jude erhält den Grand Prix de Rome Paris, 15. Juli. (JTA.) Die höchste Auszeichnung des französischen Staates für künstlerische Leistungen, der Grand Prix de Rome, wurde in der Abteilung Musik dem jüdischen Musiker und Komponisten Marcel Stern für die Kantate „Gisfeie“ zugesprochen. Der junge Musiker erhielt bereits im vorigen Jahr den zweiten großen Preis und ycraeWedene andere Ehrenpreise. Jüdische Gemeinden In Abessinien Rom, 14. Juli (JTA.). Der Rat des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens hat beschlossen, den Rechtsanwalt Carlo Alberto V i t e r b o nach Abessinien zu entsenden, um dort die ersten jüdischen Gemeinden, und zwar zunächst in Addis Abeba und, m 3Hrfl Ilaua zu organisieren.

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