Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 563 (14.7.1936)
- Date
- 1936-07-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 563 — Wien, Dienstag', 14. Juli 1936 DIE STIMME Seite 3 Namen dieser Staaten, darüber zu unterhandeln. Die Geschichte des Persischen Golfs, eines bisrmn außerhalb des allgemeinen europäischen Interesses gelogenen Teiles der Welt, tritt in ein nicht uninteressantes Stadium, denn über kurz oder lang wird Kuweit und dio Inselgruppe der Bahrein eine Landschaft von bedeutender strategischer, flugtechnischer und ölpolitischer Wichtigkeit sein. England und das Palästina-Problem Von Dr. Hugo Gross, Wien Die Diskussion über die Beseitigung der in Palästina zwischen Juden und Arabern herrschenden Differenzen durch Einführung eines Kamtonalsystems nimmt immer größeren Umfang an. Die vielerwähnte Sitzung der Central Asian Soeiety, an welcher auch Präsident Weizmann teilgenommen hat, war für Dr. Max Kollensoher, Tel-Aviv, Veranlassung, in der Ausgabe dieser Zeitung vom 10. Juli d. J die Gründe ausein am der zusetzen, warum nach seiner Meinung die in der Diskussion aufgeworfene Kantonailfrage eine grundsätzliche Ablehnung erfahren muß. Richtig ißt, daß sehr ernste englische Kreise die Einführung jüdischer und arabischer Kantone, beziehungsweise einer gemischten Zone, welche getrennt von den nationalen Kantonen verwaltet wenden soll, Vorschlägen. Eine solche Lösung wird auch in einem Artikel der größten und angesehensten voiLkswüirbschaftliichen Zeitschrift Großbritanniens, „The Economist“, vom 27. Juni 1936 in Erwägung gezogen. Die Zeitschrift „The Economist“ wird in der ganzen Welt in Politik und Wirtschaft als führendes Blatt gewürdigt. Es beschäftigte sich wiederholt auch mit Fragen Palästinas. In der erwähnten Nummer ist der Konflikt in Palästina als wichtigstes Ereignis schon im Titel des Blattes verzeichnet und der Artikel beschäftigt sich in gründlicher und ausgezeichnete Sachkenntnis verratender Weise mit den Problemen Palästinas. „The Economist1 meint, daß der jetzige Aufstand in Pailästina kein Temperamentsamsbruoh ist, welcher bei richtiger Behandlung bald wieder erlischt. Man müßte daher die Ursachen und Abbilfsmöglichkeiten untersuchen. Wörtlich sagt der Verfasser:. „Unsere (Großbritanniens) Verpflichtungen gegenüber den Juden sind selbstverständlich endgültig und wesentlich. Das Mandat, welchem dio Balfour-Deklaration einverleibt ist, verpflichtet uns, die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina zu sichern. Das bedeutet offenkundig die Erleichterung und Sicherung der Siedlung einer so großen Anzahl jüdischer Einwanderer in Palästina, als dieses Land ökonomisch im jeweiligen Zeitpunkt vertragen kann. Der Prozeß der Einwanderung und der Siedlung hat so schnell fortgeführt zu werden, als es der materielle Zustand Palästinas gestattet. Diese unsere Verpflichtung ist nicht begrenzt durch irgend eine Höchst.zaihl oder einen Numerus clausus. Entsprechend der gegenwärtigen ökonomischen Kapazität sind wir verpflichtet., das Anwachsen des jüdischen Elements in der Bevölkerung von Palästina ad Infinitum zu gestatten, solange, als nichts geschieht, was etwa die Rechte der palästinensischen Araber beeinträchtigen könnte, welche im Mandat, in der Balfour-Deklaration und in sonstigen Bestimmungen enthalten sind, welche sich miit den Mandaten A, zu welchen auch daß Palästina-Mandat gehört, beschäftigen.“ Weiters zitiert er auch das Churchill 1- Momorandum vom 3. Juni 1922 mit der Erklärung: „Seiner Majestät Regierung nahm wodor die Gründung eines ganz jüdischen Palästinas, noch das Verschwinden oder die Unterwerfung der arabischen Bevölkerung, Sprache oder Kultur in Palästina an.“ Die Araber seien mich Meinung des Verfassers über das Anwachsen der jüdischen Gemeinschaft beunruhigt und befürchten bei Erreichung der numerischen Parität odor Majorität durch die Juden eino Zurückdrängmng ihrer Gemeinschaft, obwohl es offenbar ist, daß die Araber als Individuen in überwiegender Mehrheit durch den jüdischen Aufbau positive ökonomische Vorteile erreicht haben. Der Aufsatz bezeichnet die Balfour-Deklaration als einen Vertrag zwischen der britischen Regierung und der zionistischen Organisation, das Mandat als Vereinbarung zwischen der britischen Regierung und den Regierungen der anderen Völkerbundiniigiiieder. Wenn sich die Araber auf die Korrespondenz MacMaihon-Husseln 1915/10 berufen, so sei die Ansicht, des Kolomiailaintcs, daß Palästina nicht in dem dort erwähnten I.änderkoinplex gelegen sei und übrigens hamdile es sich um einen unschlüssigen und 1 unveröffentlichten Briefwechsel. Dae Problem sei nur aktuell geworden „durch den wundervollen Erfolg der Zionisten seit dem Kriege, indem sie die jüdische Heimstätte in Palästina zum Erfolg geführt haben.“ Dieser Erfolg läßt die Araber befürchten, daß sie in eine prekäre Situation kommen, falls England, ähnlich wie Frankreich in Syrien, das Mandat zugunsten ein,er während der Mandatsdauer entstandenen jüdischen Majorität zurücklegen sollte. England könnte sich zwar auf den Standpunkt stellen, daß es in Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Juden eine rechtliche Begründung für eine solche Politik habe, da es gegenüber den Arabern vertraglich nicht gebunden sei. England weiß jedoch, daß dem „Recht der Eroberung“ das „Recht das Aufstandes“ entgogengeha.lten wird. Ein fortdauernder Konflikt zwischen I einer aufständischen arabischen Bevöl-' Im zionistischen Archiv in Jerusalem ist dieser Tage das folgende Zirkular Herzls an die Mitglieder des A. C. aus dem Jahre 1900 aufgefunden worden. Wien, 10. October 1900. Sehr geehrter Herr Collega! Das Wiener Comitö hält es für seine Pflicht, in diesem Augenblicke an seine Collegen vom großen Actions-Comite nachstehenden Appell zu richten: Nach der unendlichen Mühe des Anfangs, mitten unter der Feindseligkeit der Gegner und in der ThedlnahmsJosigkedt der Indifferenten haben die Congresse und insbesondere der letzte den unumstößlichen Beweis erbracht, daß der Zionismus die Wünsche, Hoffnungen und Aspirationen der großen Masse des jüdischen, armen Volkes ganz und voll, ohne Zweideutigkeit ausdrückt, daß die von uns geleitete Bewegung einen Theil ihrer vielfältigen Arbeit wirklich vollbracht hat: die Juden um eine Fahne zu schaaren und ihr uraltes nationales Sehneir in einer modernen und jetzt allgemein bekannten Formel auszudrücken. . Das war die einleitende Arbeit, das mußte vorausgehen, bevor an Weiteres gedacht werden konnte. Jeden guten Juden freut dieses Resultat, jeder vorurtheilslose Beobachter anerkennt es und wir unterschätzen es nicht. Aber wir geben uns durchaus keiner Täuschung hin, daß es der leichtere, der allerleichteste Theil unserer im Judenthume zu leistenden Arbeit gewesen ist. Und darum ziehen wir daraus nicht zu großen Stolz. Nein! Dieses Resultat würde nicht genügen, um zu bewerten, was in den letzten drei Jahren für unser Volk von uns gethan wurde. Wir haben nicht in lächerlichem Ehrgeiz zunächst die leichtere Aufgabe gesucht. Wir haben mehr gewollt und Größeres vorbereitet. Es ist natürlich, daß Jenes zuerst erreicht wurde. Wir werden es nicht unseren Gegnern überlassen, unser Wirken und unser Handeln einer strengen Prüfung ztu unterziehen, sondern thun dies selbst. Darum wollen wir zu ergründen trachten, warum unser unausgesetztes geistiges wio physisches Abmühen in gewisser Beziehung ohne Erfolg geblieben, denn aus unseren Fehlem sollen und wollen wir lernen und die geschehenen Unterlassungen in Zukunft vermeiden. Wir wollen uns und unsere Freunde offen ermahnen, wie wir und sie es verdienen. Unser Ziel, dem wir alle mit derselben Begeisterung zustreben, ist hoch genug, um alles Persönliche vergessen zu machen. Wir wissen, daß ein Theil jener, welche im Ilorzen zionistisch sind, bisher den für uns notwendigen Beweis der Zugehörigkeit zu unseren Prinoipien nicht gegeben haben. Ganze Riesongobiote des äußersten Ostens wie Westens, bewohnt von orthodoxen Juden, wissen kaum von unserer Bewegung, häufig überhaupt nichts, lesen keine unserer Zeitungen, hören keinen unserer Red- Nathan Gesang ein Fünfziger Am 1. August, feiert der Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation in Argentinien seinen fünfzigjährigen Geburtstag. Dor Jubilar, dor ein ausgezeichneter Hebraist ist, hat Herzls „Judenstaat“ ins Spanische übersetzt. Ihm ist in erster Linie der Aufbau der Zionistischen Organisation in Argentinien zu danken, deren langjähriger Generalsekretär und Präsident er war. Er orgauisiorto auch den ersten Jüdikerung und einer Vergeltung übenden Mandat a.rm acht würde die politischen, sozialen und psychologischen Bedingungen zerstören, welche unerläßlich sind für die Entwicklung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina. Selbst wenn das jüdische Natiionalheim zur Gänze durch britische Waffen innerhalb der Grenzen von Palästina geschaffen würde, müßte das zu einer bitteren antijüdischen panarubischen Bewegung in den angrenzenden arabischen Ländern führen. Der Artiikeisohreiiber meint daher, daß der Schlüssel zur Lösung im Churchill- Memorandum gesucht werden müßte und schließt mit der Betrachtung, daß England erst dann das Problem Palästina lösen werde, wenn sich sowohl Araber als auch Juden in dem Lande sicher fühlen werden,! das in verschiedenen Bedeutungen das ' Mutterland beider Völker sei. ner, kennen keinen unserer Erfolge und urtheilen falsch über unsere Bestrebungen. Sie, die berufen wären, die geborenen, die überzeugtesten, die begeistertesten unter unseren Gesinnungsgenossen zu sein, stehen kalt und fremd der Bewegung entgegen. Wir wissen, daß die Mitglieder des Actions-Comites in diesen Ländern unendlich viel gethan. Sie dafür loben, hieße sie beleidigen. Aber ihnen zu sagen, daß es noch viel zu wenig ist und daß sie ihre Mühe in des Wortes wahrster Bedeutung verzehnfachen müssen, ist unsere brüderliche Pflicht, und daß es besser werden wird, ist unsere sichere Erwartung nach diesem Appell an ihre erprobte Opferwilligkeit. Jeder von uns soll den ihm zugewiesenen Schauplatz seines Wirkens prüfen. Jeder möge nach jenen Städten und Städtchen, Flecken und Ortschaften das Wort des Zionismus, die Propaganda unter diejenigen leiten, welche in seinem Bezirke. dem Zionismus kalt gegenüberstehen. Wir und Sie wissen, daß wir kaum 150.000 Sohekelzaliler haben. Wir haben den Congressen die Wahrheit gesagt, daß im Zionismus das Lager Israels ist; denn wir zählen zu uns und haben ein Recht dazu, die Schwerbeladenen, jene, die mühselig durch das Leben wandern, und die zu dumpf und zu stumpf sind, um sich laut zu unserer Gefolgschaft zu rechnen. Aber auch diese müssen es endlich thun, denn jeder Jude schuldet der Gesammtheit seine gesammte Kraft, und sei sie scheinbar noch so schwach, Daß dies aber geschehe, ist Ihre Pflicht, Ihre große Aufgabe, uin deren bereiteste Erfüllung wir Sie innig und dringend bitten. Je mehr alle Mitglieder des großen Actions- Comitee, die heute schon so viele Opfer für ihr Volk bringen, sich ihrem Ehrenamte, das eine schwere Bürde ist, hingeben werden, umsomehr werden auf einmal zwei Fundamente für die nächste Zeit gewonnen werden, nämlich: Größere Gefolgschaft für unsere Idee und größere Einnahmen. Wir haben von beiden noch viel zu wenig. Wohl legen wir beiden nicht dieselbe Wichtigkeit bei, denn das Erstore ist ein ständiger Gewinn, dos Letztere hingegen ein vorübergehendes Mittel, aber dieses ist ein notwendiges Instrument zur Erreichung der bleibenden Erfolge. Das Wiener Actions-Comite wird in seinem Floiße nicht erlahmen und Hoffnungen werden nie erlöschen.Der Same ist gelegt, das Fundament ist gebaut, an Ihnen wie an uns ist es, besonders aber an Ihnen, das Gebäude, von dem wir träumen und auf das wir felsenfest hoffen, wirklich a u f z u r i c ht e n. Mit. Zionsgruß hochachtungsvoll für das Actions-Comitö: (gez.) Kokesch Horzl sehen Kongreß in Argentinien im Jahre 1916. Nathan Gesang, einem bewährten allgemeinen Zionisten, stehen aus Anlaß seines 50. Geburtstages zahlreiche Ehrungen bevor. Der Zionistische Landesverband für Österreich befindet sich untor den zahlreichen Gratulanton aus der ganzen Welt, dio diesen verdienten zionistischen Kämpfer ehren wollen, der auf eine dreißigjährige ersprießliche zionistische Arboit zurückblickt. Ein ScfieKelaufruf Herszls Der fünfzigjährige Oberkantor Margolies iiiiiiiimmiiimmimimimiimmmmmiiimiiiiuuuiiiiiiiiiiritmintiinituniimiimiiiiiiiiiiiiuiiiiiin BAD PISTYAN SAVOY-PENSION HAVAS Neues, modernes Haus; ohne Pensionszwang. Auch Pauschalkuren ab Kö 86.—. Auskunft nur durch Dr. med. Havas* Bad Pistyan. 6. S. R. Von der Tätigkeit des Keren Hafessod Im Monat April 1936 haben die Nettoeingänge des Keren Hajessod £ 28.374 betragen. Hievon gingen aus den Vereinigten Staaten £ 10.121 und den übrigen Ländern £ 18.253 ein. In der Zeit vom 1. Oktober 1935 bis 30. April 1936 sind insgesamt netto £ 157.000 eingegangen, wovon £ 151.500 für das reguläre Budget verwendet wurden, während zirka £ 6000 für Sonderzwecke aufgebracht worden sind. Im selben Zeitraum des Vorjahres sind £ 157.500 beim Hauptbüro des Keren Hajessod eingegangen, davon waren jedoch nur £ 128.000 reguläre Keren-Hajessod-Einnahmen. . Im Monat April 1936 hat die Jewish Agency £ 23.289 ausgegeben, und zwar für landwirtschaftliche Kolonisation £ 7.691 Alij ah und Hachsehara .... £ 5.545 Erziehung^- und Kulturarbeit . £ 1.977 Behausung und öffentl. Arbeiten £ 1.975 die Abteilung für Handel und Industrie und das Institut für Wirtschaftsforscbung .... £ 2.975 nationale, religiöse Anstalten und Gesundheitsdienst .-....£ 1.656 Verwaltungsspesen ...:.£ 929 Diverse . .........£ 550 £ 23.298 Der Keren Hajessod hat in die neu gegründete Agrarbank, -wie schon berichtet, einen Betrag von £ 5000 investiert; Im Monat April sind nach Erez Israel 3095 Personen eingewandert, davon 1215 Chaluzim; die Zahl der im Monat Mai eingewanderten Personen beträgt 2158. Vom 1. Jänner 1936 bis 31. Mai 1936 sind sohin insgesamt 14.607 Personen nach Palästina eingewandert, davon 3945 Chaluzim. Das mit Beschluß des letzten Kongresses ins Leben gerufene Institut für Wirtschaftsforschung ist seit 1. Februar unter Leitung Dr. Artur R u p p i n s tätig. Es beschäftigt sich in drei. Kommissionen mit der Erforschung der Bedingungen lind Erfordernisse dos palästinensischen Wirtschaftslebens; die Forschungsergebnisse sind vor allem dazu bestimmt, der Exekutive der Jewish Agency das Material für die wirtschaftlichen Tätigkeitsgebiete sowie für ihre Wirtschaftsvcrhandlungen mit der palästinensischen Regierung zu liefern. Schließlich ist noch zu bemerken, daß die Anglo-Palästina-Bank mit einem vom Keren Hajessod geschaffenen Garantiefonds eine Kreditaktion für kreditseh wache K 1 e i n d u s t r i e 11 o durchführt; von derselben Bank wird auch ein Warenkredit von £ 25.000 für Industrielle flüssig gemacht. Überdies stellt die Jewish Agency für Industrielle, die infolge der letzten Unruhen iliro Unternehmungen von Jaffa nach Tel- Aviv verlegen mußten, langfristige Kredite zur Verfügung. Der Keren Hajessod hat ein umfangreiches Tätigkeitsgebiet zu versorgen, um alle Bedürfnisse auch nur halbwegs zu befriedigen. Es ist deshalb, angesichts der schweren Schäden, welche die gegenwärtige Lage in Palästina herbeigeführt hat, überall eino verdoppelte Anstrengung notwendig, lim die ungeschmälerte Fort- &§tpipg| »der Aufbo!uarf>öit za ermöglichen. •'►"M ijt PR