Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 562 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ür. 562 — Wien, Freitag, 10. Juli 1936 OIE STIMME Seit® 7 Hänsele mit ihr beschäftigt, und es wurden au verschiedenen Zwecken und in verschiedenem Arten der Anordnung Bücher zu hunderten verfaßt, mit, mannigfaltigen Umstellungen, in der Originalform und in Umarbeitung, aramäisch und hebräisch usf. bis ins Unendliche. Der literarische Wert jener Sammelbüchor und dessen, was sie enthalten, ist nicht überall gleich. Die Aggada hatte wie jedes Gebiet der literarischen Produktion Zeiten des Aufstiegs und Zeiten des Niedergangs. Mitunter war ihr Ursprung gesegnet und ihr Quell floß über, mitunter quoll er langsam und ließ nur einzelne Tropfen rinnen. Einmal dienten in ihrem Tempel Hohepriester und dann wieder Laienpriesber. Wenn auch Schriftdeutung ohne jede Neuerung nicht sein kann, haben doch nicht alle jene Sammelbücher selbst zur Zeit ihrer Abfassung den Schatz der Aggada wahrhaft bereichert. In ihrer Mehrheit waren sie nur eine Wiederholung des Früheren in veränderter Anordnung, entstellter Sprache und auch mit einer Vermengung der Themen: des Wesentlichen mit dem Nebensächlichen usnd des Wichtigen mit dem Unwichtigen, Die. die bn Grtmd der Seele quoll, Die schwere Träne wird nicht bald versiegen. Auß Wehenschmerzen, bitteren Grames voll, Zerquält ist sie ms Auge mir gestiegen. ln dunklen Nächten hat verzweifelt Leid Mein einsames, verlassenes Herz umdüstert. Verlorenes Volk, das ehrlos sich gefeit Mit Stumpfheit“-habe knirschend ich geflüstert. TJnd Tage, Monde glühte diese Zähre Irrt wunden Herzen, bis sie sich ergoß, XJnd während ich mich kampfermattet wehre, ln Blut gebadet diese Träne floß. Und sieht das taube Ohr, die stumpfen Herzen, Und sieht die Schmack und sucht im Fluch den Tod; Verfrecht der Frevler, der sich seiner Schmerzen Erwehren kann und sich verschließt der Not!“ Gott ist mein Zeuge, wie so echt die Zähre, Der ich mein tiefstes Leid zu hüten gab — Wie werm die Seele mir erstorben wäre... Ewig Verlorenes legte ich ins Grab. Doch bitterer noch ruht eine Träne drinnen; Verborgen tief und schwer wie Bleigewicht — Kann sie nicht heben — bohrende Seufzer rinnen, Und frage bang: Wo ist der Retticng Licht? Und Fäulnis gräbt sie in des Herzens Saum, Lädt auf den Geist verborgenen dunklen Kummer. Sie trübt mein Tagbild, meines Lagers Traum; Und Tod grüßt meine Arbeit, meinen Schlummer. Noch glaube ich, daß ein Prophet erkoren, Der einst vor aller Welt die Träne hebt, Sein Trauerlied dröhnt vor des Himmels Toren; Die Mauern zittern-alles Fleisch erbebt. Ch. N. Bia [lk iimmiiiiiiimiiinimimiiiiiimnimnmimmiiiiniiaironiiniiiMiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii 2 bis 3 Zimmer mit Komfort, im Mezzanin, Upivcrsitäts- und ParlamentsnShe, für Arzt sehr geeighet, sofort zu vermieten. Tel. A 21-6-58 zwischen 8 bis 10 und 2 bis 4 Uhr „Beer-Hofmann/ Sinn und Gestalt" Im Verleg Dr. Glanz-Wien ist soeben — xum 70. Geburtstag Beer-Hofmanns — das Buch Dr. Alfred Werners über dm jüdischen Dichter erschienen. In jedes jüdische Haus „Die Stimme" Ueberreidiung des Goldbuchdiploms an Dr. N. Frey Am Dienstag der vorige® Woche fand im Heim der Sektion und WIZO Prater unter außerordentlich großer Teilnahme der Wiener Zionisten die feierliche Überreichung des Goldbuchdiploms an Dr. N. Frey statt. Auch zahlreiche Freunde Dr. Freys aus ärztlichen Kreisen hatten sich eingefunden. Der Obmann der Sektion, Jehuda Schmidt, konnte unter anderen begrüßen: Den Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, Dr. Oskar Grünbaum und Gemahlin, Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich und Gemahlin, Amtsdirektor Dr. Josef L ö w e nh e r z und Gemahlin, Universitätsprofessor Dr. Neumann, Universitätsprofessor Dr. Elias, Universitätsprofessor Dr. Heß, Universitätsprofessor Dr. K ö n i g s t e i n, Primarius Dr. B o r a k, Primarius Dr. B o n d y, Primarius Dr. T s c h i a ß n y, die Vertreter der Sektionen, der WIZO und anderer Körperschaften, Redakteur Bruno Heilig, Dr. F. P i c k h o 1 z und den Obmann der Tfilah Jischurin J. H e 1 i c z e r. Sodann wendete sich Jehuda Schmidt an Dr. Nachman Frey. Er wies auf die Ereignisse in Palästina hin und sagte, daß es in solcher Zeit um so notwendiger sei, einen Zionisten zu ehren, der stets in den vordersten Reihen der jüdischen Kampffront stand. Er habe bereits als Gymnasiast aktiven jüdischen Kampfgeist bewiesen und so habe er es weiter gehalten. Der Redner würdigte Dr. Frey auch als Arzt und Philanthropen und kam dann auf die Verdienste. der Gattin Dr. Freys, der Präsidentin der WIZO Prater zu sprechen. Auch sie diene aufopferungsvoll dem zionistischen Ideal. Mit besonderer Liebe betreue sie den hebräischen Kindergarten. Jehuda Schmidt schloß mit folgenden Worten: „Der heutige Abend soll also dazu dienen, an Sie beide eine Dankesschuld abzutragen für alles das, was Sie am Zionismus im allgemeinen und an der zionistischen Sache im Prater im besonderen getan haben. Es soll Ihnen zum Beweis dienen, daß es auch in dieser materialistischen Zeit Dankbarkeitsgefühle wahrer Freunde gibt.“ Im Namen der WIZO Prater sprach Frau Ing; M'ü h 1 b a u e r. Sodann ergriff der Präsident des Zionistischen Landesverbandes Dr. Grünbaum das Wort. Der Redner gab einen Abriß über das Thema „Zionismus als Weltanschauung“, und führte weiter aus: Es sei notwendig, daß sich jeder Zionist darüber klar sein müsse, daß keine Idee, werde sie noch so sehr in der Tagesgeschichte .hervorgehoben, den Primat von der zionistischen Idee und der Disziplin gegenüber der Zionistischen Organisation haben könne. Dr. Frey habe den tiefen Sinn der zionistischen Idee voll erfaßt. Ihm ist die Treue Selbstverständlichkeit und das macht ihn zum Vorbild für alle Zionisten. Es glaube niemand, man könne den Zionismus zu einer zweitrangigen Knopflochangelegenheit machen. Die Zionisten müssen sich klar darüber sein, daß sie unrettbar der Assimilation verfallen, wenn sie den Primat des Zionismus nicht anerkennen. Doktor Frey ist einer von vielen tausenden Wiener Zionisten, die jenen Bindestrich-Zionismus ablehnen. Er ist darüber hinaus ein selbstloser Kämpfer, eiu Freund der Armen und Bedrückten, zu dem weite jüdische Kreise mit Respekt aufblickea. Heute ist einem würdigen Mann eine Ehrung zuteil geworden, die ihm zu weiterer zionistischer Tätigkeit anspornen wird. Dr. Jakob Ehrlich feierte Dr. Frey als treuen, unter allen Umständen verläßlichen Zionisten. Die Erfolge der zionistischen Bewegung* unter den Juden des Praters seion sein Verdienst. Er besitze nicht nur die Qualitäten eines Führers, der immer ernste und gute Arbeit leiste, er verstehe es auch, sich als disziplinierter Zionist unterzuordnen. Er habe gerade in letzter Zeit bewiesen, daß seine kampferprobte Weltanschauung ihn nicht Irrwege gehen lasse. Redner spricht auch mit Worten hoher Anerkennung von der Gattin Dr. Freys, und rühmt insbesonders ihre aufopfernde Arbeit für die armen Kinder des Praters im Kindergarten der WIZO. Dr. Ehrlich kam auch in ausführlicher Weise auf die damals gerade bekannt gewordene Entscheidung. des Magistrats in Angelegenheit der Aufsichtsbeschwerden der „Union österreichischer Juden“ zu sprechen. Dieser Verein habe sich dom Bürgermeister als „d e r in Österreich behoimatote positiv-religiös und vaterländisch fühlende Teil“ der Juden präsentiert, dessen Einfluß durch die Zionisten zurückgedrängt worden sei. Mit Argumenten, die für einen Winkelschreiber zu schlecht seien, habe man dem Bürgermeister vorplauschen wollen, daß der gegenwärtige Kultusvorstand beschlußunfähig sei und daß deshalb ein Regierungskommissär eingesetzt werden müsse. Man habe dem Magistrat auch einzureden gesucht, daß der Kultusvorstand nicht für die religiösen Bedürfnisse sorge. Der Magistrat habe aber den Sachverhalt erhoben, und seine Antwort an die Union sei für diese geradezu vernichtend. Menschen, die sich derart von Parteileidenschaften verblenden lassen, daß sie gegen die Autonomie der Kultusgemeinde zu Felde ziehen und sich in ihrem Haß gegen den Zionismus dazu verleiten lassen, die politische Verläßlichkeit jener Juden anzuzweifeln, die außerhalb der sehr schütteren Reihen der Union stehen, müssen aus dem öffentlichen Leben verschwinden, was die erste Voraussetzung für die Einkehr des Friedens in unsere Gemeinde sei. Die Ausführungen Dr. Ehrlichs fanden die stürmische Zustimmung der Anwesenden. Namens des KKL. begrüßte Dr. Ch. Tartak o w e r in hebräischer Rede den Jubilar. Er würdigte ihn als Menschen, als Zionisten und als Arzt. Im Namen der Judenstaatszionisten sprach Frau Katz. Schließlich sprach Kultus- Die Zurückweisung der Aufsichtsbeschwerde der Union gegen die zionistische Gemeindeführung hat in allen jüdischen Kreisen, nicht nur in Österreich, größtes Aufsehen gemacht. Nicht so sehr wegen ihres sachlichen Inhaltes, der eine B.eha/uptung nach der anderen widerlegt, sondern wegen ihrer Tatsache an. sich. Dter Akt des Magistrats läßt deutlich den Ekel erkennen, den jeder anständige Mensch vor einer solchen Häufung von Denunziationen empfinden muß. Dieses Gefühl ist heute unter allen Juden das maßgebende. Die Leute freilich, die die Beschwerde eingereieht haben, geben vor, daß sie sich nicht entmutigen, lassen. Sie scheinen, wenigstens nach einer Bemerkung in ihrem Organ, die Absicht zu haben, ah höhere Instanzen und den Bundesgerichtshof zu gehen und da sie die Sache für noch nicht entschieden holten, wiederholen sie, daß sie die Eingabe „wegen der Protektions- und Korruptions- Morris Schwartz in der Rolandbühne Obwohl dais Gastspiel von Morris Schwartz mit dem Welterfolg „Josche Kalb“ im Bürgertheater in den letzten Tagen volle Häuser brachte, mußten die Aufführungen aus theatertechnischen (konzessionä'ren) Gründen abgebrochen werden. Nunmehr' ist es der 'Gastspielleitung (Dir. J. Goldflies) gelungen, die „Rolandbühne“ in der Praterstraße für weitere Aufführungen zu mieten. Die Vorführungen von „Josche Kalb“ werden bereits ab Samstag, den 11. Juli, wieder fortgesetzt. Die Wahl der Rolandbühne Ist gleichzeitig ein Entgegenkommen an das berechtigte Verlangen weiter jüdischer Kreise, ein leichter erreichbares Theater zu wählen. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß Morris Schwartz auch die Aufführungen von „Josche Kalb“ in der Rolandbühne in der Originalpremierenbesetzung, wie sie im Bürgertheater gegeben wurde, herausbringt, also mit seinem kompletten Starensemble. Die Preise wurden herabgesetzt, um allen Kreisen den Besuch zu ermöglichen, besonders übrigens auch die Sonntagsnachmittagspreise. Die Vorstellungen beginnen täglich um K9 Uhr, Sonntag-Nachmittagsvorstellungen um XA4 Uhr. Festkonzert des B. J. F. Die angesagte Sensation des Abends *— die Uraufführung der „Hebräischen Symphonie“ von dem populären Autor der Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ Jaromir Weinberger, blieb aus technischen Gründen aus. ln diesem Werke sollen — wie mir der Komponist selbst sagte — „Kol Nidrey“ und „Schma‘ Isroel“ als Grundmotive verwendet sein. Der beHlhmte Tondichter ließ aber sein offenbar aufrichtig gedachtes und glühend gefühltes Bekenntnis zum Judentum in zwei Liedern aus der „Hagadah“ erklingen und machte uns dieses Bekenntnis Vorsteher Ing. Buchbinder, der nach einem Hinweis auf die Vorgänge Lm BIF. in überzeugender Weise dio Notwendigkeit verstärkter zionistischer Arbeit auseinanclersetzte. Tief ergriffen dankte Dr. N. Frey für die ihm zuteil gewordene Ehrung allen denjenigen, die sich darum bemüht hatten, den Zionisten der Sektion und WIZO Prater, seinen persönlichen Freunden, insbesondere den Ärzten und Funktionären des Rothschild-Spitales. Diese Ehrung werde ihn anspornen, auch weiterhin dem Dienst an. der zionistischen Idee zu leben. Im Zionismus fühle er sich geistig und seelisch zu Hause. Sein engstes Heim sei allerdings die Sektion seines Bezirkes, der er auch für die Zukunft all seine Sorgfalt und seine Liebe versprach. Weiters dankte Dr. Frey dem Veraastaltungskomitee, insbesondere den Damen Antonie Locker und Helene Schächter für die Bemühungen um diesen schönen Abend. Mit dem erneuten Gelöbnis unwandelbarer Treue zum Zionismus und seinen Führern schloß Dr. Frey seine Worte. An diesem Abend wurden von Frau Dr. Malvine Frey und Assistent Dr. Buchband S 253.— für den KKL. gesammelt. PENSION ECKSTEIN-Semmering neu renoviert Wirtschaft des Kultus Vorstandes“ eingereicht haben. Es ficht sie weiter nicht an, daß die Behörde auf Grund genauer Erhebungen keinen Anlaß findet, gegen den Zionistischen Kultusvorstand einzuschreiten, vielmehr seine Tätigkeit geradezu rühmend herausstreicht und sie sprechen wegwerfend von .der „untersten Instanz“, die da entschieden hat. So sprechen sie jetzt. Vor und nach der Zurückliegung der Mandate prahlen sie, daß diese „unterste Instanz“ ihnen schon den Regierungskommissär zugesagt haibe und daß der zionistische Kultusvorstand keine drei Tage mehr im Amte sein werde. Jetzt sagen sie, daß sie auf die endgültige Entscheidung der .Wähler Vprtraüen. Diese, Entscheidung wird kommen. Sie wird den Naumann-Juden klar machen, daß sie politisch erledigt sind, ihnen, und allen, die mit der Union Schulter an Schulter ein politisches Geschäft zu machen hoffen. glaubhaft. Diese kleinen Schöpfungen machen uns um so mehr auf die angekündigte Symphonie neugierig; hoffentlich ergibt sich bald eine Gelegenheit dazu. Fanny Cleve, die Meisterin des Gesanges, fand für diese sowie für zwei tief empfundene, harmonisch interessante Lieder von Kurt P a hien echte, ivarme Herzenstöne und wurde vom Publikum enthusiastisch empfangen. Dr. Pahlen führte zum zweitenmal drei Chöre aus dem Oratorium „Turm voU Babel“ von Anion Rubinstein und den 42. Psalm von Mendelssohn, diesmal mit seinem BJF.-Orchester, auf. Es klang alles diesmal noch besser. Sowohl der Chor des Gesangvereines wie das BJF.-Orchester machen zusehends Fortschritte. Margarete Bach, die prächtige Rezitatorin, erschüttert schon durch ihr ungewöhnliches Sprechorgan. Bald klingt es wie eine Glocke, bald sind es glühende Herzenstöne. Die Dynamik ihrer Steigerungen ist manchmal atemraubend. Am besten gefiel „Die Zeit des Messias“ und das tief empfundene Gedicht „Auserwähltes Volk“ von Z u c k e r m a n n. Kurt Pahlen dirigierte noch zum Schluß den Tanz aus der Goldmarkschen Symphonie „Ländliche Hochzeit“ und wurde stürmisch akklamiert. Jul. Wolfsohn. Tctl-AvSv kauft Flugzeuge Warschau, 8. Juli. (JTA.) Der Pilot Major Zemfoineki, der vor kurzem zum zweitenmal den 7000-Kilometer-Flug Warschau— Tel-Aviv—Warschau absolviert hat, gab bekannt, diaß Tel-Aviv durch seine Vermittlung vier polnische Flugzeuge an gekauft hat. Zwei Flugzeuge, die schon im vergangenen Jahre bestellt wurden, gehen demnächst nach Palästina aib. Für die Einrichtung* eines regelmäßigen Flugverkehrs Polen-Palästina hält Major Zeanbinsky die Anlage eines Flugplatzes hei Tel-Aviv für am meisten vorteilhaft „Sie lassen sich nicht entmutigen“ Auch ln der Sommerfrische müssen die Zionisten des I r^ie Gg. werden gebeten, dem Keren Kajemeth ihre Karen Kajemeth gedenken! 1 Sommeradressen bekanntzugebqn