Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 561 (7.7.1936)
- Date
- 1936-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 561 - Wien, Dienstag, 7. Jnli 1936. OIE STIMME Sette 3 100 St. 36 Gr. ALMUIY Zigarettenhülsen RAX 100 st. 30 Gr Der Opfertod des Stefan Lux Nach Wiederaufnahme der Sitzung des Völkerbundes erklärte der Präsident: „Der Vorfall steht in keinem Zusammenhang mit den Beratungen des Völkerbundes.“ Der Vorfall war der Selbstmord des Juden Stefan Lux aus Malacka. Dieser Mann, Journalist von Beruf, hatte sich das Leben genommen, um auf diese Weise die Welt auf das Schicksal der Juden in Deutschland aufmerksam zu machen. Die Frage steht nicht auf der Tagesordnung des Völkerbundes, und so konnte der Präsident, obzwar die amtlichen Berichte von einer starken Erregung sprechen, über die Störung hinweggehen. Man gelangte wieder zur Tagesordnung und es kam ein Redner nach dem anderen zum Wort, um zu erklären, daß der Völkerbund ein sittliches Forum ist, das dem Frieden und dem neuen internationalen Recht dient und das jetzt zu neuer Stärkung gelangen müsse, um in Zukunft einen kriegerischen Überfall auf ein kleines Volk zu verhindern. Der Jude Stefan Lux hat Briefe hinterlassen: an den Generalsekretär, an die Ministerpräsidenten, an den König von England — an alle Personen, denen er Gewicht beimißt, in der gegenwärtigen Situation zugunsten der Juden Deutschlands etwas zu tun. Aber Deutschland ist nicht im Völkerbund und deshalb kann das Schicksal der Juden nicht auf die Tagesordnung gesetzt werden. Der Vorfall steht in keinem Zusammenhang mit den Beratungen des Völkerbundes. Vielleicht hat sich jemand in der hochansehnlichen Versammlung daran erinnert, daß das von dem nun toten Stefan Lux gemeinte Deutschland Mitglied des Völkerbundes war, als die ersten Akte des Dritten Reiches gegen die waffenlosen Juden einsetzten. Damals war die Sache der Juden eine innere Angelegenheit des Deutschen Reiches. Aber da war die Frage des Saargebietes. Der Völkerbund war in einer heiklen Lage. Er half sich, indem er eine kurze Schutzfrist für das jüdische Wild normierte. Dann sind da die Juden in Danzig. Der Völkerbund hat etwas getan. Er hat die Hitler-Dependance in Danzig angewiesen, sich mehr an das Statut zu halten. Da sage noch einer, der Völkerbund sei kein ‘ sittliches Forum. Aber der Jude Stefan Lux hat das gesagt und er hat es unterstrichen, indem er sich eine Kugel ins Herz schoß. Bei der Röntgenuntersuchung stellte sich heraus, daß in dem armen Körper noch eine Kugel aus der Zeit des Krieges steckte. Lux war Soldat der österreichischen Armee gewesen und verwundet worden. Er war also einer aus der Schar der feigen jüdischen Drückeberger; aus jenem Volk, das überall verleugnet und verleumdet wird, wo von der Pflichterfüllung des Mannes gesprochen wird. Im Dritten Reich, das dem gewesenen Frontkämpfer Lux nach 20 Jahren ehrlicher Berufsausübung die Internierung angedroht hatte, will man nichts von den 12.000 jüdischen Kriegstoten wissen und streicht ihre Namen von den Gedenktafeln. Im Dritten Reich können die Stammesgenossen des Stefan Lux nicht frei atmen, dürfen nicht Brot und Arbeit finden, und für alle Treue und Ehrlichkeit verweist sie das Reich im Namen des deutschen Volkes in das Konzentrationslager. 70.000 Juden, hat Lux in dem Brief an Avenol geschrieben, schmachten in diesen Kerkern. Und diejenigen Juden, die dem Reich den Rücken kehren, werden bestohlen und ausgeraubt — und das Ausland behandelt sie als lästige Esser, schiebt sie in seiner Gastfreundschaft von Grenze zu Grenze oder schreibt ihnen enge Grenzen für die Berufsausübung vor. Innerhalb des Judentums in Deutschland und der Emigration spielen sich Tausende von Tragödien ab, der Selbstmord greift um sich und — die Welt weiß das alles. Es sind Juden und da hört das Interesse auf. Die Tat des Stefan Lux ist groß und ergreifend in ihrer Gradlinigkeit und Hoffnung. Aber dieser Opfergang ist, wir fürchten es, vergebens gewesen. Nichts wird von denen, an die Lux die Briefe geschrieben hat, unternommen werden. Das jüdische Schicksal wird nur Der tschechoslowakische Schwimmverband hat, wie bereits mitgeteilt, dem Prager Hagibor, der dem tschechoslowakischen Makkabi-Kreis angehört, mit Disqualifikation gedroht, falls dieser seine Mannschaft nicht zur Olympiade nach Berlin schicke. Der Schwimmverband vertrat dabei den Standpunkt, es handle sich um ein tschechoslowakisches Interesse, dem die jüdischen Ressentiments nachgestellt werden müßten. Der Verband wich von diesem Standpunkt auch nicht ab, als das tschechoslowakische Olympische Komitee zweimal in einer Entschließung zum Ausdruck brachte, daß man die jüdischen Sportler nicht zwingen dürfe, zur Olympiade nach Berlin zu gehen. Der Standpunkt des tschechoslowakischen Schwimmverbandes ist nun durch ein Schreiben des Außenministers Dr. Kamil Unverminderter Terror in Palästina Jerusalem, 5. Juli. Die Unruhen im ganzen Land dauern nach wie vor mit unverminderter Heftigkeit an. Heute ist es wieder zu einer Reihe von arabischen Überfällen auf britische Militärpatrouillen, Bombenwürfen und Brandstiftungen Aufständischer gekommen. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich in Jerusalem selbst, wo eine arabische Terroristen gruppe einen Feuerüberfal auf eine Schar Juden verübte. Zwei der Überfallenen sind schwer und eine große Anzahl leicht verwundet worden. Im Wohnviertel der deutschen Kolonie wurde eine Garage in Br an d gesteckt, Die Autos wurden zum Teil vernichtet und zum Teil schwer beschädigt. In Verbindung mit einem Bombenanschlag auf die Eisenbahnbrücke in der Nähe von Hebron sind von den britischen Soldaten zwanzig Araber verhaftet worden. Im Verlauf dieser Strafexpedition kam es zu einem Feuergefecht in dem ein arabischer Aufständischer getötet und drei andere schwer verwundet wurden. Tante Mary’s Sommersonnenheim Prein an der Rax, Tel. 4 (Semmering) (Kinder von 3 bis 17 Jahren!) Idealste Höhenlage! Erstrangig! Altbewährt! Strandbad, Sport, Sprachen, auch hebräisch. Ferialunterricht. Verblüffende Erfolge mit Bchlechtessenden Kindern. In- und Auslandsreferenzen. Prospekte: Kinderheim „Tante Mary", Wien, IX., Roßauerlände 29. Tel. A 11-3-14. Schießereien in Jerusalem Jerusalem, 5. Juli (2. T. A.) In Jerusalem kt es an einzelnen Stellen zu Schießereien gekommen. So wurden die Wasserreservoire im oberen Teil des Romema-Viertels . beschossen, auch in Keren Abraham und Sanedria wurden Schüsse abgegeben. Das Feuer wurde von jüdischen Hilfspolizisten erwidert. Man glaulbt, daß ein Araber verwundet worden ist. BAD PISTYAN SAVOY-PENSION HAVAS Neues, modernes Haus; ohne Pensionszwang. Auch Pauschalkuren ab K5 86.—. Auskunft nur durch Dr. med. Havas, Bad Pistyan. 6. S. R. Acht Jahre Zuchthaus für Brandstifter Jerusalem, 5. Juli. (2. T. A.) Richter Copeland hat einen Araber wegen Brandstiftung* zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei der Urteilsverkündung erklärt er, es habe ein strenges Urteil gefällt werden müssen, damit das Verbrechen der Brandstiftung nicht Nachahmung findet. Wiederaufleben der Wirtschaft Jerusalem, 5. Juli (JTA.). Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, nimmt an den Beratungen der großen Banken Jerusalems mit einigen Mitgliedern des Obersten arabischen Komitees und bedeutenden arabischen Kauflouten über die Frage der Gewährung eines Moratoriums für die arabivon uns selbst gewendet werden. Wir bauen Palästina, und trotz der Arbeit, die Europa leistet, um uns selbst dort zu erwürgen, wird dieses Werk gelingen, weil es gelingen muß. K t o f t a an den Abgeordneten der Jüdischen Partei Dr. Angelo Goldstein erschüttert worden. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Prag, den 27. Juni 1936. Geehrter Herr Abgeordneter! Zu Ihrem Briefe vom 26. Juni 1. J. teile ich Ihnen mit, daß ich es vom Standpunkt des Außenministeriums picht für notwendig halte, daß sich die Mitglieder des tschechoslowakischen Makkabikreises an der Berliner Olympiade beteiligen. Mit herzlichem Gruß Dr. K. Krofta m. p. Nach diesem Schreiben erscheint es wohl nicht mehr möglich, daß der Schwimmverband seine gegen Hagiborausgesprochene Disqualifikationsandrohung wird wahrmachen können. Mont essori-Sommerhefm 1^3 für 3- bis 16jährige Kurort Sauerbrunn Schloßartige Villa, eigener Park, Bad, Brause, Arzt; Schwimmbad 6 Min. entfernt; 5 reicht. Mahlzeiten; Fremdsprachen; Mittelschulnachhilfe Leitung: Alice Frelsiadi-Lederer Dipl. Montessori-Lehrerin Edith Torten, Dipi. Kindergärtnerin Anmeld.: Montessori-Kindergarten, 1., Eßlingg. 13 (4-6), Tel. U 28-3-39 sehen Kaufleute auch der Generaldirektor der Anglo-Paleetine-Bank, S. A. H o o f i e n, teil. Es geht hauptsächlich darum, zu verhüten, daß anläßlich der Wiederaufnahme des gesamten Geschäftsverkehrs, den man für die nächsten .Tage erwartet, Geschäftszusammenbrüche infolge der Protestierung von Wechseln arabischer Kaufleute erfolgen. Unter den arabischen Betrieben, die in den letzten Tagen die Arbeit wieder aufgenommen haben, befindet sich auch die Zigarettenfabrik Karaman, Dick & Salti in Haifa, der größte palästinensische Betrieb dieser Art. Der Fabrikibetrieb wird mit einer etwa 350 Mann zählenden Belegschaft fortgeführt. Nicht nur in den Städten, sondern auch bei der Landbevölkerung macht sich zunehmende Streikmüdigkeit geltend. Die Stockung des Melonenabsatzes gibt den Fellachen zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Da die Melonen nicht rechtzeitig auf den Markt gebracht werden konnten, sollen bereits 70 Prozent der Zuckermelonen- und 90 Prozent der Wassermelonenernte verdorben sein. Die Bauern in der Gegend von Tulkarem haben deshalb beim Streikkomitee ernste Vorstellungen erhoben. Die Unruhen in Französisch- Nordafrika Paris, 5. Juli (ITA.) Der Jude, der in der algerischen Stadt Bou-iSaada von arabischen Exzedenten vor den Augen der Polizei abgesohlachtet wurde, hieß Felix Attia. Während sich die Lage in Algerien etwas beruhigt hat, ednd nunmehr in Tunis antisemitische Unruhen an der Tagesordnung. In der tunesischen Stadt Gafsa. wurden zahlreiche Läden geplündert und die Ladenibesitzer mißhandelt. Ans Sfax wurden Truppenverstärkungen nach Gafsa entsandt. Ein Senegalschütze wurde verletzt, ebenso zwei Araber, die von einem jüdischen Ladenibesitzer, der sich mit dem Revolver in der Hand gegen die Angreifer verteidigt hatte, angesohossen worden waren. Der Ministerpräsident Leon Blum und Innenminister Salengro hatten heute mit dem Generalgouvemeur von Algier, der plötzlich mit einem Wasserflugzeug aus Algier in Paris eingetroffen ist, um über die Unruhen zwischen den Eingeborenen, namentlich der mohammedanischen Bevölkerung, zu referieren, eine Beratung. Gemäß den Erklärungen der mohammedanischen Führer sind die letzten blutigen Unruhen auf ein Werk von Agents Provokateurs zuriiokzuführen. — Die Pariser Linkspresse widmet den Ereignissen in Nordafrika erhöhte Aufmerksamkeit. Die Vollksfrontblätter aller Richtungen wenden sich in erregtem Ton gegen die antisemitischen Provokationen. SgSL, POLEN billigst and bequem: nächste Abfahrt 12. Juli. Rückfahrt 4. August usw. Auskünfte erteilt Dr. S. Toeker Anmeld, im Reisebüro „In die Well*4 (W. N. Renner), IX„ Lieehtenttalnttr. 2 (beim Schottenring), Tel. A14-504 Sympathteadresse an den Jlschuw. Der Ring der Alte-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen in Wien hat die folgende Kundgebung beschlossen Der Rin? gedenkt in tiefer Trauer der jüdischen Männer und Frauen, die in Palästina für das jüdische Volk gefallen sind und regt die Eintragung ihrer Namen in das goldene Buch des Kerem Kajemeth gn. Der Ring spricht den Hinterbliebenen das herzlichste Beileid aus. Er übermittelt den Verwundeten und ihren Familien den Ausdruck seiner wärmsten Sympathie. Mit Stolz und Dank begrüßt der Ring die jüdische Jugend, die zum Schutz jüdischen Landes und jüdischer Arbeit sich unter die Waffen gestelllF'hat und in nimmermüder Treue auf der Wache steht für die Ehre des jüdischen Volkes. Der Ring erklärt, daß er ihnen nur danken kann durch werktätige Hilfe und durch die Versicherung, daß der Ring als Teil der zionistischen Weltorganisation mit aller Kraft an der Erreichung des jüdischen Endzieles mitzuarbeiten entschlossen ist. Der Ring hofft, daß alle Zionisten, dem Gebot der Zeit folgend, sich wieder bald unter einer Fahne sammeln und allen internen Streit fallen lassen werden, damit der Koalition unserer Feinde eine starke und einheitliche jüdische Front gegenübersteht, die ihr Recht auf Palästina entschlossen verteidigen wird. Allen Führern und Funktionären des Jlschuw, die in diesen schweren Stunden in der "Erfüllung ihrer Pflicht beispielgebend vorgegangen sind, spricht der Ring sein Vertrauen und seinen Dank aus. Er sendet aus der Galuth dem jüdischen Jischuw in Palästina den Gruß von vielen hunderten jüdischen Intellektuellen aus Österreich und versichert in ihrem Namen, daß wir mit unserem Herzen hei allen jenen sind, die in ihrem Mut und ihrem Selbstvertrauen auch in der härtesten Zeit nicht wanken. Wir teilen ihre Empörung und Entrüstung über das Versagen der Mandatsregierung und über deren Zweideutigkeit, die den unbegründeten Forderungen arabischer Effendis .das' in zwanzig Jahren äufgebaute. Kulturwerk der Juden,, dem sich in der Nachkriegszeit nichts an die- Seite stellen kann, ausliefern und: opfern will. An der Kraft des Jischuw und an dem Willen des jüdischen Volkes wird dieses Attentat scheitern. PENSION LEHNER mnon p pnntsS BAD-ISCHL, BRENNERSTRASSE 19 Streng rituelle Küche mit eigenem Schächter Großer schattiger Garten, schöne Baikone, Solbäder im Hause, erstklassige Küche PREIS VON 7 SCHILLING AUFWÄRTS Wiener Pressepolitik Im Nadhrichtenblatt der Ostmärkischeh Sturmscharen finden wir an Nummer 6 zwei Notizen, die sich mit Palästina beschäftigen. In der ersten wird erzählt, daß siich Juden und Araber so lieben wie Preußen unid Österreicher. Daraus wird der folgende Schluß gezogen: „Wenn nicht einmal die eigenen Artgenossen von derselben Völkerfamilie einander schmecken können, wie will man es dann * uns Ohristan verübeln, wenn wir diie Herren Niohtohristen in Presse, Literatur, Rundfunk nicht gerade freudig bewegt ans Herz drücken, sondern ihren Einfluß stärker einzudämmen versuchen.“ Darf man dies analog auch auf Preußen und Österreicher anwenden? In der zweiten Notiz wird der Presse vorgeworfen, daß sie der „rein interen jüdischen Angelegenheit“ zu viel Platz widmet und „mauschelt“. So zu lesen in der Monatsschau, die der Reichspressereferent Dr. Bernhard Birk zusamunenstellt. Der Mann hat keine Ahnung davon, daß das jüdische Palästina unter anderem auch ein guter Abnehmer österreichischer Waren ist Findet sich niemand in seinen Kreisen, der darauf aufmerksam macht, daß durch solches „Mausehein“ auch einmal Schaden gestiftet werden kann? Die Sensation ist der Steyr 50. Im Bestreben, den Schülern das Neueste und Beste zu bieten, haben die bekannten Neudegger Fahrschulen ihren Wagenpark durch Ankauf des 50er vergrößert. Die Fahrer des 50er werden gleich für ihren. 50er unterrichtet und eingefahren. Das Erlernen der gefürchteten Prüfungstechnik wird durch das im Lehrsaal am Stand laufende, die Innenmechanik in Funktion zeigende Lehrauto bedeutend erleichtert! N eudegger Fahrschulen, Wien, ’VJH., Neudeggergasse 18, Telephon B 46-5-73 und Inzersdorf (Niederösterr.). Minister Dr.KroSta Uber die Olympiade