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Die Stimme · 1936-07-02 · Heft 560 (2.7.1936) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 560 (2.7.1936)
Date
1936-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite n DIB STIMMfi Nr. 560 — Wien, Donnerstag, 2. Juli 1936 KM / : ■( TM-Lt * M3 i j?/ /i *, ■ ..»■ ** v * / *■' c i j&J J; | 4^« 0-xpy,.^j ^>w 1 ifä'i i f „/ i d1 n? fb‘ £L$ ■# 's»/-!(,J''£ c. j /> y ' /•■ y | // , / %CfLJ tks ’A^A ttv&A. W &;7. '! <Ci, ' ' ,,■■■—■ |?* i 0. /, £ / / V^i i’ I {. #',?V ■/Ui ■?7 - ■v , /■ ,, / ' c';/-. otfe fh’UM-t* ^■/'"■>■/A" - ■■ ■■• ' Of._Thti*rt«< Ht-r/,1 .... / y / / Diese /Carte wurde uns von Herrn Direktor Moriz Reichen feid zur Reproduktion zur Verfügung gestellt Dr. Henny Liechtenstein-Rappaport: Das Alte Testament in der Graphik „Nicht auf das ,Was‘, sondern auf das ,Wie‘ kommt es^ an“, meint Theodor Ehrenstein in dem Vorwort zu seinem neuesten Werk „Das Alte Testament in der Graph i k“. Nicht das Thema also ist das Merkmal für Axt und Qualität eines Werkes, sondern die Art seiner Behandlung. Zu dieser Erkenntnis gelangen wir fast auf allen Gebieten geistigen Schaffens, ob es sich um das religiöse Erlebnis handelt, um soziale Lebensformen oder Werke der Literatur. Und daß auf dem Gebiet der bildenden Kunst dieses Prinzip gleichfalls seine Geltung bewahrt, führt uns Ehrensteins Werk und die von ihm angewandte entwicklungsmäßig-ikonographisohe Methode besonders klar vor Augen. Sein monumentales ,Altes Testament im Bilde“ (1923) erfährt eine wertvolle Ergänzung durch das „Alte Testament in der Graphik“, dessen erste Lieferung mit den beiden ersten Kapiteln „Die Weltschöpfung“ und „Adam und Eva“ vor uns liegt. Ein schier unübersehbarer Schatz an Kunstwerken wird uns hier zugänglich gemacht. Es versteht sich von selbst, daß uns Ehrenstein nur eine Auswahl des vorhandenen Materials bieten konnte. Er ist dabei bemüht, neben den allgemein bekannten Hauptwerken auch solche heranzuziehen, die schwer zugänglich und wenig populär sind. Die Art der Zusammenstellung macht Ehrensteins Buch zu einem ungemein wichtigen Behelf für das Kunststudiura. Denn hier werden Kunstwerke gleichen Inhalts, jedoch von der Hand verschiedener Künstler, die verschiedenen Zeiten und verschiedenen Kunstrichtungen angehörten, in historisch geordneter Folge einander gegenübergestellt. Auf diese Weise gewinnt der Beschauer Einblick in Auffassung und Technik des Künstlers und lernt, ohne jede Unterweisung, einfach auf dem Wege der Anschauung und Vergleichung das eigentliche ,,Sehen“. Auf dieses Ziel weist der Verfasser in einem geistreichen und informativen Vorwort hin, das auch eine kurz gefaßte Übersicht über die historischen und künstlerischen Voraussetzungen der Graphik gibt. „Das Alte Testament in der Graphik“ behandelt einen ungleich kürzeren Zeitraum als „Das Alte Testament im Bilde“. Während nämlich das frühere Werk mit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert beginnt, kann das spätere nur die Zeit seit dem 15. Jahrhundert berücksichtigen, da wir die ersten Holzschnitte erst um die Mitte und die ersten Kupferstiche erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts finden. Dazu kommt noch, daß die religiösen Motive, somit auch die Erzählungen des Alten Testaments sich vor allem im Kunstschaffen des 15., 16. und 17. Jahrunderts einer allgemeinen Beliebtheit erfreuen, während später in der Graphik Genreszenen, landschaftliche und galante Sujets und besonders Porträts dominieren; daneben wurden allerdings auch Gemälde früherer Meister gestochen. Demgegenüber seht die Tatsache der überaus großen Produktivität einiger Meister, die oft mehrere Hunderte^ ja sogar bis 1000 Blätter geschaffen haben. tw t*. 12 HerzI über Sokoiow Das hier veröffentlichte, sehr interessante Manuskript ist eine Widmung Herzls für Sokoiow anläßlich seines 25jährigen Schriftsteller jubiläums. Ilerzl stellte dieses Manuskript für das „Sefer Hajowel“ dem Warschauer Rabbiner Dr. Samuel Poznanski zur Verfügung. Poznanski schenkte das Manuskript dem bekannten Warschauer Rechtsanwalt Dr. Josef Stawski. ://^7 V* ^OaA*,Ol^ *** A***** fast, Ta^cLe^ *** y r r X-*'" * f /«* * *4 obt*r /ZcU,Out~. TUJu.. ^*~e. , nwi-7-r <ti*. a »Ca*., ojU^ To ,^U t - T -rz*. AUi w luJH., SW * *C ftcuilt. t da** * 7^"^ v. j* fcu-MT WcuL»*. M &&** %'* (Aus der Autographensammhmg Dr. Josef Stawskis, mitgeteilt von Dr. Nussehblatt.) Ehrenstein führt uns eine große Reihe von Bibelbildern aus deutschen und französischen Inkunabeln vor, Schnitte, Stiche und Radierungen von Luka« C r a n a c h, Albreoht Dürer, Cbristofano Robetta, den deutschen ,JCleinmeister n“, Marcantonio Ra imondi, Lukas van Leyden, Holbein, Wenzel Hollar, Rembrandt bis zu Schnorr v. Carolafold, Gustave D o r 6, Lovis Corinth und Abel Pann. Sehr aufschlußreich ist u. a. ein Vergleich zwischen der Auffassung dreier Künstlergenorationen bei Behandlungen des gleichen Themas, wie uns dies die Darstellung Adams und Evas von Michel Wolgemut, dem Lehrer Albreoht Dürers, von diesem selbst und von dessen Schüler Hans Springinklee ermöglicht. Die vorliegende erste Lieferung des „Alten Testaments in der Graphik“ enthält hist hundert Abbildungen, zum größten Teil in den Originaldimensionen oder nur wenig verkleinert, mit kurzen Angaben über den Künstler und die Herkunft dea Werkes. Vorwort und Beschriftung sind in deutscher, englischer und französischer Sprache ab^efaßt, denn daa Buoh wendet sich auch an die kunstverständigen und mit der Bibel verbundenen Kreise Westeuropas. Es darf mit Befriedigung vermeerkt wrden, daß Ehrensteins Werk über die Grenzen Österreichs hinaus begeisterte Aufnahme in Holland, England und Frankreich gefunden hat und daß eine Persönlichkeit vom Range Campbell Dodgans sich äußerto, Ehronsteins Werk enthalte selbst für den Fachmann manch Überraschendes. Es sei hier noch auf einige kritische Bemerkungen von Rahol Wischnitzer-Berns f; e i n („Jüd. Rundschau“ vom 26. Mai 1936) hingewieson, die einer Erwiderumr bedürfen. Frau Wiichriitzer meint, daß dem Ihrtraeliter eine kunstkritische Unterweisung gegeben werden müsse. Nun kündigt ja Ehrenstein selbst in seinem Vorwort einen kunstkrltischen Kommentar im Rahmen der nächsten Lieferungen an, Aber abgesehen davon, erscheint uns das vorhandene Anschauungsmaterial viel wesentlicher und belehrender als langatmige Erklärungen, die nur wenig gelesen und verarbeitet werden. Es sind ja tatsächlich schon ganzo Bibliotheken mit Kunsterklärungen erschienen, dennoch stehen die meisten, auch gebildeten Laien diesen Dingen recht fremd gegenüber, weil meist mehr zum Lesen als zum Anschauen geboten wird. Wenn nun jemand es unternimmt, den umgekehrten Weg einzuschlagen, so ist dies sehr dankenswert. Worauf es hier ankommt, ist nicht die Theorie sondern das Erfassen des Schönen. Und das, was in Ehrensteins Werk geboten wird, ist, wie ein führendes Wiener Blatt schreibt, „ergreifend schön“. Was aber die von Frau Wisclwiilzer Eine Reminiszenz Nach Herzls Tad s©h»iie(b Karl Kraus in der „Fackel“: — ln einem nicht nur klagenden, sondern auch kläglichen Bericht über den Tod des Dr. Theodor Üerzl, in dem ganz zum Schluß erst und ganz schüchtern zugegeben wird, daß ihr Mitarbeiter auch Zionist war, stellt die „Neue Freie PresseV fest, daß sie ihn im Jahre 1891 zum Pariser Korrespondenten „ernannt“ hat. Ernannt! Ein Kaiserwort, das — unbezahlbar ist! Wir von Gottes Gnaden Herausgeber der „Neuen Freien Presse“ ...Im Ton eines Tempeldieners dagegen ist die folgende Stelle geschrieben: „Aus Familiengründen hatte er den Wunsch, Paris zu verlassen und seinen Aufenthalt wieder in Wien zu nehmen. Er wurde Redakteur unseres Feuilletons und kam in unmittelbaren Zusammenhang mit den Wiener Verhältnissen. Die Gründe, welche ihn zur Rückkehr nach Wien bewogen, waren so charakteristisch für seine ganze Persönlichkeit, daß sie in diesem schmerzlichen Augenblicke trotz ihrer privaten Natur erwähnt werden müssen. Dr. Herzl stand zu seinem Vater und zu seiner Mutter in einem ungewöhnlichem Verhältnis. Es war nicht die Liebe der Eltern zu einem wahrhaft prächtigen Sohn; es war auch nicht die Zuneigung eines Sohnes zu den Eltern. Es war mehr als das, etwas ganz Eigenartiges, das diese Gefühle zur höchsten Innigkeit und gegenseitigen Ergebenheit steigerte. Die Eltern, welche Um nach Paris begleitet und dort mit ihm gewohnt hatten, wollten nach Wien zurückkehren, und dieses Motiv hol auch Dr. Herzl bewogen, von Paris zurückzukehren Der Familiensinn, der bei der „Neuen Freien Presse“ zum Ausbruch kommt, so oft einer ihrer Setzer jubiliert oder einer ihrer Redakteure stirbt, hat sich diesmal mit geradezu verheerender Gewalt entladen. Sie scheint die Absicht zu haben, einige Wochen hindurch dem Leser überhaupt nichts anderes als den Wortlaut sämtlicher Kondolenzen mitzuteilen (die an die Redaktion gegangen sind, weil ihr als geistreicher Mann jetzt nur mehr der st—g übrig bleibt.) Sogar das Schreiben des Baurats Stiasny ist uns nicht vorenthalten geblieben. Man liest jetzt nichts als tausendmal hintereinander: „Empfangen Sie — —f‘ Soviel hat die „Neue Freie PressQ<e in vierzig Jahren volkswirtschaftlicher Tätigkeit nicht empfangen. In jedes jüdische Haus „Die Stimme" angeregte stärkere Berücksichtigung der jüdischen modernen Graphik anlangt, so darf diese, wenn man nach Ehrensteins früheren Werken urteilt, in den weiteren Lieferungen mit Bestimmtheit erwartet werden. Für uns Juden hat das Work Ehrensteins über seinen künstlerischen Wort hinaus auoh noch eine andere Bedeutung: ea erzählt die biblisohen Geschichten des Alten Testaments nochmals in schöner, klarer, beziehungsreicher Form, es ist eine Verherrlichung der Bibel, unserer Bibel. Ehrenstein bemüht sich auch, das moderne jüdische Element bewußt als solches zu kennzeichnen. So zum Beispiel sind die Werke Abel Pan ns nicht nur mehrfach vertreten, sondern auoh als „p a 1 e n s t i n e ns i s c h“ bezeichnet, Ehronsteins Werk sollte in keinem jüdischen flansn fohlen. (Preis der Lieferung 6 öaterr. Schilling.) i

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