Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 558 (23.6.1936)
- Date
- 1936-06-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 558 — Wien, Dienstag, 23. Juni 1936 Oll STIMM! Seit« 3 Fahrräder 1936 Nähmaschinen mn Teilzahlung cehtenatefnitr. 27 IV.Wledner llanntgtr. 8 erweitern. Die Jcwish Agency hat sich auch an fler Gesellschaft zur Intensivierung von öffentlichen Arbeiten „Bizur“ beteiligt. Sie hat ihrem Reservefonds in Höhe von 20.000 Pfund, mit dem die Bilanz für 5695 abschloß, den Betrag von 15.000 Pfund entnommen und ihn als Anteil des K. H. in der „Bizur“ investiert. Diese Investitionsgesellschaft ist vor nicht langer Zeit mit der Aufgabe gegründet worden, durch Gewährung von Krediten die Durchführung großer öffentlicher Arbeiten zu ermöglichen, um auf diese Weise Arbeitsmöglichkeit zu schaffen. Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt 50.000 Pfund. Das hebräische Schulwerk mit 343 Schulen (176 Kindeigärten, 154 Volksschulen u.nd 6 Mittelschulen, 4 Lehrerseminaren, 1 Handelsschule und 2 Handwerkerschulen), 39.701 Schülern und 1458 Lehrern wird seit enigen Jahren vom Waad Leumi, dem Jüdischen Nationalrat Palästinas, erhalten. Sein Schulbudget für das Jahr 5696 in Höhe von 300.000 Pfund wird durch eine Subvention der Jewish Agency in Höhe von 20.000 Pfund, durch eine Subvention der Regierung von 36.000, durch die Pica mit 5000 und durch Schulgelder und Subventionen des Jischuw von insgesamt 239.000 Pfund gedeckt. RICCIONE 3 WOCHEN herrlicher Sommeraufenthalt des „Brlth ZIon'Mn einer erstklassigen Pension, direkt am Meer gelegen. Aufenthalt mit reichlicher Verpflegung, Fahrt Wien— Riccione—Wien. inkl. Strand, Kabine, Bedienung usw. und eintägigem Aufenthalt In Venedig S 185*—. (Filr Nichtstudenten Bahnzuschlag S 10*—). Abfahrten nur am 18. u. 25. Juli, 1. u. 15. August nachts. — Anmeldungen und Auskünfte: Zion. Landesverband T., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-11; ..BrithZion" Prater, II., Stuwerstraße 1, Tel. R 40-1-86 L. Der Flüchtlings-Kongreß Paris, 20. Juni. (Priv.) Heute vormittags trat hier die Internationale Konferenz für Asylrecht und Flüchfcling.s fragen zusammen, zu der siich Politiker und Juristen aller an den Flüchtlingsproblemen interessierten Staaten und politischen Schattierungen zusammengefunden haben. Neben bürgerliche sind sozialistische Vertreter anwesend, neben katholischen Delegierten solche der jüdischen Hilfsaktionen. Viele französische Politiker und Juristen sandten Begrüßungsschreiben, namentlich die Minister Caillaux und Präsident Her r io t. Im Vordergrund der Beratungen standen die juristischen Fragen, über die der deutsche Anwalt Dr. Großmann ein eingehendes Referat erstattete. Die Rechtslage der Emigranten müsse geklärt werden, wie dies schon der frühere Flüchtlingskoinmissär James Macdonald verlangt hatte. Die Emigranten sollten ein legales Ansiedlungsrecht und die gesetzliche Erlaubnis zur Ergreifung von Gewerben sowie Arbeitserlaubnis erhalten, um wirtschaftlich nicht die Öffentlichkeit zu belasten. International sollen sie durch Sonnenscheins Hotel-Pension Franz Karl, Bad Ischl Pässe geschützt werden, ähnlich den Nansenpässen. Besonders sollten sie Schutz genießen gegen Auslieferungsbegehren ihrer ehemaligen Heimat. Aus politischen Gründen dürfen keine Auslieferungen stattfinden. Bei Auslieferung wegen angeblicher gemeiner Verbrechen müßten Garantien gegen den M i’ß b r a u c h der Auslieferung gefordert werden. Alle diese Forcierungen sollen dem Völkerbund unterbreitet werden. An das politische Referat schlossen sich eingehende Beratungen über die Wirtschaftslage derEmigranten, wobei die Vertreter der Akademiker, der Gewerbetreibenden, der Arbeiterschaft und der Hilfsorganisationen zu Worte kamen. Allgemein wurde gefordert, an die Stelle der allmählich versagenden Unterstützungen dauernde Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, nötigenfalls durch Auswanderung und Kolonisation. Schließlich sprach der ehemalige deutsche Minister des Innern Greszinski über eino Gesamtorganisation aller F1 ii c h 11 i n g e ohne Unterschied des Standes, des Berufes lind der Rasse. Nur eino solche Organisation werde das Interesse aller Flüchtlinge vor dem Völkerbund vertreten können, besonders in der Genfer Konferenz, die unter dem Vorsitze von Neill Malcolm Zusammentritten wird. Im besonderen Beratungen wurde speziell über die Verhältnisse der deutschen Emigranten gesprochen. Bei den jüdischen Waisen Der Anker, Allgemeine Versicherungs - Aktiengesell schaft, Wien. Inmitten von Gärten und Villen des 19. Bezirkes, am Fuße des Rahlcnberges, erhebt sich das schon von weitem sichtbare imposant» Gebäude des Waisenhauses für jüdische Knaben (Probusgasse 2—4), das im Jahre 1910 als „Kaiser-Franz-Josefs- Jubiläums - Knabenwaisenhaus“ gegründet wurde. Ich trete ein. Ein diensthabender Knab» hat mir das Tor geöffnet und führt mich in die Direktionskanzlei. In Begleitung des Direktors, Herrn Dr. Berthold Löwenf e Id, mache ich einen Rundgang durch das Haus, dessen lichte Räume und großer Garten eher den Eindruck eines Pensionates als eines Waisenhauses machen und das ganz und gar nicht den üblichen Vorstellungen entspricht, die wir mit dem Namen „Waisenhaus“ zu verbinden gewöhnt sind. Es ist Sonntag. Einige Knaben sind mit der Fertigstellung ihrer Schulaufgaben beschäftigt, andere wieder arbeiten im Garten, spielen Schach oder basteln. Sowohl die Arbeitsals auch die Schlafräume sind groß, bell und von einer peinlichen Sauberkeit. Der Ordnungsdienst wird von den Knaben selbst versehen und nur die schweren Arbeiten werden vom Personal verrichtet. Betten, Garderobekasten, Waschräume und Arbeits räume werden von den Kindern selbst in Ordnung gebracht und gehalten. Die Schuster werkstätte. In der Schusterwerkstatt» werden von den Kindern unter Leitung eines Meisters sämtliche Schuhreparaturen besorgt. Es ist ein erfreulicher Anblick, die Jungen mit ernstem Eifer bemüht zu sehen, ihre Schuh» wieder in gebrauchsfähigem Zustand zu bringen. Abgesehen von dem materiellen Effekt, wird äil&ii Bei der Gartenarbeit hier eine erzieherische Wirkung dadurch erzielt, daß die Kinder sich schon frühzeitig die Kenntnis eines Handwerks anedgnen und so ein Verhältnis zur manuellen Arbeit bekommen. Dom Hause ist auch ein Gemüse- und Blumengarten angeschlossen, in dem reichliche Arbeitsgelegenheit für die Kinder ist, und es zeigt sich schon frühzeitig, welche Kinder besondere Vorliebe für di» eine oder andere handwerkliche Betätigung haben. * Der „Vater“. Der Direktor wird „Vater“ angesprochen und dies ist nicht nur eine äußerliche Einführung, sondern der Ausdruck einer wirklichen väterlich-kindlichen Beziehung. Die Leitung einer solchen Anstalt erfordert nämlich nicht nur erzieherische Umsicht, sondern auch praktische Tüchtigkeit, besondere Liebe zu Kindern und vor allem völliges Aufgehen in diesem schweren Berufe. Alle diese Eigenschaften scheinen sich sowohl bei Direktor Doktor Löwenfeld als auch bei seiner Gemahlin, die die Wirtschaft leitet und sich um das körperliche Wohl der Jungen bemüht, in vollem Maße zu vereinigen. Das Aussehen der Kinder, die ich bei Spiel und Arbeit beobachten konnte, ist so erfrischend und gesund, daß dies das beste Zeugnis für Ernährung und Pflege dor Jungen ausstellt. Zwei junge Erzieher, ein Junglehrer und eino Kindergärtnerin sind die tatkräftigen Mitarbeiter der Leitung. Sonntags können di» Jungen ihre Angehörigen besuchen, und es wird besonderer Wert darauf gelegt, daß die Kinder in dauerndem Kontakt mit ihren Angehörigen bleiben. Das Einvernehmen der Leitung mit den Angehörigen ist auch stets das beste. Der Unterricht. Die Kinder können mit 6 Jahren ins Heim aufgenommen werden und verlassen dieses nach Beendigung des 14. Lebensjahres. Von den 68 Jungen besucht etwa die Hälfte die Volksschule und die andere Hälfte die Hauptschule, dementsprechend sind die Kinder auch in zwei Gruppen zusammengefaßt., die „Kleinen“ und die „Großen“. Die Schüler folg» sind weit über dem allgemeinen Durchschnitt gute, wozu neben der ständigen Überwachung der häuslichen Arbeiten und der Nachhilfe für Schwachbegabte Kinder auch das gute Einvernehmen zwischen den Schulen und dem Waisenhause sehr viel beiträgt. Nb Jüdische und religiöse Erziehung. Die Leitung ist bestrebt, die Kinder in jüdischem und religiösem Geiste zu erziehen und wird bei der Durchführung dieser wichtigen Auf- In der Schusterwerkstätte wmm gäbe von der Kultusgemeinde unterstützt. Di» Kultusgemeinde erhält im Hause einen zusätzlichen Unterricht in der hebräischen Sprach© und Religion unter der Leitung von Herrn Dr. O. J. Glaser, an dem alle Kinder teilnehmen. Alle jüdischen Feiertage und Fest© werden in entsprechender Weise gehalten und gefeiert. Aber auch im Leben des Alltags werden di» jüdischen Momente besonders betont und den Kindern bewußt gemacht. Der Sabbath wird in gewohnter Weise durch einen feierlichen Hausgottesdienst zu Sabbatheingang mit anschließender Aussprache über die Ereignisse des jüdischen Lebens und selbstverständlich durch Teilnahme am Jugendgottesdienst begangen. Zu den hohem Feiertagen werden im Haustempel öffentliche Gottesdienst© abgehalten, Beim Spiel " * * bei denen die Kinder die lifchurgischen Chorgesänge besorgen. Die Barmizwah-Feiern, die alljährlich gruppenweise im Stadttenipel stattfinden, gestalten sich zu einem wahrhaft festlichen Ereignis, an dom führende jüdisch© Persönlichkeiten Wiens teilnehmen. * In Jer am 17. Juni rl. J. unter dem Vorsitze des Herrn Finanzministers a. D. Dr. August Engel abgehaltenen G eneralversanimlung wurden die Schlußrechnungen für das Jahr 1935 genehmigt. Die Einnahmen an Prämien, Gebühren und Zinsen betragen S 27,004.627 07 gegen S 26,818.413-18 im Vorjahre. Die Gewährloistungismittel werden mit S 122,500.432-18 gegen S 113,704.623-80 im Vorjahre^ ausgewiesen. Der nach Dotierung der Sicherheitsreiserve verbleibende Reingewinn von S 144.661-68 wird auf neue Rechnung vorgetragen. E der Kinder bei leichteren Erkrankungen bemüht, schwerere Fälle werden an die Spitäler abgegeben. Eine sehr reichhaltige Jugendbibliothek, die von einem der älteren Jungen verwaltet wird, vermittelt diesen kleinen jüdischen Bürgern geistige Anregung und Zerstreuung. $ Die Lehrlingsfürsorge. Trotz der Ungunst der Zeit, die sieh insbesonders durch die geringe Einstellung von Lehrlingen auswirkt, konnten die Jungen bisher in dem von ihnen gewählten und von der Berufsberatung vorgeschlagenen Berufen untergebracht werden. Dieser große Dienst, den der Waisenveredn als Abschluß seiner Fürsorge den allstretenden Zöglingen leistet, ist nur durch die allseitige Hilfe möglich, die ihm bei der Lehrstellenvermittlung zuteil wird (außer von den Gönnern des Hauses auch vom „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis“). Die Kinder stammen aus den ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung Wiens und werden nur nach dem Grade der Bediirftigkeit aufgenommen. Welchen Wechsel es in ihrem Leben, sowohl in körperlicher als auch in psychischer Hinsicht bedeutet, wenn sie aas der Enge und Armut der häuslichen Verhältnisse in dieses Kinderparadies versetzt werden, vermag nur der T'Tifion'iö pnnisS BAD-ISCHL, BRENNERSTRASSE 19 Streng rituelle Küche mit eigenem Schächter Großer schattiger Garten, schöne Baikone, Solbäder Im Hause, erstklassige Küche | PREIS VON 7 SCHILLING AUFWÄRTS zu ermessen, der selbst einmal dieses Haus besucht hat. * Der „Waißenverein“. Die Institution wird vom „Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen in Wien“ („Waisenverein“) erhalten, dessen Vorstand unermüdlich um das Wohl der Waisenkinder und die finanzielle Erhaltuns* des Hauses bemüht ist. Der Waisenverein stellt unter der Patronanz der „B’n a i B’r i t h“- L o g e „W i e in“, deren ideell» und materielle Förderung er genießt. Das Waisenhaus wird durch die Kostbeiträge der Gemeinde Wien, durch Subvention der Kultusgemeinde und zum Großteil durch freiwillige Spenden erhalten. Durch die Ungunst der* Zeit wird es immer schwieriger, die für die Erhaltung eines so wichtigen und segensreichen Instituts notwendigen Beträge aufzubringen. In den letzten Jahren ist leider ein so bedeutender Ausfall an Spenden eiingetreten, daß der Bestand des Hauses ernstlich gefährdet erscheint. Es ist daher Ehrenpflicht der jüdischen Gemeinschaft Wiens, dieses Institut, das ein altes jüdisches Gebot: „Jathom atah hajitah oser“ („Den Waisen bist Du ein Helfer“) erfüllt, zu stützen und seinen Fortbestand sichern zu helfen. Dr. F. Pickholz. iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniiimiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniinniiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiro» Körperliche Ertüchtigung. Die körperliche Ertüchtigung der Jungen wird durch möglichst ausgiebigen Aufenthalt im Freien, sei es ima Garten, auf Ausflügen oder Spaziergängen gefördert. Im Sommer gehen die Kinder so oft als nur möglich in das Schwimmbad, in den Ferien sind sie den ganzen übrigen Tag bei Spiel und Sonnenbad im Garten, und im Winter betreiben sie auf dem eigenen Eislaufplatz den Adressenänderungen Wir bitten unsere Leser, uns ihre Urlaubsadressen rechtzeitig bekanntzugeben, damit auch loährend ihrer Abwesenheit von Wien keine Stockung in der Zustellung der „Stimme“ eintrete** Am besten werden solche Mitteilungen folgendermaßen formuliert: Adressenänderung: Name ...... bis- Urlaubsddressc: Schlittschuhsport. Der Gesundheitszustand der Kinder ist ein sehr guter, dor Hausarzt herige Adresse