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Die Stimme · 1936-06-19 · Heft 557 (19.6.1936) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 557 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 587 — Wien, Freitag, 10. Jon] 1086 MS fltMMI Salta 5 Der jüdische Wetikongveß Von Louis Roll In, Minister a. D., Deputierter der Stadt Paris. HdHINLIlFT - HÖHINSONNI Geblrgsklnderhelm Konradsgut 19SO m, ALOIN-MILCH, ALPIN-BUTTKR, erstklassige Verpflegung. Besondere Berücksichtigung echlecht essender Kuder, Helmarst, Spiel, Sport Gymnastik,Ferlalunterrlcht, Französisch. Englisch,Hebräisch. Auskünfte und Prospekte: SCHÜLEKHEIM STADTPARK, HI., Hansalgasse 6, Tel. B 54-9-88, Dr. B. ALDOR. XVu., Goldsohetdgasse 8, Tel. B 40-8-68. Zionismus und Aguda Jerusalem, 16. Juni (JTA.) In einer von den Leitungen des Miarachi und der Allgemeinen Zionisten Palästinas abgehaltenen gemeinsamen Sitzung wurde beschlossen, an den Präsidenten der Jewish Agency und der Zion. Organisation Dr. Chaim Weizm a n n ein Telegramm zu senden, um ihn in seiner politischen Arbeit zu ermutigen. In dem Telegramm wird die Notwendigkeit betont, trotz der gegenwärtigen L&iden und Schwierigkeiten die Ideale des Zionismus hochzuhalten. Die Beratung, an der auch Vertreter der Zion. Exekutive teilnahmen, galt der Bildung erweiterter politischer Komitees In London und Jerusalem. Diesen Komitees sollen auch Vertreter der Agudat Jisroel angehören. ' Ja lie Braunstein I Dr. JLipa H&nctel etnplehlen sich als Verm&hlte Haifa, im Mai 1936 Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten Polens Warschau, 16. Juni. (JTA.) In Anwesenheit von 423 Delegierten aus 280 Städten .wurde in Warschau die zweite Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten Polens eröffnet. Der Präsident des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten und Vizepräsident des Aktionskomitees Dr. Schwarzbart hielt ein Referat. „Die Lage“, sagte Schwarzbart, ^ist ernst, aber wir werden ihrer Herr werden. Die Exekutive steht während der ganzen Zeit der Unruhen in Palästina auf der Höhe ihrer Aufgaben und führt eine feste und kluge Politik; der Plan des Legislative Council wurde in den Hintergrund gedrängt, die Einwanderung wird fortgesetzt. Dr. Weizmann hat unsere negative Stellung gegenüber der geplanten Entsendung einer Royal Commission öffentlich kundgetan.“ . Es folgten Referate von Ing. Thon über die wirtschaftlichen Probleme des Palästina- Aufbaues, Apenszlak schilderte die letzten Ereignisse in Polen, Adv. Dr. Tenenba um referierte über Organisation. Es sprachen dann Dr. Szmorak, der mehr Zertifikate für Polen verlangte, Deputierter Dr. G 0111 i e b, der die polnische Regierung anklagte, daß sie nichts Durchgreifendes gegen die antijüdischen Exzesse unternimmt. Nach der Rede Dr. Gottliebs erhoben sich die Delegierten und die Gäste zur Ehrung cles Andenkens der, jüdischen Märtyrer in Polen. Ihrer lieben Kollegin Julie Braunstein, Haifa gratuliert herzlidist anläßlidi ihrer Vermählung mit Herrn 'Dr. Lipa Händel, Haifa die Beamtensdiaft der Wiener Zion. Büros Die Beschlüsse Warschau, 17. Juni. (JTA.) Die zweite Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten (Gruppe Weltverband) Polens faßte eine Reihe Beschlüsse betreffend die Lage in Palästina. Es wird gegen die wenig klare und energische Haltung der Mandatarmacht gegenüber den jetzigen Ereignissen in Palästina protestiert, der Rücktritt des High Commis8ioner Sir Arthur Wauchope und die Schaffung bewaffneter jüdischer Formationen im Einverständnis mit der Mandatarmacht gefordert. Dem Jiscbuw wird für seine Haltung Bewunderung gezollt, die Exekutive der Jewish Agency wird aufgefordert, den Kampf um das jüdische Recht auf Palästina hartnäckiger als bisher fortzusetzen. Die Konferenz protestierte auch gegen die Politik der Depossedierung der Juden in Polen. Eis wurde ein Zentralkomitee mit Präsident L. Levite, Abg. Dt. GottHeb, Abg. Doktor Sommerstein und Dr. Rosmarin an der Spitze gewählt. Die Zweckmäßigkeit oder besser die Notwendigkeit des jüdischen Weltkongresses ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur allzu deutlich. Die Teilnehmer an diesem Kongreß werden von einem gemeinsamen Gedanken und von einem gemeinsamen Willen beseelt sein: die Rechte der Gewissensfreiheit zu proklamieren und den festen Entschluß, sie nicht verjähren zu lassen. Wer hätte sich träumen lassen, daß in unserem Jahrhundert, da der menschliche Geist so große Triumphe gefeiert hat, die heftigsten und wildesten antisemitischen Verfolgungen uns das Schauspiel eines Rückschrittes der Menschheit bieten würden? Denn was sehen wir? Der Einzelne wird geopfert, die Menschenwürde mit Füßen getreten. Menschen werden trotz ihrer Verdienste, ihres Wissens, ihrer Kultur, ihrer Bildung gehetzt, gejagt, verfolgt, und diese Verfolgung dringt vor bis in ihre Seelen, verwüstet ihre Körper, raubt ihnen Gut und . Herd, verbannt sie aus der nationalen Gemeinschaft, der sie bisher angehörten. Und warum? Sind sie eines Verbrechens oder eines EÜnzel- oder Kollektivvergehens angeklagt? Niqht im geringsten. Sind sie irgendeiner Verschwörung, eines Komplotts oder Attentats gegep die Sicherheit des Staates verdächtig? Erst recht nicht Ihr Verbrechen—- denn man behandelt sie wie Verbrecher! — besteht in ihrem Ursprung, in ihrer Geburt, in ihrem Glauben: Rassen- oder Religionsverbrechen... Und darin gerade besteht die Beschimpfung, die Gotteslästerung wider den Geist, der gemeine und unvorstellbare Rückschritt des Denkens und der Kultur. Unter diesen Ausbrüchen des gereizten Lord Robert Cedi, Viscount of Chelwood, ehemaliges Mitglied des englischen Kabinetts, Ehrenpräsident der britischen Völkerbund-Union: Ich bin sehr interessiert an Ihrem geplantem, Jüdischen Weltkongreß,'der &n August 1936 in Genf zusammentreten wird, und ick vertraue darauf, daß er ein großer Erfolg werden wird. Es ist sicher, daß das Gewissen der Menschheit einer neuen Anregung bedarf, um sich gegen die verheerende und nicht zu verteidigende Verfolgung der Juden zu erheben, die jetzt im Gange ist. Mit allen guten Wünschen bin ich der Ihre (gez.) CECIL. KURHÄUSER HflLTEHLEUTGEBEH fl. G. CHEFARZT PROF. DR. ALOIS STRASSER Sämtliche Kuren und Diäten. Idealer Aufenthalt für Kranke und Erholungsbedürftige. Auskünfte: Kaltenleutgeben, Tel. Nr. 8, nachmittags: Stadtbüro, Tel. Nr. U 45-4-34 Warschau, 15. Juni (JTA.) Eine jüdische Abordnung, bestehend aus Oberrabbiner Senator Prof. S c h 0 r r, dem ehern. Senator Raphael Szereszowski, dem Vorsitzenden der Warschauer jüdischen Gemeinde Elijahu Mazur, Richter Fryde und Red. Wolkowicz, wurde von dem Warschauer Wojwoden Joraszowicz empfangen. Der Wojwode genehmigte die Durchführung einer großen öffentlichen Sammlung zugunsten der Opfer von Minsk-Mazowieck. Ferner berichtete die Abordnung über Angriffe, die in der Hauptstadt selbst von Nationaldemokraten auf Juden planmäßig verübt werden. Der Wojwode erklärte, die jüdische Bevölkerung könne beruhigt sein; er werde jeden Versuch von Ausschreitungen in Warschau ira Keime ersticken. Inzwischen treffen alarmierende Nachrichten aus den Städtchen in der Umgebung von Minsk-Mazowieck, wie Dobra, Szenica, Stanislawow, Mrczy usw. ein, Überfälle auf Juden mehren sich in diesen Ortschaften. Die Juden haben zum Teil aus Furcht die Ortschaften verlassen. Die verschlossenen Türen und Fensterläden wurden in der Nacht aufgerissen. Die angesichts dieser Exzesse machtlose Ortspolizei hat Verstärkung aus Warschau erbeten. Aus dem Städtchen 0 z 0 r k 0 w bei Lodz wird gemeldet, daß derjüdische Ortsfriedhof geschändet und zwölf Grabsteine zertrümmert wurden. In dem Dort Adamow bei Lukow wurde ein von Juden bewohntes Haus in Brand gesteckt. Es gelang, da.« Feuer zu lokalisieren und die benachbarten jüdischen Häuser zu retten. und überspannten Nationalismus verbirgt sich in der Tat nur schlecht das Erwachen der niedrigsten Instinkte, das eindeutige Wiederauftauchen des heidnischen Staatebegriffes, in dem der Staat eine ungeheuerliche Einheit, eine Art Gottheit, e i n grauenhafter Moloch ist, dem alles geopfert werden, vor dem sich alles beugen muß, und der dergestalt alle Sklaverei und alle Knechtschaft zu rechtfertigen vermeint. Da ist der Staat, entgegen der Auffassung der Kulturstaaten, keine Einrichtung zum Schutze, zum Fortschritt und zur Förderung des Individuums mehr, sondern ein Zweck an sich, dem gegenüber das Individuum nur noch ein einfaches und unbedeutendes Mittel Ist, über das er bedingungs- und hemmungslos verfügen darf, da er ja a priori niemals Mißbrauch damit treiben kann! In diesem Staate gibt es keine brüderlichen Beziehungen zwischen den Menschen mehr, ohne Unterschied ihrer Geburt, ihrer Farbe oder ihres Glaubensbekenntnisses: die erhabene Brüderlichkeit, die auf der Gemeinsamkeit von Herkunft und Schicksal, auf der Grundgleichheit an der Schwelle des Lebens und an der Pforte des Todes, auf der Vergeistigung und großen Würde des Menschen beruht, wird vom scharfen Schwert dieses brutalen Machtregimes einfach unterdrückt. Deswegen wird durch die antisemitischen Verfolgungen die Zivilisation selbst getroffen, und zwar in ihren höchsten und. wesentlichen Ausdrücken: in der Gewissensfreiheit, in der Gedankenfreiheit! Diese Errungenschaften sind bedroht, und deswegen muß das Weltgewissen diese Vorgänge einstimmig verurteilen. französischer Außenminister, früherer Justizminister: Ich . bin leider durcfi, meine Arbeiten sp ■mßstordeutlich, in Anspruch genommen, daß ich nicht die notwendige Muße finde, 'Ihnen eine Erklärung zit dem Jüdischen Weltkongreß, der im August in Genf stattfindet, abzugeben. Ich brauche Ihnen jedoch nicht zu sagen, daß ich dieser großen Kundgebung vom Herzen vollen Erfolg wünsche. Maitre C. Camplnchi, Deputierter von Korsika, Chef der Radikal- Sozialistischen Partei in Frankreich: Dip Juden der Welt haben recht,' sich gegen die Barbarei, die sie wieder einmal bedroht, zu vereinigen, und alle Menschen von Herz müssen mit ihnen sein. Drei jüdische Familien sind obdachlos geworden. In Wawer bei Warschau überfielen Banditen den von der Andacht in der Synagoge zurückkehrenden 80jährigen Mordeebai Lenkowicki und rissen ihm den Bart aus. Schwer blutend schleppte sich der Greis zur Synagoge, wo ihm erste Hilfe geleistet wurde. Der Schneider Mordechai Mendel Judenlender in Wawer wurde so zugerichtet, daß er in das Hospital nach Rembertow überführt werden mußte. Eine Bande überfiel die jüdische Kinderkolonie in Rzelonka bei Warschau und schlug in dem Gebäude 200 Scheiben ein. Die verängstigten Kinder konnten von dem Personal geschützt werden. Eine Provokation derPoInlsdien Telegraphen-Asentur Warschau, 15. Juni. (JTA.) Die offizielle Polnische Telegraphen-Agentur (PAT.) übermittelte der Presse die provokatorisch wirkende Nachricht, daß drei Kommunisten in der Bielanska-Straße in Warschau der Christin Marja Kleniewska das Bild der Heiligen Mutter aus den Händen rissen, ee zerrissen und mit Füßen traten. Spät nachts ersuchte PAT. die Zeitungsredaktionen telephonisch, diese Nachricht zu stornieren; dies geschah aber zu einem Zeitpunkt, wo der PAT-Redaktion bekannt sein mußte, daß eine gewisse Presse von der Nachricht bereits in einem ihr genehmen Sinne Gebrauch gemacht hat. Der tatsächliche Verlauf des Zwischenfalls war folgender^ NM einer Vorlesung Jabo* Weitere Erklärungen führender Politiker Yvoti Delbos. Jüdische Führer beim Wojwoden von Warschau Jüdisches Kinder - Ferienheim »ATID« m Spital am Semmering (820 m) für 6- bis 16-jähris* Inhaber u. püdagog. Leiter A. Taglicht Modernes, gepflegtes Heim, ständige ärztliche Aufsicht, Sport, Gymnastik, Schwimmen, eigene Bibliothek, Heimkino, vorzügliche rituelle Verpflegung, Mattu. Diätkuren. Fremdsprachige Konversationsgruppen. Anmeldung, Prospekte, Photos usw. im Wlensr Sekretariats, IX* Schwsrzepanlsrstr. 12/3, Tel. A 28-3-71 tinskys im Theater „Nowoszczi“ kam es in der Bielanska-Straße zu einer Schlägerei zwischen Zionisten, Revisionisten und Poale-Zionisten. Als Polizei sich näherte, flüchteten beide kämpfenden Gruppen, wobei in dem entstandenen Wirrwarr die Christin Marja Kleniewska einen unbeabsichtigten Stoß bekam und etwas, das sie in Papier eingewickelt hielt, zu Boden fallen ließ. In dem Paket mag sich ein Heiligenbild befunden haben, wovon aber niemand eine Ahnung gehabt hat. Dies wurde durch die Polizeiuntersuehung einwandfrei festgestellt. Herz- und Frauenheilbad uuManiani Tatzmannsdorf Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäure-Sprudelbäder. Zeitgemäße Pensionspreise. Auskünfte u. Prospekte b. d. Kurdirektion o. b. d. Generalvertretung,Wien, I.,Kohlmarkt f, Tel. U-25-104. — Moorpackungen, Moor- 'xompreasen in allen Apotheken erhältlich. £eset* Sie den Artikel „Hackte Tatsachen“ in dieser Nummer der „Stimme“ — und überlegen Sie steh folgendes: Solche Berichte, die zeigen, was in Palästina tatsächlich vorgeht und warum das Land nicht zur Ruhe kommt, erscheinen nur in der zionistischen Presse. Daß sie aber erscheinen, ist eine unbedingte Notwendigkeit. Wir müssen aussprechen, wir müssen es mit allem Nachdruck immer und immer wieder sagen, was mit uns geschieht! Helfen Sie, daß die zionistische Presse groß und stark werde. Verbreiten- Sie unsere " ZeUuhgt - Wenn"$ie ~ nicht unter*' denen sind, die uns schon einen neuen Abonnenten gebracht haben, so füllen Sie. die Besteükarte, die Sie mit einer unserer letzten Nummern erhalten haben, noch heutd aus und werfen Sie sie ohne Marke in den Briefkasten! Sonnenscheins Hotel-Pension Franz Karl, Bad Ischl Botschafter Nikolaus Dumha Der außerordentliche Botschafter und bevollmächtigte Minister Nikolaus D u m b a feiert seinen achtzigsten Geburtstag. Dumba ist einer der eifrigsten Vertreter der Völkerbundidee. Als Präsident der österreichischen Völkerbundliga arbeitet. er mit Energie und Erfolg an der Verbreitung des großen Gedankens der Solidarität der Nationen. Der Zionismus beglückwünscht in ihm auch den warmen Freund, der Idee des Aufbaus des jüdischen Nationalheims in Palästina, für die er sich immer aktiv und warm eingesetzt hat. itmiiMmtimtiitiiiimiiiiiiiiiiiiimtiiimiiiiiiinniiiiiiniiiiiiuitniniiiiiiiiinimnimiumiiiiiiiiiiiiuiip nirois wo *n 13TiTTD 3Tm Palestine Die Juden in Palästina schicken jetzt ihren im Ausland lebenden Verwandten und Freunden solche Klebezettel mit ihren Adressen. Alles ist hebräisch außer dem Wort „Palestine“. Wenn alle Postsendungen mit hebräischen Adressen in Palästina ankommen, wird man doch mehr jüdische Postbeamte anstellen müssen. Die Postbehörden aller Länder befördern anstandslos Sendungen mit solchen Adressen. Bei der österreichischen Postbehörde haben wir noch besonders angefragt. Wir haben eine bejahttuds 'AxtspoTt erhalten.

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