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Die Stimme · 1936-06-19 · Heft 557 (19.6.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 557 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. BOT — Wien, Freitag, 18. Jtml 1986 •M» 4 Verlautbarung. I r Dbs Zionistisch« LMdctkofüit«« bat in edner an 15. Juni stattgeftmdenen Sitzung bttthloeeen: 1. Folgende Harren werden in Sinne des Beschlusses des 19. Zionistenkongresses be* treffend die statistische Disziplin in ihren zionistischen Rechten suspendiert: Oskar Btnrian, Dr. Leo Harsberg, Salo* non Saphier, Dlpl.-Kaufmann Ernst StiaBoy, Eduard Weiniger, Benno Deutsch, Alfred May, Otto Schaffer, Dr. Erwin StrauB, Alfred Winzer, Julius Zelnik, Richard Oänsler, Robert Politzer, Dr. Heinrich Sokal, Dir. Gereon Wittlln. 2. Den Herren Dr. Leo Kurzberg und Dir. Gereon Wittlin wird aus den gleichen Grunde die Ausübung ihrer Mandate als Mit glieder des Ausschusses der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt eingestellt. Zionistischer Landesverband für Österreich Dr. Berger m. p. Dr, Grflnbaum m. p. 2uc /sSiuUeüffcbU" Der Zionistische Landesverband für Österreich bat an den Bund jüdischer Frontsoldaten folgendes Schreiben g richtet: Wien, am 15. Juni 1936. An den Bund jüdischer Frontsoldaten Wien, L, i * Brünne« traße 2. Wir erhielt«! Ihr Zirkularschreiben vom 26. Hai 1936, in dessen Beantwortung wir Urnen folgendes mitteilen: Wir können bei der Stellungnahme m der an uns gerichteten Aufforderung uns an der Bildung einer Einheitsfront für die Kultußgememdewahlen zu beteiligen, die von Ihnen am 28. Mai 1936 beschlossene Statutenänderung nicht unberücksichtigt lassen, durch welche die seit längerem zu beobachtende Entwicklung Ihres Bundes aus einem un politischen, kameradschaftlichen Verband at einer politischen Organisation nunmehr auch nach anßenhin sichtbar und erkenntlich geworden ist. Bei der beschlossenen statutarischen Zielsetzung Ihrer Organisation, die mit dem von Ihrem Bundesführerstellvertreter, Herrn Stiaßny, bei dem Appell im Zirkus Benz verkündeten Totalitätsanspruch des Bundes für den jüdischen Lebensbereich in Österreich in Übereinstimmung steht, haben Sie aufgehört, eine unpolitische Organisation zu sein, tmd es ist erklärlich, daß auch in dem (Verhältnis, unserer Organisation zu Ihnen eine Änderung eingetreten ist. Um keine Unklarheit bestehen zu lassen, stellen wir fest, daß Ihr Verhalten zu dem Konflikt in der Kuttusgemeinde nach unserer Ansicht den Pflichten einer überparteilichen Organisation, als die Sie sich zu jener Zeit noch ausgaben, keineswegs entsprochen und in den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen weitgehendste Mißstimmung hervorgerufen hat. Es wird daher auch verständlich sein, daß wir schon aus diesem Grund zu der von Ihnen eingeleiteten Einigungsaktion nicht das notwendige Vertrauen haben. Wir sind aber auch sonst nicht davon überzeugt, daß der B. J. F., der für sich das Recht in Anspruch nimmt, die einzige jüdische Organisation Österreichs zu sein, die das Recht der jüdischpolitischen Willensbildung und Führung der Juden Österreichs haben soll, der berufene und geeignete Initiator für Einigkeitsbestrebungen im österreichischen Judentum sein kann. Unser mangelndes Zutrauen zu der von Ihnen eingeleiteten Aktion soll jedoch keineswegs als grundsätzliche Ablehnung von Einigungsbestrebungen gedeutet werden. Auch wir würden eine Einigung der jüdischen Gruppen auf einer tauglichen Plattform begrüßen und verweisen Sie diesbezüglich auf die folgenden Ausführungen dieses Schreibens. In der Sache selbst bemerken wir Ihnen folgendes: Ihre Richtlinien besagen: 1. Bekenntnis zu einem selbstbewußten Judentum nach Abstammung und Glauben. 2. Bekenntnis zu einem freien und unabhängigen Österreich als Vaterland. 3. Ausübung der Tätigkeit des neuen Kultusvorstandes im Sinne dieser beiden Bekenntnisse. 4. Gemeinsame Abwehr aller Angriffe auf Juden und Judentum. Diese Richtlinien enthalten einerseits nur Selbstverständlichkeiten, anderseits stad fik j& .ifattB ml in ihrer durch die Erfahrungen der letzten vierzig Jahre jüdischer Geschichte unbeeinflußten Fassung ungeeignet, die programmatische Basis für die Verwaltung der Kultusgemeinde zu bilden. Wir vermissen zunächst ein Bekenntnis zum jüdischen Volk, das heute, wenn man von den Naumann-Juden absieht, für die erdrückende Mehrheit der Juden eine Selbstverständlichkeit ist. Wir vermissen weiter jeden Hinweis darauf, daß es eine der wichtigsten Aufgaben der Kultusgemeinde sein muß, die Pflege der jüdischen Religion zu fördern und die jüdische Jugend religiös-sittlich zu erziehen. Wir vermissen ebenso unsere weitere programmatische Forderung, daß es die Aufgabe der Jüdischen Gemeinde sein muß, nicht nur das rituelle, sondern auch das kulturelle, soziale und wirtschaftliche Leben der Gemeindeangehörigen zu fördern. Wir vermissen jeden Hinweis auf die Notwendigkeit, für die Durchsetzung der uns in der Verfassung gewährleisteten Gleichberechtigung einzutreten. Die Formel „Gemeinsame Abwehr aller Angriffe auf'Juden und Judentum“ ist an sich eine Selbstverständlichkeit, ohne ein konstruktives jüdisch-politisches Programm aber, das wir nur in der zionistischen Idee sehen, nichts als ein Bekenntnis zu dem Programm der Assimilation, die glaubte, durch Vereine zur Abwehr des Antisemitismus den Antisemitismus bekämpfen zu können. Die Nutzlosigkeit einer derartigen Politik ist durch den Zu sammenbruch des assimilatorischen Ju dentums in Deutschland wohl zur Genüge erhärtet worden. — Das von Ihnen in Ihrem Zirkularschreiben verlangte „Be kenntnis zu einem freien und unabhäng gen Österreich als Vaterland“ erscheint uns ebenfalls als Selbstverständlichkeit da es subversive jüdische Tendenzen gegen den Staat in Österreich nicht gibt Dieser von Ihnen aufgestellte Programm punkt könnte daher durch seine Formu lierung zu ebenso unrichtigen wie ge fährlichen Deutungen Anlaß geben. Wir vermissen aber vor allem jeden Hinweis auf die heute von der großen Mehrheit des jüdischen Volkes erkannte Pflicht, an der Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina mitzuarbeiten. Dies um so mehr, als immer weitere nichtzionistische Kreise durch ihre Mitarbeit in der Jewish Agency den Beweis dafür liefern, daß die zio nistische Aufbauarbeit die Plattform ist auf der Einigungsbestrebungen im Judentum mit Aussicht auf Erfolg geführt werden können. Das sind im wesentlichen die Gründe die es uns unmöglich machen, der Bildung einer Einheitsfront nach den von Ihnen propagierten „Richtlinien“ näherzutreten. Wir sind hiezu um so weniger in der Lage, als Ihre Aktion zwangsläufig zu einer weiteren Zersplitterung im jüdischen Lager führen müßte. Mit Zionsgruß hochachtungsvoll Zionistischer Landesverband für Österreich Dr. Berger m. p. Dr. Grünbaum m. p. Fröhlicher Ferienaufenthalt im Gebirge (800 m) für Kinder von 3 bis 14 Jahren. Unter bestbewährter pädagogischer Leitung. Höchstzahl 15. Fünf reichliche Mahlzeiten. Ffeis S 4’—. Gusti Finali» Lid Reiter, HI., Gensaug. 46. B 57-2-48. 10 Jahre Jung-WIZO Im Mai 1936 feierte die Jung-WIZO des Kontinents das zehnte Jahresfest ihrer Gründung. Am 23. Mai 1926 wurde in Breslau von den zionistischen Mädohengruppen Wien und Breslau und deren Leiterinnen, Frau Marie P o 11 a k und Frau Edith Lachimann, der „Kon tinentalbund Zionistischer Mädchenvere i n i g u n g e n“ ins Leben gerufen, der im Jahre 1932, respektive 1933 als „J u n g- WIZO für Mittel- und Ost europa“ unter fler Führung von Frau Marie Pollak de? WIZO - Organisation beitrat. ♦ Wenn auch dieser Zeitraum im großen Geschehen der jüdischen Gemeinschaft kurz ist und wenn die Leistungen unserer Bewegung gemessen an den Problemen der Gegenwart klein erscheinen mögen, so bat die Jung-WIZO dennoch in ihrer Art und gemäß ihren Möglichkeiten dazu beigetragen, die weibliche Jugend in den Ländern Mittel- und Osteuropas im Sinn des bewußten Judentums und des Aufbaus von Erez Israel zu erziehen, so daß sie heute, nach zehn Jahren, mit Befriedigung auf das Geleistete blicken darf. Dieser Rückblick aber soll zugleich auch zeigen, was noch zu leisten ist, was verbessert, was neu geschaffen werden muß, und soll Ansporn zu weiterer Arbeit für unsere Idee und Bewegung sein. * Die Jung-WIZO des Kontinents umfaßt Gruppen in der Tschechoslowakei, Deutschand, Jugoslawien, Lettland, Österreich, Polen und Rumänien und eine Reihe von Einzelgruppen in verschiedenen anderen Staaten. Die Gruppen der einzelnen Länder Bind zu Kreisen mit eigenen Kreis- und Landesleitungen zusammengefaßt; alle diese Kreise und Gruppen unterstehen der Zentrale iür die Jung-WIZO Mittel- und Osteuropas, die ihren Sitz in Wien hat; diese Zentrale untersteht nun ihrerseits dem Jugend- Departement bei der WIZO-Exekutive in ^ondon. Die Wiener Zentrale vertritt also die gesamte Jung-WIZO des Kontinents sowohl dM ttU/V imh mmWiwi sehen Stellen gegenüber. Diese Funktion tritt besonders stark bei Klärung all jener Fragen in den Vordergrund, die mit der Hachscharab und Alijah der Jung- WIZO in Zusammenhang stehen. Aber auch die Propaganda- und Kulturarbeit der Jung-WIZO wird zum großen Teil von der Wiener Zentrale geleistet. So zum Beispiel gibt die Wiener Zentrale, im Einvernehmen und mit Hilfe des Jung-WIZO- Departements der Londoner WIZO-Exekutive, eine ' eigene Monatsschrift „Jung-WIZO“ heraus, die an die Jung- WIZO-Gruppen aller Länder zur Versendung gelangt. Diese Zeitschrift bildet das gemeinsame Sprachorgan der Jung-WIZO, sie vermittelt Nachrichten aus allen Ländern und behandelt die verschiedenen ideologischen und organisatorischen Probleme der Jung- WIZO, darüber hinaus aber bringt sie in Form von Referaten und Aufsätzen Information»- und Lernmaterial, Anregungen und Anleitungen für die Abhaltung der Heimabende und die praktische Tätigkeit der Gruppen. Die Wiener Zentrale steht in engstem brieflichen Kontakt mit allen Kreisleitungen und vielen Einzelgruppen und gewinnt auf diese Weise Einblick in die Arbeit, die Entwicklung und die Bedürfnisse der Jung-WIZO. Selbstverständlich muß dieser briefliche Kontakt nach Möglichkeit auch durch persönliche Fühlungnahme ergänzt werden. Leider stößt die Durchführung von Propagandareisen und Troffahrten In den letzten Jahren auf verschiedene Schwierigkeiten. Dennoch wurden im vergangenen Arbeitsjahr einige größere Tagungen der tschechoslowakischen, jugoslawischen und polnischen Jung-WIZO veranstaltet, an denen auch eine Vertreterin der Wiener Zentrale teilnahm. Im Sommer finden alljährlich Siedlungen mit Schulungskursen statt. Für den August 1936 ist eine Sommerschule in der Hohen Tatra in Aussicht genommen. Die Siedlung findet in Stubnanske-Teplico gemeinsam mit der XtttaitiKfcganfeation statt, so daß unsere GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNHEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TElEPHONNUWMSH A 17-8-09 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen t. n^s-Fleisdt unter Aufsicht de« Ehrwürdigen Rabblnatsder Israelitischen Kultuagemelnde Wien Autozustellung kostenlos lX.,Berggaese 15, XVIII.,Währingeretraße 71 Mädchen nicht nur Gelegenheit zur Erholung, sondern auch die Möglichkeit zur Vertiefung ihrer Hebräisch-Kenntnisse und Heranbildung zu Führerinnen der Jung-WIZO haben werden. (Nähere Auskünfte durch Jung-WIZO-Zentrale, Wien, I., Jordan* gasse 7.) Dr. Henny Lichtenstein-Rappaport, Die WIZO-Exkursion in die Mädcfien-Hachscharah Lainz Unter den Arbeitsgebieten, deren Pflege sich die WIZO Österreichs angelegen sein läßt, kommt der Mädchen-Hachsoharah besondere Bedeutung zu. Bekanntlich besteht seit dem vorigen Jahr ein Mädchen-Kibbuz in Lainz, der auch heuer seit Anfang April seine Tätigkeit aufgenommen hat. Die Arbeit ist gegenwärtig in vollem Gange, wovon sich eine von der Wizo veranstaltete Exkursion durch den Augenschein überzeugen konnte. Am 4. Juni fuhren zwei Autobusse^ mit WIZO-Frauen nach Lainz." Eine Besichtigung der Wohn- und * Schlafräume hinterließ den allerbesten Eindruck. Überall herreobte peinliche Sauberkeit und Ordnung, wie sie nur sorgsam pflegende Frauenhände zu schaffen vermögen. Aus einer einfachen Baracke , machten die Mädchen der Hachsoharah eine trauliche, gemütliche Wohnstätte. Die bescheidenen, aber geschmackvollen Möbel sind von unseren Gönnern und Freunden gestiftet worden. Die kleine nette Küche wird abwechselnd von zwei Mädchen betreut, welche für die Zubereitung der einfachen, aber nahrhaften Kost für die Schülerinnen sorgen. Die Mädchen, die in dieser Hachsoharah ihre Ausbildung für Palästina erhalten, werden in Garten- und Gemüsebau geschult, außerdem sorgt ein geschulter Gärtner für ihre Unterweisung in der Blumenzucht. Ferner erlernen die Mädchen alle Zweige der Hauswirtschaft, so insbesondere den Großküchenbetrieb, häusliches Nähen und Handfertigkeiten aller Art. Die Besucherinnen hatten Gelegenheit, die Mädchen bei allen diesen Arbeiten zu beobachten und ihren Arbeitseifer sowie die Begeisterung für das ihnen gesetzte, Ziel festzustellen. Die Leiterin der Mädchen-Haohscbarah der WIZO, Frau Berta Berger, begrüßte die erschienenen WIZO-Frauen und dankte ihnen für die Mithilfe am Zustandekommen und Wedterftihren dieses großzügigen Werkes. Sie verwies darauf, daß ihre Schützlinge nicht nur als praktisch geschulte Pionierinnen noch Palästina gehen werden, sondern daß ihnen auch von einem Palästinenser die Kenntnis der hebräischen Sprache vermittelt wird, und so die Voraussetzung für ihr gutes Fortkommen in Erez Israel gegeben erscheint. Die Pflege der Paläßhinakunde und jüdischen Geschichte vermitteln den Mädchen noch kulturelle Werte größter Bedeutung. Namens der Besucherinnen und der WIZO dankte Frau Sabine Weiß für das Gebotene und beglückwünschte Frau Berger zu den Erfolgen ihrer opferfreudigen Arbeit. Die Vorführung hebräischer Lieder und des Horratanzes durch die Mädchen beschloß die Besichtigung, die auf alle, die daran teilnahmen, einen bleibenden Eindruck hinterließ. Die Besucherinnen konnten die Gewißheit mit auf den. Heimweg nehmen, daß die Mädchen- Hachsoharah in Lainz ein wichtiges Glied in der von der- WIZO unternommenen Arbeit danstellt und daß die aufgewendete Mühe und Sorgfalt eich reichlich lohnt. Die Vorbereitung der jungen Mädchen für das künftige Leben in Palästina war und ist eines der schönsten Ziele der WIZO. Dr. Amelie Kantor. Beh. konz. Realbüro Ing. M. Mühlbauer Kau| und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I.. II« und III. Sülze, Bau* und Zwischenkredite Gebäudeverwaltung A Büro» Franz-JoseJs-Kal 11 lei. R-25-0-44 Wohnung: II., Vorgarlenslr. 150, iel. R-41-8-88

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