Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 556 (16.6.1936)
- Date
- 1936-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Iftr. 586 — lft. Juni 1996 Salta 3 Ml IT1MMI Die Wizo I beglüdtwünidit Fräulein LILLY GOURARY und Herrn ELIE GUT «Nerherzlichst zu ihrer Vermählung am 17. Juni Herzls Grab Von Dr. Oskar Grünbaum Am 7. Juli 1904 trugen die Wiener Zionisten Theodor Herzl auf dem Döblinger Friedhof zu Grabe. Seither pilgern die Wiener Zionisten Jahr für Jahr zum Grabe Theodor Herzls, das ein nationales Heiligtum ißt für das ganze jüdische Volk. Stolz, Trauer und Schmerz sind die -Gefühle aller Wiener Zionisten, die stumm an Herzls Grab vorbeiziehen. Stolz darüber, daß der Retter des jüdischen Volkes in dieser Stadt gewirkt und von hier aus die erlösende zionistische Idee in die Welt getragen hat. Trauer darüber, . daß wir ihn so bald verlieren mußten und daß er die Krönung seines Werkes nicht erleben durfte. Schmerz darüber, daß das jüdische Volk seinen letzten Willen noch immer nicht erfüllt hat. Es war der testamentarische Wunsch •Theodor Herzls, daß das jüdische Volk seine Gebeine nach Erez Israel überführen solle. Seit einer Reihe von Jahren werden bei den Kongressen Resolutionen angenommen und Beschlüsse gefaßt. Es wird beschlossen, daß die Überführung Herzls nach Erez Israel bis zu einem bestimmten Termine stattfinden muß, eine. Kommission wird eingesetzt und dann" wird es wieder still um die Überführung — bis zum nächsten Kongreß«, und dann beginnt das Spiel vom' neuen. Wie lange noch wird dieses traurige Spiel dauern? Warum fand die Überführung nicht heuer zu Pessach statt? Man wende nicht ein, daß die letzte Kommissionssitzung aus technischen Gründen nicht stattfinden konnte. Technische Schwierigkeiten können überwunden werden, wenn man rechtzeitig für ihre Behebung sorgt. Auch der Streit über den Ort in Erez Israel, der die Gebeine Theodor Herzls zur ewigen Ruhe aufnehmen soll, ist keine Ausrede, denn Zeitgenossen Herzls, wie David Wolfsohn, Nahum Sokolow, A. H. Reich und andere ha.ben übereinstimmend bezeugt, daß es Herzls Wunsch war, am Karmel beerdigt zu werden. Auch Weizmann hat sich für den Karmel ausgesprochen. Beim Luzemer Kongreß habe ich von der Kongreßtribüne aus das Verhalten der zionistischen Organisation in der Frage der Überführung Theodor Herzls als unwürdig bezeichnet. Die Erfahrungen des letzten Jahres zwingen mich, diesen Vorwurf zu wiederholen und die Forderung aufzustellen, daß sich die Zionistische Organisation von diesem Vorwurf, der aus den Herzen von ungezählten Verehrern Herzls kommt, endlich reinwaschen möge. Die nächste A. C.-Sitzung muß mit den ewigen Kommissionen ein Ende machen und die Überführung Herzls binnen kürzester Frist gewährleisten. Man wende nicht ein, daß die Zionistische Organisation jetzt wichtigere Sorgen habe, als die Überführung der Gebeine Theodor Herzls, denn die Frage der Überführung ist die drückendste Ehrenschuld der zionistischen Bewegung und Ehrenschulden muß man schleunigst bezahlen. Die Wiener Zionisten sind zwar stolz darauf, das Grab Theodor Herzls in Wien zu wissen und nichts ist ihnen teurer als dieses Grab. Aber dieses Grab ist für die Wiener Zionisten ein ewiger Vorwurf des toten Meisters, solange es in der Erde der Galuth ruht. Deswegen rufen wir allen Zionisten Herzls zu: Erfüllet Herzls letzten Willen! Die Wiener Zionisten brennen darauf, zum letzten Herzl-Grabgang zu rüsten; zu dem Tage, da wir, was sterblich war an Herzl zur ewigen Ruhe in Erez Israel geleiten werden. Wir brennen darauf, diesen Tag zu erleben, der ein einziges Fest des Dankes für den toten Führer in ganz Israel sein wird und damit ein mäch- D©r traditionelle diesjährige Gang der Wiener Zionisten zum Grabe Theodor Herzls fand Sonntag, den 14. d. M., unter außerordentlich großer Beteiligung statt. Trotz der Kürze der Zeit, die dem Veranstalter, dem Zionistischen Landesverband, zur Verfügung starnd — der Termin mußte infolge des erlassenen verschärften Aufmarschverbotes vorverlegt werden —, versammelten sich über 10.000 Zionisten, um dem toten Führer zu huldigen und um ein heißes Bekenntnis für sein Werk abzulegen. Der Grabigiang, dieses pietätvolle Pilgern, das Flattern blau-weißer Fahnen durch die Döblinger Auen, die ernsten Gesichter der jüdischen Jugendlichen wurde allen Teilnehmern zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Die Pilger waren vom Gefühl beseelt, daß das Bekenntnis zu Herzl immer wieder den Ansporn zu neuen Taten bilden soll und durch Intensivierung der Arbeit im Sinne unseres unvergeßlichen Führers dokumentiert .werden müsse. Die Beteiligung war heuer eine besonders starke und legte Zeugnis, vom, starken Wachstum der zionistischen Bewegung im letzten Jahre ab. Mit besonderer Genugtuung stellen wir das überaus starke Anwachsen der Jugendverbände fest, von denen der Allgemein-Zionistische Jugendbund Brith Zion unter Leitung des Vorsitzenden Erwin Rotter dem Zug das Gepräge gab. Die Jugendlichen, unser Stolz, unsere Hoffnung, lauter stramme Burschen tiger Auftrieb für das Aufbauwerk. Muß man den Zionisten immer und wieder Herzls Worte vorsagen: Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen? und Mädels, boten einen besonders erfreulichen und erhebenden Anblick. Dank der vorbildlichen Organisation durch den Zionfetischen Landesverband war * der feierliche Zug, trotz der großen Massen, in kürzester Zeit formiert uind knapp nach 10 Uhr begann in würdevoller Weise der Aufmarsch. An der Spitze des Zuges sah man Oberraibbiner Dr. David Feuchtwang, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeimde Staatsrat Dr. Desider Friedmann, den Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich Dr. Oskar Grün bäum, den Vizepräsidenten der Kultusgemednde Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Amtsdirektor der Kultusgemeinde Dr. Josef L Ö w e n h e r z, Dr. Isidor Schallit, Dr. Paul Berger, Dr. Leopold Plaschkes, Rabbiner Sal. Friedm a n n, Dr. I. H. Körner, den Leiter des Palästinaamtes Dr. Alois Rothenberg, in Vertretung des K. K. L. Adolf Pollak vom Hauptbüro, ferner Dr. Chaim Tartak o w e r,' Dr. Leotn Preis, Dr. Hermann Ebner und Dr. Nahum Blauer.* Zuerst schritten der Ring der Altherrenverbände der akademischen Verbindungen mit den akademischen Verbindungen und der Judäa. Dann kamen die Mitglieder des Zionistischen Landeskoraitees, die Mandatare der Kiuitusgemeinde, die Präsidien der Fonds, die Mitglieder der Delegierten- Kanferenz und die Deputierten aus dem Jüdisches Kinder-Ferienheim ■ »ATID« I in Spital am Semmering (820 m) ■ für 6-bis 16-jährige I Inhaber a. pädagog. Leiter A. Taglicht ■ Modernes, gepfleg- H tes Heim, ständig» Irtt- H lieh» Aufsicht, Sport, Gym- H nastlk, Schwimmen, eigene ■ Bibliothek, .Heimkino, vorzügliche rituell» Verpflegung, Mastv. Diätkuren. Fremdsprachige Konversationsgruppen. Anmeldung, Prospekte, Photos usw. im Wiener ■■ Sekretariat, IX, Schwarztpartlarktr. 12/3, Tel. A 26-3-73 ■ Ausland und aus der Provinz. Recht zahlreich waren die Sektionen vertreten, die, nach Bezirken geordnet, zum Grabe Herzls gingen. Den Sektionen schloß sich die WIZO an, mit den Damen Sabine Weiß, Dr. Henny Lichtenstein und Doktor Amalie K a n t o r an der Spitze. Nach ihnen marschierten die Radikalen Zionisten, Binjan Haarez, Hechaluz, Misrachi, Verband der Judenstaatszionisten, Revisionisten, Hakoah, Makkabi, Chajes-Realgymnasium, Histadrutb Iwrith und der Verband Jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas. Der Grabgang verlief in mustergültiger Disziplin und Ruhe. Die Organisierung des Grabganges lag in den Händen des Herrn Dr. F. P i c k h o 1 z. Ihm zur Seite standen die Herren Ing. K ö p p e 1 und David. Der Ordnerdienst würde wie in den vergangenen Jahren auch heuer von den Mitgliedern des Jüdischen Sport- und Sch ü tz euver eines „H ä g a n a h“ unter der Leitung des Herrn Topf versehen, die ihre Aufgabe in be-; wahrter Weise ausführten. Die Samariiterinnengruppe der „Haganah“ hatte zwei Erste-Hilife-Statdonen eingerichtet. Sonnenschein's Hotel-Pension Franz Karl, Bad Ischl Der Jisdiuw in Ziffern Die tragischen Verhältnisse in Palästina veranlassen uns, genaue statistische Ziffern über die jüdische Bevölkerung Palästina« und ihrer Berufsgliederung zu veröffentlichen. Ziffern sind unbestechlich, und die nachfolgenden Tabellen legen Zeugnis ab, welchen ungeheuren Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung Palästina« der Zionismus genommen hat und nimmt. Im Jahre 1922 lebten in Palästina auf Grund der staatlichen Volkszählung 649.050 Menschen. Davon waren 11%, öder 83.790 Juden. Ende 1935 hat Palästina bereits eine Bevölkerung von 1,260.000 Seelen, die jüdische Bevölkerung ist auf 375.000 oder 29.8%, gestiegen. Der Junge oder Mädchen wird Für Juli-August in voller Verpflegung in Sopron, Ungarn, bei gutsituierter isr. Familie gegen Verpflegung meines Sohnes in Wien im September-Oktober aufgenommen, Anbote an Siegmund Zollsdian, Sopron, Silbergassei jüdische Zuwachs m den 13 Jahren .beträgt somit 291.210 Seelen, während bei der nichtjüdischen Bevölkerung eine Vermehrung von 565.260 auf 885.000, also um 329.740, erfolgt ist. Man sieht aus diesen Ziffern, daß die iu 13 Jahren eingewanderten 291.210 Juden 329.740 Nichtjuden Lebens- und Existenzmöglichkeit gegeben haben. Die Einwanderung verteilt sich folgendermaßen: Im Jahre 1922 wohnten in den Städten 68.620 Juden, in den Dörfern 15.170. Während also die städtische jüdische Bevölkerung in den Jahren 1922 bis 1935 um 220%, gestiegen ist, hat sie in den Kolonien um rund 500%, zugenommen. Diese Zunahme verteilt sich wie folgt auf die einzelnen Städte. 1922 1931 1935 Jerusalem . « , 33.970 53.740 71.000 Tel-Aviv « . , . 15.071 46.320 135.000 Haifa . ä ■ «, . 6.230 16.020 50.000 Jaffa * i , 5.090 7.750 18.000 Tiberios, Safed usw. . . . 7.260 8.520 10.000 D örfen Petaoh-Tikwah, Rechoboth, Ohedera usw. « . 15.170 42.160 91.000 Tel-Aviv nimmt untor den Orten, die die Einwanderung aufgenommen. hat, den ersten Horra Im Wasser Die Arbeit im Hafen von Tel-Aviv ft’ »♦»«EvS J23**** ** mW MIN: 1 < nrn« .;■ '«""T iy m n i v'i'iww'! w-v Mil \ v -r (Die Aufnahmen wurden um vom K&ren Herzl-Huldigung der Wiener Zionisten Massenbesuch am Döblinger Friedhof