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Die Stimme · 1936-06-12 · Heft 555 (12.6.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 555 (12.6.1936)
Date
1936-06-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 DIE STIMME Nr. 555 <— 12. Juni 10ilß tim soll, und mit Stolz, wozu wir Juden (las Hecht, haben. Man hat den Antisemitismus in Frankreich viel mehr durch einen Mangel an Stolz und zuweilen an Würde hervorgerufen, als durch ein offenes, mutiges und freimütiges Bekenntnis zu dem. was man ist, und durch die offene Beteiligung an den Gedanken oder an den Werken, zu denen dieses jüdische Gefühl uns inspiriert Wenn das, was ich hier sage, richtig ist — und ich glaube daran und bin überzeugt, daß auch die französischen Juden es immer klarer erkennen werden —. dann ist jetzt für uns der Augenblick gekommen, in dem zionistischen Aufbauwerk den Platz und die Rolle zu übernehmen, die uns gebührt. Unseren Mitgliedern gratulieren herzlichst zu ihrer Vermählung did Zion. Bezirkssektion Leopoldstadt CLUB EREZ ISRAEL Das ist dec lisckuw! Aus Kfar Chassidim schreibt unter dem 1. Juni ein Chaluz (wir veröffentlichen den Brief in seinem einfachen Originaltext): Heute nachts haben die Araber unseren Weizen angezündet, ln einer halben Stunde waren von allen jüdischen Kibbuzim so viele Leute da und Polizei und Militär, daß die Araber sich in die Löcher verstechten. Als der Wind das Feuer auf die eigenen Felder der Araber hinübertrug, fürchteten die Araber, sich zu zeigen, und die Juden mußten löschen. & Felix Hildebrand schreibt aus Tel-Aviv: Dienstag, der 19. Mai 1936 war der denkwürdigste Tag, welchen das Judentum in einzig dastehender Art erlebte. Am 19. Mai, 13 Uhr 5, wurde die Magendavid-Flagge auf das mit Blitzeseile aus Brettern gezimmerte Zollhaus gehißt. Das ist die nackte Tatsache. Die Begleit erscheinungen wiederzugeben, ist menschlich undenkbar, das muß man gesehen, erlebt und mitgefühlt haben. Am 19. Mai, früh morgens, wälzte sich eine unübersehbare Menschen menge dem Meer entlang, Greise und Kinder, Matronen und sonnengebrannte Männer umsäumten das Meeresufer, von Jaffa bis zur Jarkonmündung. Mit glänzenden 'Augen und freudiger Erre gung ging von Mund zu Mund die herzerhebende Freudenbotschaft: wir haben auf jüdischer Erde einen Hafen errichtet und das erste fjehiff wird heute axtsgeladen. Wolkenloser Himmel, sengende Sonnenstrahlen hüllen die an den Vorbereitungen emsig Schaffenden, ein. Jugoslawiens Flagge weht über jüdisches Meeresgebiet und aus tausenden Kehlen dringt der Jubelruf der wackeren Besatzung entgegen. Der Dampfer Ceturki“ steuert seinem Ziele, dem jüdischen Fort zu. Händeklatschen und Jublrufe brausen über die Meeresfluten, „Ceturki‘< hat Flaggengala angelegt und Anker geworfen. Motorschiffe mit bewaffneten jüdischen Polizisten holen den am Bord befindlichen Portoffizier ein. Von allen stürmisch begrüßt, schreitet der Bevollmächtigte der englischen Seemacht dem Zollhause zu. Der feierliche Akt: die Freigabe des Meeres im Hafen Tel-Aviv wurde durch Hissung der englischen und der blauweißen Fahne vollzogen. Nun setzte ein niegeschautes Treiben ein. Kaum dem Knabenalter entwachsene Jungen, bärtige, sonnengebrannte Männer boten sich als unbezahlte Helfer an. Ganz friedlich hat sich das allerdings nicht abgespielt. Als der Dampfer von der Jarkonmündung zwecks Erledigung der Formalitäten nach Jaffa dampfte, wimmelte es von mit erregten Arabern besetzten Booten, ln Jaffa umschwärmten die Boote das Schiff und drohten, das Meer blutig zu färben, wenn in Tel- Aviv die Schiffsladung gelöscht werde. Als der Dampfer ankerte, stießen;,vom Ufer mit jüdischen Polizisten bemannte Motorboote ab, in rasendem Tempo den arabischen Booten zu. Die unzweideutige Haltung der Polizisten hat die Araber veranlaßt, das Weite zu suchen .., Restaurant Billet w: Bestrenommierte Küche T3 Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u. 2*60 ll.,Hammerpurgstal gasse3 (nächst Sa ztorbrücke) Zionistische Bexirkssektion II. - Club Krex Israel, II., Praterstr. 13 Tel. R 42-407 . . Samstag, den 13. Juni 1936, 9 Uhr abends, findet Im Cafe-Restaurant ConstantinhügeI Prater-Hauptallee 17 eine Veranstaltung unter der Devise I SommerfestaufdemHadarHakarmel Reichhaltiges Programm statt. Bruno Heilig: Die jüdische Zeitung In dem Artikel „Vom stummen Kind“ (Nr. 552 der „Stimme“) wurde die unge heure Wichtigkeit der Propaganda ausein andergesetzt. Mit Propaganda kann man die absolute Lüge zur subjektiven Wahrheit machen, während ohne Propaganda die schönste Wahrheit einfach nicht existiert. Seit zweitausend Jahren sind die Juden das Opfer dieser Tatsachen. Bis ins neunzehnte Jahrhundert konnten sie allerdings der feindlichen Propaganda keine Gegenpropa ganda entgegensetzen, Gewalt verurteilte sie, stumm zu bleiben. Heute aber ist das anders. Heute können wir in den meisten Ländern doch unsere Stimme hören lassen in manchen Ländern mit gewissen Beschrän kungen, in anderen ungehemmt. Zu den angeführten Beispielen über die Möglichkeiten, die die Propaganda bietet sei hier unr noch auf das größte propa gandistische Werk hingewiesen, das die Geschichte oder wenigstens die neuere Ge schichte kennt. Es ist der Weltkrieg. Den Weltkrieg hat die Entente mit der Druck schwärze gewonnen. Ein ungeheurer Apparat arbeitete in der ganzen Welt gegen die Mittelmächte. Besonders in Amerika machte man unter Aufwendung ungezählter Millionen die größten Anstrengungen, den Menschen darzulegen, daß Deutschland ein Barbarenland sei und jeder Kulturmensch die Pflicht habe, alles, auch sein Leben, einzusetzen, damit dieses Barbarenland nicht Herr der Welt werde. Es wurden ungeheuerliche Anschuldigungen gegen die Deutschen erhoben. Man schreckte nicht davor zurück, sie zu beschuldigen, daß sie belgische Kinder verspeist hätten. Man lese Upton Sinclair, der in einigen Büchern diese Zeiten schildert. Die Amerikaner haben alles ge glaubt und sie sind schließlich als enfcschei dender Faktor in den Weltkrieg eingetreten. Nach dem Krieg hat es sogar noch ziemlich lang gedauert, bis man dem Durehschnittsamerikaner das Bild, das man ihm während des Krieges vom Deutschen gemalt hatte, wieder ausreden konnte. So hartnäckig hatte sich die Propaganda in die Gehirne eingefressen, daß die Leute Filme nicht ansehen wollten, in denen Deutsche auftraten, wenn diese Deutschen nicht Kinder aufspießten. Es ist wahr, der letzte Beweggrund Amerikas für sein Eintreten in den Krieg war das Streben der amerikanischen Kriegsindustrie, sich durch die militärische Unterstützung der Entente die Bezahlung der an ihre Mitglieder gelieferten Waffen zu sichern. Aber die Kriegsindustrie mußte eben zuerst das amerikanische Volk in die Stimmung bringen, die notwendig war, damit es für die Eintreibung der Forderungen der Industrie die Waffen ergreife. Die Kriegsindustrie hat bereitwillig die Millionen zur Verfügung gestellt, die zu diesem Zweck notwendig waren. Aber auch alle anderen Verbündeten hat die Entente ausschließlich oder wenigstens fast ausschließlich ihrer rücksichtslosen und keine Opfer scheuenden Propaganda zu verdanken. Es ist überflüssig, noch weitere Beispiele anzuführen. Man könte ein dickes Buch darüber schreiben, wie tatsächlich die Propaganda die Welt bewegt. Wollen wir aus diesen Tatsachen nicht endlich lernen? Wir sind das älteste schreibende Volk und wir haben unter allen Völkern immer am meisten geschrieben. Wir haben auch heute eine unerschöpfliche Fülle von Begabungen auf allen Gebieten des Schrifttums. Wir — und doch nicht wir — und das ist das Traurige. Die meisten schreibenden Juden schreiben nicht für die Juden und viele von ihnen auch gegen die Juden, bewußt oder unbewußt. Unter den Vorwürfen, die man uns macht, ist der Vorwurf, daß wir die Presse beherrschen, einer der wichtigsten. Nun ist es wahr, daß ziemlich viel Juden mit Kapital und mit ihrer Feder in der Presse tätig sind Aber diese „Judenpresse“ ist alles eher denn eine jüdische Presse. Die Fälle, wo mit jüdischen Kapital und jüdischer Journalistik der Nationalsozialismus direkt unterstützt wurde, sind bekannt und müssen nicht namentlich aufgezählt werden. Wenn man also von Judenpresse spricht, so muß dem die Tatsache entgegengehalten werden, daß es wohl jüdische Fremdenlegionäre in einer dem Judentum gegenüber gleichgültigen, ablehnenden oder direkt feindlichen Presse gibt, aber sonst nichts. Was diese Presse gerade jetzt wieder anläßlich der Ereignisse in Palästina mit uns gemacht hat, weiß jeder Zeitungsleser. Es ist ein grotesker Zustand: In'Palästina geschehen schicksalsschwere Dinge und die Welt wird darüber aus allen möglichen Quellen, nur nicht aus jüdischen, informiert. Die nichtjüdische Presse — zu der natürlich auch die Fremdenlegion gehört, und wenn noch so viel Juden in ihr beschäftigt sind — hat eben die Mittel, mit denen man sich an ein großes Publikum wenden kann, und die jüdische Presse hat diese Mittel nicht. Es genügt wiederum, nur diesen einen Fall anzuführen, damit jeder sehe, wie furchtbar der heutige Zustand ist. Das Schicksal des Judentums entscheidet sich in Palästina, aber was in Palästina geschieht und geschehen wird, das hängt nicht nur von der Arbeit und dem Verhalten des Jisohuw ab, sondern da hat auoh die gesamte Weltmeinung noch mitznreden. Es ist unser Interesse, daß sie mitrede, denn sie hat uns das Mandat gegeben und sie soll es kontrollieren. Es soll nicht den Machtinteressen des Staates ausgeliefert sein, der mit seiner Durchführung betraut ist — und noch weniger der Herrschsucht arabischer Effendis. Was können wir aber von der Weltmeinung erwarten, wenn ihre Informierung wiederum von Faktoren ausgeht, die im besten Fall uninteressiert sind an dem, was wir anstreben? Entscheidend wichtig ist natürlich auch die gesamte öffentliche Meinung des Judentums. Der Jisohuw soll die Galuth retten, aber die Entwicklung des Jisohuw hängt wieder von der Mobilisierung der Galuth ab. Wie soll man sie mobilisieren, wenn man sie der Informierung aus nichtjtidischen Quellen ausliefert? Wir wissen, daß der boshafte Angriff der arabischen Banden auf das jüdische Palästina das zionistische Werk nicht ernstlich gefährden kann. Aber wir spüren es täglich, daß sich in einem Teil der zionistischen Massen gerade unter dem Ein druck der Berichterstattung aus den nichtjüdischen Quellen doch eine gewisse Verzagtheit geltend macht oder daß doch wenigstens der Kampfgeist sinkt. Und wie sollen wir unter den heutigen Verhältnissen über den schon bestehenden zionistischen Kreis hinaus ins Judentum eindringen? Die Assimilation besitzt die Positionen in der sogenannten Judenpresse, ihre journalistischen Exponenten haben das Instrument der Informierung und geistigen Beeinflussung weiter jüdischer Kreise in der Hand. Die Assimilation aber benimmt sich in diesen Wochen nicht besser als der Antisemitismus. Jeder ausgerissene Baum ist für sie ein Beweis dafür, daß der Zionismus unhaltbar sei. * Das wäre das unmittelbar Aktuelle, was Uber das Fehlen einer wirklich großen jüdischen Presse zu sagen ist. Ihre Aufgaben sind aber selbstverständlich nicht an fee- | stimmte Ereignisse gebunden, sie hätte stäm ‘dig durch Informierung und Aufklärung an dem großen Werk der jüdischen Erneuerung und der jüdischen Zukunft zu arbeiten. Dazu gehört auch das Kulturelle. Dazu gehört weiter die Erziehung und Heranziehung der jüdischen schreibenden Talente. Wir dürfen nicht zusehen, wie die begabten Juden uns entweder an die Fremdenlegion verlorengellen oder verkommen. Aus den Erfahr rungen einer Redaktion könnte man über dieses Thema viel Erschütterndes und Trauriges mitteilen. Es ist unmöglich, die jüdischen Talente im heutigen Rahmen der jüdischen Zeitung zu beschäftigen, wir haben nicht den Platz und nicht die Mittel. Muß man noch weiter in die Einzelheiten dieses Problems gehen? Man könnte wiederum ein Buch darüber schreiben. Wie aber kann nun die jüdische Presse zu dem Instrument gemacht werden, das es sein soll? Zu jeder Art von Produktion oder Produktionserweiterung bracht man Geld. Was durch Arbeitsleistung zu erreichen ist, ist geleistet worden. Der Apparat, mit dem unsere Zeitung hergestellt wird, ist im Vergleich zu den Mitteln, mit denen irgend eine andere Zeitung oder Zeitschrift arbeitet, minimal. Wir wenden uns an die zionistische Öffentlichkeit und an jeden einzelnen Zionisten mit der Forderung, unsere Arbeit durch ihre aktive Mitarbeit zu fördern. Jeder Zionist muß Abonnent der jüdischen Zeitung sein. Jeder Zionist, der schon Abonnent der jüdischen Zeitung ist, frage jeden anderen Zionisten, den er kennt, ob er es auch ist. Er setze ihm auseinander, was die jüdische Zeitung für das Judentum bedeutet. Jeder Abonnent bringe uns noch einen Abonnenten! Der Zionist erweitere seine aufklärende Tätigkeit aber auch über den zionistischen Kreis hinaus. Es gibt ungeheuer viel indifferente Juden, die auf die Aufklärung warten, die nur darum noch nicht Zionisten sind, weil es ihnen noch niemand eindringlich genug gesagt hat, warum sie es sein müssen, warum es jeder Jude sein muß. Die zionistische Wahrheit ist so einfach, daß sie doch jedem eingehen muß. Aber man muß sie natürlich verkünden, man darf sie nicht für sich behalten. Man rede mit diesen Jaden and mangebeihnen die zionistische Zeitung in die Hand* Wir werden alle Aufgaben einer jüdischen Zeitung erfüllen können, wenn die zionistische Öffentlichkeit sieh hinter uns stellt. Es wird sich schon ein verhältnismäßig kleiner Abonnentenzuwachs sofort mit einer weiteren Verbesserung und auch In einer Erweiterung der jüdischen Zeitung auswirken. Die bessere und erweiterte jüdische Zeitung wird aber weiter für sich selbst werben, sie wird in immer weitere jüdische Kreise eindringen, wenn sie allen Anforderungen, die der Zeitungsleser mit Recht an sie stellt, gerecht werden kann. Sie wird das Instrument werden können, das die jüdische Sache braucht. Sie muß eine Zeitung werden, die jeder, der sich über die jüdischen Dinge informieren möchte, als erste Zeitung lesen muß. Wir denken, das sei auoh noch gesagt, bei unserer Aktion auch an ein Fernziel, an eine alte Sehnsucht der zionistischen Öffentlichkeit: Die Schaffung der jüdischen Tageszeitung. Wenn die Zionisten wollen, geht es. Der Zionismus hat schon größere Werke vollbracht. Auf dem Weg über die Stärkung der bestehenden jüdischen Zeitschrift muß man doch einmal zur jüdischen Tageszeitung kommen. iHnHinitnmnmnuiiiiiaiuiiuiuiiiifiiinuNwnuiiiiwtnuHiiiiiiiuiuiuiiiiiniHiuiHiiiiiiHiiiiiiiiiiut Herzl-Grabgang Der heurige Herzl-Grabgang findet Sonntag, den 14. Juni, statt. Das Polizeipräsidium hat den Grabgiamg jedoch nur in dem Umfange bewilligt, wie er im Vorjahre stattgefunden hat. Es ist daher das Tragon von Uniformen ausnahmslos verboten. Ebenso ist mit Rücksicht auf das bestehende Aufmarschverbot der geschlossene Marsch zum Friodhof nicht gestattet. Die Teilnehmer begeben sich in loson Gruppen zum Friedhof durch diie-vHartäckerstraßo zum Vorbeimarsch zum Grab Theodor Herals. Die Teilnehmer sammeln eich im Ramme Hamtäökecrfiitraße laut beigeschlossenem Zeit*

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