Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 554 (9.6.1936)
- Date
- 1936-06-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 OH STIMM« Nr. 554 ~ 9. Juni 1936 Leon Blum und Vallat Nun hat auch Leon Blum au hören bekommen, daß er ein Jud’ ist. Der französische Monarchist Vallat, einer der Führer der Feuerkreuz-Bewegung, hat in der Kammer auf Blums Judentum hingewiesen und ihm auch vorgehalten, daß er zwei Juden in seine amtliche Umgebung berufen habe. Die Linke protestierte wütend, die Rechte brach in tosenden Beifall aus. Und dieses Detail ist das Wichtigste in der ganzen Situation, in die sich Leon Blum begeben hat, als er die Leitung des Kabinetts übernahm. Man darf es Leon Blum hoch anrechnen, daß ei in dieser Zeit der entfesselten Ritualmordbestie sich mit Stolz zum Judentum bekannt hat und daß er dies nochmals designierter Ministerpräsident in seiner Rede im amerikanischen Klub getan hat. Man kann es auch verstehen, daß der Mann, der dreißig Jahre lang in der Opposition gestanden ist, den großen Augenblick auskosten will, da er an die Spitze der Regierung Frankreichs tritt —, aber der Politiker Leon Blum hat nichtsdestoweniger einen sehr schweren Fehler begangen. Er durfte als Jude nicht die Verantwortung seines Amtes auf sich nehmen, denn mit ihm trägt das gesamte Judentum die Verantwortung, wird zumindest mit ihr belastet und dies wiegt, doppelt schwer angesichts der Tatsache, daß der außenpolitische Gegner Frankreichs das Dritte Reich ist, ein offen und offiziell antijüdisohes System, dessen Führer in „Mein Kampf“ dem ,,verjudeten Frankreich“ Todfeindschaft erklärt hat. Die Ausstrahlungen der nationalsozialistischen Doktrin reichen auch nach FVankreich; die „Action Franchise“ und ihr Kreis, aus dessen Mitte noch vor ganz kurzer Zeit der „Kampf der Küchenmesser“ gegen Blum gepredigt worden ißt, sind genau so blutdürstig gegen Juden und Judentum, wie etwa Julius Streicher, und auch in Frankreich ist das antisemitische Schlagwort populär, so sehr, daß eben die gesamte Rechte der neuen Kammer im Beifall tobte, als Vallat seine „Feststellungen“ vornahm. Die Rechte, das ist die Vertretung de® reaktionären scharfmacherischen Bürgertums der Schwerindustrie, der katholisch gerichteten Generalität — und sie klatscht Beifall, als ihr Redner seine ganze Polemik in die so zugkräftige Formel faßt: „Blum ist ein Jud!“ Diese Rechte entspricht genau den Schichten in Deutschland, die mit Geld, mit sehr viel Geld dem Hitler beigestanden sind, bis eben die Republik so weit war, daß sie ihm ausgeliefert werden konnte. Und in der Arbeiterschaft Frankreichs, die niemals sozialdemokratisch organisiert gewesen ist, sind die Gelben sehr zahlreich, die Gruppen, aus denen Hitler die Berufung als Arbeiterführer erhalten hat. Und aus diesen Kreisen hat sich die Rechte die gutbezahlten Elemente geholt, die den Sieg der Volksfront mit einem Riesenstreik just der wichtigsten Industriekategorien feiern, der die Regierung Blum erschüttert, noch ehe sie so richtig an die Arbeit gehen kann. Vallat hat das Signal gegeben, die Rechte applaudiert, und von nun ab ist nicht der Sozialist Blum, sondern der Jude Blum das Zentrum des Kampfes. Er ist als Jude weithin sichtbar gemacht und mit ihm alle, die seiner Abstammung sind. Für den Juden, den Gemeinschaftsgefühl in das öffentliche Leben treibt, gibt es nur ein Gebiet der Politik, auf dem er gleichwertig und anerkannt sich regen kann: das jüdische Gebiet. Tritt er hinaus, so verliert er die innerliche Freiheit, aber auch die Anerkennung. Es gibt eine Grenzlinie, die wir niemals überschreiten dürfen; man mag sie Opportunität oder Takt nennen — sie ist vorhanden, und ihre Vernachlässigung trifft weniger den, der sie begeht, als die Gemeinschaft, aus der er kommt, Vallat hat auf Blum gezielt, aber er hat jeden Juden gemeint, er und seine applaudierenden Freunde, für die sich jetzt für ihre Oppositionsgelüste ein sehr weites und ergiebiges Feld auftut, in einer Zeit, in der durch die Emigranten eine dem Judenhaß förderliche seelische Bereitschaft geschaffen worden ist. Vallat und Hitler — in dem Zeichen des Hepp-hepp verstehen und finden sie einander. Es ist nicht gut, daß Leon Blum die Führung der Politik angenommen hat... Predigtverbot für einen Pfarrer Über den Pfarrer der Rochuskirche im dritten Wiener Gemeindebezirk Leopold Schmidt, wurde seitens des Ffirsterzbisohöflichen Ordinariats wegen der Kanzelreden, die er bei den Maiandachten hielt, ein Predigt- und Redeverbot verhängt. Das Kaliber seiner Vorträge kann man aus einem Abdruck in Nr. 5 des „Pfarrblattes St. Rochus und Sebastian“ vom Ual d, J, erkennen. Dort findet sich eine nach dem Stenogramm abgedruckte Predigt, die sich mit den Christenverfolgungen, der teuflischen Bosheit gottloser Juden und der Notwendigkeit befaßt, daß das christlich-deutsche Volk das Pharisäergift ausscheidet. Zitiert wir Pater Bichlmaier. Der Brith Zion In der Allgemein-zionistischen Jugend ist der Wunsch nach Zusammenschluß der einzelnen Gruppen zu einer größeren Einheit seit langem ein Bedürfnis. Insbesondere die Allgemeinzionistisohen Jugendlichen, welche in den Heimen der zionistischen Bezirkssektionen Wiens ihren Sitz haben, sahen in ihrer, ln gewissem Sinne isolierten Stellung eine schwere Behinderung ihrer Arbeit und sehnten sich nach einem Zusammenschluß, um die Erziehungsarbeit unter einer gemeinsamen Leitung und nach gemeinsamen Richtlinien zu leisten. Diese Bestrebungen erhielten vor einigen Monaten einen besonderen Antrieb, als ein bedeutender Teil der Allgemeinzionistischen Chaluzim die Initiative zu einer neuen Form des Zusammenlebens und Zusammenarbeiten ergriff. Und so fanden eie, gemeinsam mit anderen Allgemein-zionistischen Jugendgruppen, trotz vieler Hindernisse, die ihnen von denjenigen in den Weg gelegt wurden, die sich immer an das Gestrige klammern, den gemeinsamen Weg, und das Ergebnis dieser Bemühungen ist die Schaffung des Allgemein-zionistischen Jugendbundes Brith Zion des Zionistischen Landesverbandes für Österreich. Wir haben mit unserer Arbeit begonnen und die jüdische Öffentlichkeit wird Gelegenheit haben, sich von unserer Bereitschaft, unsere Absichten zu verwirklichen, an den Stätten unserer Arbeit, das ist in den Helmen, im Kibbuz und auf den Haohsoherah-Plätzen, zu überzeugen. Unser ideologisches Ziel ist durch das Krakauer Programm des Welfcverbandes Allgemeiner Zionisten klar gegeben: „Primat der nationalen Interessen vor allen Wünschen von Gruppen und Ständen, und — was uns wichtig ereoheint — Klassen und Personen. Denn wir können die Frage des Aufbaues immer und nur von dem Gesichtspunkte des allgemeinen Wohles betraohten, wir haben kein Verständnis dafür, daß nur soziale, nur religiöse oder nur nationale Postulate, innerhalb der Zionistischen Organisation, vertreten werden. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß nur der wirklich Zionist genannt werden kann, der eine nationale, soziale und religiöse Anschauung gleichermaßen hat und auch ein Leben führt, das diesen Prinzipien entspricht. Zionismus als bloßes Sippenbekenntnis lehnen wir als unwürdig ab. Wir verlangen von unseren Mitgliedern ein Bekenntnis durch die Tat. Wir sehen daher in der Hebräisierung der Jugend und in der Erziehung zur Cba- Iuziuth das höchste Ziel unseres Verbandes. Wir werden uns bemühen, den Gedanken der Chaluziuth mit zionistischer Lebensanschauung und jüdischer Lebenshaltung in allen unseren Gruppen zur Wirklichkeit werden zu lassen. Und weil wir uns in allen unseren Bestrebungen auf das Ziel „Zion“ ausgericbtet haben, konnten wir unserem Bund keinen besseren Namen geben als Zionsbund, das ist Brith Zion. Wir verfügen über chaluzisohe und niohtchaluziscbe Gruppen. Die Arbeit in den einzelnen Gruppen wird von einer Bundesleitung geführt, welohe sich, wie folgt, gliedert.* Vorsitzender: Gg. Rotter (besonderes Referat: Organisation und Propaganda). Gg. Klara Biller, Referat: Sekretariat und Schriftführung. Gg. Gelbard, Referat: Finanzen und Fonds. Gg. Wittler, Referat: Tarbutarbeit. Gg. Engelmann, Referat: Chaluziuth. Die nichtchaluzischon Gruppen sind in ihrer allgemeinen Erziehung pfadflnderisch gerichtet und umfassen die Bundeemitglieder unter 18 Jahren. Bei den Mitgliedern Uber 18 Jahren unterscheiden wir zwischen solchen, welohe schon für die landwirtschaftliche Hachsoberab und den Kiibbuz in Betracht kommen, und solchen, welchen ein anderer Aufgabenkreis zugewiesen ist. Zu diesem gehört zionistische Erziehungsarbeit, körperliche Ertüchtigung, Wandern und Wehrsport. Entsprechend unserer Auffassung, daß der Zionismus eine Bewegung ist, die das jüdische Volk erneuern soll, eine Bewegung, die eich auf alle Gebiete des jüdischen Lebens erstreck^ wollen wfar, soweit das bei Jugend- | liehen möglich ist, eine universelle Erziehungsarbeit leisten. Wir sind gegen jede Gleichmacherei; wir wollen die Entwicklung des Individuums fördern, verlangen aber von jedem Mitglied Unterordnung und Disziplin. Wir wollen unsere Bundesmitglieder fern von jeder Assimilation zu strammen Chaluzim und Chaiuzotb erziehen, die hebräisch sprechen, ein jüdisches Leben führen und als Diener des ganzen Volkes nach Erez Israel gehen, um dort als allgemein-zionistische Arbeiter das Programm des allgemein-zionistischen Volkszionismus zum Siege zu führen. Wir sind erst am Beginn unserer Arbeit und wir wissen, wie schwer unser Beginnen ist, aber gerade das spornt uns an, das zu schaffen, was der allgemein-zionistischen Jugend Österreichs notwendig ist: eine Jugend stark an Geist und Körper, treu zu Volk und Heimat, aufrichtig und wahr, hilfsbereit und opferfähig, bewußt ihrer Verantwortung und der Verpflichtung zur Disziplin. Wer sich hiezu bekennen kann, ist uns willkommen! * * * Sitz der Hanhagah-Haraschit (Bundeeleitung): Wien, I., Marc-Aurel-Straße ß, Tel. U 22-2-11. Maskirut (Sekretariat): Montag und Mittwoch von 7 bis MIO Uhr. Sprechstunden der Mitglieder der Han Hagah: Rotter: Mittwoch von 8 bis K10 Uhr abends. Wittler (Tarbuth): Dienstag von 8 bis MIO Uhr abends. Gelbard (Finanzen und Fonds): Montag von 8 bis 9 Uhr abends. Engelmann (Chaluziuth): von M2 bis 144 Uhr nachmittage. Biller (Sekretariat): Montag und Mittwoch von 7 big MIO Uhr abends. Das ist dec liscUuw! Aus einem Briefe eines Wiener Architekten in Haifa an seine Eitern in Wien: Haifa, 30. Mal. ln Tel-Aviv ist es ruhig und geschäftig, wie immer. Hörte man nicht immer wieder Schüsse gegen Abend aus Jaffa, so wüßte man nichts von Unruhen, (ln Haifa bekommt man immerhin während des Tages unten in der Stadt die Araber zu sehen.) Überwältigend ist der Gegensatz zwischen diesem Willen der Araber, den Frieden zu stören, und der Juden, ihn zu bewahren. Die Bahn von Haifa führt bei Tut Kerem und Kalkilie durch das Unruhengebiet, wo immer wieder Militär die Durchfährt sichern muß. Die Straße Jerusalem—Tel-Aviv war in den letzten Wochen wieder einmal besonders gefährdet. Auf dem Messegelände, in diesem festlichen Rahmen, der wirklich jedem europäischen Anspruch genügt, traf man Leute in Mengen aus dem ganzen Land, ln den offiziellen Pavillons der Regierung, der Jewish Agency, des Nationalfonds, der Pica usw. sah mm durch Modelle, Pläne und Statistiken, tim wieviel wir seit zwei Jahren in Straßen, Schulen, Spitälern, Siedlungspunkten, Arbeitsmethoden, weiter gekommen sind. Man liest im Alltag immer nur Ei/nzelfakten und ist überwältigt, wenn man sie als planmäßigen und — erfolgreichen! Aufbau dieses Landes überblickt. Qualität und Quantität von Landesprodukten ist enorm gewachsen. Wir können heute zum Beispiel Glas, Bier und Badewannen im Land erzeugen. Aus der Zahl der fremden Pavillons zu schließen, ist das Interesse, mit uns Handel zu treiben, gestiegen. Auch Österreich hat sich einen eigenen Pavillon in diesem Jahre zugelegt. Von den Dächern der Pavillons sieht man auf „Tel-Avtv-Beach“, wo die Zollstation errichtet ist und Tag und Nacht mit Scheinwerfern, die wahrscheinlich etwas aufreizend nach Jaffa hinüberleuchten, an der Verlängerung des Landessteges gearbeitet wird, Vor Jaffa liegt nicht ein Schiff, um so mehr liegen vor Teb Aviv. Wa8 hat doch unser Volk für einen starken Lebenswillen und gewaltige Energiel Und was für Glück, in dieser Zeit zu leben, in der man sich vor Schlägen nicht mehr ducken muß. ln den letzten Wochen wurde von jüdischer Seite direkt den Arabern der Friede vorgeschlagen, seit den letzten Tagen weiß man, daß sie sich bemühen, soweit es nooh geht, ehrenvoll aus dieser Niederlage her auszukommen, Wie und wann, soll vielleicht schon die nächste Wpücha »eig en. Ein Kaufmann aus Tel-Aviv schreibt an- I schließend an einen geschäftlichen Brief, an einen alten Wiener Zionisten: Leider sind all diese Aufregungen in einer Zeit über uns gekommen, wo wir durch die hiesigen Ereignisse ohnehin schon zu tiefst zerschmettert waren, denn tvas diese Begebenheiten für uns, die wir als Zionisten herkamen, bedeuten, können Sie als Alt- Zionist am ehesten verstehen. Eines aber haben wir wenigstens gesehen, und das wird uns allen wieder neue und zehnfache Kraft geben, nämlich, daß im entscheidenden Moment es in ganz Erez Jsrael kein Rechts und kein Links gegeben hat, daß der Arbeiter und Revisionist in einer Reihe als Brüder gestanden sind, daß es eine fast unvorstellbare Disziplin gegeben hat, daß unsere Leute eine eiserne Organisation hatten und daß trotz allen Provokationen und mustergültiger Ausrüstung von jüdischer Seite kein Schuß gefallen ist. Das ist das große Wunder, das die englische Verwaltung nicht verstehen kann. Die Leute haben keine Karte ausgespielt und waren überall zur Stelle. Während hier geraubt und gebrannt wird, bauen wir unser Land, bauen einen jüdischen Hafen, den ersten jüdischen Hafen in der Geschichte. Unsere Arbeiter wollten für ihre Arbeit kein Geld nehmen, und wie das erste Boot mit Ware gelandet ist, da hat Tel-Aviv vor Freude geweint, fremde Menschen sind sich um den Hals gefallen und haben sich geküßt und die Freude über den Aufbau war so groß, daß man selbst darüber unsere Toten vergessen konnte. TFfssen Sie, Herr Doktor (Ebner), dies gibt einen immer wieder Kraft, das ist es, was einem das Leben immer noch für wert erscheinen läßt, denn sonst müßte man ja verzweifeln. Ein Landwirt aus Gedera schreibt: Gedera, 26. Mai. Von uns ist nicht viel Neues zu berichten. Uber die Unruhen hören wir nur aus dem Radio und aus den Zeitungen. Bei uns ist alles vollkommen ruhig und bis heute ist noch nicht das Geringste vorgekommen. Allerdings sind jede Nacht fast alle Männer als Wach e draußen, respektive in Bereitschaft, aber nur als Vorsichtsmaßregel. Natürlich ist das auf die Dauer ermüdend, aber solange es im Land nicht ruhig ist, muß man auf der Wache sein, ln den letzten Tagen richten sich die arabischen Ausschreitungen hauptsächlich gegen die Regierung, ln allen arabischen Städten sind richtige Kämpfe zwischen Militär und Arabern. Der Streik dauert an, schadet den Juden in ganz bedeutendem Maß, die Araber richten sich aber einfach zugrunde, und das einfache Volk macht nur unter dem Terror, der Führer die ganze Sache mit. Man glaubt, daß der Aufstand und der Streik in kürzester Zeit zusammenbrechen müssen. Die Haltung der Regierung ist Gott sei Dank sehr fest. ln Tel-Aviv merkt man außer den nächtlichen Schießereien, die man aus Jaffa hört, überhaupt nichts von den Unruhen, das Leben geht genau so weiter. Ich war, gestern und vorgestern dort. Die Autobusse verkehren auf unserer Strecke bis zur Dum kelheit und man fährt meist ganz ungestört, Natürlich fährt man nicht überflüssig erweise* Eine Interessante gericht“ liehe Entscheidung Der Oberste Gerichtshof hat kürzlich eine interessante Entscheidung gefällt. Ein jüdisches Mädchen in Wien, das mit einem Christen verlobt war, stellte bei Gericht den Antrag, ihren Vater zur Leistung einer entsprechenden Mitgift zu verhalten. Der Vater, ein orthodoxer Jude, sprach sich gegen den Antrag aus. Der Oberste Gerichtshof wies den Antrag mit der Begründung ab, daß dem Vater die Billigung der Ehe seiner Tochter nicht zugemutot werden könne und führt zur Begründung an: „Der Vater ist strenggläubiger Jude, der begreiflicherweise Wert darauf legt, daß seine Tochter nur einen Juden heiratet. Es kann zwar damit gerechnet werden, daß das Brautpaar die Dispensation vom Ehehindernis der Religionsversohiedenheit durchsetzen werde. Allein eine solche Ehedispens würde nicht beweisen, daß der Vater von Beinern Standpunkt aus diese Ehe billigen und geldlich unterstützen müsse. Bei Beurteilung, ob eine Ehe zu mißbilligen ist, sind nicht bloß die Verhältnisse der Brautleute zu berücksichtigen, es ist unter Umständen auch auf den subjek«* tiven Standpunkt des Vaters der Braut billig* Rücksicht zu nehmen,“