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Die Stimme · 1936-06-09 · Heft 554 (9.6.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 554 (9.6.1936)
Date
1936-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. m — 9. Juni 1936 Oft STIMM! Seit« 3 Exekutive und Agudath Jerusalem, 6. Juni. (Palcor.) Eine gemeinsame Sitzung von Vertretern der Jewish- Agency- Exekutive, des Präsidiums des Waad Leumi und 'der Exekutive der Agudath Israel fand vor kurzem im Büro der Agency statt. Es wurde über die Lage und die politische Tätigkeit in Jerusalem und London berichtet. Sodann wurde beschlossen, daß Mitglieder der Zionistischen Organ isation und der Agudath Israel in allen Ländern angesichts der Lage gemeinsam arbeiten sollen, zu welchem Zwecke einheitliche Direktiven herausgegeben werden sollen. Es wurde ferner beschlossen, einmal wöchentlich Beratungen der drei Körperschaften abzuhalten. Die Leitung des MONTESSORI-KINDERGARTEN der Zionistischen Bezirks-Sektion Wieden-Margareten eröffnet am 4. Juli 1936 ein KINDERSOMMERHEIM (für 3- bis 14 jährige) in MARIAZELL. Auskunft: Kindergarten, Wien, IV., Hauslahgasse 2, 9 bis 12 Uhr und Telephon A 41-2-85 (Scher) Völkerbundkommission nach Palästina? Genf, 8. Juni. (Privat.) Die Mandatskommission tritt heute wieder zusammen. Für heute hat der Vertreter der Mandatsregierung, der Generalprokurator T r u s t e r, die Antworten des Londoner Kolonialamtes über die Vorgänge in Palästina angekündigt. Sollten seine Mitteilungen unbefriedigend lauten, wird die Mandatskommission, wie versichert wird, beschließen, ihre Arbeiten zu beendigen und an den Völkerbund den Antrag zu stellen, eine Kommission zur Untersuchung der Vorfälle nach Palästina zu entsenden. Familien med. Dr. Alfred Löwy und jur. Dr. Emil Herz danken auf diesem Wege herzlichst für alle ihnen zugekommenen aufrichtigen Glückwünsche anläßlich der Vermählung und Promotion ihrer Kinder Hanna und Franz Abdullahs Vermittlung gescheitert Haifa, 7. Juni. (Reuter.) Die Situation ist andauernd unruhig; das arabische Streikkomitee hat neuerliche Versuche gemacht, die Hafenarbeiter zum Streik zu veranlassen. Bomben wurden neuerlich geworfen, doch haben sie wenig Schaden angerichtet. Wie verlautet, ist der Emir Abdullah mit seinem Versuch einer Versöhnung zwischen der britischen Regierung und den arabischen Rädelsführern gescheitert. Es ist außer Zweifel, daß diese letzteren kein Ende des Streiks oder ein Aufgeben der Gewaltakte ins Auge fassen, solange die britische Regierung ihre gegenwärtige Politik nicht ändern und die jüdische Einwanderung andauern wird. Aufstellung über die angerichteten Schäden Die Jewish Agency ist an die Vorbereitung einer Aufstellung der durch die Unruhen verursachten Schäden herangetreten. Gemeinsam mit dem Waad Leumi, dem Keren Kajemeth und anderen Körperschaften bereitet die Exekutive der Agency eine Aktion zur Konsolidirung der Fonds, aus denen die Opfor der Unruhen unterstützt .werden, vor. Neue jüdische Opfer Jerusalepi, 4. Juni. (Palcor.) Bei einen;, arabischen Überfall auf einen Autobus wurdo der Hörer der Philosophie an der Universität Rahman, K o 1 o n t a r e f f, erecho&son, der aus Turkostan zu Studienawockon nach Jerusalem gekommen war. In Kisohon Io Zion wurden zwei Juden ermordet auf gefunden. Die Polizei nahm in Jerusalem eino Raazia vor und verhaftete yäer Arafeer als bringend verdächtig. Der Einsatz Von unserem Tel-Aviv, im Mai. Dreißig Tage sind vergangen, seit wir die ersten Opfer au Grabe trugen, ohne'daß ein Fußballspiel, ein Boxmatch oder ein athletisches Meeting im Lande stattgefunden hätte... und dennoch, heute zum ersten Male wieder nach vier langen — schwarzen Wochen: Freude — Musik — Tanz... Wir haben unseren Hafen! Welche Freudo im Volke: Der eigentliche Sport ruiht — aber dort, wo 'der Yarkon ins Meer mündet — dort, wo aus dem Nichts der Wüsto die Stadt der Levante-Messe entstand — dort wird heute auch „Spor t“ betrieben. Nicht vergebens haben die Wassersportsektionen des Arbeiterklubs „Hapoel“, der Vereine Zevulon, Makkabi, Zofim usw. jahraus — jahrein ihren Lieblingseport gefördert. Schwere Zeiten machten diese Sektionen mit, die sieh mit selbst erbauten Booten mit einer Handvoll beherzter Jugend hinauswagten und den Wellen des Meeres ihr Schicksal anvertrauten. Aus kleinen Anfängen wurden große Sektionen, und im Jahre 1930 segelte der Makkabiführer David A1 m a g o r mit sechs jüdischen Boy- Scouts als erster unter den neuen Siedlern des Landes mit einer kleinen Jacht nach Beirut und später auch nach Port-Said. Um diese Zeit gründete ein jüdischer Marineschüler in Haifa den jüdischen Ruderklub „Delphin“, der jährlich eine beträchtliche Anzahl von Jungen und Mädchen in die Kenntnis der Küstenschiffahrt einweihte und ausbilidete. Einige Zeit später wurde durch den ehemaligen Schiffsbauingenieur T u b i m in Tel-Aviv die Seemannsvorschule „Zevulon“ gegründet, die ein Schulgebäude und einen Übungsmast am Strand errichtete und auf ihren speziellen schweren Ruder- und Segelbooten Übungsfahrten bis Zypern mit jüdischer Jugend unternahm. Schließlich arbeiteten die Rudereektionen des Makkabi und des „Hapoel“ im Mündungsgebiet des Yarkon Woche für Woche, und dem „Hapoel“ gelang es mit seiner Jacht „Saar“ am Suezkanal vorbei zur Nilmündung zu kommen und bis Kairo vorzudringen, wo die jüdische Bemannung von der dortigen ansehnlichen Gemeinde festlich willkommen geheißen wurde. All diese Vorbereitungsarbeit, wenn sie auch noch so viel Zeit ünd Mühe kostete — sie war nicht vergebens. Jetzt arbeiten alle diese Kräfte in unserem neuen „Hafen“. Die Jacht „Saar“ des Ha- Der Guerillakampf Jerusalem, 7. Juni. Über die Vorgänge in Tiberias wird offiziell berichtet, daß' aius dem Araberhaufen, der zwei Juden überfiel, sechs Araber verhaftet wurden. Zu Schießereien kam es bei Beth Alpha, Machne Israel und bei der Kadoorie-Schule, Verletzte gab es nicht. Bei Tel-Mond wurden Pflanzungen erheblich beschädigt. Bei der Auflösung einer Kundgebung in Bethlehem wurden zwei Polizisten verwundet. Im Kreis Nahlus errichten die Truppen an den Berghängen Drahtverhaue, um zu verhindern, daß arabische bewaffnete Banden sich in die Beige zurtickziehen. Über die Gemeinde Beer Schewa wurde eine Kollektivstrafe verhängt, weil innerhalb der letzten 14 Tage die Telephondrähte seebsundzwanzignial durchschnitten und drei Telephonmasten zerstört wurden. Der Samstag, 6. Juni, war durch eine Verschärfung der Lage in Haifa gekennzeichnet. Es wurde versucht, einige verhaftete Araber zu befreien, Polizei und Militär wurden mit Steinen beworfen und beschossen und waren gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Ein Araber wurde getötet, einer verwundet. In den Straßen wurden Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett und auch einige Geschütze postiert. Die arabischen Streikposten griffen die Gemüsehändler, die sich dem Streik nicht anschlossen, an und vernichteten die Verkaufsstände. Einschreitende Polizei wurde mit Steinwürfen empfangen. Brandstiftungen, Sprengungen London, 4. Juni. (JTA.) Eine der schlimmsten Brandstiftungen der letzten Tage war ein Angriff auf die botanische Versuchsstation bei Hebron, dio für die Landwirtschaft von größter Bedeutung ist. Es wurden durch gleichzeitige Entzündung von Explosivstoffen an mehreren Stellen etwa zehntausend Bäume vernichtet. der Sportler Berichterstatter poel wacht bei Tag und bei Nacht, um gegen Überfälle gesichert zu sein — Seev Haj a m, der Führer (jes „Delphin“, leitet das Löschen der ersten Waren. Die jüdischen Schwimmer und Wassersportler von Tel- Aviv stehen mit ihren Brüdern, den Salon iker Lastträgern, bis au den Hüften im Wasser und tragen dio Zementsäeke, die der erst» Dampfer liefert. Seit gestern zimmert, man ‘Baracken, hämmert und schweißt Eisenbrücken, betoniert neue Wege, steuert Boote und trägt Lasten: Kein Arbeiter nimmt Gold für seine Arbeit — alle haben sie begeistert und hingebungsvoll den Lohn zurückgewiesen — sie arbeiten als Sportler, als Amateure — und im Zeichen dieser hingebungsvollen Arbeit unserer Seepioniere schreitet die „Eroberung des Meeres“, die nun sprichwörtlich wird, wie seinerzeit die Eroberung der Wacht. Jüdische Polizisten bewachen den Hafen von Tel-Aviv — auch unter ihnen Menschen unserer Sportbewegung, -die nun schon wochenlang' nicht mehr richtig schliefen. Bobby Lustig aus dem Wiener Makkabi HazaiT, Schleimer aus der Hockeymannschaft des Makkabi Tel-Aviv, Theo L e v y, der bekannte Sprinter aus dem Hamburger Bar Kochhar u. a. m. Die besten jüdischen Reiter wurden als berittene Hafenwächter eingestellt, stolz galoppieren sie über den Strand und können ihr jahrelanges sportliches Training in den Dienst des Voilkes stellen. An den Gittern stehen die Massen und sehen dem Werke der „Sportler“ zu. Hohe Wellen und stürmische See erschweren die Arbeit — langsam ganz langsam nähert sieh das Schleppboot dem Hafensteg — die Fracht — Zement — darf nicht naß werden — die Anlegestellen sind primitiv — die Stege und Boote noch Spielzeuge der tVellen — aber der Wällen und die Energie schaffen alles. Mehrmals wurden die Taue vergeblich ausgeworfen — immer wieder zog die Flut die Last ins Meer hinaus — da — endlich — sie hatten das Seil gefaßt — hundert Hände griffen danach — hundert begeisterte Menschen zogen mit dem Einsatz ihrer ganzen Kraft — die Bemannung des Schleppbootes sprang ins Wasser, um die Fracht leichter zu gestalten — so trugen sie die Ware in die neu errichteten Lagerhäuser... Walter Frankl. 3 alo Mautner und Frau (Haifa) gratulieren ihrem Bruder Hermann herzlich zu seiner Promotion zum Doktor der Medizin Vorgestern wurden zwei Brandbomben an das Haus des Hochkommissärs in Jerusalem gelegt, aber rechtzeitig entdeckt, so daß kein Schade entstand. Fünfzig Meilen von Jerusalem entfernt entgleiste ednei aus Tel-Aviv kommende Lokomotive, die beschädigt wurde; Menschen wurden nicht verletzt.' In einem amtlichen Communiquö wird mitgeteilt, daß auf dem Berge Karmel bei Haifa sowie bei Rami eh jüdische Autobusse beschossen wurden. Es galb keine Verletzten. In Nazareth wurde ein Bombenanschlag gegen die Polizeißtation verübt. Die Fensterscheiben wurden zertrümmert, verletzt wurde niemand. Drei Bomben sind in Tulkarem, zwei in Ramleh geworfen worden. Bei Ben Schemen kam es zu einem Kugelwechsel zwischen Polizei und Arabern, He versucht hatten, jüdisches Besitztum in Brand’ zu stecken. Auf Seiten der Polizei wurde niemand verletzt, ob es auf Seiten der Brandstifter Verletzte gab, äst nicht bekannt. Zu Brandstiftungen kam es auch in Tel-Adaschim und Jabneel, wobei beträchtlicher Schaden entstand. Die Telephouarbeiter der Linie nach Petach Tifcwa haben sich dem Streik angesohlossen. Unweit' Hebron wurden zwei Brücken in die Luft gesprengt. Zwischeu Jerusalem und . Hebron wurde die Tel ephonleitung in ungefähr einer Meile Länge zerstört. In Bethlehem mußte die Polizei etwa 500 Exzedenten auseinanderjagen. Hierbei wurden zwei Polizisten und zwei Exzellenten leichter verletzt. In der Nähe von Jaffa hat ein Trupp Araber jüdische Arbeiter überfallen und zwei von ihnen verwundet.' Wie „Haboker“ mitteilt, hat die einzige Kolonietenfamilio, die in den letzten Tagen noch in der jüdischen Kolonie K f a, r Chitin in Untorgaliläa gewohnt hat, infolge der Terrorakte benachbarter Araber die Kolonie verlassen. Polizei schießt auf Juden Tel-Aviv, 6. Juni. (Priv.) Unter den am Freitag Verhafteten befanden sich auch mehrere Juden aus Tel-Aviv, die in einem Orangenhain in der Nähe der Stadt im Besitz von Waffen getroffen wurden und sich weigerten, auf den Anruf stehen zu bleiben. Die Polizei eröffnete sofort das Feuer und verwundete mehrere Juden. Die Durchsuchung eines benachbarten Hauses förderte angeblich Waffen und eine größere Menge Munition zutage. Der Eigentümer des Hauses wurde verhaftet. JÜDISCHES FERIENHEIM AM PLATTENSEE für Knaben und Mädchen von 10 bis 16 Jahren. Erstklassige Verpflegung, ärztliche Aufsicht. Sandstrand, Schwimmen, Gymnastik; mäßige Preise. Anfragen Dr. Altmann, IX., Liechtensteinstr. 36, Telephon: wochentags U 27-0-45 von 10 bis- 1 und 3 bis 7 Uhr oder R 33-0-03 von 9 bis 12 und .3 bis 5 Uhr Wer bezahlt den Streik? Jerusalem, 3. Juni. Wie Palcor erfährt, hat man in den der palästinensischen Regierung nahestehenden Kreisen keine Zweifel darüber, daß der arabische Streik mit Geldern aus dem Ausland finanziert wird. Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, daß die bisher im Lande clurchgeführten Sammelaktionen nach den in der .arabischen Presse täglich veröffentlichten Listen 4000 Pfund aufgebracht haben, während das Komitee diesen Betrag alle zwei bis drei Tage ausgibt. Die arabische Presse erklärt, daß in Jerusalem allein 17.000 Personen Streikgelder empfangen, während die amtliche Information darauf hinweist, daß es im ganzen Lande 20 Zentren gibt, die Hilfsgelder auszahlen. Es ist bekannt, daß das arabische Streikkomitee den Hafenarbeitern in Haifa vollen Lohn und Extravergütung versprochen hat, wenn sie sich dem Streik ansohließen. Die arabischen Chauffeure erhalten vollen Lohn, während den Regierungsbeamten, die zmm Streik überredet worden sind, ihre Gehälter angeboten wurden. Es ist daher ohne weiteres klar, daß nur ein kleiner Teil der vom Streikkomitee aufgewandten Gelder tatsächlich durch Sammelaktionen aufgebracht wurde. Das arabische Streikkomitee macht starke Anstrengungen, um in Tr a n s j o r d a n i e n Unruhen hervorzurufen; dank der festen Haltung des Emirs und der Regierung blieben jedoch alle diese Versuche erfolglos. Die Streikführer verhaftet Jerusalem, 7. Juni. Hier wurden sieben arabische Führer, darunter auch der Sekretär des arabischen Zentralstreikkomitees, Auni Abdul Hadi, verhaftet. Sie wurden in das Konzentrationslager nach Auja el Hafir in der Nähe der ägyptischen Grenze eingeliefert. Hafenarbeiter aus Saloniki für Tel-Aviv Saloniki, 4. Juni. (JTA.) In Saloniki bereiten sich zahlreiche Hafenarbeiter auf die Auswanderung nach Palästina vor, wo sie in dem neuen Hafen von Tel-Aviv Beschäftigung zu finden hoffen. Es heißt, daß die Exekutive der Jewish Agency die Zuteilung besonderer Zertifikate außerhalb der Quote für diese Hafenarbeiter bewilligen werde. Bisher sind bereits 250 jüdische Hafenarbeiterfamilien aus Saloniki na-oh Haifa ausgewandert. Während des Streiks haben diese jüdischen Hafenarbeiter besonders wertvolle Dienste geleistet. Verband der jüdischen Schiffahrtsgesellschaften Tel-Aviv, 7. Juni. (2.T.A.) Die drei jüdischen Schiffahrtsgesellschaften „Palestine Shipping Company“, „Palestine Lloyd“ und „Atid“ haben sich zu einem Verband zusammengeschlossen, um eine bessere Verwertung der Arbeitsmöglichkeiten für <Sti jüdische Schiffahrt zu sicherii.

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