Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 553 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»r. 853 - '4. .Tun! 1936 tti STIMME Soft» 3 HÖHENLUFT - HÖHENSONNE Gebirgskinderheim Konradsgut 1260m,ÄLPEN«MILCH| ALPHN-BUTTER, erBtklaasige Vnrpflegunj?. Besondere Berlicksielillptuni? schlecht essender Kinder, Heimnrzt, Spiel, Sport Gymnastik,Ferialunterricht, Französisch, Englisch,Hebräisnh. Auskünfte und Prospekte: SCHÜLERHEIM STADTPARK, HI., Hansalgnsae 6, Tel. B 54-9-86, Dr. E. ALDOR, XVII., Goldschoidgasso 6, Tel. B 40-8-55. Die Zionisten im BJF In don Mitgliedskroisen des Bundes Jüdischer Frontsoldaten sind heftige Meinungsverschiedenheiten aukSgebrochen. Die Bundc.sfiihrung wird beschuldigt, durch die bei der kürzlich ßtattgefundenen Generalversammlung gefaßten Beschlüsse den unpolitischen Charakter des BJF, wie er in den bisherigen Statuten verankert war, verlassen zu haben. Zahlreiche Mitglieder des BJF sind nun der Meinung, daß auf sie ein politischer Druck auegeübt wird, den sie um so peinlicher empfinden, als eie nur deswegen dem BJF beigetreten sind, weil er statutarisch eine unpolitische Organisation war. Eines der zionistischen Mitglieder der Bundesführung des BJF, Herr Ingeuhur Eugen Buchbinder, hat bereits sein Mandat in der Bundesfüihrung zurückgclegt. Damit hat Ingenieur Buchbinder die Konsequenzen gezogen, die sich aus der durch die Statutenänderung geschaffenen Situation ergehen, die die Möglichkeit offen läßt, daß der BJF in einen Gegensatz zur zionistischen Organisation gerät. Wir glauben, daß es auch die Pflicht der übrigen zionistischen Mitglieder der B u n d e s f ü h r u n g ist, dem Beispiele Ing. Buehbinders zu folgen, ohne enst eine diesbezügliche Aufforderung abzuwarten. Die politischen Bestrebungen des BJF hatten schon vor dieser Generalversammlung zu einer eingehenden Diskussion im Ring der Alte-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen geführt. Wir veröffentlichen einen uns hierüber zugegangenen Bericht und eine Zuschrift des Herren Doktor Robert Felix an die Bundesführung. * Diskussion itn Ring der Alten Herren Im Rahmen der Sprechabende des R i ng e s d c r A 11 o-H erre n-V e r b ä n d e hat kürzlich eine eingehende und interessante Aussprache über die Stellung der Mitglieder des Ringes innerhalb des Bundes der jüdischen Frontsoldaten stattgefunden. Das einleitende Referat sowie das Schlußwort hielt der Biindesführer-Stellvertreter der BJF Ernst Stiaßny. Die Debatte war außerordentlich lebhaft und erstreckte sich über zwei Abende. Staatsrat Dr. Fried in a n n, Rat der Stadt Wien Dr. E h r 1 i c h, der Präsident des zionistischen Landesverbandes Dr. Oskar G r ü n b a u m, Oberbau rat Stpidker und der Vorsitzende der NZO Dr. W eisl griffen mit grundsätzlichen Darlegungen in dio Aussprache ein. Alle vorgebrachten. Meinungen und Anregungen stimmten in der Feststellung überein, daß in jedem Falle der zionistischen’ Idee d o r Primat g eb ü h r t. Der Präses des Ringes Dr. Moritz Ilarnik faßte in seinem abschließenden Resümee unter lebhaftester Zustimmung des Ringes dahin zusammen, daß die Gesamtheit der Mitglieder e i nmutig in der Überzeugung ist, daß für ihre Mitarbeit in allgemein jüdischen Organisationen ausschließlich die zionistische Ideologie und die zionistische Disziplin ausschlaggebend und verpflichtend ist und bleibt. Die Entscheidung über die taktische Haltung steht int gegebenen Falle einzig und allein der zionistischen Führung zu. Dieser hiomit für den Ring ein für allemal fostgclegte und in der zionistischen Weltanschauung verankerte Grundsatz wird auch in Zukunft für die Stellung des Ringes und seiner Mitglieder bestimmend sein. * An die Bundesführung des Bundes Jüdischer Frontsoldaten Österreichs Goohrto Horton! Am 28. Mai 193(5 hatte ich Gelegenheit, bei der außerordentlichen Generalversammlung des Bundes anwesend zu sein. Da ich nicht Delegierter, sondorn nur Zuhörer als altes Mitglied war, konnte ich zu clor Statutenänderung, clio an d’esem Abend beschlossen wurde, nicht das Wort ergreifen und daher nicht sachlich Stellung hiezu nehmen. Dieser Statiitonänderuugsantrag wurde zwar angeblich ordnungsgemäß acht Tage vor der Generalversammlung eingobracht, doch war der Inhalt dieses Antrages vor den .Mitgliedern der Bezirkssoktionen nicht nur geliciiiigchalton worden, sondern auch die stimmberechtigten Delegierten, die an der Generalversammlung teilnahmen, erhielten erstmalig im Laufe der Generalversammlung selbst vom Wortlaut dieses Antrages offiziell Kenntnis. Zufolge dieser Geheimhaltung war nicht nur ich, sondern auch alle anderen Kameraden in den Sektionen, die Delegierten mitinbegriffen, nicht in 4er Lage, sich ein Bild über die^e neuen Satzungen zu machen. Ich bin daher gezwungen, in der jüdischen Öffentlichkeit zu dieser Art der „Gesetzgebung“ Stellung zu nehmen, da ich nicht gesonnen bin, Methoden widerspruchslos hinzunehmen, die sich von denen des Dritten Reiches kaum unterscheiden. Ich bin auch verpflichtet, ^'Übereinstimmung mit einem Großteil aller Kameraden gegen die eigenartige Geschäftsführung der Bundesleitung bei der Generalversammlung Protest zu erheben. Diese durchgepeitschte Statutenänderung beinhaltet nicht mehr und nicht weniger, als eine grundlegende Änderung der Tendenz des Bundes. Der strengste Ausschluß jeder politischen Tendenz war der Grundsatz und die Bedingung, unter der ich und alle Kameraden seinerzeit in den Bund eingetreten sind. Die neuen Statuten aber besagen im Gegensatz hieau, 1. die Bundesführung nimmt die jüdischpolitische Willensbildung in ihre Hand und ln,eÄÄ B. Marcus & Sohn Wien, I., Rudolfsplatz 2 Telephon U 25-3-16 Gcgr. 1801 konstituiert sich als neue jüdische Partei unter dem Namen „Jüdische Einheitsfront“, 2. bekräftigt sie diese Absicht durch Ausschaltung der bestehenden jüdischen Gruppen, indem sie sich dio Schaffung eines eigenen politischen Programmes vorbeliält, dessen Inhalt allerdings bis nun auch noch Geheimnis ist und wahrscheinlich wieder in einem geheimen Konventikol der Bundesführung, ohne Befragung der Mitglieder, später festgelegt werden soll. Ich und Hunderte meiner Kameraden sind nicht mehr in der Lage, der Führung auf diesem Wege weitere Gefolgschaft zu leisten oder gar die Vertretung ihrer staatsbürgerlichen Interessen Männern anasuvertrauen, deren Programm wir nicht kennen, und die auf Grund ihres bisherigen Werdeganges im jüdischen Leben nicht die geringste Eignung zu einer politischen Führung besitzen. Ich habe bei bestem Willen bei den Buudesführern, die in ebenso autoritärer wie naiver Weise die Geschäfte des Bundes führen, keine besonderen politischen Fähigkeiten oder gar Ideen feststellen können, welche ihre überhebliche Bei der jüdischen Kultusgemeinde UNI geldnst die Stelle eines REUGIONSLEHRERS mit Beginn des kommenden Schuljahres zur Besetzung. Bewerber, die allen gesetzlichen Voraussetzungen entsprechen und in der Lage sind, den Unterricht an Volks- und Mittelschulen zu erteilen, wollen ihre belegten Gesuche bis 15. Juni d. J. beim Präsidium der Jüdischen Kultusgemeinde Linz, Bethlehemstraße 26, einreichen. Forderung nach alleiniger Führung des gesamten österreichischen Judentums rechtfertigen könnten. Zu dieser Bundesführung hab ich kein Vertrauen mehr und weise das anmaßende Postulat, politisch aufzutreten, auf das Nachdrücklichste zurück. Die Art der Statutenänderung, ohne vorherige Diskussion und Urabstimmung in den Sektionen, ist ein plumper Putsch. Er wird als solcher dadurch kenntlich, daß auf einen Vorhalt des Kameraden Dr. Harnik, Herr Hauptmann v. Friedmann und soin Stellvertreter Herr Stiaßny wörtlich erklärten — „dio Dolegierten sind liier zur Entgegennahme von Befehlen und nicht zur Debatte versammelt worden.“ Noch deutlicher war die überaus taktvolle und politisch kluge Bemerkung des Herrn Hauptmann v. Friedmann —• „kuschen und weiter dienen“. Dieso beiden Bemerkungen allein von „allerhöchster Stelle“, die von den anderon Herren der Leitung widerspruchslos hingenommen wurden, beleuchten die politische Begabung der Bundesführung, die den Anspruch erhebt, die Vertretung der staatsbürgerlichen Interessen der Judenschaft. zu übernehmen. Ich lehne es ab, Kadavergehorsam j einer Führung entgegenzubringen, die auf ( Grund eines unpolitischen Statuts gewählt wurde und jetzt bedenkenlos Politik be- ( treiben will. Der Großteil aller Kameraden l im Bund hat sich seine politische Einstellung auf Grund einer Weltanschauung gebildet, die durch schwere Opfer erkauft wurde, und wird sich diese ebenso wie ich nicht, durch einen „Tagesbefehl“ einer hiezu nicht befugten Führung ändern lassen. Die Aufgaben des Bundes bestehen neben kultureller und gesellschaftlicher jüdischer Arbeit vor allem darin, ein deutlicher Beweis dafür zu sein, daß jüdische Männer im Weltkriege dem Vaterland gegenüber voll ihre Soldatenpflicht erfüllt und damit das Märchen vom jüdischen Drüekebergertum erledigt haben. Der Bund darf nicht, wie jetzt beschlossen wurde, auf einen politischen Weg gedrängt werden, der unweigerlich zu seiner Zertrümmerung führen muß. Jüdisches Kinder Ferienheim »ATI D« in Spital am Semmering (820 m) für 6- bis 16-jährige Inhaber u. pädagog. Leiter A. Taglicht Modernes, gepflegtes Heim, ständige ärztliche Aufsicht, Sport, Gymnastik, Schwimmen, eigene Bibliothek, Heimkino, vorzügliche rituelle Verpflegung', Mastu. Diätkuren. Fremdsprachige Konversationsgruppen. Anmeldung, Prospekte, Photos usw. im Wiener Sekretariete, IX., Schwarzspanierstr. 12, Tel. A 26-3-73 All dies veranlaßt mich, meine Mitglied-! schaff, die seit der Gründung des Bundes besteht, zurückzulegen. Mit treujüdischem Gruß Dr. Eugen Felix. Bruno Heilig: Vom stummen Kind Der Antisemitismus ist das gewaltigste Lügengebäude, das Menschen je errichtet haben. Seit zweitausend Jahren leben die Lügen des Antisemitismus, seit zweitausend Jahren konzentrieren sich die Vernichtungskräfte einer Welt gegen ein Volk, das keine andere Sünde hat, als daß es schwach ist und sich nicht wehren kann, aber in seiner Schwäche doch unerschütterlich und durch alle Verfolgungen hindurch festhält an der Idee, die cs einmal als richtig erkannt hat und die ihm die Welt bedeutet. Warum ist das? Der Jude selbst fragt sich immer in selbstquälerischem Nachdenken, warum gerade ihm solches Schicksal zuteil geworden ist, und was die Welt veranlaßt, gerade ihn aus der menschlichen Gemeinschaft auszustoßen, gerade gegen ihn die ungeheuerlichsten Lügen zu konstruieren. Was stört die Welt am Juden? Wenn man überlegt, von wem, von welchen Kreisen, von welchen Faktoren der. menschlichen Gesellschaft die antisemitische Hetze immer ausgegangen ist, kann man nur zu einem Ergebnis kommen: Es ist die jüdische Idee selbst und nichts anderes als die jüdische Idee, was die feindlichen Kräfte gegen das Juden tum auslöst. Der Antisemitismus war immer ein Werk der herrschenden politischen Kräfte. Die jüdische Idee widerspricht jenem Grundsatz, auf dem die Welt seit jeher aufgebaut ist, dem Grundsatz, daß die Macht das oberste regulierende Prinzip in der Welt sei. Die jüdische Idee geht vom Grundsat der sittlichen Verpflichtung aus, sic erkennt dio Welt nicht an, so wie sie durch die Herrschaft der Macht geschaffen worden ist. Die Verneinung der Weltordnung der Gewalt hat jene Kräfte gegen die Juden zur Aktion gereizt, deren Lcbenselement eben die Gewalt ist, mit anderen Worten: die jeweils herrschenden Schichten und Organisationen. * Von ihnen ist seit je der Antisemitismus ausgegangen. Das hat schon bei jenen griechischen Priestern angefangen, die ihrem Volk einredeten, daß die Juden in ihrem Allerhciligsten einen Eselskopf verehren und Griechenblut trinken. Das ist so ge- Avesen durch die übrige Zeit des Altertums und durch das ganze Mittelalter und es ist so geblieben bis auf unsere Tage. Besonders heftig wurde der Antisemitismus jedesmal, wenn die Weltordnung der Gewalt Krisenzeiten erlebte. Da empfand man den Mahner, der dieser Weltordnung seit Jahrtausenden ihre Fehler vorgiehalteu hatte, als besonders störend. Die Gewalt hatte wieder einmal versagt — an der Vernichtung des Schwächsten unter den Schwachen wollte sie sich neu bewähren, neu bestätigen. Immer ist der Antisemitismus von oben gemacht worden. Die Masso der Völker ist nicht antisemitisch. Wäre sie es, gäbe cs längst keine Juden mehr. Es sind so ungoheuro und ungeheuerliche Anstrengungen gegen die Juden gemacht worden, daß ihre Fortexustenz unmöglich gewesen wäre, wenn in der nichtjüdischen Masse aktive antijüdisehe Dispositionen vorhanden gewesen wären. Und umgekehrt: Der Antisemitismus hätte nie diese Anstrengungen machen müssen, wenn er lebendig verwurzelt gewesen wäre in den Menschen. Der Antisemitismus hat immer ausschließlich von der Propaganda gelebt. Das ißt tausendfach bewiesen. .Man weiß, daß der Antisemitismus besonders stark ist in mancher Gegend, die fast jtidenfrei ist. Dort können die Menschen den Juden wirklich nicht darum hassen, weil -er die oder jene Eigenschaft hat und den anderen durch diese »eine Eigenschaften lästig, unbequem oder schädlich wird. Diesen Menschen muß man es erst beigebracht haben, daß der Jude schlecht sei. Und da ist die berühmte Geschichte von den Christen, die jedem ihrer persönlichen jüdischen Bekannten sagen, es wäre ja alles in Ordnung mit den Juden, wenn alle so wären, wie eben er. Die Leute meinen das merkwürdigerweise aufrichtig. Sie glauben, daß die ordentlichen Juden, die sie kennen, unmaßgebliche Ausnahmen seien, und sic glauben das, wenn sie noch so viele ordentliche Juden kennen. Sie glauben es darum, weil die antisemitische Propaganda ihren eigenen Juden geschaffen und dieses Bild des Juden den Menschen mit einer Eindringlichkeit beigebracht hat, gegen die die Tatsache des lebendigen Juden, der ein Mensch ist wie jeder andere, sich nicht durchsetzen kann. So bleibt das Judentum für den Durchschnittsmenschen der Inbegriff des Bösen, Verwerflichen, Menschheitsfeiiidlichen. Die Propaganda MÖBEL-WINTER für Gelegenheitskäufe Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A 21-5-31 ruht nicht, sie hat sich seit zweitausend Jahren keinen Augonblick des Ausspannens und der Passivität gegönnt, sie läßt den Menschen nicht eine Sekunde selbständigen Denkens und freier Überlegung., * Drei Faktoren machen also den Antisemit tisnius aus: Die Idee, dio die Inhaber der Macht stört, unsere -Schwäche und die Propaganda, die, weil wir schwach und hilflos sind und nicht über die normale Grundlage einer nationalen Existenz verfügen, sieh hemmungslos und ungestraft auf uns werfen kann. Aus diesen Feststellungen ergibt sich alles weitere von selbst. Dio Idee geben wir nicht auf. Wir glauben an diese Idee und wir wissen, daß nur eine Ordnung, die die Gewalt ablehnt, eine wirkliche Ordnung, eine Ordnung von Bestand sein kann. Merkwürdigerweise würde die Umwelt es uns nicht einmal gestatten, die Idee aufzugeben. Das könnte nämlich nur auf dem Weg der Assimilation geschehen. Wir sehen aber, daß gerade dort, wo die Assimilation besonders heftig geworden ist, der Antisemitismus plötzlich Halt befiehlt und die Juden zurücktreibt zur Idee, auch wenn .sie sie schon vor Generationen aufgegeben haben. So wird der Jude vor die Alternative gestellt: Die Idee aktiv und bewußt zu vertreten oder gerade vom Antisemitismus zu ihrem Gefangenen gemacht zu werden. An der Idee fosthalt-eu: das ist und bleibt jüdisches Schicksal. Aber — können wir gegen dio antisemitische Propaganda aufkommen? Sind wir imstande, dieser Macht von unserer Seite W i rk samos e n t gege l i z u s o tz e n? Wenn man unter der Gegenpropaganda nur die übliche apologetische Arbeit, wie sie von der Assimilation betrieben wird, verstehen müßte, dann ist die Frage zu verneinen. Die Gegenpropaganda, die von dem G.uml.-at/. ausgoht. daß der, der für doli s* *iri' hl, .«d.i-li .H-hlicßlich sell;i.>( verneint,