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Die Stimme · 1936-06-04 · Heft 553 (4.6.1936) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 553 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seit» 0 Dil ITIMMI Nr. 568 — 4. Juni 1906 muß an innerer Verlogenheit scheitern. Man kann nicht gleichzeitig für sich sprechen und erklären, man habe keine größere Sehnsucht als so zu sein oder wenigstens zu scheinen, wie die andern sind. Wer sich maskiert, kann nicht gleichzeitig sagen, daß das Gesicht, das er ängstlich unter der Maske verbirgt, doch eigentlich schön sei. Wer nicht sein will wie er ist, bestätigt nur diejenigen, die ihn häßlich finden. * Einen Sinn hat die jüdische Gegenpropaganda nur, wenn sie von der Bejahung des Judentums, von der Tatsache der Nation ausgeht und wenn sie aus diesen Grundsätzen auch die letzte Konsequenz zieht, die Konsequenz der Forderung der normalen Voraussetzungen für ein nationales Leben, der Forderung der Sammlung des Judentums im eigenen Land. Nur im eigenen Land, wo sich alle Kräfte der Nation und des einzelnen Individuums ungehemmt und unbeschwert entfalten können, werden die Juden auch tatsächlich zeigen können, daß sie so sind wie andere Menschen, und nur dort wird auch die Idee, die da-s Judentum vertritt, sich bewähren können. Alle jüdische Gegenpropaganda muß sich also auf den Zionismus ausrichten. Dann ist der Erfolg nicht nur möglich, sondern unbedingt sicher. Es darf den Juden die Tatsache, daß die böswilligste Propaganda durch Jahrtausende leben konnte, nicht entmutigen. Die Menschen sind nicht nur für das Schlechte und Gehässige zu mobilisieren. Gerade die ungeheuren Anstrengungen der antisemitischen Propaganda haben bewiesen, daß das Schlechte gar nicht so leicht durchzusetzen ist. Die Propaganda, die sich auf das Menschliche, auf das Gute und Richtige stützt, wird es sogar viel leichter haben als die Propaganda des Hasses. Aber ohne Propaganda ist nichts zu erreichen. Es gibt ein ungarisches Sprichwort* das sagt: „Ein stummes Kind wird auch von seiner Mutter nicht verstanden.“ Wenn wir stumm sind, kann uns auch der nicht verstehen, der bereit wäre, uns zu verstehen. Es hat noch nie eine Wahrheit gegeben, die man mit Stummheit durchgesetzt hat. Zur Wahrheit wird immer nur das, was als Wahrheit verkündet wird. So stark sind die Kräfte der Propaganda, daß sie auch die Lüge zur Wahrheit zu machen vermögen. Das ist schwer, denn man muß den Menschen ausreden, was sie sehen und hören, und ihnen einreden, was nicht ist, was man nicht durch Sehen und nicht durch Hören und nicht durch Nachdenken bestätigen kann. Aber es wird zur Wahrheit, es ist alles, was objektiv über uns durch zweitausend Jahre gelogen wurde, für die Menschen, denen man es immer und immer wieder vorgeredet hat, subjektiv zur Wahrheit geworden. Was ließe sich alles, so muß man aus all dem folgern, mit einer Propaganda für die Wahrheit erreichen! Die Menschen sind bereit, die Wahrheit zu hören und zu empfangen. Die Menschen sind nicht schlecht, sonst hätte die Propaganda des Hasses nicht so viel Mühe aufwenden müssen, damit sie schlecht seien gegen uns. Die Menschen dürsten nach der Wahrheit, sie wollen das Gute. Das müssen wir erkennen und darnach müssen wir handeln. Wir sind im Besitz der Wahrheit. Reden wir von ihr, behalten wir sie nicht für uns, dann wird sie lebendige Wahrheit werden. Sonst ist sie nicht da, sonst bleibt die Lüge Wahrheit, die Lüge des Antisemitismus und — noch immer für sehr viele Juden — die Lüge der Assimilation. * In einem zweiten Artikel wird die praktische Seite der Frage der zionistischen Propaganda besprochen werden. Beh konz. Realbüro lng.M.Mühlbauer Kau| und Verkauj von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwlsdienkredite Gebäudeverwaltung * Büro s Franz*]ose|j-Kai 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung s II., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Das ist du JiscUml t „Wir müssen uns selbst helfen!“ Diese heilsame Parole ist heute schon Gemeingut aller Zionisten. Für uns geschieht nur, was wir selbst für uns tun. Aber wir können heute auch hinzufügen: „Wir werden uns auch selbst helfen!“ Der Jiselmw beweist es in diesen schweren Wochen, daß das Judentum sich auf ihn verlassen kann. Bewundernswert ist namentlich die unerschütterliche Zuversicht der Juden von Erez Israel in die Zukunft der jüdischen Sache, die Festigkeit ihres Glaubens an das Gelingen des zionistischen Werkes. Es bewährt sich wieder die einzigartige Seele des Jisehuw, die in Schwierigkeiten und Gefahren nur eineu Ansporn zum Kampf, zur Arbeit, zum Einsatz aller Kräfte sieht. So kommt es, daß jeder Versuch der Gegner nur Erfolge des Jischuws nach sich zieht. Während die Araber im Lande morden und zünden, hat Tel-Aviv, die jüdische Stadt, ihren Hafen gemacht. Die Araber haben jüdisches Leben und jüdischen Besitz zerstört. Die Juden haben mit der Begründung der jüdischen Seefahrt geantwortet. Das ist der Jisehuw! * Es haben uns Freunde unseres Blattes Briefe ihrer Angehörigen zur Verfügung gestellt, die beredtes Zeugnis ablegen von der Haltung unserer Brüder in Erez Israel. Wir veröffentlichen hier zwei dieser Briefe. * Der Arzt Dr. Rudolf Ebel schreibt: Tel-Aviv, 21. Mai 1936. Meine Lieben! Gestern war ein Freudentag für den ganzen Jisehuw, vielleicht für die ganze Judenheit. Aber wer die letzten Tage mit allen Ereignissen nicht mitgemacht, wird das Gefühl der Freude nicht so empfinden können. Tel-Aviv hat einen neuen Anziehungspunkt, den jüdischen Hafen. In aller Stille ist er entstanden und wenn er jetzt auch nur aus einer Zufahrtsstraße und einem Holzsteg besteht, aus zwei Zrifirn, in denen die Büros und Magazine untergebracht sind — aus Zelten und Holzhütten ist das ganze neue Land entstanden — und darauf weht neben der britischen Flagge die Zionsfahne mit der Aufschrift: „Es lebe der Hafen Tel-Aviv“. Alles was Beine hatte, lief mm Hafen, Kinder und Greise, Arbeiter und Bürger, Frauen und Männer, alle möglichen Fahrzeuge kamen angefahren, vom Fahrrad bis zum rassigen Amerikaner modernster Type, um die Ankunft des ersten Schiffes und die Ausladung der Fracht zu sehen. Wie der Hafen selbst, war das Schiff auch noch klein, ein kleiner jugoslawischer Dampfer. Aber die Fracht war Sinnbild des Aufbaues des Landes, Sinnbild des arbeitenden Tel-Aviv, Zement. Und der erste Sack wurde zum Gedenken für alle kommenden Geschlechter im Museum aufbewahrt. Der Bürgermeister Dizengoff ließ es sich nicht nehmen und kam vom Krankenbett in Begleitung des Arztes, um die erste Begrüßungsansprache zu halten. „Der Hafen ist noch klein“, sagte er, „aber er wird groß werden!“ Alles bewunderte die tüchtige Arbeit der jüdischen Schiffer und Lastträger, voran die Saloniker. Man sah den Menschen die Freude bei der Arbeit an und ihr Wahlspruch war: „Den ersten Tag arbeiten wir umsonst.“ Es war keine Lohnarbeit, es war ihnen freudige Erfüllung eines langgehegten Traumes. Ganz draußen, hinter dem Gelände der Tarucha, am Jarkonfluß, liegt der neue provisorische Hafen. Während in Jerusalem fast zur gleichen Stunde, das letzte Opfer der arabischen Terrorakte begraben wurde, während doch im ganzen Lande Trauer und Schmerz um all die Opfer herrscht, die die Ereignisse gefordert haben, war hier draußen spontan ein Fest entstanden, und von ferne winkten die Flaggen der Welt, die Farben fast aller Nationen, die die Einfahrt zur Tarucha zieren. Da draußen am Jarkon, wohin man vor einigen Jahren noch durch Sandwüste einsam spazieren ging, war plötzlich ein großer Festplatz entstanden und alle Menschen unterhielten sich in freudiger Stimmung in allen Sprachen der Welt, besprachen die ungeheuren Zukunftsperspektiven, die mit dem heutigen Tage begannen. und Einwanderer auf jüdischem Schiff in jüdischem Hafen landen. Der Bau gibt Arbeit für tausende Menschen und bleibende Verdienstmöglichkeiten für den Jisehuw. Am Tage vorher war die neue Schedule verlautbart worden. Gestern gab der Jisehuw den Arabern auf ihren Streik die entsprechende Antwort. Das Streikkomitee saß in Jaffa und beobachtete mit Fernstechern die Bewegung am Meer, sprach beim Gouverneur vor, um die Ausladung zu verhindern, der sie an den Oberkommissär wies, der vor einigen Tagen die Suchnuth von der Erlaubnis verständigt hat. Der Jisehuw hat sich durch die Terrorakte nicht schrecken lassen, die Menschen standen mutig und unerschrocken auf ihrem Posten, opferten nach ihrer Arbeitszeit ihre Nachtruhe und Freizeit, um zum Schutze von Gesundheit und Eigentum der Gesamtheit mitzuwirken. Die Arbeit ging überall unerschrocken weiter. Mögen morgen noch 50 Dumm angezündet werden, noch 1000 Bäume ausgerissen werden, Erez-lsrael baut weiter, schafft neu, und jüdische Initiative wirkt und schafft für das eigene Land und Volk, übermorgen werden die arabischen arbeitenden Menschen verstehen lernen, wohin sie die Hetze ihrer Führer getrieben, jene Menschen, die gerade selbst am Bodenverkauf am meisten verdient haben. Sie werden einmal wissen, welche politischen Geschäfte ihre Führer gemacht haben und sich gegen diese wenden. Dann wird vielleicht das cintreten, was der gesamte Jisehuw durch Selbstdisziplin und unerschütterliche Ruhe, trotz mancher Hetzer und Provokateure, in den eigenen Reihen als seinen Willen bekundet hat: die Verständigung von Volk zu Volk. * In einem Brief vom 21. Mai von Kaufmann Schmuei Tennenbaum in Tel-Aviv, an seine Verwandten geschrieben, heißt es: „Die Juden werden die Sieger sein in diesem Kampf, der uns plötzlich in diesem Aus- Ausländisdie Auszeichnung für einen Wiener jüdischen Arzt Wie wir erfahren, wurde der Primarius des Spitals der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Jonas B o r a k von der griechischen Röntgengesellsoha/ft zu ihrem Ehrenmitglied ernannt. Dr. Borak ist ein Schüler Professor Holzknechts und erfreut sich als Röntgenologe, namentlich auf dem Gebiet der Röntgendiagnostik und der Röntgentherapie internationalen Ansehens. Er wurde, während er auf dem Ärztekongreß in Tel-Aviv weilte, vou der Athener Röntgengesellschaft zu einem Vortrag eingeladen. Der Erfolg des Vortrags kommt nun sinnfällig in seiner Ernennung zum Ehrenmitglied der griechischen Röntgengesellschaft zum Ausdruck. Wiener Zionist an die Hebräische Universität gewählt Dr. med. et phil. Stephan Krauß wurde vom Senat der Hebräischen Universität zum Research Fellow (Privatdozent) für das Fach der angewandten Psychologie gewählt. Der noch in jungen Jahren stehende Forscher hat bis 1933 eine akademische Tätigkeit in Deutschland ausgeübt und eine große Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten auf den Gebieten der Psychologie, Psychopathologie und Heilpädagogik veröffentlicht, die ihm einen bedeutenden wissenschaftlichen Ruf begründeten. Insbesondere fand sein Buch „Der seelische Konflikt“ weithin Anerkennung. Doktor Krauß, der aus Wien stammt, dürfte zahlreichen österreichischen Zionisten durch seine frühere führende Tätigkeit in der zionistischen Jugendarbeit in Wien bekmmt sein. Er ist der Sahn des berühmten Gelehrten Prof. Dr. Samuel Krauß, Rektors der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien. Dr. H. L.-R. Jüdische Kulturstelle I., Franz-Josefs-Kai 3, R 28-2-36. Donnerstag, 4. Juni, 19 Uhr, rezitiert Joachim Laatz im Jüdischen Kulturtheater unter dem Motto „Trotzdem — das Lebon ist schön“ , , . , , . .. optimistische Dichtungen von Goethe bis ln einiger Zeit wird der jüdische Tourist Tucholsky. maß und in dieser Form anfgezwungm wurde. Sowohl die Araber als auch die Engländer haben geglaubt, die Juden werden sich verschiedene Einschränkungen gefallen lassen, nur damit man rasch aufhört mit dem Morden und Plündern usw. Doch jeder Held, der sein Leben für Erez Israel einsetzte und fiel, und jede Brandlegung an jüdischem Besitz brachte neue Forderungen des jüdischen Jisehuw: Erhöhte Einwanderung, Verstärkung der Polizei durch Juden und die historische Forderung nach einem Hafen in Tel-Aviv haben die Juden Palästinas ihren Gegnern so stark vorgehalten, daß einerseits England Respekt vor uns bekam und die Araber Angst. Der Streik der Araber und ihr ganzer Kampf geht einem kläglichen Ende entgegen. Zuerst wollten sie Tel-Aviv aushungern und schrieben in ihren Zeitungen, daß die Juden in Tel-Aviv kaum mehr auf den Füßen stehen können vor Hunger, und daß in ein bis zwei Tagen alle Araber nach Tel-Aviv marschieren sollen, um sich zu nehmen, ivas ihnen beliebt. Natürlich war von Lebensmittelmangel keine Sekunde lang etwas zu spüren. Der Endeffekt des Boykotts der Araber ist, daß man natürlich vom ersten Tag der Unruhen an kein Stückchen Lebensmittel aus arabischer Hand kauft, ja, cs wurde vernichtet, was vorrätig war und heute sind in Jaffa wie in ganz Palästina arabische Lebensmittel zu so niedrigen Preisen zu haben, daß man nur so staunt. Aber doch kauft kein Jude. Dadurch haben sich die kleinen arabischen Händler in großes Elend gestürzt und jetzt werden sie selbst zu Meuterern im eigenen Lager.“ Der Brief schildert dann, ähnlich wie das oben zitierte Schreiben, die Begeisterung der Juden bei der Ankunft des ersten Schiffes im neuen Hafen von Tel-Aviv. * Wir bitten unsere Leser, uns weiter Briefe, die sie aus Erez Israel bekommen, zur Verfügung zu stellen. Wenn uns unsere Leser mit derartigen Schilderungen der Verhältnisse und der Stimmung im Jisehuw versorgen, können wir unter dem Titel „Das ist der Jischuw!“ eine ständige Rubrik einführen. Jüdische Künstlerspiele H. Praterstraße 84. Vor Abschluß des Gastspieles Sevilla P a s t o r wird Freitag, den 5., Samstag, den 6. und Sonntag, den 7. Juni 1936 die große nationale Revue „Hallo, hallo, hier Radio Jerusale m!“ von A. Meiseis zum letztenmal aufgeführt. Sonntag nachmittags bei ermäßigten Preisen „Hulie Kabzen“; Montag, den 8.: „A Mojd a Chwat“; Dienstag, den 9.: „Komödiantin“; Mittwoch, den 10.: Sondervorstellung des Schauspielers B. Sigal: „Das schönste Mädel“ mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle. Donnerstag, den 11. als Abschiedsvorstellungen: Nachmittags halb 4 Uhr „Scbikert e“ und abend halb 9 Uhr „Hallo, hallo, hier Radio Jerusalem!“ # Montag, den 8. Juni 1936 veranstaltet ein Ehrenkomitee eine Abschiedvorstellung anläßlich der Abreise des Schauspielers Markus Herschkowitz, der sich ins Ausland begibt. Zur Aufführung gelangt „A Mojd a Chwat“, Komödie in drei Akten von Siegel, Musik von Rumschinsky, mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle. Ferner Markus Herschkowitz ln „Gott der Rache“ (3. Akt) von Schalom Aßoh. Mangels Bekanntschaft sucht Altwarenhändler braves hübsches Mädchen zwecks Ehe Zuschriften an Zionistisches Büro, Linz, Landstraße 71 Spenden für die Aktion „Rettet die Jugend" Herr Ing. Eugen Sternschuß antwortet auf die Aufforderung des Herrn Samuel Kermisch mit S 5.— und lädt zu Spenden ein: Ing. Hermann Kirschbaum; Ignaz Schapira; Ing, Bernyrd Neumann; Dr. John Edelmann; Meiseimann; Kahn; Paul Weinstein; Ing. H. Schön; Ignaz Fendlor; Frl. Honrietto Seidner. Herr Karl Schwarz antwortet auf die Aufforderung dos Herrn Elias Grünschlag mit S 10.— und lädt zu Spenden ein: Ohaim Adelsheim; F. Billig; Rudolf Böhmer; David Horo- Zur Juni - Leerung sind berechtigt Personen nur mit gelben Legitimationen Spendet reichlich «aus diesem. Anlässe!

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