Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 553 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r*zsm KVH y3 Seit« 4 DIE STIMME Nr. 553 — 4. 'Juni 1930 seine Forderung auf Abbruch des Streikes: die Araber Sollen jedoch seine Vorschläge a b g e l e h n t. haben. Die Unterredung dauerte anderthalb Stunden. Arabische Kaufleute fordern Abbruch des Streiks Tel-Aviv, 1. Juni. (Palcor.) Das Komitee der arabischen Kaufleute und Ladeninhaber in Jaffa veröffentlichte einen Aufruf, der sich gegen die arabischen Führer wendet, die durch den verlängerten Streik den arabischen Handel ruinieren; das Komitee fordert sofortigen Abbruch des Streiks. Die Methoden der Provokateure Jerusalem, 30. Mai. (Palcor.) Ein in italienischer Sprache abgefaßtee Manifest wurde heute auf den Mauern in der Altstadt gefunden. Die Araber werden aufgerufen. die Juden zu vertreiben, weiche die JUNGE HEBRÄISCH-LEHRERIN mit langjähriger Praxis, sucht über den Sommer Posten zu Kindern ins Haus oder in ein Heim. Unter „Hebräische Pädagogin" an die Administration des Blattes Zionistisch« Bezfrkssektion II. - Club Brex Israel, II., Praterstr. 13 Tel. Samstag, den 0. fuiti 1936, 9 Uhr abends, findet Im Cafe-Restaurant Co n sta nti n h ü g e I Prater-Hauptallee 17 eine Veranstaltung unter der Devise I Sommerfestauf dem HadarHakarmel Reichhaltiges Programm statt. größten Feinde Europas und der Christenheit seien. * Es ist selbstverständlich undenkbar, daß etwa die italienische Regierung oder sonst eine verantwortliche italienische Stelle einen solchen Aufruf verfaßt haben konnte. Es ist bezeichnend, mit welchen Mitteln die Provokateure arbeiten. Deutsche Gewehre Jerusalem, 29. Mai (Palcor.) In der Nähe von A k a b a wurde eine arabische Karawane angehalten, welche im Begriffe war, 100 deutsche Gewehre bineinzuschmuggeln. Die Gewehre wurden konfisziert; eine Untersuchung ist eingeleitet worden. Jerusalem im Generalstreik Gespräch mit Vizebürgermeister Auster. Jerusalem, 29. Mai. In Jerusalem leben heute rund 70.000 Juden und etwa 45.000 Mohammedaner und Christen. In der Stadtverwaltung stehen sechs jüdischen Stadträten sechs arabische gegenüber: vier Mohammedaner und zwei Christen. Es läßt sich denken, daß die Stadt in diesen ..Kriegszeiten“ in eine außerordentlich schwierige Situation gekommen ist, zumal ihr Bürgermeister Dr. Khaldi mit seinem Amt die Mitgliedschaft iim Obersten arabischen Streikkomitee für vereinbar hielt. Dr. Khaldd übte die ganze Zeit über sein Amt aus — abgesehen von .drei Tagen, in denen er krank war und von Vizebürgermeister Dr. Auster vertreten wurde. Doktor Auster .hat alles getan, um die Staidt so wenig wie möglich unter den Folgen dee Streiks und der Unruhen leiden zu lassen, was die Bevölkerung dankbar anerkennt. Zu Begann der Unterredung, die der Vizebürgermeister von Jerusalem mir heute gewährte, fragte ich zunächst nach der Arbeit der einzelnen Stadtratskommissionen. ..Es sind seit Beginn des Streiks“, erwiderte Dr. Auster, „nur einige der Kommissionen, die, wie der Stadtrat selbst, zur Hälfte jüdisch und zur Hälfte arabisch zusammengesetzt sind, oinberufen worden; diese Kommissionen haben ordnungsgemäß getagt und gearbeitet. Nicht.dringliche Arbeiten wurden jedoch aufgesohoben.“ „Fanden Stadtratssitzungen statt?“ „Zwischen dem 20. April und dem 12. Mai bat keine Sitzung stattgefunden. Zu den Sitzungen am 12. und 26. Mai waren fast alle Stad träte, Juden und Araber, anwesend. In der letzten Sitzung wurde vor allem über die Fortsetzung der öffentlichen Arbeiten gesprochen, und zwar ganz speziell ilbeT die Bauaribeiten in der Jaffastraße, auf deren Wiederaufnahme der High Commissioner im Interesse der allgemeinen Sicherheit selbst gedrängt hat. Der District Commissioner hatte bereits in der Zeit von Dr. Khaldis dreitägiger Krankheit darauf bestanden, daß diese Arbeit dem arabischen Unternehmer, mit dem die Stadt einen Vertrag hatte, auf Grund der wochenlangen Arbeitsunterbrechung abgenommen und einem neuen übertragen wird. Ich hatte daraufhin bereits den alten Vertrag gelöst und erfolgreich mit einem neuen Unternehmer verhandelt. Als Doktor Khaldi zurückkam, brachte er die Sache im Stadtrat zur Sprache und Abstimmung. Die arabischen Mitglieder de« Stadtrates waren zusammen mit Dr. Khaldi gegen die Annullierung das alten Vertrages, die jüdischen dafür. Die Juden hatten in dieser Sitzung zufällig die Mehrheit; es wurde besohl oesen, den alten Vertrag sofort zu annullieren und dom englischen Unternehmen, mit dem ich bereits verhandelt hatte und da« nur jüdische Arbeite” beschäftigen wird, zu übertragen. Da diese Entscheidung schon vorher vom District Commissioner bestätigt worden war, tat der Beschluß unanfechtbar. Am Sonntag werden die Bauarbeiten in der Jaffastraße fortgesetzt werden. Ich hoffe, daß auch die übrigen Jerusalemer .städtischen Straßenbauarbeiten bald wieder aufgenornmen werden.“ „Welche Arbeiten wurden ferner durch den Streik beeinträchtigt?“ „Tn den Büros der Stadt hat niemand gestreikt. Hingegen sind die sogenannten täglichen Arbeiter, .wie Straßenreiniger uüä Müllkutscher der Strcikpa.role gefolgt. Da diese Arbeiten bisher nur von Arabern ausgeführt wurden, war es nötig, für die jüdischen Stadtteile jüdische Arbeiter zu bestellen. So sind derzeit täglich 90 jüdische Arbeiter im Dienste der Munizipalität beschäftigt. Vor zwei Tagen hat zwar ein Teil der arabischen Stadtarbeiter die Tätigkeit wieder aufg en omm e n, aber diese Arbeiter werden jetzt nur für die arabischen Stadtviertel verwendet.“ „Soll das auch in Zukunft so bleiben?“ Dr. Auster zeigt auf einen ganzen Stoß von Petitionen, die vor ihm liegen und meint: „Die Bewohner der jüdischen Stadtviertel verlangen, daß auch nach Liquidierung des Generalstreiks und der Unruhen die jüdischen Arbeiter, die jetzt angenommen werden mußten, in städtischen Diensten bleiben. Ich werde mich gleichfalls in dieser Richtung bemühen. Die Entscheidung hierüber hat an sich der Bürgermeister zu fällen. Ich glaube aber, daß er in diesem schwierigen FaLl die Sache vor den Stadtrat bringen wird.“ „Wie gestaltete sich in normalen Zeiten Ihre Zusammenarbeit mit Ihrem Kollegen Dr. Khaldi?“ „Ich habe mit Dr. Khaldi immer in den besten Beziehungen gelebt und vollkommen kooperiert. Seit Beginn der aktuellen Unruhen unid des arabischen Streiks haben die jüdischen Stadträte Dr. Khaldi mehrmals mündlich und schriftlich gedrängt, sich von jeder Politik fernzuhalten, da sie es als unmöglich erachten, daß der Bürgermeister oiner Staidt, in der die Mehrheit der Einwohner und Steuerzahler Juden sind, aktiv an politischen Entscheidungen mitwirkt, die gegen die Interessen der Mehrheit der Einwohner gerichtet sind. Sie haben ferner darauf hiingewieeen, daß der Bürgermeister nicht gegen die Interessen der Bevölkerung einer Stadt auftreten kann, die ihm sein Gehalt ans der Stadtkas.se zahlt. Dr. Khaldis Antwort war, daß er im Rathaus apolitisch bleibe, daß er aber draußen frei sei. Die Juden betonten demgegenüber, daß eiin Bürgermeister stets mit seinem Amt belastet sei: im der Munizipalität und außerhalb. Auf die schriftliche Versicherung der jüdischen Stadträte, daß jede Kooperation aiufhören müsse, wenn sich Dr. Khaldi nicht aller Politik enthalte, antwortete der Bürgermeister mündlich, daß er weder das Rathaus noch das Forum der Politik verlassen wolle. Die Beziehungen zwischen den jüdischen und arabischen Stadträten blieben sachlich wie zuvor.“ „Wie wirkte sich der Streik in Jerusalem allgemein wirtschaftlich aus?“ „De«r Streik hat natürlich nicht nur den arabischen Geschäftsleuten ungeheuer geschadet, sondern in einem beträchtlichen Maß durch den Mangel an Sicherheit auch dem jüdischen Teil der Bevölkerung. Nicht zu vergessen den Stillstand im Jerusalemer Baugewerbe.“ „Aber hat sich die Lage nicht, schon etwas gebessert?“ „Seit einigen Tagen, ja... Die energischen Maßnahmen des High Commissioners trugen viel zur Erhöhung der städtischen Sicherheit bei. Setzt die Regierung ihre Bemühungen in dieser Richtung mit Energie weiter fort, so bin ich sicher, daß wir bald wieder zur Ruhe kommen.“ Erich Gottgetreu. Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S 1’90 u. 2*60 I!., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Die Sokolow-Feier der Wiener Zionisten Die Sokolow-Trauerfeier, die die Wiener Zionisten letzten Donnerstag im großen Saal des Hotel Continental abhielten, wurde vom Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes Dr. Oskar Grünhaum mit einer Rede eingeleitet, in der er u. a. ausführte: Nachdem Sokolow am ersten Zionistenkongreß als Beobachter teilgenommen hatte, stürzte er sich Hals Uber Kopf in die Bewegung, weil er sah, daß hier die einzige Chance für das jüdische Volk liege. Er lohnte den Zionismus als bloße Gruppenbildung im jüdischen Volk ab und sagte, der Zionismus könne nur zum Zweck der Organisierung des jüdischen Volkes da sein. Die Arbeit in der Galuth und für die Galuth, die Arbeit in Erez Israel und für Erez Israel Hand in Hand gehen müssen. Nach den Unruhen vom Jahre 1929 hat er den Satz ausgesprochen: „Ohne eine starke Galuth kann es kein Erez Israel geben und ohne ein starkes Erez Israel kann es kein gleichberechtigtes Judentum in der Galuth geben.“ Heute, nach den schworen Schicksalaschlägen in der Galuth verstehen wir, wie wahr damals Sokolow gesprochen hat. Dr. Grünbaura skizzierte dann die umfangreiche Tätigkeit Sokolows auf allen zionistischen Arbeitsgebieten, seine diplomatischen Bemühungen, seine wissenschaftliche und literarische Arbeit und kam dann auf seine Rolle zur Zeit des Weltkrieges und der Verhandlungen über die Schaffung des jüdischen Nationalheims zu sprechen: Wie er mit den Staatsmännern der Mächte unterhandelte und wie er mit Weizmann am Zustandekommen der Balfour-Deklaration wirkte. In seiner Rede verwies Dr. Grünba/um auf die ungerechten Vorwürfe, dio von österreichischer katholischer Seite gegen die Zionisten erhoben werden, wonach dio Rechte der Katholiken in Palästina nicht geschützt seion und führte ein Gespräch Nahum Sokolows mit Papst Benedikt XIV. an, aus dem die wahre jüdische Auffassung über diese Frage hervorgeht. Nachdem Sokolow dem Papst die zionistischen ZieJo auseinandergesetzt hatto, sagte dieser, er habe Verständnis für die Bewegung und habe nur den Wunsch, daß der Ausübung der katholischen Religion in Palästina kein Eintrag geschehe, und daß die Heiligkeit der christlichen Stätten gewahrt werde. Darauf sagto Sokolow, es sei nichts selbstverständlicher, als daß das jüdische Volk, das so hart verfolgt worden ist, in Palästina dio freie Roligionsübung schützen und dio Rechte der heiligen Stätten sorgfältig wahren werde. Darauf antwortete der Papst: „Wir werden gute Nachbarn «ein.“ Mit einem Aufruf zur Sammlung der zionistischen Kräfto schloß Dr. Grünbaum seine Rede. Es sprach dann hebräisch Dr. David Rothblum, der ausführto: Bei keinem anderen Volk wird der Verlust einer überragenden Persönlichkeit so tief empfunden wie beim jüdischen. Alle Nationen, die den Heimgang Ihrer großen Männer beweinen, finden in dem Bewußtsein Trost, daß es für die Toten einmal einen Ersatz geben wird, daß dio Lücke in der Zukunft ausgefüllt werde. Denn das Leben der nationalen Gemeinschaft ist bei ihnen normal, wickelt sich in natürlichen ßteiupfl ab» Unser Leben dagegen ist unnatürlich, unsere Dascinsbedingungen vom eigenen Gestaltungswillen gar nicht abhängig. Übcrragendo Persönlichkeiten vom Formateines Sokolow müssen als Wunder angesehen worden, als Gottesgabe, als Geschenk der Vorsehung, die sich unser von Zeit zu Zeit erinnert und unser Dunkel mit einem Lichtstrahl erhellt, mit dem große Männer uns beglücken. Deswegen wird ihr Abgang als nationales Unglück, als ein unersetzlicher Verlust, empfunden. Das ist der hohe Sinn der dichterischen Worte Bialiks: Es war ein Mann und sehet, er ist nicht mehr. Noch ein einziges Lied war in ihm, es ist nunmehr in Ewigkeit verloren. Schade, schade, für immer schade... Daß das jüdische Volk den Tod Sokolows als nationales Unglück empfindet, ist nicht bloß auf die ungewöhnliche, einmalige Persönlichkeit des Verblichenen zurückzuführen, der in sich geistige Eigenschaften 'und seelische Kräfte ih einem Maße vereinigte, das uns einfach unfaßbar erscheint. Es ist vielmehr so zu erklären, daß da» jüdische Volk einzig und allein durch die Tatsache, daß eine so gewaltige Gestalt, aus seiner Mitte entstanden ist, im Glauben an die eigene nationale Kraft, im Vertrauen zu eich selbst gestärkt wurde. Die Wechselwirkung zwischen Volksganzen und Voiksindividuum, die in Sokolow einen vollendeten symbolischen Ausdruck fand, ließ ihn während »eines ganzen Erdenganges immer als Exponenten der Nation erseheinen. Er war die Verkörperung unserer historischen Kraft, die er wieder auf uns projizierte. Seine Seele wurzelte in de* Tradition, seine Arbeit in der Gegenwart, sein Glaube in der Zukunft. Er «selbst sagte noch vor 35 Jahren von sich: .„Der Zionismus gab mir das System, er gab mir die Plattform meines Lebens, die Anpassung, die Harmonie, die es mir ermöglichte, meine Elemente, meine Grundlagen, die Teile meines Ichs, meine Liebe zum Zionismus' und mein nationale» Sein zu einem vollendeten Ganzen zu vereinigen ...“ - L Was der Zionismus für ihn war, wollte er für den Zionismus sein. Er strebte ein ganze», vollendetes, hebräisches Erez Israel an, das nationale Erlösung in allen Belangen bringen soll. Mit Sokolow ist ein Großer und Für»t in Israel gefallen. Der Redner befaßte sich sohin mit Sokolow als Schriftsteller und Volkserzieher und dann mit seinem Wirken in der zionistischen Bewegung in allen ihren Phrasen seit Theodor Herz] bis zum letzten Luzorner Kongreß und schließt: Ehrfürchtig, stumm und ergriffen stehen wir an dem Grabe unseres großen Toten. Das jüdische Volk wird seiner nie vergessen. Sein Andenken wird ün uns sein bis zum Ende aller Tage. — Schließlich cr^rijY Oberrabbiner Dr. David Fouclitwang das Wort. Er sprach von der hohen religiösen und weltlichen Bildung Sokolows, von dem begabten, fesselnden Redner, von dem Lyriker Sokolow und fuhr fort: Wenn andere Völker »agen, auch über große Tote müsso man zur Tagesordnung übergehen, so tun wir da» nicht. Wir gehen nicht zur Tagesordnung über,- wir wollen da» Rätsel des Lebens des großen Mannos deuten. Wahrhaft große Männer haben immor etwas Rätselhaftes und Mystischos an »ich. Wir werden noch lange über Sokolow naohdonken und über ihn sprechen. Nahum Sokolow war uns mehr als ein jüdischer Fiihror, er war uns mehr als ein Ilistorikor, er war uns efh geliebter Freund, den zu vorlioron wir bitter boklagen. Wir wollen sein Andenken am besten in der Form ehren, daß wir trachten, einen Teil soines Wesens in den jüdtachen Kreis zu tragen und seine Begeisterungfür alles, was jüdisch war, seine Entflammung fiir alle», was menschlich war, sein Weltbürgertum, das sich manifestierte in der Fülle dor Sprachen, die er beherrschte, in der Litoratur und in der Kultur fast aller Völker der Welt, dio er oifrig studierte. GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMMER: A 17-3-99 und A 1Ö-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. n^a-Fleisch unter Aulsloht des EhrwUrdlgen Rabbinate der Israelitischen Kultus» gemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX., Berggasse 15, XVIII.,Währingerstraße 71 i