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Die Stimme · 1936-06-04 · Heft 553 (4.6.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 553 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wir. 858 —5 4. Juni 1836 »II «TIMMI 8«!t« S Juden und Araber Erklärungen Ussischkina Jerusalem, 28. Mal. Ein Interview, das U8sisct>kin dieser Tage Ihrem Mitarbeiter gewährte, führte nach allgemeinen Feststei* Iungen zur Frage der j ü d i s c h - a r a b 1sehen Annäherung. „Ich hin nicht nur von der Möglichkeit einer Annäherung Überzeugt“, antwortete der Präsident des KKL., „sondern glaube darüber hinaus, daß wir in Frieden und Freundschaft mit unseren arabischen Nachbarn leben können unter der Voraussetzung, daß diese den Zionismuß als ein Fait accompii anerkennen. Die zionistische Arbeit ist von Anfang an friedlich gewesen und wird es immer sein. Wir haben keinen anderen Wunsch. Es ist ja auch unmöglich, in einer von Feindschaft erfüllten Atmosphäre ersprießlich zu wirken.“ „Wer dirigiert den arabischen Aufstand?“ „Der Kampf wird vor allem von einer gewissen Oberschicht geführt, die weniger um wirtschaftliche Interessen kämpft als um ihr eigenes politisches Prestige. Sie sind im Grunde den Engländern feindseliger gesinnt als den Juden. Aber sie führen ihren Kampf gegen die Engländer sozusagen auf dem jüdischen Umweg. Es ist ihnen auch gelungen, die Jugend zu gewinnen, die, wie überall in derartigen Situationen, in ihrem Handeln mehr von der Leidenschaft als von der Vernunft geführt wird...“ „Sehen Sie einen Weg, die zionistische Konsolidierung zu beschleunigen?“ „Die Haltung der Regierung ist dafür ebenso entscheidend wie die Aktivität der Juden. Die Regierung müßte uns den Bodenkauf und die Einwanderung erleichtern, die Judenheit uns materiell stärker unterstützen als bisher.“ „Und wie reagieren nun die palästinensischen Juden?“ „Man hat begriffen, daß es notwendig ist, die Kräfte des Volkes zu konzentrieren. Die sich bisher bitter bekämpften, fanden sich In der Einheitsfront der Selbstverteidigung für alle: Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Orthodoxe und Freigeistige...“ „Wird der wirtschaftliche Schaden groß sein?“ RAPALLO, gfc Hotei Fiorenza Continentale, das Komforthotel, Pensione Internationale, die gemütliche Familienpension Auskunft und Prospekte durch die Direktion Cohen-Eckstein oder UNIVERSAL-Reisebüro, Wien, I., Kärntnerring 3, neben Bristol Jerusalem, 31. Mai (Paloor.). Heute mittag wurde in der Nähe des Viertels Gi-vat Schani Ln Jerusalem ein deutscher Jude namens Franz Bure ih a r d t ermordet; ein Schuß aus dom Hinterhalt traf ihn tödlich aim Kopf; er stianb eine halbe Stunde spätor auf dem Wege zum Spital. Burohardt war 59 Jahre alt; er stammt aus der Powenor Gegend und wohnte seit zwei Jahren Ln Palästina, wo er als Anzaigonwerber wirkt. Er hinterläßt einen Sohn in der Kwuzah Hedora und zwei Töchter in Tel- Aviv. Die Polizei traf mit Spürhunden an der Mordstello ein; Spuren führen nach dem arabischen Dorf Lifta, wo mehrero verdächtige Araber verhaftet wurden. Insgesamt wundem »eit dom 19. April 26 Juden getötet. „Ich glaube, daß die arabische Einbuße im Endeffekt weit größer ist als die jüdische. Die Juden haben zwar sehr erheblichen materiellen Schaden erlitten, aber ihre Wirtschaft ist im ganzen intakt geblieben. Die Araber haben hingegen regelrecht ökonomische Positionen verloren. Denken Sie an die Gründung des Hafens von Tel-Aviv oder auch an die Anstellung jüdischer Arbeiter durch die Stadtverwaltung Jerusalem, die bis zum Beginn des arabischen Generalstreiks fast hundertprozentig Araber beschäftigte.“ E. G. Stern’sche Lehr-und | Erziehungsanstalt I I., Werdertorgasse 12, Tel. U 28-1-97 I Volksschule f. Knaben u. Mädchen (9 Uhr I Schulbeginn) / Oeffentlichkeltsrecht / ■ Hauptu. Fortbildungsschule, Tagesheim, H Internat, Sport, Fremdsprachen, Musik ■ Aegypten für jüdischarabischen Ausgleich Kairo, 31. Mai (J. T. A.). Bemerkenswerte Vorschläge für einen jüdisch-arabischen Ausgleich in Palästina werden in der Zeitung „Al Dschihad“, dem Zentralorgan der Wafd-Partei, die vor kurzem die Macht in Ägypten übernommen hat, gemacht. Die Zeitung führt unter anderem aus: Die Araber haben recht, wenn sie behaupten, daß sie sich schon seit Jahrhunderten im Lande befinden. Auch die Juden haben recht, wenn sie behaupten, daß Palästina ihr einstiges Vaterland ist, in das sie jetzt auf Grund einer internationalen Vereinbarung zurückkehren. Die Araber dürfen aber nicht vergessen, daß Juden in Palästina leben und daß dies eine Tatsache ist, mit der man rechnen muß. In Palästina leben schon 400.000 Juden, ein Drittel der Bevölkerung. Sie sind dort mit ihrem Vermögen, mit ihren Leistungen und sie sind Bürger des Landes. Die Araber dürfen nicht mit England allein einen Vertrag schließen. Solange es nicht zu einem Ausgleich zwischen allen Faktoren kommt, kann es keinen Frieden im Lande geben. Selbst wenn England den Arabern jetzt die Einstellung der jüdischen Einwanderung und des Bodenverkaufes an Juden vorschlüge, dürften die Araber darauf nicht eingehen. Sie müssen sich mit den Juden ausgieichen. Eine Round Table-Konferenz ist notwendig. Die Probleme: arabisches Vaterland und Jüdisches Nationalheim sind identisch, denn beide sind das Problem Palästinas. Montag abends wurden im unmittelbarer Näh« von Jerusalem mehrere Juden, die sieh auf der Fahrt mach Jaffa befanden, beschossen. E ii n jüdischer Student wurde getötet, mehrere andere verwundet. Kämpfe In den Kolonien Jerusalem, 30. Mai. (Palcor.) Die letzte Nacht war eine schwere wachebereite Nacht für den jüdischen landwirtschaftlichen Jischuw im größten Teil des Landes. Brandstiftungen, Bäumezerstörungen und Feuerwechsel, dauerten die ganze Nacht an. Die Frucht schwerer Arbeit wurde in Hunderten von Dunams vernichtet; Tausende von Bäumen ln jüdischen Orangerien sind verbrannt oder zerstört; ein jüdischer Arbeiter wurde verletzt und ein Araber getötet. Das ist die Bilanz der letzten Nacht. In Herzlia im Sharon begann eine arabische Bande jüdische Weinberge zu zerstören; herbeieilende Wächter wurden mit Schüssen empfangen und erwiderten das Feuer. Der Wächter Isaac Z a r h i, Mitglied eines Sonderkibbuz, wurde durch eine Kugel am Fuß verletzt. Schließlich flüchteten die Araber. Morgens fand man im Weinberge einen durch Schüsse getöteten Araber. Im Balfour-Wald wurde wiederum Brandstiftung begangen; Kwuza-Mitglieder und Polizei löschten das Feuer. In Balfouria im Emek sind zehn Dunam Weizen verbrannt. In Kfar Ha&sidim wurde die einge-;brachte Ernte in Brand gesteckt; es gab einen großen Brand; ungefähr 300 Personen aus der ganzen Emekgegend eilten herbei, um das Feuer zu löschen, wobei ein Jude, namens Siman Frank verletzt wurde. Im Laufe der Nacht wurden in Chedera ungefähr 2000 Bäume in jüdischen Orangerien vernichtet; es gab einen Kugel- Wechsel zwischen den Wächtern und den Angreifern; als jedoch die Polizei mit zwei Automobilen mit Scheinwerfern herbeieilte, flüchteten die Araber. In Karkur wurden ungefähr 200 Bäume in einer jüdischen Orangerie vernichtet. In Bat Shlomo in Samaria sind fünf Dunam Weizenfeld verbrannt. In Migdal in Galiäa wurden 7 Dunam nichtet. Nach einem Feuerwechsel flüchteten die Angreifer. In Givat Haim im Emek Hefer sind 100 Dunam Weizenfeld verbrannt. In Kfar Jawetz gab es einen Kugelweohsel zwischen Wächtern und Arabern. In Jaffa wurde ein großes Holzlager des Kaufmannes Sehlusch in Braaid gesteckt; 150.000 Kisten für Orangenverpackung sind verbrannt. Auf die aus Tel-Aviv herbeigeholte Feuerwehr wurden zwei Bomben geschleudert, die jedoch keinen Schaden a.nriohteten. Eine Kalkfabrik in Migdal Zedek bei Petah Tikwa wurde in Brand gesteckt; das Feuer wurde rasch gelöscht. In S a f e d gab es einen Kugelwechsel zwischen Polizei und aus dem Hinterhalt schießende Araber. MfNMMMOMMfMMMMMMMMSMM RESTAURANT STEFANIE 1^3 11., Tabontraß« Nr. 18 “ittD Hugo und Julie Herlfnger, geb. Zöllner Bekannt gut« Küche / Gepflegte Getränke Aufmerksamste Bedienung / Zeitgemäße Preise Reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten / Schöner schattiger Garten Jüdische Polizisten und jüdischer Selbstschutz Jerusalem, 27. Mai. (Palcor.) Zehn weitere jüdische Polizisten wurden heute nach dem Emek geschickt. Dadurch wird die Zahl der jüdischen Polizisten, die die jüdischen Siedlungen bewachen, auf 200 gebracht. 17 Juden, unter denen sich Mitglieder von Kibbuzim befinden, wurden heute auf Empfehlung der Jewish Agency zur Ausbildung in die Polizeischule aufgenommen. Jerusalem, 29. Mal. (JTA.) An* Dienstag mobilisierten die Behörden zum erstenmal einen Selbstschutz der Juden in Rechobot. In aller Eile wurde auch eine neu-organisierte jüdische Polizeitruppe nach Tulkarem entsandt, da sich die dortige arabische Polizei im gegenwärtigen Stadium der Unruhen als unzuverlässig erwies. Über ein Dutzend arabische Polizisten wurde in Ketten von Nablus und Tulkarem, wo sie den Weisungen nachzukommen sich geweigert hatten, nach Jerusalem gebracht. In Eile für den Polizeidienst rekrutierten, jungen Juden wurden Uniformen und Ausrüstung gegeben; sie wurden auf Posten in verschiedenen Landesteilen, besonders längs der syrischen Grenze, entsandt. Jüdische Hllfspolizei in Tel-Aviv Tel-Aviv? 30. Mai. (JTA.) In Tel-Aviv sind 600 junge Männer, Angehörige aller jüdischen Gruppen, für die Hilfspolizei rekrutiert worden. Sie werden in Alarmbereitschaft gehalten und sollen sofort in Dienst gestellt werden, falls der Schutz einer jüdischen Kolonie vor einem arabischen Angriff notwendig werden sollte. Die Studenten der Hebräischen Universität haben an Sir Artur Waiuchope ein Memorandum gerichtet, in dem sie verlangen, zur Unterstützung des englischen Militärs mobilisiert zu werden. Die Studenten schlagen vor, die j üdi- Deutsche Hakenkreuzler in Palästina Jerusalem, 1. Juni (JTA.). Eine Anzahl deutscher Einwohner aus Tanganjika (Afrika), die fließend arabisch sprechen, wurde, wie verlautet, In Jaffa unter dem Verdacht verhaftet, bei der Organisierung der gegenwärtigen arabischen Unruhen im Hafen von Jaffa beteiligt zu sein. Der Verdacht, daß bei den Unruhen in Palästina Nazi-Machenschaften im Spiele sind, wird noch dadurch verstärkt, daß bei den arabischen Rebellen in Nablus, Tulkarem und Jaffa große Mengen in Deutschland hergestellter Gewehre gefunden wurden. Laut palästinensischen Presseberichten wurde am Morgen des 29. Mai auch ©ine Anzahl Nazis bei dem Versuch betroffen, jüdisches Eigentum zu vernichten. Die deutsche Kolonie Wilhelma in der Nähe von Haifa hat für die streikenden Araber in Jaffa 20 Säcke Mehl gewidmet. Wieder jüdische Todesopfer Hontessori - Sommerlteim uw für 3- bis 16Jährlge Kurort Sauerbrunn Schloßartige Villa, eigener Park, Bad, Brause, Arzt! Schwimmbad 5 Min. entfernt; 5 reichl. Mahlzeiten >' Fremdsprachen; Mittelschulnachhilfe Leitung: Alice Freistaat-Lederer Edith Torten Dipl. Montessori-Lehrerin Dipl. Kindergärtnerin Anmeld, i Montessori-Kindergarten, I., Gßlingg. 13 (10—12, 4-6), Tel. U 23-6-70 sehe Legion wieder aiufznsfcellen. Sie erklären, daß die jüdische Jugend nicht beiseite zu stehen wünscht, wenn jüdisches Leben undEigentum in Gefahr sind und Engländer um der Sicherheit der Juden wegen ihr Leben aufs Spiel setzen. HüRHÄra HfllTEHLEUTGEBEH fl. G. CHEFARZT PROF. DR. ALOIS STRASSER Sämtliche Kuren und Diäten. IdealeT Aufenthalt für Kranke und Erholungsbedürftige. Auskünfte: Kaltenleutgeben, Tel. Nr. 3, nachmittags: Stadtbüro, Tel. Nr. U 45-4-34 Gedächtnisfeier für die zerstörten Felder und Wälder Tel-Aviv, 1. Juni. (Palcor.) Am Sohewuoth fand im Versammlungsraum der Arbeitenden Jugend eine Gedächtnisfeier für das verbrannte Getreide und die gefällten Bäume statt. Ein Knabe verlas eine „Gedächtnis-Rolle“, deren Text wie folgt lautete: „Laßt ums gedenken des Verbrechens gegen den goldenen Weizen auf den Feldern Israels, welcher in Flammen aufging; laßt uns gedenken der Seelen der brennenden Wälder und des Todesschmerzes der gefällten Bäume. Wir werden für jede Garbe Millionen anderer schaffen, für jeden gefällten Baum tausende neuer Bäume pflanzen, welche Frucht und Schatten spenden werden.“ In den jüdischen Orangerien in Petach Tikwa sind jetzt 913 jüdische und 107 arabische Arbeiter beschäftigt. In der Vergangenheit stellten die Araber 75 Prozent der Arbeiter in Petach Tikwa. Rundfunkrede Lord Snells London, 29. Mai. (JTA.) Im englischen Rundfunk hat Lord Sn eil ain Montag abends eine Ansprache gehalten, in der er forderte, daß die Regierung eine neue Erklärung über ihre künftige Palästinapolitik veröffentliche. In dieser Erklärung soll klar zum Ausdruck gebracht werden, daß die Bestimmungen des Mandats aufrecht erhalten und die jüdische Einwanderung fortgesetzt werden würde. Als die Pflicht der Regierung bezeichnet© Lord Snell, die Ordnung in Palästina wiederherzustellen und aufreohtzuerhalten. Den repräsentativen jüdischen Organisationen gab er den Rat, neuerlich zu erklären, daß ihre Ziele keinerlei Unterwerfung der Araber bedingen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen sprach Lord Snell von dem Nutzen, der den Arabern aus der jüdischen Kolonisation erwachsen sei. Es sei das unmittelbare Ergebnis des Mandats und das unmittelbare Ergebnis jüdischer Ansiedlung, daß die Araber in dem reichen Gemeinwesen unter der ersten gefestigten Regierung, die sie jemals kennengelernt liaben, leben; bisher seien sie durch die jüdische Ansiedlimg keineswegs geschädigt, sondern im Gegenteil gefördert worden, und ihre Löhne seien gestiegen. Was nützt Dir all Dein Geld, Wenn Dir die Gesundheit fehlt! Tausende verdanken ihre Heilung - Bad Lulmtoulce, Eigene AuskunftBteUe: Wien, III., Sekwaaenbergpiatz Nr. 7 (bei Francopof, Tel. U 17-2-16) und Reisebüros. Die Bürgermeister für den Streik Jerusalem, 30. Mai. (Palcor.) Der Oberkommissäir Sir Arthur Wauchope empfing heute mittags die arabischen Bürgermeister von Jerusalem, Jaffa, Haifa, Nablus, Rarnleh, Lydda und Gaza. Der High Commissioner forderte Abbruch des Streikes; eine Regier ungskom miss ion werde dann sofort nach Palästina kommen, um Untersuchungen über die Unruhen anzustellen und die Beschwerden der Araber anizuhören. Wauchope bat ferner die Bürgermeister, sie sollten ihren Einfluß anwenden, um die Gemüter zu besänftigen. Die Araber erklärten ihre Bereitwilligkeit, jedoch unter der Bedingung, d aß die Regierung die jüdische Einwanderung einstelle. Wauchope wiederholte

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