Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 553 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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FMZWm Seit« 2 Oll «TIMMI Nr. 568 - 4. Juni 1036 s i Mac Donald für Haifa und Jaffa London, 30. Mai. (JTA.) Im Unterhaus brachte Captain W. F. Strickland in einer Anfrage das Problem der Überlastung der Häfen Palästinas zur Sprache. Der Abgeordnete hatte an den Kolonienminister die Anfrage gerichtet, ob er auf die Schwierigkeiten aufmerksam geworden sei. die für die in Tel-Aviv wohnenden Importeure, die Waren über Jaffa beziehen, bestehen, da es nur eine freie Straße und keinen entsprechenden Hafen gibt; werde der Minister mit Rücksicht darauf, daß diese Schwierigkeiten zu überflüssig vermehrten Stockungen im Hafen von Haifa führen, die Vorschläge, zusätzliche. angemessene Hafenanlagen in Tel-Aviv selbst zu schaffen, in baldige Erwägung ziehen? gfcgggfc'&itufc ISÜÜfiFMüRi tttSoHMO&uulS Die Anfrage wurde von dem Minister für Dominien, M a 1 c o 1 u m M a c D o n a 1 d, folgendermaßen schriftlich beantwortet: Es ist eine Tatsache, daß die V e r h ä 11 n i s s e im Hafen von Jaffa unbefriedigend waren und daß die Schwierigkeiten gegenwärtig durch den arabischen Streik zeitweilig vermehrt sind. Man erwartet, daß bis Jahresende ein umfassender Verbes.serungsplan durchgeführt sein wird; seit langem vorbereitete Pläne für die Erweiterung der Anlagen in Haifa werden durchgeführt werden, sobald Mittel zur Verfügung stehen. Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß die Bedürfnisse der gegenwärtigen Situation nicht durch die Verbesserungen und Erweiterungen befriedigt werden könnten, die jetzt in Jaffa und Haifa durchgeführt -werden oder geplant eind. WPTIKER RUDOLF HAAS & COMP. WIEN, II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FCIR BRILLENOPTIK Kolonienminister Ormsby Gore Die Ernennung Ormsby Gores zum Kolonienminister wird in jüdischen Kreisen mit Genugtuung aufgenommen. Man erwartet, daß Ormsby Gore nicht zögern wird, die B a 1 f o u r - Deklaration, die den Juden eine Heimstätte in Palästina zu6ichert, neu zu bekräftigen. Nach allgemeiner Erwartung wird Ormsby Gore eine Politik der starken Hand durchführen und angesichts der unruhigen Lage in Palästina nicht vor der Erklärung des Kriegsrechtes in Palästina zurückschrecken, wenn dies sich als notwendig erweisen sollte. Ormsby Gore steht im 52. Lebensjahr. Er zog 1910 als Konservativer ins Unterhaus ein und war von 1922 bis 1929 Unterstaatssekretär für die Kolonien. Ormsby Gore hat England in der Mandatskommission bei zahlreichen Gelegenheiten vertreten. * Naoh der Eroberung Palästinas durch die englischen Truppen ging eine zionistische Kommission „Waad Hazirim“ unter F ü hr u n g W cizmanns nach Palästina. Ormsby Gore, damals Major in der englischen Armee, begleitete die Kommission als politischer Verbindungsoffizier. Ormesby Gore sprach damals zusammen mit Weizmann in einer jüdischen Versammlung in Jerusalem. Er erklärte unter anderem: Jene Juden, die nach Palästina kommen werden, werden nationale Juden sein. Sie werden die Möglichkeit haben, die hebräische Erziehung zu pflegen und das Land zu entwickeln. Ormsby Gore unterstützte Weizmann in politischen Angelegenheiten. Anfang Juni 1018 fuhren Ormsby Gore und Weizmann nach Akkaba, wo Weizmann eine Unterredung mit E in i r F e i e a 1 hatte, der sich freundlich über die zionistischen Bestrebungen äußerte. Auch in späterer Zeit ißt Ormsby Gore öfter öffentlich für die zionistischen Rechte eingotreten. Bad Luhaiovlce (C&R.) bietet vorteilhafte Frübling&p&uschalkuren. Informationen und Prospekte durch rlle eigone Auskunftsstelle, Wien, III.. Schwarzenbergplatz 7 (bei FRANCO¬ POL). 100 st. 36 Gr. AIMULY Zigarettenhülsen RAX 100 st. 30 Gr. Vor dem Genfer Tribunal Agitator des nur aus Keiner Person bestehenden arabischen Komitee!*, schon .seit einem Jahr in Berlin und ist dort als Orient- Referent dem außenpolitischen Amt Rosen? borgs zugeteilt. An dieser Stelle ist viel zusammen gebraut worden, wa.s dann in Palä- Wührend im Mandatsgebiet Palästina der Kleinkrieg zwischen England und den arabischen Freischärlern fortdauert uncl faßt täglich die Liste der jüdischen Todesopfer eine Vermehrung erfährt, ist in Genf zwischen der Mandatskommission und dem englischen Regierung.svertreter ein Konflikt entstanden, der vielleicht noch zu Weiterungen innerhalb des Plenums des Völkerbundes führen -wird. Die Mandatskommission will sich nicht mit der Beratung der ihr vorliegenden Berichte und Petitionen begnügen, die sämtlich aus der Zeit vor April stammen, und verlangt immer wieder Aufklärungen über die gegenwärtig in Palästina herrschenden Verhältnisse. Der englische Vertreter lehnt dies ab, mit der von wenig Logik, aber viel Machtibewußtsein eingegebenen Begründung, daß die Kommission sich nur mit dem ihr offiziell zugewiesenen Material zu befassen habe; die Vorgänge von heute wären erst bei der nächsten Seesion zu behandeln, das heißt also in einem Zeitpunkt, in dem England zu einer klaren Lage nach dieser oder jener Richtung hin gelangt wäre. Die Kommission zeigt nun Miene, an das Plenum zu berichten, sie könne zu keinem Entschluß kommen; da der Vertreter Englands die notwendigen Auskünfte verweigert. Der Konflikt ist kein technischer, sondern er geht um eine grundlegende politische Differenz: Unterstehen die Vorgänge in Palästina der Kontrolle des Völkerbundes, respektive der Mandatskommission oder kann England selbstherrlich vorgehen, eine Klärung der Situation je nach seinen politischen Bedürfnissen im Orient verschleppen? In dieser Gegenüberstellung drücken sich alle Beschwerden, die von zionistischer Seite seit Jahren gegen die Ausübung des Mandates erhoben wurden, in einer knappen Formel aus. England führt ßeirie’ Politik Wie in einer Kolonie, und es gibt dem Völkerbund, auch nur in. diesem Rahmen Auskunft. Dieser Haltung entspricht e.s auch, daß immer wieder von einer königlichen Kommission gesprochen wird, auf deren Absendung dae Kolonialamt zu bestdien scheint, während sie in Palästina selbst von den Juden sehr kühl und von den Arabern mit Nein aufgenommen wird. Die Kommission soll die Beschwerden der Juden und der Araber prüfen. Nun liegt die Sache so, daß die Juden in keiner Angelegenheit, die gegenwärtig das Land bewegt, die Initiative gehabt haben. Die Unruhen sind aus dem Projekt des Gesetzgebenden Rates herausgewachsen, mit dem sich keiner der Bevölkerungßteile einverstanden erklärt hat. Sie sind zu Mord und Brandstiftung entartet, nicht aus einem politischen Motiv heraus, sondern weil die Mandatsregierung es an Energie hat fehlen lassen, und weil der Sicherheitsapparat auf der ganzen Linie versagt hat. Die Kommission hätte sich demnach nur mit dem englischen Verwaltungs- System zu beschäftigen und hiefür ist nicht eine englische Kommission, sondern einzig der Völkerbund das entscheidendo Forum. Gewiß hat sich im Verlauf der letzten Tage in Palästina zwischen Juden und Engländern ein etwas besseres Verhältnis herausgebildet. Die Engländer haben erkannt, daß sie sich außer auf Militär auch noch auf die Sympathie wenigstens eines Teiles der Bevölkerung stützen mtlseen, jenes Teiles, der heute im Vordem Orient den europäischen Geist und die europäische Zivilisation repräsentiert; es ist das jener Teil, aus dessen Tasche die Verwaltung bezahlt wird, jener Teil, der die Lasten dee Landes trägt und dessen Wirtschaft erst von Grund aus geschaffen hat. Es ist zu begrüßen, daß dio Mandatsvorwaltung diese aufbauende und bestimmende Funktion der Juden erkennt, und daß ihr klar wird, daß sie mit den Juden in einem kongruenten System steht, daß der arabische Angriff Juden und Engländer zugleich trifft. Dio Organisation dieses Angriffs ist derart angelegt, daß sie die auswärtige Unterstützung der arabischen Meuterer in mehr als einem Punkt verrät. Es liegen eine Menge Meldungen vor, die die deutsche Mitarbeit immer deutlicher hervortreten lassen. Eß sind Deutsche aus Ostafrika festgenommen worden, die auf Grund ihrer Kenntnis der arabischen Sprache mit den arabischen Banden kooperierten und sich sogar Angriffe auf jüdischem Besitz haben zuschulden kommen laeßen. Die deutsche Kolonie Wilhelma hat den arbeiteunlustigen Arabern ein großes Quantum Mehl zur Verfügung gestellt, jene Kolonie, die ausschließlich von Juden lebt, und ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse nur an Juden absetzt. Dieses Verhalten der Deutschen, das man sich für alle Zukunft merken muß, entspringt einerseits der antisemitischen Grundtendenz des Dritten Reiches, anderseits dem Bestreben Berlins, gegen England, gegen den Völkerbund und gegen Europa zu schüren. Nicht umsonst sitzt Schokib Arslan, der Wandcrstina in der Form von Mordübcrl'ällen auf unbewaffnete jüdische Passanten, auf Autobusse und auf Telegraphenleitungen, auf Felder und Gärten in Erscheinung getreten ist. Die englische Regierung, die seit langer Zeit diese Agitation kennt, hat sie geduldet und das ist mit ein Punkt in der großem Listo der Beschwerden, mit denen sich die Mandatskommission und der Völkerbund zu befassen hätten — wenn der englische Vertreter darüber Auskunft geben würde. Reöenmflntel Weizmann an die Mandatskommission Wie bereits berichtet, hat die Mandatskommission des Völkerbundes am 27. Mai ihre Session begonnen. In der ersten Sitzung wurde der bisherige Vorsitzende Graf T h e o d o I i zum Vorsitzenden für das Jahr 1936 wiedergewählt; zum Vizepräsidenten wurde der Belgier Orts einstimmig gewählt. Außer Graf Theodoli nimmt an den Sitzungen der Kommission noch ein Italiener teil, nämlich Signor Vito Catast i n i, der frühere Leiter der Mandatsabteilung des Völkerbundes, der seinen Posten im Sekretariat aufgeben mußte und nunmehr noch provisorisch den Beratungen der Kommission als „Experte sui generis“ beiwohnt. Diese Teilnahme der beiden Italiener an den Beratungen der Mandatskommission wurde in Genf vielfach kommentiert, obgleich es sich formell — in beiden Fällen — um keine Delegierten der italienischen Regierung handelt. Es wurde darauf hingewisen, daß die italienische Regierung sich anscheinend nicht die Genugtuung nehmen will, in einer Völkerbundkommission zu präsi- , ^dieren, die die Gebarung Gr oßbritanniens in den ihm anver trauten Mandatsgebieten zu kontrollieren hat. An den Beratungen der Kommission nehmen alle Mitglieder teil. Es sind dies: Graf A. T h e o d o 1 i, Italien; Pierre Orts, Belgien; Frl. D a n n e v i g, Norwegen; Lord L u g a r d, Großbritannien; J. Mancero n, Frankreick; L. P a 1 a c i o s, Spanien; Graf de P e n h a-G a r c i a, Portugal; W. R a pp a r d, Schweiz; Baron van Asbeck, Holland; N. Sakenob e, Japan; und C. W. II. Weaver, Großbritannien, als nicht stimmberechtigter Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes. Das Comitö des Delegafcions Juives hat der Kommission ein Dokument überreicht, das die letzten blutigen Ereignisse in Palästina schildert und dringendeAbhilfe fordert. Ein zimmmenfassendes Bild der Entwicklung im abgelamfenen Jahr wird in dem vom 30. April datierten Begleitschreiben des Präsidenten der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann an den High Commissioner für Palästina gezeichnet. Weizmann legt in diesom Schreiben, das bereits auf die gegenwärtigen Unruhen in Palästina Bezug nimmt, ernste Verwahrung gegen jede auf eine Einschränkung der jüdischen Einwanderung abzielende Politik ein, gibt der Überzeugung Ausdruck, daß die Regierung sich durch Drohungen und Gewalttaten von der Erfüllung ihrer Mandatspflichten nicht abbringen lassen werde, und richtet an sie den Appell, eine aktive Politik zur Förderung jüdischer Niederlassung in Palästina durchzuführen, damit die Struktur des Jüdischen NaUonalheitns binnen kürzester Frist jedem Angriff standhalten könne. Der letzto Abschnitt dos Begleitschreibens hat folgenden Wortlaut: „Dio Vorstellungon in Bezugauf die unzureichende Vertretung der Judon im Sicherhoits- und öffentlichen Dienst und auf die abnormale Lage der Stadt Tel-Aviv erhalten besondere Dringlichkeit im Licht der tragischen Vorfälle dor lotzten Tage. Am Sonntag, den 19. April, sind auf Grund eines falschon Corüohtos, das sich mit bemerkenswerter Schnelligkeit in dor ganzen Stadt Jaffa verbreitet haben muß, und demzufolge Araber von Juden getötet worden sein sollten, judenfeindliohe Ausschreitungen ausgebrochen. In mörderischer Absicht überfiel Tn den Straßen von Jaffa der Mob, unter dem sich nichtpalästinensische Araber hervortaten, die Juden, die »ich in der Stadt bei ihrer gewöhnlichen Beschäftigung befanden, und stachen sie nieder. Dio Führer der arabischen politischen Parteien benutzten die durch die Ausschreitungen entstandene Unruhe, um den arabischen Nationalstreik zur Unterstützung ihrer Forderung nach Einstellung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Bodenvcrkanfs an Juden und Einsetzung einer nationalen Regierung in Palästina zu proklamieren. Während diese Zeilen geschrieben werden, hält der arabische Streik noch an, und das Land befindet sich weiter in einem Zustand der Spannung. Es ist dies nicht das erstemal, daß versucht wird, durch Anwendung von Gewalt die Mandatarmacht zu veranlassen, die Politik der Förderung des Jüdischen Nationalheims aufzugeben und das jüdische Volk von der Fortsetzung seines Siedlungswerkes in Palästina abzuschrekken. Das jüdische Volk hat bei ähnlicheil Gelegenheiten in der Vergangenheit gezeigt, daß Angriffe dieser Art seine Entschlossenheit, das Nationalheim in Palästina wieder aufzubauen, nicht erschüttern können. Die Jewish Agency vertraut darauf, daß die Mandatarregierung sich ihrerseits durch keine Drohungen, Streiks oder Gewaltaten von der Durchführung ihrer Mandatsverpflichtungen abbringen lassen wird. Sie nimmt die Gelegenheit wahr, um an die Mandatarregierung den ernsten Appell zu richten, eine Politik aktiver und systematischer Ermutigung jüdischer Siedlungs- und Erschließungsarbeit einzuleiten, damit die Struktur des Jüdischen Nationalheims innerhalb kürzester Frist i m muh werde gegen jeden Angriff. loh erlaube mir hinzuzufiligen, daß eine solche Politik im Hinblick auf die wirtschaftliche Not und den poetischen Druck, denen große Teile cles jüdischen Volkes in der Diaspora zurzeit ausgesetzt sind, dringend geboten, und daß sie in vollem Maße gerechtfertigt ist durch den bemerkenswerten Fortschritt, dessen Palästina sich in den letzten Jahren dank den erhöli-i ten jüdischen Anstrengungen als fähig er? wiesen hat.“ MIerenlefoenben ffirpftlmtui* empfehlen 2lr$tc ftct§ beit oftbcmrihtieit 6auevhrtmn Die Einwanderung geht weiter Jerusalem, 31. Mai. (JTA.) Wie aus einer Veröffentlichung in der „Offizial Gazette“ •hervorgeht, sind ungeachtet der schweren' Unruhen der letzten sechs Wochen im Monat April 1936 3193 Juden zu dauernder Niederlassung nach Palästina gekommen. Von ihnen gehörten 394 zu der Kategorie der Einwanderer mit einem Mindeßteigeuka.pital von 1000 Pfund. — Im Mai sind über Haifa 2200 Juden, davon 1105 Touristen cingctroffcn. Dia Zertifikate für die deutschen luden Berlin, 31. Mai. (JTA.) Das Palästinaamt teilt mit: Wie wir von der Jewish Agency telegraphisch entfahren, sind für Deutschland außer den 1200 Zertifikaten, die auf Grund der Aktion des Council fo.r German Jewry erwirkt wurden, weitere 265 Zertifikate bewilligt worden. In dieser Zahl sind ebenso wie bei den früheren Zertitikatßzu* teilungen die Auswanderer aus Deutschland berücksichtigt, die sich bereits im Auslände befinden („Flüchtlingszertifikate“). Somit beträgt die Quote dor für das kommende Halbjahr zur Verfügung stehenden Arbeiter z o r t i f i k a t o für Auswanderer aus Deutschland insgesamt 1465, DM