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Die Stimme · 1936-06-04 · Heft 553 (4.6.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 553 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9k ^Stimme V. S. s. 20 S i\ '<V7 Nr. 5S3 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, 4« Juni 1936 14* Siwan 5696 9* Jahrgang Das Wunder unserer Tage Von Dr. Oskar Grünbaum Von Theodor Herzl stammt der Satz: „Eine Nation ist eine historische Gruppe von Menschen, die durch einen gemeinsamen Feind zusammeng'ehalten wird.“ Es wäre müßig, Untersuchungen darüber anzustellen, ob diese Definition auf andere Nationen zutrifft. Wir sprechen hier mir von der jüdischen Nation und für uns Juden ist Ilorzls Definition von der Nation richtig. Das zeigt sich so recht in diesen Tagen, wo Zionisten und Nichtzionisten eine einzige Frage beschäftigt: „Was geht in Palästina vor?“ Zionisten und Nichtzionisten sind sich noch gar nicht so recht im klaren über ein großes Wunder, das sich in diesen Tagen der Unruhen in Palästina ereignet hat. Bisher waren nur die Zionisten an Palästina interessiert und jene „Nichtzionisten“, die ihr Scherflein für den Palästina- Aufbau beitrugen. Heute aber fühlt die große Masse, die uns bisher gleichgültig gegenüberstand, daß die Vorgänge in Palästina jeden Juden angehen und noch mehr: Der einzelne Jude fühlt, daß er in Palästina angegriffen wird und daß es dort auch um sein Schicksal und um das seiner Kinder geht. Deswegen fiebert er nach jeder neuen Nachricht und nimmt zu ihr Stellung. Er fühlt sich — und das ißt keine Übertreibung — als Angehöriger des Jiechuw. Er fühlt sich als Mitglied jener Gruppe von jüdischen Menschen, die in Erez Israel durch einen gemeinsamen Feind zusammengehalten werden. Herzl-s Definition von der jüdischen Nation leuchtet nun auch dem noch nichtzionistischen Juden ein und so kommt es, daß die zionistische Idee in diesen schweren Tagen einen mächtigen Auftrieb erhalten hat. Aber noch ein zweites Wunder ist in diesen Tagen geschehen. Unsere an Anomalien überreiche Geschichte hat die groteske Tatsache gezeitigt, daß die Prosperity viele Nichtzionisten und Antizionisten nach Erez Israel brachte. Sie gingen nach Palästina, weil man dort; „schön verdienen“ konnte. Sie wären ebenso gerne nach Alaska oder Coohin- China gegangen, hätte es dort eine Prosperity gegeben. Aber weder in Alaska noch in Cochin-China gab es einen solchen Waren- oder Bodenhunger wie in Palästina. Deswegen gingen sie nach Palästina, nur in der Absicht, rasch und viel zu verdienen, um dann Palästina wieder den Rücken zu kehren. Und an diesen Menschen vollzieht sich heute das Wunder, daß der gemeinsame Feind sie daran erinnert, daß sie Juden sind und daß auch sie im jüdischen Lande eine jüdische Mission zu erfüllen haben. Sie erleben heute zum erstenmal das Gefühl der Verbundenheit mit dem jüdischen Volk. Und wenn auch sicher viele von ihnen in ihre alten politischen und geschäftlichen Laster zurückfallen werden, so darf doch nicht verkannt werden, daß auch in diesen Randjuden das nationale jüdische und damit das zionistische Bewußtsein Wurzel geschlagen hat. Nur so ist es zu erklären, daß der Jischuw in diesen schworen Tagen ein wunderbares Bild der Geschlossenheit bietet. Die harte Entschlossenheit; der Juden in Palästina, ihm bewundernswerte Kaltblütigkeit und ihre reine Begeisterung haben in Erez Israel alle Assimilanton mitgerissen und in der Gallith orientieren sich heute — einstweilen noch unbemerkt — gewaltige jüdische Massen in der Richtung zum Zionismus. Nicht nur die Leiden der Juden in Palästina haben dieses Wunder volbracht, sondern weit mehr der Stolz der Galuthjuden darauf, daß es ihr eigen Fleisch und Blut, ihre jüdischen Brüder und Schwestern sind, die heute der ganzen Welt Bewunderung und Respekt abringen. Macht es da noch etwas aus, daß es in der Galuth noch immer Assimilanten gibt? Was sind das übrigens „Assimilanten“? Das sind Menschen, die noch nicht erkannt haben, daß ums ein gemeinsamer Feind zusammenhält, oder — was noch ärger ist — trotzdem sie den gemeinsamen Feind kennen — aus Unverstand oder Ehrgeiz beim gemeinsamen Feind, Hilfe gegen die Zionisten suchen. Und da der gemeinsame Feind je nach der politischen Mode jeweils andere Fahnen hißt und andere Uniformen trägt, so hissen sie eben auch die Mode-Fahne und tragen die Modeumiform. Und sie laufen zum Puritz und denunzieren die Zionisten. Die einen tim es offen und die anderen tun es versteckt. Aber auch dann, wenn sie nicht denunzieren, richten sie nur Unfug und Schaden an, weil ihre Assimilation die Uneinigkeit und den Streit im jüdischen Lager vermehrt. Die Assimilation, wie immer sie sich tarnt und gibt, hat keine tragende Idee. Das Strohfeuer, das sie immer aufs neue entzündet, wird zwangsläufig zum Scheir terhaufen, auf dem jüdische Existenzen wirtschaftlich, politisch und oft auch physisch verbrannt weiden. Und e& macht dabei keinen Unterschied, ob die Assimilation in der Richtung eines gemeinsamen Feindes geht, der noch Opposition oder schon herrschende Macht ist; denn die politischen Bäder drehen, sich in unseren Tagen rasend schnell und unter den Rädern liegt immer der jüdische Assimilant mit seiner eben erst neu angeschafften Fahne oder Uniform, die ihm nichts genützt hat und das Judentum von einer Katastrophe in die andere reißt. Das ist der bittere Tropfen, den uns die Assimilation in den nationalen Becher des Selbstbewußtseins und der Freude über unsere Leistungen in Palästina und über die großartige Haltung unserer Brüder im Lande unserer Väter träufelt. Aber es ist nicht mehr als ein bitterer Tropfen. Denn wir Zio- An Sonntagen ,Fran<opol'-Sonderfahrten nach Polen und (zernowitz Nächste Abfahrt: 7. Juni; Rückfahrt 9. Juni, 7. Juli 1936. Poln. Verkehrsbüro „Francopol" III., Schwarzenbergplatz 7, Tel. U 16-4-90. „Cedok", I., Kärntnerstraße 32, R 23-4-88. Gerngroß, VII., Mariahilferstraße 42, B 38-2-68 nisten können mit Stolz sagen: Wae es heute im Judentum an Zukunftshoffnung und in dieser düsteren Zeit an beglückender Gegenwart gibt, das iist das zionistische Aufbauwerk in Erez Israel und in der Galuth. Wie immer in der Geschichte des jüdischen Volkes hat auch der Zionismus vor die Tat die geistige Konzeption gesetzt. Die zionistische Konzeption hat den Jischuw geschaffen und die Einheitlichkeit des auf Palästina gerichteten nationalen Willens wird in unseren Tagen Wirklichkeit. Wir kämpfen gegen den gemeinsamen Feind und bauen die jüdische Zukunft. Die Assimilation — bar jeder tragenden Idee — stützt sich auf den gemeinsamen Feind, und will uns unterkriegen. Laßt alle Hoffnung fahren! Ihr Assimilanten seid ja doch nur die ewigen politischen Eintagsfliegen. Das jüdische Volk hat in unseren Tagen erkannt, daß ORBIS W POLEN Abfahrt: 7. und 27. Juni Anmeldungen: Reisebüro „ORBIS« I., KärntnerstraJSc 41, R 21-5-78 Österreichisches Verkehrs-Büro I., Frledrlchstr. 7, B 27-500, 1., Graben 20, U 29-0-35 dAnnDwofÄfc ’ft Paul nur der Zionismus die Judenfrage lösen kann und daß nur der Zionismus die Plattform für die Einigkeit im jüdischen Volke ist. Wir Zionisten haben keine politische Einheitsuniform, weil wir jede Gleichschaltung als Assimilation ablehnen. Wir haben aber eine Fahne, eine Fahne, weil wir ein Volk sind. Die zionistische Fahne vollbringt in unseren Tagen das Wunder der Einigung im Judentum. Ob ihr wollt od-cr nicht: die jüdische Zukunft gehört uns. mimmiitimitmtntmimimmmmiiwimwwimimmmmwwwmtiwi Jüdische Polizeiwache im Hafen Jüdische Seefahrt! Tel-Aviv, 28. Mai (Palcor.). 20.000 Personen fanden sich im Amphitheater der Levantemesse ein, um der Feier beizuwohnen, mit welcher der Marinetag seinen Abschluß fand. Sie begann mit einem Aufmarsch der Mitglieder des Vereins Zebulun, der Marineabteilung des Hapoel, sowie der Mannschaft des Dampfers „Tel-Aviv“ mit dem Kapitän an der Spitze, welche mit stürmischem Applaus begrüßt wurden. Dizengoff sagte in seiner Rede, daß sich den Juden ein neuer Beruf — die Seefahrt — eröffnet hat. Tel-Aviv sei ein Sinnbild der jüdischen Unabhängigkeit. Die Juden in Palästina spielen eine große Rolle auf dem Land und auf der See und werden vielleicht auch in der Luft bald zu großer Bedeutung gelangen. Das Verdienst der Arbeiter Nach einer Ansprache von Shertok hielt Jizehak G r ii n b a u m eine Rede, in der er aiisführte, daß der Hafen, wie alle großen Dinge, in einer Zeit der Not entstanden iet. Er berichtete über die Tätigkeit des Marinekomitees, das von der Exekutive der Jewish Agency vor anderthalb Jahren eingesetzt wurde, und sagte, daß die jüdischen Arbeiter, die seinerzeit im Hafen von Haifa imtergebracht werden konnten, den wichtigsten Faktor bei dem Streikwiderstand der Hafenarbeiter bildeten; ihnen sei es zu verdanken, daß. das Land nicht in eine ernste wirtschaftliche Lage geriet. Er schloß mit den Worten: „Tel-Aviv wird seinen Hafen haben.“ Bankochiba Meerowitz, der im Auf- Der Hafen von Tel-Aviv .it. trag der Jewish Agency einen aktiven Anteil an den Vorbereitungen zur Ermöglichung der Ausladung von Frachten in Tel-Aviv genommen hatte, erklärte, daß Palästina jährlich 2,000.000 Pfund ausgibt, die den Schiffahrtsgesellschaften zugute kommen werden. Isaak Rokaeh, der rumänische Konsul und Mitglied des Marinekomitees der Jewish Agency, erklärte, daß 5000 Familien in Palästina von der See leben. Die Juden fangen allmählich an, auch auf diesem Gebiete tätig zu sein. Arbeiter und Angestellte in Tel-Aviv allein haben bereits 10.000 Pfund für Aktien der Gesellschaft zur Förderung der maritimen Entwicklung Tel-Avivs gezeichnet. Die Tel-Aviver Hafenbaugesellschaft Tel-Aviv, 30. Mai. (JTAi) Der Stadtrat von Tel-Aviv hat beschlossen, 51 Prozent der Anleihe der neugegründeten Tel-Aviver Hafenbaugesellschaft zu übernehmen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, eine Straße in Tel-Aviv nach Nahum Soko- 1 o w zu benennen. VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX„ ALSERSTRASSE 8

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