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Die Stimme · 1936-05-29 · Heft 552 (29.5.1936) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 552 (29.5.1936)
Date
1936-05-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Oll »TIMMI Nr. 552 - 29. Mai 1936 Die Messe in Tel-Aviv (Die Bilder wurden uns vom Keren Kajemeth zur Verfügung gestellt) Gesamtansicht der Messe -•«iSSf '■4L. ,1f) i t;; f n»u«3i er»*»** Landwirtschaftliche Kolonisation in graphischer Darstellung Siedlungstätigkeit des Keren Hajessod auf Boden des Keren Kajemeth j '' * j '7V'«3n , >/ rr 4 % 4- 4^4 '***-' *< / Levantemesse — trotz alledem Von Erich Gottgetreu Der Terror, von dem flas jüdische Palä-| sfcina in diesen Wochen. heim,gesucht wird,] tötet nicht den Optimismus. Die Levantemesse wird täglich von Tausenden besucht — nicht nur von „Sehleuten41, sondern auch von ernstlichen palästinensischen und ausländischen Handelsinteressenten. Das Geschenk, das die Araber der Messe am Eröffnungstage machten, indem sie Nägel auf die Anfahrtsstraßen streuten, fand erfreulicherweise keine Nachfolge. Sie haben jetzt ihre „Politik“ verlegt: aufs Land und nach Jerusalem hauptsächlich. Leider ist es nicht nur eine Politik der Nagelstiche. Vierunddreißig Länder sind auf der Messe vertreten, davon siebzehn offiziell. Bunt wehen von den Pavillons ihre Fahnen; vom Turm der Palästina-Halle aus genießt man das gleiche heitere Bild, das die Levantemesse vor zwei Jahren bot. Aber Tel-Aviv wuchs inzwischen noch weiter und näher ans Messegelände heran. Und noch eine Merkwürdigkeit sieht man: Vor der nahen Yarkonmündung geht ein Schiff vor Anker, löscht und lädt. Folge des Jaffaer Hafenstreiks. Bald hofft Tel-Aviv an der Yarkonmündung seinen eigenen Hafen zu haben. Absaloms Seifengrab Infolge der verspäteten Eröffnung der Auslandspavillons, die auf die Zollschwierigkeiten im Jaffaer Hafen zurüokzuführen war, hatte die Palästina-Halle den Vorteil des Massenbesuches. Außerdem lenkt jeder richtige palästinensische Jude aus Patriotismus seine Schritte sowieso zuerst nach dort Der Anblick manchen originellen Standes belohnt ihn. Ein paar Beispiele: Eine Fabrik, deren öle, Seifen und Zahnpasten weit über Palästina hinaus Ruf haben, zeigt ein Denkmal aus Seife: Absaloms Gral), wie’s auf dem Jerusalemer ölberg steht...; die Eisengießerei in der Haifa-Bay im Bilde, den Gang ihrer Bade- I ofenfabrikation; Textilfabriken in Diagram- I men die Kapazität ihrer Werke; Finnen aller möglichen Art, besonders auch viel Betriebe, die sich mit der Verwertung von Zitrusfrüchten befassen, das fertige Ergebnis ihrer Produktion. Von aktuellem Interesse der Stand der Streichholzfabrik „Nur44 in Akko und der Zigarettenfabrik „Maspeor“ in Jaffa. „Nur14 — die Fabrik besteht schon seit zwanzig Jahren — beschäftigt 70 Prozent arabische und 30 Prozent jüdische Arbeiter; trotz der Unruhe, die auch in Akko herrscht, wurde dort bisher keinen Tag gestreikt. „Maspero44 gedenkt, seinen Betrieb demnächst von Jaffa nach Tel-Aviv zu verlegen. Von den 160 Arbeitern der Fabrik sind 85 Juden und 15 Prozent Araber. Man erhält einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens, da es eine seiner sechs großen Zigarettenfüllmaschinen auf der Ausstellung arbeiten läßt. Eine solche Maschine fabriziert 1200 Zigaretten in der Minute, die ganze Fabrik 500.000 Zigaretten im Tag.... Man kann stundenlang in der Tozereth Haarez-IIalle spazieren gehen (der fleißige Leser weiß, daß „Tozereth haarez“ Landesproduktion heißt) und sich gleich für Tage den Magen verderben, wenn man mit allen Fabrikaten der palästinensischen Lebensmittelproduktion seinen Magen auf die Kostprobe stellt, zu der er so oft oingeladcn wird. Die Stadt TefrAviv bietet sich im Original dar, indem man sie vom Turm aus betrachtet. Auch ist ja die ganze siebente Levantemesso genau so wie ihre sechs zunächst erheblich bescheidenen Vorgängerinnen eine Erfindung der Stadt Tel-Aviv oder vielmehr ihres ebenso greisen wie jugendlichen Bürgermeisters Dizengoff. Darüber hinaus stellt die Munizipalität selber aus — in einem Türmchen, groß genug für die wichtigsten Bilder, Modelte und Diagramme. Mit besonderem Interesse sieht man die Pläne für die vorgesehene Begrünung der Stadt, denn beim Anblick des heutigen Tel-Aviv wird einem leider nur grau und weiß vor den Augen. Dabei heißt Tel-Aviv zu deutsch „Frühlingshügel“, wie man schon in der ersten hebräischen Stunde lernt. Vom Türmchen aus hatten wir noch einen besonderen optischen Genuß: Die Jugend der Stadt marschiert im Messefeld ein, mit hebräischen Liedern auf den Lippen, unter wehenden Fahnen, der Makkabi, der Hapoel Hazair, viele andere Verbände noch, und die vielen Tausende defilierten vor einem begeisterten Publikum, das das Amphitheater füllte und temperamentvolle Ansprachen Ussischkins und Ben-Gurions hörte bis tief in den Abend hinein. Man versucht, dag Amphitheater nach allen Kräften und mit den besten Kräften auszunützen. Es wird konzertiert, gesungen, eine Tozcreth-Haarez-Revue aufgeführt, die Habimah stellt u. a. ihren „Ewigen Juden44 hin — so wird dort vier Wochen lang gefeiert, und die Tel-Aviver, sie hören es gern und ergehen sich in ihrem Kulturpark am Meer. Ein Kapitel der Dankbarkeit liest man im RegierungspaviLlon. Jedes Departement zeigt in gefälliger Form die Resultate seiner Arbeit. Es ist eine sehr umfangreiche und zu einem erheblichen Teil auch wirklich aufbauende, produktive Arbeit; eine Regierung mit sieben Millionen Pfund Überschuß in der Kasse kann sich allerhand leisten. Dieser Überschuß ist auf die durch die jüdische Einwanderung geschaffene Prosperity bis zum vergangenen Herbst zurüokzuführen, und den Arabern kommt er im wesentlichen zugute: man baut ihnen Schulen, Brunnen, hilft ihrer Landwirtschaft, ihrem Gesundheitswesen — und alles das ist ja auch nötig. Da wir in die „Postabteilung“ des Regierungspavillons kommen, zeigt man uns den großen Radioempfangsapparat, wie er hundertfach von der Regierung den arabischen Dörfern zur Restaurant Billet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S V90 u. 2a60 ll.,Hammerpurgstallgasse3 (nächst Salztorbrücke) Verfügung gestellt worden ist. Eben werden Tagesnachrichten durchgegeben. Und man erfährt — in Englisch, Arabisch und Hebräisch — von verschiedenen neuen Terrorakten im Lande, von Brandstiftungen und Baumfrevel, begangen am Besitz jüdischer Kolonisten. Das Haus der fiidiseken Kolonisation Geschichtliches Werden ist nicht einfach darzustellen. Hier gelang es vorbildlich. Der Ingenieur Saposchnikoff, dem die schwere Aufgabe anvertraut war, legte viel Können und Geschmack an den Tag, und in die im Eingang der vielräumig gegliederten Halle symbolisieren Riesenphotos, zum Teil 24 Quadratmeter groß, die Haupttendenz und Hauptsentenz der Sektion: „Die hebräische Allijah verwandelt Wüste in kultiviertes Land.“ Und nun sieht man, graphisch und photographisch, in Wort, Bild und Modell, dio wichtigsten Zeitabschnitte der jüdischen Kolonisation, ihre ideologische und materielle Gliederung; dann auch die einzelnen Phasen der Wassersuche und Wassernutzung, der Bewaldung des für Agrikultur ungeeigneten Bodens durch Pica und Keren Kajemeth, des Bodenkauf es durch den Keren Kajemeth und andere, im Gegensatz zu ihm private Bodenkaufsgesellschaften, der Kolonisation durch Pica und Keren Hajessod, „Nir“ und „Morkas Haklai“, der Jugend-AUijah nach Erez Israel, der Jugendbewegung i« Erez Israol, der Aktivität der zionistischen Frauenbewegung und nicht zuletzt auch der einzelnen Arbeitsgebiete, denen sich im Auftrag der Jewish Agency; und dos Keren Hajessod dio landwirtscliaffc

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