Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 552 (29.5.1936)
- Date
- 1936-05-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 552 29. Mai 1936 DIB STIMM! Seit« 3 Eine Botschaft Roosevelts New York, 26. Mai. (JTA.) An dem vom United Palestinc Appeal am Sonntag, den 24. Mai, im Astor Hotel in New York veranstalteten Dinner nahm Staatssekretär I c k e s als Ehrengast teil. In seiner Ansprache führte Staatssekretär Ickes aus: Präsident Roosevelt beauftragt mich, Ihnen, die Sie ein wesentliches und hochgeschätzte« Element unserer Nation sind, zu sagen, daß er betrübt und beunruhigt ist über die Rückkehr gewisser Teile der Welt zu den Taten einer Aera, von der alle aufgeklärten Menschen hofften, daß sie nie wiederkehren werde. Es ist seine Überzeugung, daß solange die Minderheiten der Völker der Welt der Gedanken- und Religionsfreiheit und des Rechtes, ein normales zivilisiertes Leben zu führen, beraubt sind, es kein wahres und dauerndes Verständnis unter den Völkern geben kann. Der Präsident bringt durch mich Ihnen als den Vertretern einer großen und starken Rasse gegenüber die Hoffnung zum Ausdruck, daß ruhigere und leidenschaftslosere Urteile herrschen werden, sowie den Glauben, daß die Regierung der USA. bei Durchführung des Volkswillens immer den Minderheiten in ihren Grenzen wachsame Sorge zuteil werden und jene vitalen Rechte unverletzt hochhalten wird, die von der Verfassung auch dem bescheidensten unserer Bürger garantiert wurden.“ Körperliche und geistige Frische sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere im Alter Bewahren und mehren Sie diese Schätze durch ständige, sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperpflege — Einreibungen, Packungen (Umschläge), Mundwasser usw. — ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol ln Jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana“ und nahmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen Ueberfälle auf Juden in Lemberg Lemberg, 25. Mai. (JTA.) In der Nacht zum 24. d. wurden in Lemberg neuerdings zwei blutige Überfälle auf Juden verübt, ohne daß die Täter gefaßt worden wären. In der Vorstadt Ksziwtszice überfielen Banditen den jungen Juden Ohaim Tatenberg, der mit seiner Braut spaziereng-ing, schlugen ihn und verwundeten ihn durch Messerstiche, bis er bewußtlos zu Boden sank. Als die Braut zu schreien begann, um Passanten aufmerksam zu machen, überfielen die Banditen auch sie, schlugen sie nieder und flüchteten. Der zweite Überfall ereignete sich in der Ramagawicza-Gasse in der Nähe des Polnischen Akademischen Hauses, wo Unbekannte den Juden David Brecheisen überfielen und schwer verwundeten. Der Überfallene mußte ins Spital überführt werden. RAPALLO, SSS Hotei Fiorenza Continentale, das Komforthotel, Pensione Internationale, die gemütliche Familienpension Auskunft und Prospekte durch die Direktion Cohen-Eckstein oder UNIVERSAL-Reisebilro, Wien, I., Kärntnerring 3, neben Bristol Ungarisch-Jüdische Siedlungen in Erez Israel? Budapest, 25. Mai. (JTA.). „Magyar Hirlap“ veröffentlicht ein Interview mit dem Generalsekretär der Poster Israelitischen Kultusgemeinde Alexander E p p 1 e r, der kürzlich voii einer Palästinareise zurückgekehrt ist. Alexander Eppler gibt zunächst seiner Bewunderung über die mannhafte, entschlossene Haltung des Jischuw angesichts der arabischen Gefahr Ausdruck und betont, daß keino Fpur von der in der Diaspora bei ähnlichen Vorfällen um sich greifenden Angstpsychose zu bemerken sei. In Tel-Awiw habe man ihm erklärt, daß die Bewohner sich zu verteidigen wissen würden, wenn man sie angreife. Ungarn Fi durch wichtige Interessen an den ExpoH ineli Palästina geknüpft. Wir können in viel größeren Mengen landwirt¬ WARNER BROS. PFINGST-PREMIERE Kay Francis Paul Muni Dolores Del Rio Mandalay Hart an der DIE COÜRTISAHE Regie: Michael Kertesz Grenze DON VERSAILLES OPERN-KINO, 1. STAFA-KINO, VII. SCHWEDEN¬ BURG-KINO, 1. VOTIVPARK - KINO, IX. KINO ELITE-KtNO, 1. schaftliche Produkte, Schlachtvieh und Industrieartikel ausführen, als dies bisher der Fall ist. Die ungarisch-palästinensische Beziehung ist vernachlässigt, und es würde sich überaus lohnen, diese Beziehungen durch geeignete Persönlichkeiten zu vertiefen. Palästina wird noch lange Importland bleiben. Heute stehen einer Einfuhr von 18 Millionen nur 4 Millionen Pfund Ausfuhrartikel gegenüber. Der ungarische Staat müßte diese exzeptionellen Möglichkeiten ausnützen. Kolonien errichten möchte, um dort die jüdischen Arbeitslosen anzusiedeln und derart in Ungarn eine bessere wirtschaftliche Atmosphäre zu schaffen. Unser Plan wurde mit großem Verständnis aufgenommen. Es besteht der Plan, daß vorerst Familien aus einer solchen ungarisch-jüdischen Schicht auswandern, deren Mitglieder sich wirtschaftlich am besten bewährt haben. Das ungarische Judentum betrachtet die Lösung dieser Aufgabe als seine eminente Pflicht. Wir N i c h t z i o n i s t e n — schloß der Generalsekretär seine Äußerungen, können uns der Unterstützung des palästinensischen Aufbauwerkes nicht verschließen. Wir müssen diese Arbeit schon deshalb fördern, weil Palästina zahlreichen ungarischen Juden Brot geben kann, die zu Hause keine Existenz haben und nur die Zahl der Arbeitslosen erhöhen. Ich führte diesbezügliche Verhandlungen mit den kompetentesten Faktoren in Palästina. Ich führte aus, daß das nichtzionistische Judentum ungarische FERIENHEIM S für 3- bis 14-jährige Schloß Ginseiberg, Neustift b. Scheibbs, N.-ö., herrliche Lage, vorzügliche Kost. Arzt im Heim Mäßige Preise Leitung: dipl. Montessorilehrerin Lore REINIGER Telephon A 48-3-89. II., Große Schiffgasse 5 Oesterreich und die deutschen Flüchtlinge Der Hochkommissär für die deutschen Flüchtlinge, Sir Neill Malcolm, hat, wie berichtet, für den Monat Juli d. J. eine Regierungskonferenz nach Genf einberufen, die sich mit den Fragen der Behandlung der deutschen Flüchtlinge befassen soll. 15 dem Völkerbund angehörende Staaten haben ihre Teilnahme zugesagt. Österreich hat abgesagt. Auf eine Anfrage beim Bundeskanzleramt, wie es um diese Angelegenheit steht, erhielt der Wiener JTA-Vertreter folgende o f f izielle Mitteilung: Der Generalsekretär des Völkerbundes hat' die Bundesregienmg eingeladen, sich an einer Regierungskonferenz zu beteiligen, die am 2. Juli d. J. auf Grund eines Beschlusses des Völkerbundrates vom 24. Jänner 1936 in Genf zusammentreten soll. Das Außenamt hat diese Einladung Anfang Mai dieses Jahres dahin beantwortet, daß die Bundesregierung zwar nicht beabsichtige, sich bei dieser Konferenz vertreten zu lassen, da die dort zu behandelnden Fragen— namentlich auch wegen der verhältnismäßig geringen Zahl solcher in Österreich sich aufhaltenden Flüchtlinge — nicht wesentlich österreichische Interessen berühren. Gleichzeitig wurde aber betont, daß die Bundesregierung die auf österreichischem Gebiet befindlichen Flüchtlinge der verschiedensten Kategorien stets entgegenkommend und nach den Grundsätzen der Menschlichkeit behandelt und sich bemüht hat, im Rahmen des Möglichen ihrer schwierigen Lage Rechnung zu tragen. Nichtsdestoweniger werde die österreichische Regierung die Arbeiten der Konferenz mit besonderem Interesse verfolgen und ersuche daher, über deren Verlauf und über die Ergebnisse der Beratungen unterrichtet zu werden. Rosetibergs und Streichers Hausfud Es ist wiederholt aufgefallen, daß Alfred Rosenberg-, der Leiter der nationalsozialistischen Auslandspolitik, in seinen antijüdischen Aufsätzen Zitate aus dem Talmud und anderen jüdischen Schriften verwendet, die gefälscht und verzerrt sind, trotzdem aber von einer mit der Materie vertrauten Stelle herrühren müssen. Rosenberg hat von der hebräischen und aramäischen Sprache keinerlei Kenntnisse, muß also jemanden in seiner Umgebung haben, der in diesen Disziplinen doch eher bewandert ißt. Diese Person konnte jetzt festgestellt werden. Der Münchener Korrespondent der „Reichspost“ hat vor kurzem nachgewiesen, daß der eigentliche Autor der Fälschungen ein ungarischer Journalist namens Moses Holländer ist, ein gewesener Jeschiwah- Zögling, der jetzt der Redaktion des „Völkischen Beobachter“ angehört. Dieser Holländer hat eich vor längerer Zeit seinen Namen in Max Holossy-Holländer geändert. Er ist zum erstenmal in seiner Tätigkeit als Hochverräter am Judentum einer weiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, als er angebliche vertrauliche Äußerungen des Szegediner Oberrabbinere L ö w fälschte und sie in einem holländischen Blatt veröffentlichte. Infolgo dieser Publikation ließ der damalige ungarische Ministerpräsident Stephan Friedrich den greisen Oberrabbiner verhaften. Die Angelegenheit rief großes Aufsehen hervor und hatte auch eine diplomatische Intervention zur Folge. Hollosy, der der Pogrompartei der E rwa chenden Ungarn angehörte, wurde im Laufe dor Untersuchung als getaufter Judo entlarvt. Es kam zutage, daß dieses Individuum, der Sohn einer frommen jüdischen Familie, die Jeschiwah besucht und sogar das Rabbinerdiplom onvorben hatte. Nach dem Weltkrieg war er dor kommunistischen Partei beigetreten und spielte i | in der Umgebung Bela Kuns eine gewichtige Rolle. Als dies bekannt wurde, entzog sich Holossy der Verhaftung durch die Flucht. Er wandte sich nach , Deutschland und wollte sich dort der kommunistischen Partei anschließen, die ihm jedoch auf Grund von Informationen aus Ungarn die Aufnahme verweigerte. 1923 trat Holossy in die nationalsozialistische Partei ein. Er nahm an dem November-Putsch Hitlers teil, flüchtete wie dieser, wurde erwischt und interniert und avancierte so zum „H e 1den“ des Nationalsozialismus. Nach der Freilassung stellte ihn Hitler im „Völkischen Beobachter“ an, und er übernahm dio Aufgabe, als Leiter der „jüdischen Abteilung“ Bibel und Talmud zu fälschen und so dem Rosen- I berg die literarischen Grundlagen für 6eine antijtidischen Hetzschriften zu liefern. Als er 1930 den Auftrag erhielt, für den Nationalsozialismus in Ungarn Stimmung zu machen, rief dies in den ungarischen antisemitischen Kreisen ziemliche Aufregung hervor. Eine Abordnung unter Führung Bela Turins ging nach München und legte dem Hitler Dokumente über Holossy vor. Turin wußte gut Bescheid, denn er war Holossys Taufpate gewesen. Er zeigte eine Photographie, die Holossy als Joschiwah-Zögling mit Schläfenlookon und langem Bart zeigte, und eine zweite, auf der Holossy schon das Hakenkreuz am Ärmel trug. Die Abordnung war sehr überrascht zu hören, daß die reinrassigen Münchener Arior die Lebensgeschichte Holossys kannten. Es wurde erklärt, daß er unter dem Schutz Rosenbergs steho. Die Ungarn wandten sich an Hitler selbst, der don Rosenberg über die Sache befragte. Dieser antwortete: „Wenn man oinen Dieb braucht, nimmt man ihn vom Galgen herunter.“ Holossy ißt also weiter Redakteur des „Völkischen Beobachter“, fälscht weiter Zitate für Rosenberg und ist auch einer der Autoren, die für Streichers „Stürmer" Enthüllungen sexueller Art liefern. Dieser Lump und die braune Partei gehören zusammen ... Ein Fälschertrick der braunen Propaganda Aus belgischen Wissensohaf tskreisen wird der JTA mitgeteilt: Die deutsche Presse macht gegenwärtig viel Aufhebens von dem Aufsatz eines „her vor ragenden belgischen Gelehrten, Prof. Dr. E. P. S e y I e r a u s Brüssel“. Dieser Aufsatz wurde von zahlreichen reiohsdeutsohen Zeitungen abgedruckt, er erschien zuerst in der der antisemitischen Anslandspropaganda dienenden Zeitschrift „Der W e 11k a m p f“, München, Nr. 148, April 1936. Ursprünglich wurde er in der deutschen hakonkreuzlerischen Zeitung in Rumänien „Czernow i t z e r Deutsche Tagespost“ veröffentlicht. Es geschah dies in der bekannten Weise, daß man einen den antisemitischen Zwecken entsprechenden Artikel in einer Ausland szeitung lanciert, um ihn dann in der reiohsdeutsohen Presse zu verbreiten, von wo aus er wiederum den Weg in die Auslandspresse nimmt. Der Artikel ist eine Verherrlichung der antisemitischen Politik des Dritten Reiches im Stile der bösartigsten antisemitischen Literatur jenseits des Rheins. Als man in Belgien den Aufsatz zu lesen bekam, erschien es unverständige h, daß ein belgischer Universitätsprofessor etwas derartig Unwissenschaftliches und Verlogenes schreiben könnte. Man ging der Sache nach und stellte fest, daß es weder in Brüssel, noch sonstwo in Belgien einen „hervorragenden belgischen Gelehrten“ miit Namen E. P. Seyler gibt, der „Professor“ und „Doktor“ sei. Dieses Beispiel ist charakteristisch für die Sitten und Methoden des jetzigen Deutschland. Leicht Variete Die Errichtung eines Kaiser-Frau*- Joseph-Denkmals In Wien. Wir erhalten vom Bund legitimistischer jüdischer Frontsoldaten folgende Zuschrift: Neuösterreich und zumal Wien gehen daran, die Gestalt des großen Monarchen, der fast sieben Jahrzehnte Habsburgs Thron innehatte und unter dessen Zepter die Blüte des Staates erfolgt war, in einem seiner würdigen Denkmal festzuhalten und zu verewigen. In allen Kreisen der Bevölkerung werden zu diesem Zwecke Sammlungen veranstaltet. Das österreichische Judentum wird sich sicherlich dieser ebenso vaterländisch gebotenen wie historisch begründeten Aktion gerne anschließen. War doch Kaiser Franz Joseph der Begründer und Schutzherr.der Rechte und Freiheiten des österreichischen Judentums in den schwierigsten Zeitläuften. Bad Lnhalovlce Hotel Smetona 50 gut eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser Erstklassiges Restaurant/ mäßige Preise Gegründet 1872 Um die Dankesschuld den Namen dieses hochherzigen Herrschers gegenüber abzuetatteen, hatte sich im Rahmen des unter dem Ehrenschutze des Herrn Bundespräsidenten und dem Ehrenpräsidium der Regierung stehenden „Vereinigung zur Errichtung eines Kaisor-Franz-Joseph-Denkmals in Wien“ e i n jüdisches Ehrenkomiteo gebildet. Diesem gehören viel prominente Persönlichkeiten des österreichischen Judentums an und hat Generalmajor Emil Sommer sieh bereit erklärt, ehrenamtlich alle Agenden desselben zu leiten und zu führen. Beiträgo wären auf das Konto der „V e reinigung zur Errichtung eines F r anz-Joseph-Denkmals in Wien bei der Oestorr Credifc-Anstalt—Wr. Bankverein, Zweigstelle Alserstraße, D. 29.648, gefälligst zu erlegeu.