Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 551 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054307--5910-3061699- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 2 DIB STIMMI Nr. 551 — 20. Mal 1036. kreisten 9päfer vier Bombenflugzeuge über Jerusalem. Araber setzten ein privates Auto, das vor dem militärisch bewachten Jerusalemer Postamt hielt, in Brand. KAr [|ii W&WMftAab Die Stimmung im lande Ein Leser stellt uns einen soeben mit Flugpost aus Jerusalem eingelangton Brief zur" Verfügung, den wir auszugsweise bringen: ..Im großen und ganzen sind Ihnen ja die Vorgänge hier ans der Presse -bekannt. Die einzelnen terroristischen Akte, die an sieh sehr beklagenswert sind, haben nicht vermocht. eine merkliche Störung in der Betriebsamkeit des Landes herbeizufiihreii. Auch die wirtschaftliche Entwich hing dürfte trotz des merkwürdigerweise .noch immer andauernden arabischen Streiks keine irgendwie nennenswerten Hemmungen erfahren. Es hat sich gezeigt, daß der jüdische Wirtsohaft.skörper hier so vollkommen ist, daß er vom arabischen Streikernsthaft nicht beeinflußt wird. Die Situation kann rm allgemeinen als beruhigt bezeichnet werden, und die Regierung läßt scharfe Maßnaitenen dairchgr elfen, wo es notwendig erscheint. Wir sind hier alle von der Hoffnung und Zuversicht erfüllt, daß die Wiederherstellung normaler Zustände nicht mehr lange auf sieh warten lassen wird.“ ■ _ _||ä ledig-, 35 Jahre »lt, sympathisch, mit ISl 961 IS 50.000 Schilling bar und Primareferenien, sneht passendes, vermögendes MSdchen zwecks Ehe. Ansfahrl. Zuschriften unter „Heirai 8626* au dio Admiu. 100 iiidische Polizisten neu eingestellt Die Regierung hat weitere 100 jüdische Polizisten eingestellt und awf verschiedene Punkte des Landes verteilt; 25 sind in Jerusalem. Weitere Terrorakte Ein Regierungökommumque meldet Schießereien in Akko, Dajan, Jenin und anderen Städten. Gegen die Jaffaer Poüzeistation wurde neuerdings eine Bombe geschleudert, die explodierte; durch den Luftdruck wurden die Fenster zertrümmert. In Safed wurde der Jude Ben Dov durch Araber angegriffen und verletzt, als er in seinem Auto mit zwei Polizeiinspektoren saß. Die Polizeibeamten wurden ebenfalls durch Steinwürfe erheblich verletzt. Bei H e r z 1 i a wurden zwei Araber, bei denen man Waffen fand, verhaftet. Bei Mikwe Jisrael explodierte eine Bombe, wodurch drei Kühe verletzt wurden. In Bet Alpha besetzten arabische Hirten jüdische Felder. Polizei und jüdische Wächter verjagten sie. Von beiden Seiten wurden Schüsse abgegeben, schließlich ergriffen die Araber die Flucht. Zu einer Schießerei kam es auch in Chedera zwischen jüdischen Wächtern und arabischen Angreifern. In T e 1 - A d a s c h i m wurden arabische Brandstifter dreimal in der Nacht durch Benutzung des ueuinetallierten Scheinwerfers verjagt. Rejenmlilel Audi Christen verlassen Jerusalem ’ Die E v ak u i e r u n g der Ju d cü a u s der Altstadt wird fortgesetzt. Nur noch 200 jüdische Familien befinden sich in der Altstadt, die mit Nahrungsmitteln versorgt werden müeeen. Die Regierung läßt durch die Altstadt regelmäßig alle zwei Stunden von Militär bewachte Autobusse verkehren, die der jüdischen und auch einem Teil der christlichen Bevölkerung Nahrungsmittel bringen. Aus dem Musrara-Viertel und anderen gemischten Vierteln in Jerusalem, die bereite von den Juden verlassen find, werden nun auch die christlichen Familien evakuiert. Dio jüdischen Beamten in Jerusalemer Departement für öffentliche Arbeiten haben um besonderen Schutz angesucht. Es wurde ihnen der Rat erteilt, einen Urlaub zu nehmen. Meldungen vom Sonntag Jerusalem, 25. Mai (Tel. Comp.). In Nablus kam es Sonntags zu Zusammenstößen zwischen einer Abteilung des aus Ägypten vor kurzem eingetroffenen Hochlärulerregiments und Arabern, dio eine Straße verbarrikadiert hatten. In dem Feuorgefecht wurden zwei Araber getötet uni zwei Engländer verwundet. Zu einem zweiten Zwischenfall kam cö in der Nähe | Nahum Sokolow London, 22. Mai (f. T. A.) Am 20. Mai, abends, wurde in der Londoner Großen Synagoge ein Gedenkgottosdienst, für den verstorbenen Ehrenpräsidenten der Jowisli Agency Nahum Sokolow abgehalten. Lange vor Beginn dos Gottesdienstes wa.r die Synagoge überfüllt., sehr viele fanden keinen Einlaß mehr. Mitglieder der Zionistischen Exekutive und führende Peraöriiliolikoiten der englischen Judoniheit saßen Seite .an Seite mit armen Juden aue dom East End von London. Unter den Anwesenden bemerkte man den Repräsentanten der Jewis.lt Agency beim Völkerbund Dr. Nahum Goldman’n, den Präsidenten des Board of Deputies Neviille Laski, die Mitglieder des Unterhauses Barnett Jänner und R. H. Morgan, den Aguda-Führer Paul G o o d m a n, die zion Ls tischen Führer Rev. M. L. P e r 1 z w e i g und Leonard Stein, die Mitglieder des Londoner Bet Din, den ersten High Commis-sioner für Palästina Sir Herbert S amue 1, Rev. G o 1 d b 1 o o m, James de Rothschild, H. M. Goodm a n, Simon Mark s, Harry Sacher, Major Nathan, Raibbi Kossowski aus Johannißburg u. v. a. Den Gottesdienst leitete Rev. Meyerovitch, der Cief Rabbi des britischen Reiches Dr. J. H. H e r t z sprach die Gedäcihtnisgebet-e. Während vom Chor das „El Molej Rachmiim“ gesungen wurde, hörte -man von der Frauen-Empore lautes Weinen. Weizmanns Gedenkrede Als der Gottesdienst beendet war, hielt der Präsident der Zionistischen Organisation und der JewMi Agency Dr. Chaim W e i zmann die Gedächtnisrede. „Wir sind hier versammelt,“ sagte Dr. Weizmann, „um den Hingang eines Mannes zu betrauern, der sein ganzes Leben dem Dienst am Volke gewidmet hat. Ich müßte sehr lange sprechen, wollte ich alle hohen geistigen und menschlichen Qualitäten Nahum Sokolows würdigem und all die Dienste. a/nfzählen, die er dem jüdischen Volke erwies. Hier — gleichsam an seinem offenen Grabe — stehend, ist es für mich, der ich vierzig Jahre laug mit ähm in Streben unjp. in Arbeit vor-» buniden war,“ schwer, eine volle Würdigung: dessen zu geben, was er war.“ Weizmann umriß Sokolows Rolle in der hebräischen Journalistik, insbesondere seine Tätigkeit in der ersten -hebräischen Tageszeitung Polens „Hazefirah“, und sagte: „Diese Zeitung war unsere einzige Verbindung mit der Außenwelt. Durch das Me-I diiMn seines Hebräisch kamen wir in Berührung mit. den Problemen, die die jüdische Welt bewegten, und auch mit jenen, die die Gesamtwelt beschäftigten. Sokolow vereinigte in sich eine solche Fülle intellektueller Qualitäten, und er vollbrachte eine solche Menge Leistungen, wie sie bei einem einzelnen Menschern beinahe unglaubhaft seien. Indem er die Sache des jüdischen Volkes im Sinne des Palästina-Gedankens verfocht, ta/t er dies iim festen Glauben an die Gerechtigkeit dieser Sache. Die B a 1 f o u r-D e k laration, dieses berühmte Dokument, ist mit ein Resultat von Sokolows Work.“ Bei der Erwähnung der Badfow-Doklanatiion rief Weizmann emphatisch ans: „Unbeschadet des Streites und des Sturms, durch die Palästina gegangen ist, jetzt geht und vielleicht auch in Zuk unf t g eh en mag, wird d i e B a! f o u r-D eklaration der E c Rstein und die Charta unserer Arbeit sein und bleiben!“ Zum Schluß sagte Weizmann: „Nalium Sokolow wind nie als. einer besonderen Sektion oder Partei im jüdischen Loben zugehörig betrachtet werden können; sein Zionismus war nur der Ausdruck der Gesamtsumme seines Judentums, wie er selbst die Verkörperung a 11 e s Jüdischen war. Diejenigen, die mit Mim zimmm.e.ngearbeitet haben — und das sind viele .hervorragende Männer — werden — ich bin dessen gewiß — Ihren unerschütterlichen Glauben hinsichtlich der Zukunft Palästinas und des Judentums bewahren und Sokolows Werk mit dem gleichen Vertrauen in die Zukunft fortsetzen, von dem er beseelt war.“ „Die Ereignisse in Palästina beschleunigten Sokolows Ableben.“ Die Polnische Telegraph en-Agon bur bringt aus London ein längeres Telegramm mit Nachruf auf Nahum Sokolow. Darin wird mltgeteilt, daß der Gesandte Graf R a c z i ns k y persönlich im Traiueriia/use seine Kondolenz sowie die de« polnischen Außenministers Oberst. Beckübergeben bat. Zum Schluff meldet PAT: Sokolow starb plötzlich, sitzend vor seiner letzten Arbeit über „Jüdische Helden“, dde unvollendet geblieben Ist. In einem großen M-aße haben die Nachrichten über die neuen Ereignisse in Palästina, die dem alten Führer der Zionisten sehr m Herzen gingen, eeinen Tod beschleunigt, von Nablus, wo das Auto des Oberstkommandierenden der englischen Luftetre.itkräfte aus dem Hinterhalt beschossen wurde. Die den Wagen begleitenden Panzerautos erwiderten das Feuer und trieben die Angreifer in die Flucht. In Nur-el-Sim versuchten Araber das Gefängnis zu stürmen, wurden aber von der Polizei zurüekgesohlagen. In Jaffa kam es ebenfalls zu Zusammenstößen zwischen englischer Polizei und Arabern. Dio Verhaftung der arabischen Sfcrelkführer und die Verbannung anderer Führer hat nicht den gewünschten beruhigenden Einfluß gehabt. Unter den englischen Soldaten wurden arabische Flugzettel verteilt, in denen die Soldaten gewarnt wurden, sich Stcriische Lehr-und Erziehungsanstalt!., Werdertorgasse 12, Tel. U 28-1-97 Volksschule f. Knaben u. Mädchen (9 Uhr Schulbeginn) / Oeffentllchkeitsrecht / Hauptu. Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Sport, Fremdsprachen, Musik nicht mehr auf der Straße zu zeigen, wenn ihnen ihr Leben lieb wäre. Auch der Oberkommandant soll eine Drohung erhalten haben. Es wurden zu seinem Schutz umfangreiche Sioherheitsvorkehrungen getroffen. Herriot fordert Schutz Paris, 25. Mai. Die Ereignisse in Palästina werden in dem Blatte H e r r i o t s, „Ere Nouvelle“, sehr eingehend besprochen. Das Blatt schreibt, es sei Englands Pflicht, die Ruhe in Palästina zu sichern und den Juden, die sich das Siedlungsrecht erworben haben, jeden Schutz angedeihen zu lassen. Die von den Arabern beder jüdischen Siedlung triebene Hetze und die Gefährdung der palästinensischen Juden zu beseitigen, sei jetzt Aufgabe der britischen Streitkräfte. „Ere Nouvelle“ rechnet mit der Energie des englischen Kabinetts. — Im „Echo de Paris“ wird dieselbe Mahnung andasMinisterium Baldwin gerichtet. Messe in Tel-Aviv unbeschädigt und ungestört! Ein Wiener Sensationsblatt hat am Samstag in Riftseutitelrt mitgetcilt, daß auf der Levante-Mesee durch Brandstiftungen schwerer Schaden angerichtot worden ißt. Da weder von privater Seite, noch von Palcor oder JTA. eine Nachricht hierüber vorlag, haben wir uns an den Leiter der austropalästincnsischon Handelskammer in Wien, Dr. Hugo Groß, mit dom Ersuchen um Auskunft gewendet. Herr Dr. Groß teilt una mit: „Nach meinen Informationen geht der Betrieb in der Messe ungestört vor sich. Es ist absolut unwahr, daß eine Brandstiftung vorgefallen wäre und daß Schaden angerichtet worden ist. Auch die österreichische Regierung, die die österreichische Ausstellung in Tel-Aviv patronisiert, besitzt keinerlei Meldung über einen solchen oder ähnlichen Sabotageakt. Da ßoviolo Österreichische Firmen auf dor Levante-Messo ausgestellt haben, ißt die Nachricht des Wiener Blattes, die ohne jedo Unterlage vor die Öffentlichkeit gebracht wurde, eino schwere Beunruhigung dos Publikums.“ Tel-Aviver Hafenbaugesell* schaft gegründet Tel-Aviv, 24. Mai. (JTA.) Heute ist in Tel-Aviv eine Hnfenbauge«ellschaft mit, einem Kapital von 150.000 Pfund gegründet worden. Die Aktien haben ein Nominale von 15 Pfund und sollen in P a. 1 ä s t i n a k e löst aibgesetzt werdon. Inzwischen gellt, das Ausladen der vor Tel-Aviv ankernden Dampfer rwhig weiter. In Begleitung seiner Ärzte hat Bürgermeister D i z o n g o f f abermals den Strand besucht, um dio Lößchuiigsurbeiten zu beobachten. Die angesamuielte Menge bereitete dem Bürgermeister herzlicho Ovationen. _ MÖBEL-WINTER für CeiegenheitskSufe Wien, VIII., Stadtbahnvfadakt 23 bei Lerdienfelderstraße Telephon: A 21-5-31 Antisemitismus und Bienenzucht Der Antisemitismus ist eine den Gründen, den Zielen und der Ausübung nach außerordentlich vielfältige Erscheinung. So kam er, dam, auch die Methoden der Bienenzucht anzu- ■wenden. Vorerst müssen wir feststellen, daß die Antisemiten in zwei große Gruppen zerfallen: in die Judenfeinde um jeden Preis und ln jene Vorsichtigen, die den Weg und das Ziel bedenken. Die Judenfeinde um jeden Preis reagieren einen Affekt ab, koste es, was wolle. Dabei kann es für uns gleich sein, ob sie am idealen oder aus praktischen Gründen handeln. Die einen wollen mit dem Antisemitismus ihr Volk beglücken, andere brauchen ihn, wie seinerzeit die Russen, zu politischen Ablenkungszwecken. Schließlich finden sich in ihrem Gefolge die vielen, die mit dem lebendigen Leib des Juden seinen wirtschaftlichen wollen. Es geht ihnen um eine — oft nur, scheinbare — Verbesserung der eigenen Existenz. Daß dabei ihre eigene Gemeinschaft Schaden leiden könnte, ist ihnen gleich. Diese. Judenfeinde sind mit Maßstäben des Verstau* des nicht zu messen. Sie sind irrational, bi allen Schattierungen von kalter Brutalität bis zur Psychose. Mit diesen Leuten gibt es naturgemäß keine Verständigung, nicht einmal eine Verhandlung. Anders sieht 'die «weite und vielleicht größere Gruppe von Antisemiten aus, die sich die Methoden der Bienenzucht zu eigen gemacht haben. Die Mitglieder der ersten Gruppe wür* den, wenn sie einem Bienenstock in die Nähe kommen und gerade König haben wollen, bedenkenlos Bienenstock und Waben und Bienen zerstören und vernichten, nur um zu ihrem Honig zu kommen. Nicht so die Angehörigen der zweiten Gruppe. Sie schonen den Stock, die Waben und soweit wie möglich auch die Bienen, ja sie lassen ihnen sogar etwas Honig übrig, damit sie Weiterarbeiten können. Darauf kommt es an: die Bienen-Juden sollen weiter arbeiten, damit man ihnen nach einiger, Zeit wieder Honig abnehmen kann. Diese Spezies von Antisemiten ist seit undenklichen Zeiten immer wieder anzutreffen. Sie läßt mit sich verhandeln, wenn man ihm ein bestimmtes Quantum Honig zmiohert. Was situl die Überschüsse der Palästina-Regierung anderes als eine fremillig von uns abgelieferte Honigportion? Wo gibt, es in der Welt eine Judenstadt, die nicht an eine andere gesellschaftliche Gruppe Honig liefert? Und die praktische Erkenntnis daraus? Sie hieße, uns dieser unserer FimMion voll bewußt zu werden. Auf dem Wege zu einer noch fernen Gleichheit unter den Völkern müßten wir den ständigen Akkord mit den Bienenzüchtern haben, um den Honlgräubern den Weg zu verlegen. Die Honiglieferung müßte den Bienenzüchtern und uns eine bewußte, eine vertragliche Handlung werden. Vielleicht kommen sie in der Zukunft dazu, einzusehen, daß Tribute auf die Dauer unhaltbar sind und daß mm am besten tut, an ihre Stelle rechtzeitig den freiwilligen Tausch treten zu lassen. Sie können 'von uns noch viel mehr und besseren Honig haben, wenn wir ihn freiwillig und gleichberechtigt liefern. Das war zu allen Zeilen an vielfältigen Beispielen zu sehen und das wird immer so bleiben. M. S. Anilitifarbenerzeugufig In Palästina Das Sofioter Blatt „Zora“ veröffentlicht einen Artikel seines Chefredakteurs, der in Palästina dio Wirtsel wftsverhältnißöo studiert. In dem Artikel wird aaisgeführt, d/aß dio aus Deutschland ausgowanderten jüdischen Chemiker daß Geheimnis der Erzeugung von Anilinfarben kennen, und daß man demnächst in Palästina mJt dor Erzeugung dioser Farbe bei ginnen werde.