Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 550 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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*Fr. m — 22. Mal 1236 Ott IflMMI Seite 3 JOSE F „SCHM I t> t:9.TT4'w/Alt 8*U*A<J,‘^*EVlVr8*R,fl5,VRT-LIESL Kl N AST-HANS HOLT f/eut ifct deto bchoftbte w meinem le&est e ß A t . io 11 #4 ii .4i. II ▲ vT k ®^v i i ii . m rt c HUPE R ♦ t BUSCH ♦ »I * H A <4 A U M Ö N T Y P AA S N VI KOL O S 3 E U AA » IX Die Hintergründe Von M. V. Ben-gavriM (Jerusalem). Die Presse Fast der ganzen Welt befaßt ßicih in den letzten Wochen in mehr oder weniger ausführlicher Weise mit den Vorgängen in Palästina — deren linde leider einstweilen nicht abzusehen ist — und fährt sie auf die alte arabisch-jüdische Spannung zurück. Diese Motivierung ist wohl richtig, sie .sagt aber nicht alles, wenn nicht auch die tieferen Hintergründe beleuchtet werden, ans denen sich die Kräfte lösten, welche die Verwandlung dieser latenten Spannung in direkte Aktionen der Straße durchführten. Diese Hintergründe sind dreifache: erstens eine außerordentlich ßtarke ausländische Aktion zur Erzeugung von Unruhen, um England in Verlegenheit zu bringen, zweitens der ökonomische und politische Gcstaltwandel im arabischen Palästina, und drittens die englische Orientpolitik. über die ausländischen Einflüsse ist heute noch nicht allzu viel auszusagen, da die Beweise der Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind. Daß ausländisches Geld und ausländische Agitatoren in arabischen Kreisen wirken, gab auch der Kolonialminister ^\\\\\\\\\\\\\\m I HOFGASTEIN ( | KURHAUS WESTEND | Streng orthodox "111?3 % Thermalbäder im Haus - Wiener Küche Mäßige Preise ^\v\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\m und der der Arbeiterpartei nahestehende „Daily Herald“ zu. Die Verhaftungen von Kommunisten und von deutschen Agenten, wie auch die Beobachtung von Italienern läßt weitere Schlüsse zu, die aber selbst in ihrer Gesamtheit kein Bild vom Umfang des ausländischen Einflusses geben. Der zweite Anlaß der Unruhen hingegen ist viel klarer und übersichtlicher, da er einen, jedem Beobachter seit Jahren erkennbaren Prozeß darstellt: die unaufhaltsam fortschreitende, vorerst ökonomische und dann auch politische Verlegung des Schwergewichts von den bisher herrschenden arabischen Familien-Parteien, von den, riesige Latifundien besitzenden arabischen Aristokraten auf das arabische Kleinbürgertum einerseits und anderseits auf die mehr als die Hälfte der Staatslasten tragende jüdische Bevölkerung, deren Schichtung eine den modernen Wirtschafts- RESTAURANT STEFANIE 11113 ll.f Taborstraße Hr. 12 "VBD Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küche / Gepflegte Getränke Aufmerksamste Bedienung / Zeitgemäße Preise Reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten / Schöner schattiger Garten NMflMaMHMNMMNttMMfMMMIMM Systemen weit entsprechendere ist als die der Araber. Die Familienparteien kämpfen um ihre Existenz. Sie verkaufen einerseits Ländereien an Juden, verlangen aber anderseits gleichzeitig das Verbot des Landkaufes, weil sie, schon aus Konkurrenzgründen, eine radikale Politik treiben müssen. Sie sind heute die geführten Führer in der arabischen Streikbewegung, aus der sie nun koinen Ausweg mehr finden, 60 daß es von Tag zu Tag mehr den Anschein hat, als würde die wirkliche Führung der arabischen Massen immer mehr aus ihrer Hand in die der Jugendgruppen und gewisser Terrorgesellschaften übergehen. Der Kampf der Familienparteien richtet sich wohl gegen die Juden; er ist aber in Wirklichkeit ein letztor Versuch, sich aius dem rasend vor sich gehenden Umformungsprozeß aus dem Stadium des feudalistischen, teilweise sogar noch patriarchalischen Wirtschaftssystems in eine Art Kolonialkapitalismus zu retten. Der dritte, der letzte Hintergrund des Geschehens aber ist d i e englische Orientpolitik, die wie alle Orientpolitik Großbritanniens von der Sorge um den Weg nach Indien beherrscht ist. Palästina ist der strategisch außerordentlich wichtige Mittelpunkt dieses Weges, der überdies zwischen Italien und den arabischen Staaten liegt. Nun, da die Annäherung Englands an diese Staaten zu einem von England stark geförderten und initiierten Bundesverhältnis zwischen Irak, Saudiya und Yemen führte, wollte sich die eng wissen Laissez - faire-Haltung den Arabern gegenüber befleißigen. Diese Araber aber taten das Dümmste, das in einem solchen Fall getan werden kann: sie ließen sich, knapp ehe ihnen eine reife Frucht in den Schoß fiel, verleiten, die eigentlich unvorbereitet ausgobrochenen Exzesse und Mordüberfälle auf Juden in Jaffa zum Beginn einer mehr oder weniger revolutionären Aktion ge^en England zu machen und trieben, die Bewegung schnell organisierend, die Sache auf die Spitze. Trotzdem war der Hochkommissar von Palästina bis zum letzten Augenblick geneigt, ihnen eine Tür zur Rückkehr offen zu lassen, aber die Jugend und die Eifersüchteleien zwischen den einzelnen Familien gestatteten diese Rückkehr, nach der sich manche sehnten, nicht. Im Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, beginnt der arabische Steuerstreik, also der Generalangriff gegen die heiligsten Rechte des Staates. Es ist nicht abzusehen, wie die Sache weitergehen wird, um so mehr, als es scheint, als wäre die politische Leitung vom Hochkommissär auf das Kolonialministerium tibergegangen, aber auffällig genug ist die Tatsache, daß heute, beinahe vier Wochen nach Beginn der Unruhen, die öffentliche Sicherheit in Palästina noch immer sehr gering ist. Dies, nachdem Militärverstärkungen ins Land kamen. Noch immer werden Menschen am hellichten Tag ermordet, noch immer werden Nacht für Nacht jüdische Felder angezündet und noch immer kümmert sich die Polizei nur sehr wenig um den Terror der Streikagenten in den arabischen Quartieren. Araber wie Engländer befinden sich in einer Sackgasse, aus der sie nicht herausfinden. Die jüdische Politik ist eine abwartende. Ihr geht es in erster Die neuen Morde Jerusalem in Jerusalem, 18. -Mal. (JTA.) Während, der Samstag in Jerusalem und im übrigen Palästina ohne besondere Zwischenfälle verlief, ereignete sich am Samstag spät abends, wie schon kurz gemeldet, ein Vorfall, der die gesamte jüdische Bevölkerung in tiefste Erregung versetzte. Während in dem fast rein jüdischen Stadtteil Sichron Mosche im Herzen der Jerusalemer Neustadt das Publikum das dortige Kinotheater verließ, feuerten einige Araber Schüsse in die Menge ab, worauf sie unerkannt die Flucht ergriffen. Die Wirkung war furchtbar: Fünf Personen blieben auf dem Pflaster liegen. Drei von ihnen, die aus Polen stammenden Juden Alexander P o 1 o n s k y, Isaac J a- 1 o w s k y und Zwi Schabchowsky waren sofort tot, während zwei, Dr. P1 o ss e r und Israel Askenazy, schwere Schußverletzungen davontrugen. Der Menge bemächtigte sich eine ungeheure Panik, die sich zu tiefster Trauer steigerte und höchste Empörung gegen ein Regime auslöste, das trotz der ihm zur Verfügung stehenden ungeheuren Machtmittel sich als unfähig orweist, nach mehreren Wochen Unruhe endlich Ordnung zu schaffen, und das, statt die Verantwortlichen an den Unruhen und an den heiltückischen Morden zu fassen, mit diesen politisch verhandelt. Billigst Urlaubsmöglichkeit am schönsten Meeresstrand der Adria CRIKVENICA Orth.-wo Pension ENCEL Billige Arrangements Bezahlung In Wien möglich Auskunfti Willy Donner (B 30-5-22) »Für Palästina Ist es wert zu sterben« Die Bestattung der drei neuen Todesopfer fand gleich am Sonntag statt. Bei dem Begräbnis am ölberg waren nur die Familienangehörigen der Toten und Vertreter des Jischuv anwesend. Dr. W a o h i t z machte in seiner Ansprache den Behörden und dem High Commissioner Vorwürfe, weil sie mit dem an dem Blutvergießen Schuldigen Verhandlungen führen. Rabbi Blau als Vertreter der Agudah Israel be- Itecfoe Politik auch in Paläetdna einer gi-kaüßrtg die Ogfer als Märtyrer, die für Linie darum, das im Land Geschaffene gegen mörderischen Angriff zu halten. Es wurde nicht verlautbart, daß zwischen der Jcwish Agency und der Regierung politische Verhandlungen stattfanden. Sollte dies aber geschehen, dann ist es sicher, daß auch dieses Mal England den alten Weg der getrennten Verhandlungen einsohlägt. Der so notwendige Versuch einer gemeinsamen Verhandlung aller drei Parteien wird auch jetzt nicht gemacht, eine Tatsache, die auch von der hebräischen Presse in den letzten Tagen wiederholt betont wurde, ohne auf ein Regierungsecho zu stoßen. Die breite Masse, die nichts von all den Hintergründen weiß, reagiert in der ihr eigentümlichen Weise. Die Masse der arabischen Bauern hält sich noch immer — anders als im Jahre 1929 — zurück, schon deswegen, weil die Ernte noch nicht eingebracht ist, und überläßt das Feld den städtischen Agitatoren und Jugendgruppen, und die Juden bewahren, wie völlig unparteiische Reisende bestätigen, eine musterhafte Disziplin. Es ist die Disziplin einer unüberwindlichen Entschlossenheit, nicht vor den aus dunklen Hintergründen hervorbrechenden Gewalten zu kapitulieren und nicht das Erbaute aufzugeben. BADVOSLAU HOTEL-RESTAURANT Str. Orth. Unter Leitung des Restaurateurs S. Auerbach, Pension von S 7*- aufwärts, bereits eröffnet Gott gestorben seien. Rabbi Berlin erklärte: Unser Volk will keine blutige Rache nehmen, aber wir klagen diejenigen an, die dieses Blutvergießen hätten verhindern können. Er rief zur Einigkeit des jüdischen Volkes auf. Als letzter sprach Dr. Katznelson im Namen des Waad Leumi. Er sagte: Für den Aufbau Palästinas ist es wert, zu sterben, so wie es wert ist, dafür zu leben.“ Die Menge ging danach schweigend auseinander. Distrikt Commissioner Campbell, Polizeiinspektor Reis und mehrere hohe Polizeioffiziere nahmen am Begräbnis teil. HÖHENLUFT - HÖHENSONNE | (iebirgskinderheim Konradsgut § 1250 nt, ALPEN-MILCH, ALPEN-BUTTER, R erstklassige Verpflegung. Besondere Berücksichtigung H schlecht essender Kinder, Heimarzt, Spiel, Sporl Gym- ■ nastik.Ferialunterricht, Französisch, Englisch,Hebräisch. H Auskünfte und Prospekte iSCHÜLBRHEIM STADTPARK, ■ 111., Hansalgasse 6, Tel. B 54-9-86, Dr. E. ALDOR, H XVH-, Goldscheidgasse 6, Tel. B 40-3-53. fl Ein weiteres Todesopfer Jerusalem, 20. Mai (JTA.). Gestern wurde der 35 jährige Feiwel Schnitzer in der Armenier-Straße zu Jerusalem von einem Araber, der nach der Tat flüchten konnte, erschossen. Schnitzer ist der Sohn des jüdischen Bürgermeisters der Jerusalemer Altstadt. Er war Milchverkäufer und hinterläßt zwei Kinder. Ein Wiener erschossen Jerusalem, 18. Mai (Palcor). Heute um 9 Uhr morgens wurde auf der Straße der Diener des katholischen Pilgerheims Karl B r e i t i n g e r, ein Wiener, durch Revolverschüsse tödlich getroffen. Der arabische Mörder entkam. Polizeihunde führten zu einem arabischen Hause gegenüber dem Hause von Nashashibi. Es verlautet, daß ein Araber im Zusammenhang mit dem Mord verhaftet worden ist. Die Spuren der Mörder wurden von der Polizei unter Verwendung von Bluthunden verfolgt. Die Polizeipatrouille wurde von den Hunden zu dem beim Nablus-Tor gelegenen Haus eines Arabers namens Ismael Nashashibi geführt. Er wurde als der Tat verdächtig verhaftet. Leichenschändung Bei der Beisetzung dieses Todesopfers ereignete sich am 18. d., nachmittags, eine entsetzliche Szene, als eine arabische Menge einen Gottesdienst in der katholischen Kirche in der Altstadt für den gestern ermordeten Christen halten wollte, während die Behörden nur einen Gottesdienst am Grabe auf dom Friedhof gestatteten. Die' Menge versuchte, den Sarg aus dem G r a 1) c z u r e i ß e n, wurde jedoch von einem starken Polizeiaufgebot auseinandergetrieben. Italien. Riviera Hotei FSorenza Continental, das Komforthotel, Pension® internationale, die gemütliche Fa m i I i en p e n s i o n Auskunft und Prospekte durch die Direktion Cohen-Eckstein oder UNIVERSAL-Reisebüro, Wien, I., Kärntnerring 3, neben Bristol Ausländer verlangen Schutz Jerusalem, 21. Mai. Die ausländischen Konsuln in Tel-Aviv haben sich gemeinsam an die Regierung gewendet, um Maßnahmen für den Schutz der Angehörigen ihrer Länder zu verlangen. Sie werden sich, wenn der Schutz seitens der Mandatsregierung nicht ausreichend sein sollte, an ihre eigenen Regierungen um weitere Dispositionen wenden. Wauchope lehnt jüdische Selbstwehr ab Jerusalem, 19. Mai. (JTA.) Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die ihm von einer Abordnung unter Führung von B e n - Z w i überbrachte Forderung, die jüdische Jugend zum Schutze von Leben und Eigentum der Juden ziu mobilisieren, abgelehnt. Beschuldigungen gegen Italien London, 18. Mai. (JTA.) Der Jerusalemer Korrespondent des „Daily Herald“ erklärt, daß trotz des offiziellen Dementis durch den italienischen Generalkonsul in Jerusalem neue Beweise dafür erbracht worden seien, daß italienisches Geld beim Araberaufruhr eine Rolle spielte (?). Von italienischen Stellen seien in der letzten Zeit größere Geldbeträge teils direkt, teils über Syrien an Araber überwiesen worden. Die letzte Überweisung betraf eine Summe von 5000 Pfund. Es sei festgestellt worden, daß Beduinen ein Tagelohn von 3 Pfund und volle Verpflegung versprochen wurde, falls sie einen Überfall auf die Juden in Palästina unternehmen. DasRecht auf Plünderung wurde ihnen zugestanden. (Die Verantwortung für diese Anklage muß dem Jerusalemer Gewährsmann des Blattes überlassen bleiben. — Red.) "R£D "HtD Bad Luhaüovice Hotel Sinetana 50 gut eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser Erstklassiges Restaurant, mäßige Preise Gegründet 1872 Italien greift die englische Palästinapolitik an Rom, 19. Mai, Die gesamte römische Abendpresse wendet sich unter Hinweis auf das vom italienischen Generalkonsul in Jerusalem veröffentlichte Dementi aufs schärfste gegen die ln Palästina erscheinenden jüdischen Zeitungen, die» wie das „Giornale d’Italia“ schreibt, im Dienste der englischen Sanktionspresse ihre Verdächtigungen wegen angeblicher italienischer Umtriebe in Palästina veröffentlichen. Nach Ansicht des halbamtlichen italienischen Blattes Hege die Verantwortung für die Unruhen in Palästina einzig und allein bei der englischen Regierung, die in einem