Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 550 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite Z OIE STIMME Nr. 550 — 22. Mai IOC« Optiker RUDOLF HAAS.co. WIEN, II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK über die Verkflndfgung des Belagerungszustandes, vorangestellt. Im Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem fand am Nachmittag eine Tratiersitauog aum Gedächnis Sokolows statt. Ansprachen wurden von dem Vorsitzender der Exekutive, David Ben Gurion, und von Jizchach Grünbaum gehalten. Am Abend sprach Grünbaum im palästinensichen Rundfunk über die Bedeutung Sokolows. Auf dem Verwaltungsgebäude der Jewish Agency wurde die zionistische Flagge auf Halbmast gesetzt. Alle nationalen Institutionen blieben zum Zeichen der Trauer geschlossen. Oie Trauer der Wiener Juden Die jüdische Gemeinde in Wien tele* reich hat veranlaßt, daß in allen Bezirksgraphierte der Zion. Weltorganisation: Die Trauerbotschaft von dem Ableben des Ehrenpräsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Nahum Sokolow hat in unserer Gemeinde tief-schmerzliches Bedauern erweckt. Wir entbieten den Ausdruck herzlichster Anteilnahme. Der Präsident der Kultusgemeinde Wien Dr. Friedmann. * Der Zionistische Landesverband für öster- REGEN-MÄNTEL „ALPHA“ I ADLERGASSE 8 Sektionen und Ortsgruppen Trauerkundgebungen abgehalten werden. Während der Dauer des Begräbnisses blieben die Büros des Landesverbandes, des Palästina-Amtes und der Fonde zum Zeichen der Trauer geschlossen. Im Chajes-Gymnasitim und in anderen jüdischen Schulen wurde der Unterricht unterbrochen. Die Lehrer teilten den Schülern die Nachricht vom Tode Sokolows mit und hielten Ansprachen über seine Bedeutung für da3 jüdische Volk. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde hat eine außerordentliche Trauersitzung abgehalten. England wird untersuchen Die arabische Bewegung in Palästina hat I Dinge richtig zu beurteilen und daß sie mit ihren politischen Charakter verloren. Sie löst ihrem Plan des gesetzgebenden Rates die Beileid der polnischen Regierung Warschau, 20. Mai (2. T. A.). Die polnische Regierung hat den Hinterbliebenen Nahum Sokolows telegraphisch ihr Beileid ausgesprochen. Die Warschauer Jüdische Gemeinde hielt eine Trauersitzumg ab und sandte die folgende Depesche an die Familie Sokolows: „Die Jüdische Gemeinde in Warschau nimmt teil an Ihrem großen Schmerz und an dem Schmerz des gesamten jüdischen Volkes um den Tod des großen Juden Rabbi Nahum Sokolow, des treuen Kämpfers um die Erlösung Israels. — Der .Vorsitzende der Gemeinde Mazur.“- i»0«.» «Breftlouer txinft ihm—i«i ■ Im polnischen Radio hielt Redakteur J. Apenszlak eine Gedenk rede und gab eine Charakteristik der großen Gestalt Nahum Sokolows., der auch für Polens Freiheit gekämpft und sieh stets mit Stolz einen „polnischen Juden“ nannte, der Vortrag wurde von allen polnischen Sendern übernommen. Palestine, hat der Jüdischen Telegraphenagentur folgende Erklärung übergeben: „Ich habe die bewunderswerte Arbeit des Mannes, der sich ganz der zionistischen Sache gewidmet hat, aufs höchste geschätzt. Sokolow ist im Dienste der jüdischen Sache auf seinem Posten gestorben.“ MÖBEL-WINTER für GelegenheftskSufe Wien, VIII, bei Lerdienfelderstraße Stadtbahnviadukt 23 Telephon: A 21-5-31 Beileidsschreiben und Telegramme sind u. a. von den Folgenden eingetroffen: Jan Masaryk, Botschafter der Tschechoslowakei in London, Generalleutnant Sir George MacDonough, Lord Strabolgi, E. R. N. Williams vom Kolonialamt, Henry M. Nevinson, Oberst J. H. Patterson, dem polnischen Minister, des Äußeren, dem ötalienischeu Generalkoneul in Jerusalem, Si-doey Dark, dem Chefredakteur der „Church Times“.' Beileidstelegramme von zionistischen Verbänden aller Länder der Welt und anderen jüdischen Körperschaften laufen ununterbrochen im Londoner Büro der Zionistischen Organisation ein. rmmk Ak&wiSthüiz. [FH Wi&HWR&oÄ (LMt-aj+Sthlr sich in eine Reihe von Morden, Brand9tiftun gen und Überfällen auf und das besondere Merkmal der Situation liegt darin, daß die Regierung trotz ihres Militärs keine Ordnung schaffen kann. Sie hat auch die Schande hin nehmen müssen, daß die ausländischen Kon- Bulen den Oberkommissär durch eine Abordnung auf die Verpflichtung aufmerksam aufmerksam machen mußten, den Schutz ihrer Staatsangehörigen zu sichern. Könne er dies nicht, so würden die Konsuln Instruk tionen ihrer Regierungen einfordern. Es ist wohl 2um erstenmal in der Geschichte Englands der Fal, daß es sich einer derartigen Intervention aussetzt. Die Regierung in Jerti salem macht ganz den Eindruck, als hätte sie den Kopf verloren und stünde dem Treiben der Araber hilf- und ratlos gegenüber und denselben Eindruck macht die Londoner Zentrale, die, auf die Informationen aus Jerusalem angewiesen, jeden Überblick verloren hat. Sie hat zu dem Auskunft mittel gegriffen, die Lage im Mandatsland durch eine Kommission prüfen zu lassen, und scheint von dem Empfang einer arabischen Delegation abstehen zu wollen. Aber was kann die Prüfung einer Kommission ergeben? Wenn sie wieder wie 1929 mit gebundener Marschroute ins Land kommt, dann erweckt sie nur neues Mißtrauen der jüdischen Bevöl kerung, die aufs äußerste erbittert ist, da sie merkt, wie die internationalen Spannungen zwischen England und den Arabern auf ihre Kosten gelöst werden sollen. Der Jiscbuw hat sich besonnen verhalten und die Stellung der Regierung nicht erschwert. Aber er kann eine Verdrehung der Tatsachen nicht zulassen, die zu falschen politischen Schlüssen führen müßten. Die von England beliebte Darstellung eines jüdisch-arabischen Kampfes ist unwahr. Es gibt nur Überfälle und Morde von Seiten der Araber, die Juden haben kaum eine Defensive unternommen. Wird aber die Fiktion von Kämpfen einer Untersuchung zugrundegelegt, dann ist das der Versuch, einen Teil der Schuld auf die Juden zu legen oder sie mit der ganzen Schuld zu belasten, die sich aus ihrer Existenz ergeben würde. Auch haben sich die Unruhen nicht auf dem flachen Land ereignet, sondern im Bereich der Küste, also dort, wo die englischen Machtmittel voll eingesetzt hätten werden könnend Es..ist, .auch hichV die arabische Nation, sondern die. von den Clans dirigierte Masse von eingewanderten und durch die Krise arbeitslos gewordenen Lumpenproletariern aus dem Hauran, die herangezogen wurden, die politische Reife und die demokratische Richtung der arabischen Forderungen zu erhärten. Dieser Beweis ist vor der ganzen Welt geführt worden, die nun sieht, daß man Mordbanditen und Plünderern die Tribüne eines Parlamentes aufrichten will und die gleichzeitig sieht, daß die überwachende Behörde nicht fähig war, die, englische Politik völlig in die Irre geführt* hat. Fiir alle Fälle aber ist durch diese Vorfälle erreicht worden, daß die jüdischen Arbeiter zu ihrem Recht auf Arbeit kommen, daß durch den versiegenden Streik offenkundig geworden ist, wer die Wirtschaft des Landes beherrscht, und daß die staatsbildende, aufbauende Fähigkeit der Juden auch diese Probe auf ihre Bruchfestigkeit bestanden hat. Die Position der Juden ist stärker geworden. Sie muß zu einer unangreifbaren Festung ausgebaut werden, indem die Parteiuntersdhiedo beseitigt werden. Kein Zionist würde es verstehen, wenn nicht wenigstens jetzt eine einheitliche zionistische Front ersteht.. Nur diese Einheit wäre stark genug, den unbedingt notwendigen Weg zu den Zentren der arabischen Politik zu suchen und ein besseres Verhältnis zum arabischen Volk anzubahnen. Billige „IRUT'-Pfingstreise nach Polen und Czernowitz Abfahrt: 24. Mai 1015 vornitg. Rückfahrt: 9. Juni und später. Niedrige Fahrpreise und Platzkarten „IRUT" R^XtrSzkianz U 44-5-79 Die hebräische Presse über die UntersuchungskommESsIon Die hebräische Presse bemerkt, wie „Pa.lcor“ aus Jerusalem meldet, zur Veröffentlichung der Zertifikats-Schedule, daß die Gewährung der Zertifikate den Beweis dafür liefere, daß die Regierung in der Frago der Einwanderung, welche die zentrale Frage ist, den arabischen Forderungen nicht nachgebe. „Dawar“ fügt hinzu, daß die Gewährung der Schedule nicht genüge, um Vertrauen zur künftigen Einwanderungspolitik der Regierung zu erwecken. Die Presse erwähnt mit Genugtuung die Arrangements für die Ausladung von Frachten am Tel-Aviver Ufer, woran der Wille der Regierung erkennbar sei, dem Jischuw bei seinem Widerstand gegen die Versuche, das wirtschaftliche Leben des Landes lahmzulegen, behilflich zu sein. Wäre die Erlaubnis gegeben worden, als die Exekutive der Jewish Agency zum erstenmal darum ansuchfce, so hätte der Streik vielleicht nicht so lange angehalten. Sämtliche Zeitungen verlangen, daß die arabischen Führer öffentlich als für den andauernden Terror und Gewaltakte verantwortlich erklärt werden. ln,Tjae. B. Harens & Sohn Wien, I* Rudolfsplatz 2 Telephon ü 25-3-16 Geffr. 18»! Au« Südafrika Wie aus Südafrika telegraphiert wird, hat unter der dortigen Jadenschaft das Ableben Sokolows außerordentliche Trauer hervorgerufen. Sokolow war einige Male Gast der südafrikanischen Judenheit, wo er die Keren-Hajessod-Aktion organisierte. Während er dort im Jahre 1934 weilte, fand ein Prozeß gegen antisemitische Agitatoren statt, die, von deutschen Nazis instruiert und unterstützt, in Südafrika die „Protokolle der Weisen von Zion“ verbreiteten. Sokolow wurde als Zeuge vernommen, wodurch der Prozeß einen denkwürdigen Verlauf nahm. Sokolow schilderte vor Gericht den wirklichen Verlauf und die Ziele des I. Zionistenkongressce in Basel und wies überzeugend nach, daß die „Protokolle“ nichts weiter sind, als eine plumpe Fälschung. Das Gericht sprach ein hartes Urteil gegen dio Verbreiter der „Protokolle“ aus. Seitdem hat die von Deutschland her genährte antisemitische Propaganda in Südafrika eine starke Dämpfung erfahren. Weitere rteileidskundgebungeii In einem Schreiben von General Sir G. M. W. Macdonough an die Hinterbliebenen Sokolows heißt es: Zu meinen glücklichsten Erinnerungen gehört das Frühstück mit ihm im Ritz an dem Tage, als Alienby in Jerusalem einmarschlerte... Er hat die Grundlagen des Jüdischen Nationalheim.3 so fest gfdrgt, daß nichts sie jemals entfernen wird. Der Senator und frühere Minister Justin Oodart, Vorsitzender des Coinitd France- Sokolows letzter Kongreß Mit Sokolow ist der great old man der zionistischen Bewegung hingegangen. Immer kleiner wird die Schar der alten Kämpfer aus der ersten Zeit der zionistischen Bewegung. Heute, wo eben erst die Erde Sokolows Sarg bedeckt hat, wollen wir nur von dem Sokolow sprechen, wie wir ihn beim letzten Kongreß gesehen haben. Es ist ja nur zu begreiflich, daß man beim Hinscheiden eines Menschen sich daran erinnert, was er zuletzt gesprochen hat. Der Luzemer Kongreß sah Sokolow zum letzten Male auf dom Sitz des Präsidenten. Die Eröffnungsrede zeigte ihn wieder einmal als Meister der Rede. Er war gewohnt, die Begrüßungsansprache an die erschienenen Vertreter der Regierung und des Völkerbundes deutsch, englisch und französisch zu halten, sein Referat aber hielt er, der große Erneuerer der hebräischen Sprache, nur hebräisch. So auch in Luzern. Und als viele Delegierte, die nicht hebräisch verstanden, nach und nach den Saal verließen, da war Sokolow gekränkt. Er sagte aber zunächst nichts. Als er aber am nächsten Tag die Sitzung des Kongresses eröffnet», rügte er die Delegierten, die seine Eröffnungsrede nicht bis zum Schluß angehört hatten, indem er — natürlich wieder hebräisch — sagte: „Die Herren Delegierten hätten sich an den anwesenden Christen ein Beispiel nehmen sollen, die haben den Saal nicht verlassen.“ £ Sokolows Eröffnungsrede in Luzern war ein großes Exposö über die Lage der Juden in der Welt, insbesondere in Deutschland. Aber auch für die Not der Juden in Österreich fand er warme Worte. Es wird einmal die Zeit kommen, wo man die Archivo öffnen wird. Dann wird man lesen können, was Sokolow damals sagen wollte, was er aber zu sagen über Drängen ängstlicher Gemüter unterließ. Denn das muß gesagt werden: Sokolow war unerschrocken und in zionistischen Dingen hundertprozentig. _ Er duldete keine Minimalisierung des zionistischen Endziels, das für ihn immer der souveräne Judenstaat war. Sokolow war ein glühender Anhänger Theodor Horzls. So war er auch noch bei der letzten A. C.-Sitzung der Wortfüdrer jener Zionisten, die darauf drängten daß Herzls Gebeine ehestens nach Erez Israel Überführt und gemäß dem Wunsche Herzls auf dem Karmel beeidigt worden sollten. * Heute, wo Sokolow uns entrissen wurde, wollen wir uns daran erinnern, wie er in Luzern über den Zionismus gesprochen hat. Der Kongreß wählte bekanntlich Weidmann zum Präsidenten der Organisation. Sokolow wurde Ehrenpräsident, Leiter des Kulturwerkes und Präsident des Keren Bajessod. Stürmischer Beifall umtoste Sokolow, als er in der Schlußsitzung das Wort ergriff. Was er damals sagte, sei hier, da wir e einen Tod betrauern, festgehalten, weil es ein Beweis für die menschliche Grüße Sokolows ist, daß er das Gefühl persönlicher Kränkung gar nicht auf kommen lioß: „Ich verlasse meinen Poeten mit Stolz und Froude, ohne jede Bitterkeit, ohne jeden Vorwurf, sondern voll freudiger Genugtuung, daß wir unser Werk in Frieden und Eintracht vollbringen. Ich übernehme mein neues Amt mit' der Cowißhoit, daß Bich mir hier ein reiches Arbeitsfeld eröffnet.“ Und zum Schluß legte er noch oin zionistisches Bekenntnis ab: „...Fiir jeden mit den Bestrebungen unserer Bewegung vertrauten Menschen steht EAwlARkAlRM Im Waldviertel, S 4.50 tflgl., ■ llfSlIWl 5 Mahlz., pttdag. Leitung, Referenzen, Prospekte, Kammer. 1., Gonzagagasse 13, ü 22-9-82. es nach den Verhandlungen des Kongresses fest, daß der Zionismus, weit entfernt sein Programm abzuschwächen und zu verwässern, es im Gegenteil schärfer zu formulieren und seine Ziele und Forderungen klarer und bestimmter zu vertreten entschlossen ist. Auf unsere Ideale und legitimen Ziele verzichten wir nicht, mit unseren Idealen und Zielen vor Augen, werden wir fortfahren, praktisch zu wirken und unablässig das Interesse des tätigen Zionismus zu fördern. Und jede reale Errungenschaft wird uns nicht den Wind aus den Segeln nehmen, sondern im Gegenteil, unsere Kraft und unser Ansehen nur stärken. Maassenu jekarwunu, maa8senu jerachakunu — nach Unseren Taten sollen wir gerichtet werden! Und so zur Arbeit im Namen Gottes! Im zweitnächsten Jahre in Jeruschalajim!<( Nach diesen Worten erhoben sich Delegierte und Gäste von den Sitzen und bereiteten Sokolow stürmische Ovationen. #' „Im zwoitnächeten Jaliro in J e r u s a l e ml“ Dort wollto Sokolow an den Arbeiten des 20. Kongresses tcilnehmen. Das Schicksal hat es anders gewollt. Sokolow ruht in der harton Erde der Caluth. Wenn es ihm aber schon nicht vongönnt war als Delegierter beim 20. Kongroß in Jerusalem zu weilen, so sollte es die Ehrenpflicht aller Zionisten sein, dafür zu sorgen, daß seine sterblichen Überreste spätestens boim 20. Kongreß in Jorinsalom der heiligen Erde unserer Väter zur ewigen Ruho übergeben worden. Er hat es tausendfach verdient. Unsere zionistische Generation soll sich nicht dem Vorwurf aussetzen, der ihr wegen der noch immer nicht erfolgten Überführung der Goboino Theodor Herzls mit Recht gemacht wird.