Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 550 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr« SSO Wien, 22. Mai 1930 1« Siwan 5690 9« Jahrgang “Sfättunc JÜDISCHE ZEITUNG England schickt eine Kommission Die Ankündigung des englischen Kolonienministers, daß eine Königliche Kommission zur Untersuchung der Ausschreitungen und Unruhen nach Palästina entsandt werden soll, erfolgte in der Unterhaussitzung vom 18. Mai bei der Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Gordon McDonald. Fragen anderer Unterhausmitglieder, die im Anschluß an diese Anfragebeantwortung gestellt wurden, gaben dem Minister Gelegenheit, zu erklären, daß der Empfang einer arabischen Delegation in London nicht mehr in Frage komme, und daß die Untersuchungskommission sich auch über die richtige Interpretierung der Mandatsbestimmungen werde äußern können. Uber die Sitzung liegt uns der folgende Bericht vor: Die Unlertiausdebalte London, 18. Mai. (Palcor.) Im Unterhaus interpellierte heute Abgeordneter Gordon M a c D o n a I d, den Kolonienminister, welche Schritte unternommen worden seien, um die arabischen Führer in Kolomenminißter Thomas sagte, daß der Oberkommissär die Haltung der Regierung den arabischen Führern in Palästina klar aus'emandergesetzt habe. Fortfahrend, erklärte er folgendes: „loh nehme diese Gelegenheit wahr, um festzustellen, daß die Regierung der Lage in Palästina, welche sich aus den neuerlichen Unruhen und dem anhaltenden Zustande der Unsicherheit ergäbt, ernste Erwägung gewidmet hat. Was vor allem nottut, ist die Wiederherstellung der Ordnung. Der Oberkommißsär . unternimmt alle notwendigen , Schritte in dieser Richtung. Dies vorausgesetzt, hat die Regierung beschlossen, daß die geplante arabische De- Palästina davon in Kenntnis zu setzen, daß die Regierung sich durch Gewaltakte oder Drohungen nicht von der Erfüllung des Mandats abbringen lassen wird. legation nach London nicht mehr den vorhandenen Bedingungen entspricht, und daß es statt dessen ratsam ist, eine Untersuchung an Ort und Stelle einzuledten. Die Regierung hat deshalb beschlossen, nachdem die Ordnung wieder hergestellt sein wird, dem König zu empfehlen, eine Königliche Kommission (Royal Commission) ©inzusetzen, welche, ohne die Bestimmungen des Mandats in Frage zu ziehen, die Ursachen der Unruhe und die angeblichen Beschwerden, sowohl der Araber wie der Juden untersuchen wird. ' Abgeordneter L u nn fragte, oh diese Entscheidung bedeute, daß die arabischen Führer nunmehr nicht nach London kommen werden. Der Minister: Ihr Kommen wird nicht alswünechenswert erachtet. Die erste Bedingung, auf der die Regierung bestehen muß, bevor eine Kommission eingesetzt wird, ist die Wiederherstellung öffentlicher Ruhe und Ordnung. In Beantwortung einer Frage des Abgeordneten GrafenWinterton, sagte Thomas, daß die Königliche Kommission die Möglichkeit haben würde zu untersuchen, ob das Mandat auf gerechte Weise interp retiert wird, nicht aber, das Mandat selbst anzutasten. Abgeordneter A111 e e: Wurde der Beschluß, diese Kommission einzusetzen, nach Beratung mit den Führern beider Parteien gefaßt, und wünschen diese, daß die Kommission eingesetzt werde? Der Minister: Nein. Die Regierung faßte ihren Beschluß ohne Beratung mit den Führern. (Weitere Nachrichten über die Ereignisse in Palästina im Innern des Blattes.) ORBIS «BT POLEN Abfahrt s 24. Mai Anmeldungen: R e I s e b U r e „O R B I S“ I., KUrntnerBtroQe 41, R 21-5-78 - Österreichisches Verkehrs-Büro Friedrlehstr. 7, B 27-500,, I.» Graben 20, U 29-4-35 . .1 ■ jm .■ ■ i 'i Erklärung des Kolonienministers I Sokolows Tod rede hielt. Am Mittwoch abends würde in der Großen-Synagoge eine Trauerfeier für Nahum Sokolow abgehalten. DieTrauer der zionistischen Weltorganisation London, 19. Mai. (JTA.) Nahum Sokolow hatte sich einige Tage nicht ganz wohl gefühlt, doch ging er seiner normalen Tätigkeit nach. Am Sonntag morgens frühstückte er noch im Kreise seiner Familie und war guteT Laune. Erst am späten Nachmittag trat ein Schwäch eanfall ein und kurz darauf, etwa ein Viertel nach sechs Uhr abends, verschied er. An seinem Bett weilten zwei seiner Töchter. Er hinterläßt außer diesen noch zwei Töchter und zwei Söhne. gestaltete sich zu einer ungemein eindrucksvollen Trauermanifestation der britischen Judenheit für den dahingegangenen Führer. Die Trauerfeierlichkeiten begannen gegen Mittag im Hause Sokolows. Von dort bewegte sich der Trauerzug nach dem Willesden-Friedhof, wo der Chief Rabbi des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, die Trauer- London, 19. Mai. * (JTA.) Aus allen Ländern der Welt laufen bei der Exekutive Kondolenzen ein, sowie Mitteilungen, daß Trauerkundgebungen vorbereitet werden. Auch bei der Familie Sokolows sind sehr viele Beiletidskundgebungen aus England, Palästina, Polen und aus anderen Ländern eingelaufen. Sokolow-Gedenkfeier der Jewish Agency Am Schreibtisch gestorben London, 20. Mai (JTA.). Aus Warschau ist der Sohn Sokolows in London angekommen. In einem Gespräch mit dem JTA.-Vertreter erklärte er, Sokolow habe schon vor zehn Jahren gesagt, er werde am Schreibtisch vom Tode überrascht werden. Jetzt sei er tatsächlich gestorben, während er mit der Arbeit an einem hebräischen Buch über j üdisclie Helden beschäftigt war. M i tten in einem Satz hat ihm der Tod dio Feder entrissen. In der letzten Zeit habe Sokolow auch an einem monumentalen enzyklopädischen Wörterbuch gearbeitet. Sokolow bereitete sich für eine Reise nach Südamerika im Interesse des Keren Hajessod vor und hatte bereits eine Schiffskarto für den 20. Juni gelöst. Zu seinen Reisevorbereitungen gehörte auch das Studium der spanischen Sprache. Bei seinem Ellbogen lag eine spanische Grammatik, als er zusammenbrach. Vor der Öffentlichkeit hatte sich Sokolow zuletzt boi dem Gedächtnisgottesdienst gezeigt, der am 12. Mai für Marschall Pilsudski abgehalton worden war. Die Beisetzung Sokolows London, 20. Mai (2. T. A.), Die Beisetzung des verstorbenen Ehrenpräsidenton der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nalnim Sokolow, fand am Mittwoch, den 20. Mai, statt und Jerusalem, 18. Mai. Der Jischuw ist durch die Nachricht vom Ableben Sokolows in tiefe Trauer versetzt worden. Alle nationalen Ämter haben geschlossen. ‘ Mittags fand im Gebäude der Jewish Agency in Anwesenheit geladener Vertreter der nationalen Institutionen eine Trauerfeier für Nahum Sokolow statt. Ben- Gur i o n sagte, inmitten schwerer Prüfungstage und der Trauer um die Opfer der Überfälle sei der Schlag der Nachricht vom Ableben Sokolows gekommen, eines der Schöpfer unseres politischen Werkes, eines der hervorragendsten Vertreter unserer Generation auf dem Gebiete des Geistos und der Literatur. Gruembaum sprach von der Größe Sokolows als Persönlichkeit und Schriftsteller und erwähnte die Absicht des Verstorbenen, nach Palästina zu übersiedeln, um sich der literarischen Tätigkeit zu widmen. Der greise Schriftsteller Modeohai Ben- Hillel Hakohen sprach mit zitternder Stimme das El-Mole-Rachamin und den Kadisch. An Sonntagen .Francopol'-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Nächste Abfahrten: 24. Mai, 7. Juni; Rückfahrt 9. Juni 1936. — Poln. VerkehrsbUro „Franoopol“, III., Schwaizenbergpl. 7, U16-4-90 „Cedok“, I., Kärntnerstraße 32, R 23-4-88. Gerngroß, VII., Mariahilferstraße 42, B 38-2-68 1100 Zertifikate mehr bewilligt Jerusalem, 18. Mai. (Palcor.) Die heute bestätigte Zertiflkats-Schedule (4500 Zertifikate) übersteigt die für das letzte Halbjahr gewährte um 1250. Inbegriffen sind 1200 Zertifikate für deutsche Chaluzim, welche auf Grund der Sonderzuwendung des englischen Council für deutsche Juden, dessen Präsident Sir Herbert Samuel ist, gewährt wurden. Auf Grund dieser Zertifikate, welche Einreisebewilligungen für 300 Ehepaare einschließen, wird 1500 Juden aus Deutschland die Ansiedlung in Palästina ermöglicht. * Die Jewish Agency hatte, wie erinnerlich, eine Zuteilung von 11.000 Zertifikaten verlangt. Die Schedule im Halbjahr Oktober 1935 bis März 1936 betrug 4450 Zertifikate. Hievon wurden für illegal verbliebene Personen 1200 Zertifikate abgegeben, so daß 3250 verblieben. Davon reservierte die Regierung zur Verteilung nach ihrem Gutdünken an Juden und Nichtjuden 350 Bewilligungen, so daß die Jewish Agency im ganzen 2900 Zertifikate erhalten hat. Von der neuen Schedule, die 4500 Zertifikate beträgt, erhält die Jewish Agency 4000 Zertifikate ausgefolgt, also um 1100 mehr, als bei der letzten Schedule. Damit hat die Palästina-Regierung zu erkennen gegeben, daß sie nicht gewillt ist, der durch Terror unterstützten Forderung auf Sperre der jüdischen Einwanderung nachzugeben. der Unterwelt von San Franc/ TZßTBNBAUi'KMNTNEKKiHn. W^UtN^VERSAl * Ft LfA ÄmimnimiinminmiHiiiiiinimimiiiiiiiiiiiiiinniiiniiiiiiniiiiiiiiiiiinnffliiiiiniiiiiinniiminiiiinn Der Oberkommißsär richtete an S h e r - t o k einen Beileidsbrief, in dem er erklärt, daß er das Hinscheiden Sokolows, den er hoch schätzte, als den Verlust eines großen teuren Freundes beklagt. * Der Obenkommissär für Palästina, Sir Arthur Wauchope, richtete an die Familie Sokolow folgendes Telegramm: „Mit tiefem Bedauern erfahre ich den Tod von Herrn Nahum Sokolow. Ich verstehe, wie schwer dieser Verlust Sie getroffen hat. Ich habe in ihm stets einen wirklichen Gentleman und wahren Freund erblickt.“ Kundgebung Weizmanns Im Namen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency hat Präsident Wedzmann eine Kundgebung erlassen, in der es heißt: Sokolows Tod bedeutet einen unersetzlichen Verlust sowohl für ihren ' engeren Kreis wie für die zionistische Bewegung in ihrer Gesamtheit. Sie betrauert in ihm einen Mann, der bei der Entstehung der Zionistischen Organisation mithalf, der ihre weitere Entwicklung beeinflußte und der einen hervorragenden und entscheidenden Anteil bei ihrem wechselvollen Schicksal seit dem Kriege hatte. Er leistete unschätzbare Dienste bei den schwierigen Verhandlungen, welche mit den verschiedenen Regierungen geführt werden mußten, hatte aktiven Anteil hei der Erlangung der Balfour-Deklaration und erwirkte eine wohlwollende Erklärung über, die Ziele des Zionismus von seiten des damaligen Papstes. ‘ Vom ersten Kongreß an war er eine wohl» bekannte Erscheinung bei diesen internationalen Zusammenkünften, von denen er so viele mit Würde, Hingabe und Geschicklichkeit leitete, bis er zu der höchsten Stelle, in der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency berufen wurde, die er mit so großer Autorität und so viel Erfolg bekleidete. Lange vor der Entstehung der zionistischen Bewegung war in der gesamten jüdischen Welt der Name Nahum Sokolows auf dem Gebiete der modernen hebräischen Literatur berühmt. Er trug die jüdische nationale Idee in viele Länder, insbesondere in die Vereinigten Staaten, Kanada, in fast alle europäischen Länder und Südafrika. Er hat nicht nur den Gang der zionistischen Geschichte aktiv mitgestaltet, sondern er war auch der Geschichtsschreiber par excellence der zionistischen Bewegung. Nahezu zwei Generationen lang war er eine beherrschende und verehrte Persönlichkeit in der jüdischen Welt, und sein Tod, der uns in einer Zeit ungewöhnlicher Sorge und Anstrengung trifft, wird von den Juden der ganzen Welt mit doppeltem Schmerz empfunden werden. Die Trauer in Palästina 'Jerusalem, 20. Mai (2. T. A.). Die Hebräische Universität, die Jerusalemer jüdische Gemeinde, die Stadt Tel-Aviv sowie sämtliche zionistischen und jüdischen Institutionen Palästinas haben Trauerkundgebunden nach London gesandt. Die in Trauerrand erschienenen hebräischen Zeitungen geben der tiefen Erschütterung des Jischuw über das Ableben Sokolows Ausdruck. Die Nachricht vom Tode Sokolows wurde allen anderen Nachrichten, sogar der VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., AISERSTBASSE 6