Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 549 (19.5.1936)
- Date
- 1936-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Fürs Jüdische Kind Das Jüd. Ferienheim „ATI D" in Spital am Semmering (820 m) für 6- bis 16-jährige, Pädag. Leiter A. Taglicht Idealste Höhenlage, mod. gepflegtes Helm. StSndig« Brztl. Aufsicht, Indlv. padag. Beeinflussung. Sport, Gymnastik, Schwimmen, eigene Bibliothek, Heimkino, jeden Freitag Onegg Sabhath, vorzügliche rituelle Verpflegung, engl., franz., hebräische Kon- ▼ersationsgruppen. Ausk., Prosp., Photos usw. tm Wiener 8ekr., IX., Schwarzspanierstr. 12, Tel. A 26-3-73 Der Eroberer Palästinas gestorben Fpldnwirisoha.il Lord Allenfey, einer der ■britische« Heerführer iin Weltkrieg und der Eroberer Palästinas, ist am Donnerstag, den 14. Mai, im Alter von 75 Jahnen einem Herzschlag erlegen. Feldmans eh all Lord Alleniby, 1861 gehören, leitete 1917 die Offensive bei Arras in Frankreich und im Juni des gleichen Jahres übernahm er das Kommando des britischen Expeditionskorps in Ägypten. Kurz darauf eröffnet« er na.oh anfänglicher Weigerung auf direkten Befehl des damaligen englischen Ministerpräsidenten Lloyd George den Feldzug gegen die türkische Armee in Palästina mit einer groß angelegten Offensive, die nach mannigfachen Wechself allen durch die Einnahme Jerusalems (Chamikka 1917) gekrönt wurde. Am 11. Dezember 1917 zog AUen-by in Jerusalem ein. Allenby stand den zionistischen Ansprüchen auf Palästina zunächst durchaus ablehnend gegenüber. Die Genehmigung zur Grundsteinlegung der Hebräischen Universität auf dem Scopus-Berg in Jerusalem mußte ihm vom Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Ohaim W e i z ma nn, mühsam abgerungen werden. In späteren Jahren aber bekehrte er sieh zur prozionistischen Politik und unterstützte vielfach die zionistischen Bestrebungen auf Errichtung des Nationalheims. Bei Eröffnung der Hebräischen Universität am 2. April 1925 hielt er als Gast des neuen Palästina eine enthusiastische Rede üiber das jüdische Aufbauwerk im Lande. Unterhausdebatte über Palästina (Eigenbericht der „Stimme“) London, 15. Mai. In der Sitzung des Unterhauses am 13. Mai wurden den Kolonienminister eine Anzazhl von Fragen über die Unruhen in Palästina und die jüdische Einwanderung gerichtet. Der Abgeordnete Hardie fragte, ob der Minister aufdie gefährliche Entwicklung arabischer Feindseligkeit in dem Gebiet von Sichren Jakob aufmerksam geworden sei; ob er die Zusicherung geben könne, daß geeignete Schritte zum Schutz der Bedrohten unternommen werden würden. Kolonienminister Thomas antwortete: „Wie ich bereits erklärt habe, besteht die Möglichkeit weiterer Unruhen in Palästina; die Garnisonen wurden in den letzten Tagen verstärkt. Ich bin überzeugt, daß man darauf vertrauen kann, daß der High Commissioner alle Maßnahmen zum Schutze von Leben und Eigentum treffen wird.“ Der Abgeordnete Shinwell fragte, ob der Minister die Klärung der Sohuldfrago bei diesen Unruhen nicht für wichtig halte. Minister Thomas bejahte dies und fügte hinzu, wenn es immer möglich wäre, die Schuldigen festzustellen, so wäre dies viel besser. , als sich auf Klatsch und böswillige Behauptungen zu stützen. In einer zweite« Anfrago wies der Abgeordnete Har die darauf hin, daß in Palästina arabische Angehörige der Pfadfinderbewegung in Uniform öffentlich zu Gewaltakten gegen die Juden in den Städten und Dörfern aufreizen dürfen und daß Regierungsbeamte, die dem Erziehungsdepartement der Palästinaregierung zugeteilt sind, führende Stellungen in den Pfadfinderverbänden einnehmen. Der Abgeordnete fragte den Minister, welche Sobritte er zu tun gedenke, um zu verhindern, daß die Pfadfmderbewegung zu ungesetzlichen Handlungen mißbraucht wiiind. Der Kolonienimiinister antwortete, es sei ihm bekannt, daß in Palästina eine Bewegung zur Förderung politischer Ziele durch unautorisierte Jngenidorgtaniiisatianen besteht?-«Dietse Organisationen hätten jedoch mäabbs mit -der Baden-Powell-Pfadf in-d e r v e r ei niig u ng au tun, in der der Leiter des Eraiehiungsiwasenis als Kommissar für die Pfadfinder in Palästina fungiert. Die Frage der Kontrolle inoffizieller Scout-Bewegungen wende vom High Commissioner bereits erwogen. Die Zahl der Verhafteten Major Proctor fragte den Kolonienrndnißter, ob er die Gesamtzahl der während des letzten A-ufrahrs in Palästina diurdhgefführten Verhaftungen mitteiilen könne. Der Minister antwortete, der High Commissioner habe berichtet, daß die Zahl der Verhaftungen über 600 betrage. Die Verhafteten seien in ihrer überwiegenden Mehrzahl Araber. Der Abgeordnete Rankin fragte, wieviele Auswanderer 'in den letzten fünf Jahren aus England nach Palästilna gegangen seien und welche Maßnahmen das Ministerium für die Kolonien getroffen habe, um sächerzu st eilen, d-aß ein angemessener Teil der jüdischen Palästinaein Wanderer englischer Herkunft sei. Minister Thomas gab folgende Ziffern bekannt: Jüdische PalastLmeinwaniderung aus England zählte man: 1931: 457, 1932: 443, 1933: 623, 1934: 817 uhd 1935: 702. Die Zulassungsbedingungen des palästinensischen Einwandenungsgesetzes machen keine Unterscheidung zwischen Einwanderern verschiedener Staahsiamgehörigkeitr Die Auffassung des Vatikans Rom, 17. Mai. (JTA.) Die vatikanischen Kreise verfolgen mit großer Aufmerksamkeit die Ereignisse in Palästina; in diesen Kreisen wird es im allgemeinen als peinlich empfunden, daß das Heilige Land wieder einmal der Schauplatz von Unruhen und Blutvergießen ist. Die katholische Presse berichtet sehr ausführlich und objektiv über die Ereignisse. „Osservatore Romano“, das offizielle Organ des Vatikan, nennt die Forderung der Araber nach Einstellung der jüdischen Einwanderung eine Attacke auf die „Magna Charta des Zionismus, die Balfour-Deklaration“ und einen Versuch, „die Bewegung für Wiederaufleben des jüdischen Volkes um die Berge von Zion zu ersticken“. Der Artikel schließt: „Entweder die Araber legen die Gewehre hin und ergeben sich in ihr Schicksal, oder es entbrennt wieder der Kampf mit seinen blutigen Ungeheuerlichkeiten. Wir hoffen, daß sich Massakers, wie sie 1929 vorgekommen waren, auch nicht in beschränktem Maße wiederholen.“ «1 P 4'! Um die Pneus vor dm durch arabische Streikagenten ausgestreuten Nägel zu schützen, be- Oesterreich auf der Tel-Aviver Messe Am 13. Mai fand auf dem Me&segclände von Tel-Aviv die feierliche Eröffnung der österreichischen Kollektivausstellung durch Generalkonsul Dr. J orda statt. Außer diesem sprachen Mobei noc-h namens der außtro-palästincnsiißchen Handelskammer von Tel-Aviv Präsident Pinkas, namens der Messeleitung Konsul Tolkowski und der Bürgermeister von Tel-Aviv, Konsul Meir Dizengoff u. a. m. Seitens der Palästinaregierung und der Spitzen der englischen Behörden waren zahlreiche Begrüßungskundgobungem eingelangt. Die österreichische Abteilung, die zum enstenmal eine offizielle Beteiligung der österreichischen Regierung auf der Messe von Tel-Aviv darstellt, ist im selben Pavillon wie vor zwei Jahren untergebracht und enthält Ausstellungen von Klavieren, Radioapparaten, Nähmaschinen, Personenaufzügen, medizinischen und pharmazeutischen Artikeln, Maschinenglas, Küchengeräten, Knöpfen und Schnallen, Füllfedern und Rasierklingen. Besonderen Anklang fand eine repräsentative Ausstellung der österreichischem Fremdenverkehrsw-erbung. Freud-Feier an der Hebräischen Universität Jerusalem, 12. Mai. (JTA.) An der Hebräischen Universität fand am 80. Geburtstag Sigmund Freuds eine Festveranstaltung statt. Prof. M. Wulf würdigte in einer Festrede die Schöpfungen des großem Gelehrten. . Sigmund Freud an das Jiddische Wissenschaftliche Institut Wilna, 12. Mai. (JTA.) Das Wdlnaer Jiddische Wissenschaftliche Institut hielt aus Anlaß des 80. Geburtstages vom Prof. Sigmund Freud, der dem Ehirenkturatorium des Institutes angehört, eine Festsitzung ab, in der Dr. M. Weinredoh die Festrede hielt. Am gleichen Tage erschien Freuds grundlegendes Werk „Vorlesungen, zur Einführung im die Psychoanalyse“ in der jiddischen Übersetzung von Dr. M. Weinredoh. Aus diesem Anlaß schrieb .Sigmund Freud an das Institut unter anderem: „Ihre Mitteilung, daß meine »Vorlesungen* in jiddischer Übersetzung erscheinen, hat mir viel Freude gemacht. Den mir übermittelten ersten Bogem habe ich mit großem Respekt in die Hand genommen; schade, daß ich damit nichts weiter anznfangen wußte. Ate ich noch selbst Schüler war, gab ich nicht acht auf die Kultivierung der nationalen Tradition, ich lernte weder hebräisch noch jiddisch lesen. Heute verdrießt mich das sehr. Trotz alledem, ein guter Jude bin ich bis heute geblieben, wenn auch, wie Sie sicherlich wissen, kein gläubiger Jude.“ 6 TAGE im bestbekannten, jüdischen Restaurant David Schey, Baden, Annag.23 Vom 27. Mai bis inkl 1. Juni 1936 über msntr und PFINGSTEN Pension inkl. Zimmer S 51.— In Anbetracht der großen Nachfrage VOR¬ ANMELDUNG ERWÜNSCHT/ Gute Küche, schöne Speiselokalitäten, aufmerksame Bedienung. Telephon 319 Sigmund Freud als Jude In der Vorrede zur hebräischen Ausgabe seines Werkes „Totem und Tabu“ (Verlag Stybel, Jerusalem) schreibt Professor Freud: „Keiner der Leser dieses Buchos wird sich so leicht in die Gefühlslage des Autors versetzen können, der die heilige Sprache nicht versteht, der väterlichen Religion — wie jeder anderem — völlig entfremdet ist, an nationalistischem Ideen nicht teilnehmen kann und doch die Zugehörigkeit zu seinem Volke nie verleugnet hat, seine Eigenart als jüdisch empfindet und sie nicht anders wünscht. Fragte man ihn, was ist an dir noch jüdisch, wenn du all diese Gemeinsamkeiten mit deinen Volkgenossen aufgegeben hast?, so würde er antworten: Noch sehr viel, wahrscheinlich die Hauptsache. Aber dieses Wesentliche könnte er gegenwärtig nicht in klare V. orte fassen. Es wird sicherlich später einmal wissenschaftlicher Einsicht zugänglich sein. Für einen solchen Autor ist es also ein Erlebnis ganz besonderer Art, wenn sein Buch in die hebräische Sprache übertragen und Lesern in die Hand gegeben wird, denen dies historische Idiom eino lobende »Ztungs“ bedeutet, Buch, überdies, das (Photo: Ben-gayriel.) Ein jüdischer Lederhändler wurde, als er seht Geschäft in der Altstadt öffnen wollte, von einem vorübergehenden Araber mit einem Stock schwer verwundet. Ein englischer Pozist führt die Verwundeten ins Hadassa-Spital. den Ursprung von Religion und Sittlichkeit behandelt, aber keinen jüdischen Standpunkt kennt, keine Einschränkung zugunsten des Judentums macht. Aber der Autor hofft, sich mit seinen Lesern in der Überzeugung zu treffen, daß die voramssetzungslose Wissenschaft dem Geist des neuen Judentums nicht fremd bleiben kann. Pensions-Uebernahme Ich gebe hiemit bekannt, daß ich die seit 20 Jahren bestehende bestrenommierte Pension Rosenberger, Bad Vöslau, Reiterstraße 11, in eigene Regie übernommen habe und unter dem Namen Pension Tauber rituell führen werde. — Pensionspreise nach Übereinkommen. (Für längeren Aufenthalt ermäßigt). Auskünfte: Birkenfeld, Wien, II., Schiffamtsgasse 17 (A 49-7-37). Von Vsl bis 3 Uhr nm. Das Phönix-Defizit in Palästina Von wohlinformierter Seite werden wir aufmerksam gemacht, daß die in unserer vorigen Nummer gebrachten, aus der „Basler Nationalzeitung“ übernommenen Daten über das Defizit der Lebensversicherungs-Gesellschaft Phönix, Landesdirektion Palästina, „wonach von der Prämienreserve pro 1.6 Millionen Pfund nur 16.000 Pfund noch vorhanden seien“, nicht zutreffen. Wenn zunächst die sogenannten „Emigrantenpolizzen“ außer Betracht bleiben, beläuft sich die Summe der seit Bestand der Palästinensischen Phönix-Filiale abgeschlossenen, noch aufrechten Polizzen auf LP. 820.000 und die entsprechende Netto-Prämienreserve (das heißt die nach dem strengsten Maßstab erforderliche Deckung auf höchstens LP. 150.000. Demgegenüber beträgt die vorhandene Deckung über LP. 60.000, wovon LP. 33.000 Polizzendarlehen. Zuobiger Versicherungssumme pro LP. 820.000 kommt aus den durch den Phönix in Europa mit jüdischen Emigranten aus Deutschland abgeschlossenen Polizzen eine gewisse, auf palästinensische Währung fällig ge* stellte Quote, höchstens LP. 100.000, hinzuzurechnen. Das österreichische Bundesgesetz Nr. 107. vom 8. April d. J., hat die Honorierung aller Emigrantenpolizzen, also auch der in Österreich abgeschlossenen, bekanntlich abgelehnt, Der Tod Sokolows Das Zionistische Landeskomitee hat sofort nach dem Einlangen vom Tode Sokolows zum Zeichen der Trauer die Schließung des Büros angeordnet. Auch in den Büros der Fonds und des Palästina-Amtes ruhte die Arbeit. In den Sektionen wurden alle Festlichkeiten abgesagt. Nach der Beerdigung Sokolows wird eine offizielle Trauerkundgebung stattfinden. Das Zionistische Landeskomitee hat der Familie Sokolows und die Exekutive Beileidskundgebungen übermittelt. (luiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiniiiiiiiiiimu Für die Jungen und Mädels unserer Leser daß bestempfohlene Ferieuhoim Allentsteig, F.-J.-B. Den Kindern steht eigener Wald, Bad, Tennisplatz offene und gedeckte Hallen, Nachhilfeunterricht usw. zur -Verfügung. Preise äußerst mäßig, Verpflegung reichlich und orstktaig,..Äafsa&Äü Tal, u 22-9-S2,