Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 549 (19.5.1936)
- Date
- 1936-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 OIE STIMME B49 — 19. Mai 1936 Sonntag-Sonder- CseCIt. Alfa, ZellUnfl fahrtcn mit der lllllllllllliilllinilllllllllinniflltllllinillllllllüllinillllül „.c Polen u„. Czernowitz Abfahrten 24. Mai und 7. Juni 1936 Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Marienbrtlcke“, WIEN,!., Rotanturmstr. 26 Telephon R 24 - 2 - 86/87 gierte. Während dieser Zeit veröffentlichte er eine Reihe von hebräischen Schriften, Jahrbüchern ußw. Seit 1896 war Sokolow zugleich Chefredakteur des polnischen .Wochenblattes „Izraelita“ in Warschau. Nach dem Auftreten Dr. Herzls zunächst ein Gegner des politischen Zionismus, wurde Sokolow nach dem ersten Zionistenkongreß bekehrt. Als die „Hazefirah“ für einige Jahre das Erscheinen einstellen mußte, verbrachte Sokolow diese Jahre im Deutschen Reiche und war MitredakteuT der ,,W e 11“ und des „Haolam“ in Berlin; 1910 kehrte er nach Warschau zurück und übernahm wiederum die Redaktion der „Hazefirah“. Wegen eines politischen Artikels wurde Sokolow von der russischen Regierung verfolgt und mußte ins Ausland gehen. Er nahm zunächst die Stelle eines Generalsekretärs der Zionistischen Weltorganisation an, wurde später ins zionistische Aktionskomitee (Exekutive) gewählt und verblieb in Berlin. Bei Ausbruch des Weltkrieges verließ er Deutschland, kam nach Kopenhagen, Haag, Paris, und schließlich nach London, wo er an den letztem Phasen der Batteur-Deklaration mitwirkte. Nach Kriegsende trat Sokolow an die Spitze des „Komitees der jüdischen Delegationen“ in Paris, nahm an der Formulierung der M i n d e r h e i t e n r e c h t e in den Friedensverträgen, später an dem Zustandekommen des Paläs tinamandates teil und wurde 1931 zum Präsidenten der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation gewählt, welche Wahl 1923, 1925 und 1927 wiederholt wurde. Nachdem Dr. W e i zmann im Oktober 1930 seinen Rücktritt erklärt hatte, wurde dann Sokolow im Juli 1931 auf dem Zionistenkongreß in Basel zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation gewählt und ist seither in dieser leitenden Stellung geblieben. Sokolows Reden in der zionistischen Öffentlichkeit und auf den Kongressen haben wir adle in der Erinnerung. Eine Meisterschaft des Wortes, das er in fast einem Dutzend Sprachen bis zur Vollendung beherrschte, eine elegante Diktion, die stets in geistreicher, nie verletzender Form sich geltend machte, war ihm eigen. Stolz und Selbsfcbewußtsein vertrat er vor dem allmächtigen Rat der Fünf nach dem Weltkrieg den Anspruch des jüdischen Volkes auf das Recht einer jeden Nation. Er war einer der wenigen guten Europäer, die von der hohen Warte einer universalen Bildung, von dem Standpunkt umfassender Humanität an die Dinge herantreten. Höchste und feinste Kultur war ihm eigen und wir fühlen in diesen ernsten Tagen, daß ein Großer, ein Mann von Geist und Herz von uns gegangen ist . . , MÖBEL-WINTER «, 5, Wien, VIII., Stadtbahnviadukt 23 bei LerdienfelderstraBe Telephon: A 21-5-31 Ein unhaltbarer Zustand Der Luzeroer Zionistenkongreß bat beschlossen, das Organisation&depaTtement der Zionistischen Weltorganisation von London nach Jerusalem zu verlegen. Der diesbezügliche An trag wurde leider im Zuge der Abstimmungen zu wenig beachtet und erst na oh dem Kongreß erhoben sich Stimmen der Kritik. Insbesondere Adolf Böhm hatte darauf hingewiesen, daß die Verlegung des Organisationsdepartements nach Jerusalem durchaus nicht am Platze ist. Wie sehr Adolf Böhm und die anderen Kritiker recht hatten, ergibt sich aus dem derzeitigen Zustand des Londoner Büros. Nach der Übersiedlung des Organisationsdopartementß befindet eich kein Mitglied der Zionistischen Exekutive in London. Präsident W e i z m a n n hält sich den größten Teil des Jahres in Jerusalem auf. Profe-s-or Brodetzky wohnt nicht in London, sondern in Leeds, wo er an der Universität eine Professor für Mathematik innehat, und kommt nur in jeder Woche auf 1 oder 2 Tage nach London. Sonst befindet sich in London nur noch Reverend P e r 1 z w c i g, der seit dem Kongreß sozusagen die Stelle des Untor Staatssekretärs bekleidet. Prof. B r o d o t z k y ist nun unmittelbar vor Beginn dor Unruhen nach Südafrika gefahren, um dort bei einer Keren Hajes- &o(|kampague mitzu wirken. Das Londoner Büro ist daher von führenden Männern gerade in einer Zeit entblößt, wo infolge der Unruhen in Palästina ein täglicher Kontakt mit dem Kolonialministerium stattfinden muß und wo täglich nachdrückliche Interventionen notwendig sind. Jüdische Abordnung Jerusalem, 14. Mai. (Palcor.) Der Oberkommissär empfing heute mittags eine jüdische Abordnung, bestehend aus dem Präsidenten des Waad Leumi, Ben Z w i, Bürgermeister Dizengoff, Vizebürgermeister R o k e a c-h,. Rabbiner Blau, Rabbiner Uziel, Butkowsky, Zuohowitzky und Zisling. Nach Vorstellung der Delegation durch Ben Zwi eröffnet« Dizengoff die Verhandlung. Er hob hervor, der Jishuv habe das Gefühl, als ob die Regierung die Lage nicht beherrsche. Unter Hinweis auf die Selbstbeherrschung und die Geduld des Jisohuv erklärte er: „In Tel-Aviv leben 150.000 Juden, in Jaffa 40.000 Araber; es ist leicht vorstellbar, was geschehen würde ohne jüdische Selbstbeherrschung.“ Dizengoff forderte enerigsohe Maßnahmen zum Schutz der Landstraßen, Wiedereröffnung des Jaffaer Hafens und gesonderte Regierungßämter für Tel-Aviv. Nach ihm sprach Zisling, der betonte, daß die Regierung nicht die nötigen Maßnahmen treffe zur Unterdrückung von Unruhen, was die Herrschaft von Terrorlstenbanden auch über Araber ermöglicht, deren überwiegende Mehrheit Frieden wünscht. Zisling forderte die Ermöglichung von Selbstschutz für den Jisohuv sowie Entschädigung für den a n g e- Bei alter Würdigung der Pflichttreue der im Londoner Büro tätigen Personen ergibt sich daher die unbedingte Notwendigkeit, den früheren Zustand wieder herzustellen, wonach zumindest ein Mitglied der Zionistischen Exekutive ständig in London weilt. Das A. C. sollte bei seiner nächsten Sitzung die hiezu nötigen Beschlüsse fassen. beim Oberkommissär richteten Schaden. Er hob hervor, daß jede Konzession der Regierung gegenüber den Arabern als Belohnung für P ö b e 11 u m aufgefaßt werde. Rabbiner Blau schloß sich den Ausführungen an und wies besonders auf die letzten Morde in Jerusalem hin; da die Regierung die Lage nicht beherrsche, dauern die Unruhen nun schon seit vier Wochen an. Wauohope erwiderte, er habe volle Sympathien für den angegriffenen jüdischen Jischuw, der viele Mensohenverluste und großen materiellen Schaden erlitten habe. Er schätze die vom Jischuw bewiesene Selbstbeherrschung gegenüber Provokationen. Die Regierung sei nicht gewillt, Verbrechen zu dulden, es bestände nur die Schwierigkeit, die Verbrechen zu entdecken, welche unter dem Schutze der Dunkelheit begangen werden. Aus Erfahrung in anderen Ländern wisse er, wie schwer es für dem angegriffenen Teil sei, der Polizei Vertrauen zu schenken, welche alles tut, um Verbrechen zu verhindern. Zum Schluß der Unterredung erklärte Ben Zwi; die Delegation sei mit dieser Antwort nicht zufrieden und ginge mit dem Gefühl der Unsicherheit. Der Terror in Jaffa Jerusalem, 14. Mai. (JTA.) In Jaffa, wo eben enst die Kundgebung arabischer Jugendlicher einen blutigen Ausgang nahm, indem fünf Schüler bei einem Zusammenstoß mit der Polizei Schußverletzungen erhielten, veranstalteten 6000 Araber neuerdings eine lärmende Straßenkundgebung, bei der Rufe „Tötet die Juden!“ ausgestoßen wurden. Es dauerte eine halbe Stunde, bis es der Polizei gelang, die Menge zu zerstreuen. Gegen die jüdische Wirkwarenfabrik „Gerew“ in einer Jaffaer Vorstadt wurde ein Bombenanschlag verübt. In Haifa wurde die Wohnung des jüdischen Vizebürgermeistere S h a «b ib o t a y L e v y in Brand gesteckt, das Feuer wurde jedoch rechtzeitig gelöscht. Die Bombe, die am Tage vorher gegen das Haus des Haifaer Bürgermeisters Hassan Sohukri geschleudert wurde, war von ungeheurer Explosivkraft; nur dem Umstand, daß niemand im Hause war, ist es zu danken, daß keine Menschenopfer zu beklagen waren. Das Haus wurde zum Teil zerstört. Der Ddstriktsgouvorneur und die Mitglieder des Stadtrates von Haifa begrüßten Hassan Sohukri demonstrativ zu seiner Rettung aus schwerer Gefahr. Araber versuchten, die Bewegungen der zur Aufreohterhaltung der Ordnung herangezogenen militärischen Kräfte in Palästina dadurch zu störon, dlaß sie die Eisenbahntelephonlinien zwischen Jerusalem, Lydda und Haifa unterbrachen und die Koppeln von Lastwagen, mit denen Truppen nach Haifa befördert wurden, abrissen. Die Eisenbahn Verwaltung verfügte die Einstellung des Fraohtverkehrs TgcKAjWfrA Mktbei ScftSfc TU wJwwwiwwS &U&J+t±*l während der Nacht. Eine Überprüfung der Strecken an jedem Morgen vor der Aufnahme des Personenverkehrs wurde angeoTdnet. Der Ausnahmezustand Dio Stadt äst in stärkster Erregung. Araber versuchten in die Gartenvorstadt Afcarot einzudringon, wurden aber von der Polizei vertrieben. In den inneren Stadtbezirken patrouillieren Panzerautos mit Polizei und Militär. Der Generalinspektor der palästinensischen Polizei, Oberst S p i c e r, ist in einem Automobil dauernd in der Stadt unterwegs, um die Sicherheitsvorkehrungen zu überwachen. Der am Mittwoch in der Altstadt verkündete A u snahmszustand ist nun auch auf die Neustadt, aber nicht auf die neuen vorstädtisohen Viertel, ausgedehnt worden. In der Altstadt ist die Mehrzahl der jüdischen Läden geschlossen, auch in dor Neustadt 1 iaben zahlreiche Juden ihre Läden aus Furcht vor überfüllen geschlossen. In der Mamilastraße in Jerusalem wurde der Jude David Horowitz von Arabern angegriffen und erheblich verletzt. Er wurde in das Hadassa- Krankenhaus überführt. Beim Damaskus- Tor in Jerusalem wurde ein arabisches Auto von Streikposten in Brand gesteckt. Ein in jüdischen Diensten stehender arabischer Wächter wurde bei Moza, in der Nähe von Jerusalem, von arabischen Streikposten erschossen, weil er sich weigerte, dlic Arbeit medoradegen. In Jerusalem wurde ein Araber, der in einem jüdischen Laden Schuhe gekauft hatte, durch Mcsserstichte schwer verletzt. Vielfach erwartet man, daß der B e 1 agerungszustand in ganz Palästina verhängt werden wird. Die Lage äußerst ernst Jerusalem, 18. Mai (Tol.-Comp.). Während die jüdischen Kreise in Palästina gegen die Mandatsregierung Klage führen, weil sie ihnen nicht genügenden Schutz gegen die Araber gewähre, hat der Führer der arabischen Streikbewegung, der bekannte Anwalt Hassan Dajani, einen Aufruf erlassen, der erklärt, daß die Araber keinen Schritt zurück weichen würden. Die arabische Bewegung lasse sich nicht unterdrücken. Der Streik werde trotz aller Gegenmaßnahmen weitergeführt. Die Araber sehen keinen Unterschied, ob Abessinien durch Italien erobert wurde und ob die Juden den Schutz des englischen Imperiums genießen. In englischen Kreisen wird die Lage als äußerst ernst bezeichnet. Es wird gleichzeitig betont, daß die Mandatsregierung nicht daran denke, vor den arabischen Forderungen zurückzuweichen. Voraussichtlich werden bereits anfangs dieser Woche die neuen jüdischen Einwanderungsquoten für die nächsten sechs Monate bekanntgegeben werden. Wie im vergangenen Halbjahr sollen auch in diesem Zeitraum etwa 4000 unbemittelte Juden Elnwanderungs- und Arbeitserlaubnis erhalten. Stille Bestattung der Jerusalemer Jüdischen OpSer Jerusalem, 17. Mai. (JTA.) Die Bestattung der in der Jerusalemer Altstadt von Arabern ermordeten Reuben K1 a p h o 1 z und Alter Cohen geschah auf Anordnung der Polizei in aller Stille. Der 46jährige Klapholz, Kaufmann und Vater von sieben Kindern, hat eine tödliche Kugel in den Kopf erhalten. Die Polizei verhaftete den Juden Schalom Frankent b a 1, gegen den ein Araber die Beschuldigung erhoben hat, daß er aus einem Revolver Schüsse abgegeben hat. Obwohl bei Frankenthal keine Waffe gefunden wurde, wird die Haft aufrechterhalten, sogar das Angebot einer Kaution von 1000 Pfund zwecks vorläufiger Enthaftung Frankenthals wurde abgclehnf mit dem Hinweis, daß es sich um einen Mordversuch handle. REGEN-MSNTEL „ALPHA11 I ADLERGASSE 8 Arabischer Steuerstreik proklamiert Jerusalem, 17. Mai (I. T. A.). Das Oberste Arabische Streikkomitee liat am 14. Mai, abends, den Beginn des Steuerstreiks im ganzen Lande, vom 15. Mai angefangen, proklamiert, da an diesem Tage das Ultimatum an die Regierung betreffend Einstellung der jüdischen Einwanderung und des Bodenverkaufes an Juden sowie Einsetzung einer nationalen Regierung abläuft. Als erste Stadt hat Bethlehem der Gehorsamsverweigerungsparole des Obersten Arabischen Streikkomitees Folge geleistet und die Zahlung der Steuern verweigert. Von zuverlässiger Seite wird berichtet, daß der Oberkommissär folgende Alternativvorschläge unter der Bedingung des Abbruches des Streikes gemacht hat: Eine neue E i nwanderungsschedule wird nicht veröffentlicht, bevor nicht eine arabische Delegation in London verhandelt haben wird. 2. Sollte eine Delegation nicht nach London abgehen, dann werde eine englische Parlamentskommission nach Palästina entsandt werden, um die Beschwerden der Araber entgegenzunehmen. 3. Eine g emischte arablsch-eiiglischjüdische Kommission zur Festsetzung der Aufnahmefähigkeit des Landes soll gebildet werden. Hierzu wird weiter gemeldet, daß das Oberste Arabische Streikkomitee noch am Abend eine Antwort erteilt hat. Dem ersten Vorschlag wird ein striktes Nein entgegengesetzt und auf unbedingter vollständiger Einstellung der jüdischen Einwanderung bestanden. Auf die beiden anderen Vorschläge will das Komitee in den nächsten Tagen antworten. Amtlich wird bekanntgegeben, daß High Commission er Sir Arthur Wauchope Panzerwagen und Tanks in Ramleh und Sarar fand sowie die neu angekommonen Truppen inspiziert hat. ln Haifa und Akko hat der Großmufti von Jerusalem Hetzreden gegon die Juden gehalten, in denen er diese beschuldigte, Araber ermordet zu haben. In dem Organ des Großmufti, der Tageszeitung- „El Liwaa“, wird ein Aufruf an die, ehemaligen arabischen Soidas t e n veröffentlicht, in dem diese aufgefordert werden, sich innerhalb einer Woche zwecks Einberufung einer Kriege r v o r s ammI u ng in Ramleh zd melden. In einem amtlichen Communiquö wird mitgeteilt, daß ein jüdischer Autobus in Rechowot von Arabern mit Steinen beworfen wurde; in Ramleh gaben Araber Schüsse auf einen jüdischen Autobus ab; in TuL karem explodierte eine Bombe vor dem. Hause dos Dißtrikbkomima'ssare. Dio arabischen Mitglieder der J e r u s ah lemer Handelskammer traten ans derselben aus. Diese Institution war zuletzt die einzige, in der Juden und Araber zusammengearbeitet hatten. Bei der Bombardierung eines Zuges in: der Nähe von Tulkarem mit Steinen durch. Araber wurden drei Juden, unter ihnen ein. Amerikaner, verletzt. In einem jüdischen Hain bei Hedera wurden 700 Bäume ausgor rodet. Der jüdische Chauffeur Aaron Gardji, der zufällig an einem Magazin in Jerusalem v rbeiging, wo eine Bombe explodierte, wurde verhaftet. Der Italienische Konsul in Jerusalem vor-, sandte eine Mitteilung an dio palästinensische Prosse, in der den Behauptungon, daß italienische Agenten eine Rolle boi don jetzigen Unruhen spielen, entgegenge treten wird. Füri unsere fieser, nur: ißt '.. Vortrag ProS. Dr. Fischet Rotenstreich Das Mitglied der Zionistischen Exekutive Professor Dr. Fischei Rotenstreich wird in Wien einen Vortrag halten. Thema und Tag des Vortrages werden noch bekanntgegeben. Uber JeJnida Leib Landau, der vor kurz ent seinen siebzigsten Geburtstag 'feierte, ersebiooi in der „Stimme“ am H. Mai eine Notiz. Hfl Voriassor war Ohajm B loch, 1